Iwata spricht über Nintendos Strategie - Spiele bleiben Fokus, Erweiterung der Definition

Von Tim Herrmann am 24. Februar 2015

Wie üblich hat Nintendo heute die offizielle Übersetzung des Protokolls seiner Fragestunde anlässlich der letzten Investoren- und Analystenkonferenz in der vergangenen Woche veröffentlicht. In seinen langen Antworten auf sechs Fragen der Share- und Stakeholder vermittelte Nintendo-Präsident Satoru Iwata nichts Neues, unterstrich aber einige Aspekte der mittelfristigen Strategie, die einen Ausblick auf kommende Entscheidungen und Aktivitäten erlauben.

Ziel sei es, bis zum Ende des Geschäftsjahres 2016 / 2017, wieder zu Nintendo-typischen Gewinnen zurückzukehren. Bis dahin will man sein klassisches Videospielkerngeschäft wieder auf Kurs gebracht und erste Gewinne aus dem neuen QOL-Business generiert haben. Im Rahmen von QOL will Nintendo ab nächstem Jahr Hardware abseits des Videospielgeschäfts verkaufen und damit zunächst die Gesundheit der Nutzer verbessern. Außerdem sollen die hauseigenen Marken wie Mario, Zelda oder Donkey Kong weiter in jeder Form vermarktet werden und die amiibo-Plattform soll noch profitabler werden.

Die Ausweitung des Geschäfts abseits klassischer Hardware- und Software-Verkäufe will Iwata QOL aber weiterhin nicht als Abkehr von Videospielen verstanden wissen: Viel mehr setze man auf Synergieeffekte zwischen zum Beispiel einem höheren Engagement auf Smart Devices, der Charakter-Vermarktung und dem Games-Business.

Übergreifend führt Iwata weiterhin die "Erweiterung der spielenden Bevölkerung" als Vision Nintendos an. Man habe im letzten Jahr aber eine Erweiterung der Definition des Begriffs "Unterhaltung" vorgenommen, die sich in den kommenden Jahren in Nintendos Produkten widerspiegeln soll. Unterhaltung habe demnach zum obersten Ziel, die Lebensqualität ihrer Nutzer zu verbessern - also die "Quality of Life". Um dieses Ziel zu erreichen, müsse sich Nintendo weiterhin selbstkritisch hinterfragen, nicht nur im neuen QOL-Department. Entwickler sollen sich fragen, ob ihre Produkte den Geschmack der Kunden treffen, Marketer über die Vermarktung der Produkte nachdenken. Gemeinsam müsse Nintendo Produkte herstellen, die nicht nur bei Kritikern und Kunden ankommen, sondern auch neue Spieler von Nintendo überzeugen.

Hinweis: die Kommentarsektion ist aktuell geschlossen.

8 Kommentare:


Buttergebäck
vor 6 Jahren | 0
"Entwickler sollen sich fragen, ob ihre Produkte den Geschmack der Kunden treffen"

Diese Aufforderung löst bei mir ein wenig Besorgnis aus. Durch so eine Philosophie kommen dann eben Spiele nach Art eines Call-of-Duty zustande, die zwar kommerziell extrem erfolgreich sind, mit qualitativ hochwertigen Videospielen aber rein gar nichts zu tun haben. Ich glaube, Spiele in Nintendo-würdiger Qualität können nur entstehen, wenn Entwickler sich die Freiheit nehmen, radikal das zu machen, worauf sie Lust haben.
Jedes große Hauptserien-Zelda der letzten 15 Jahre hat irgendein wesentliches Spielelement, mit dem die Macher ein Risiko eingegangen sind: Der Zeitfaktor bei MM, die Seefahrt bei WW, die Schattenwelt und die Wolfsverwandlungen bei TP und die Wii-Motion-Plus-Schwertsteuerung bei SS. Das hätte es alles nicht geben können, wenn man versucht hätte, ein Spiel im Sinne der Kunden zu entwickeln.

Vielleicht sehe ich das auch alles ein bisschen zu streng... Aber das lag mir jetzt wirklich mal auf dem Herzen.

wal
vor 6 Jahren | 0
Soweit nichts neues. Als Investor muss doch mal jemand nachgefragt haben, inwieweit auch von Nintendo mit 3D Brillen zu rechnen ist. Immerhin waren sie die ersten mit dem Virtual Boy und dem 3 DS. Wer aktuell mal eine 3 D Brille a la Oculus Rift getestet hat, dem sollte eines klar sein: Ende 2015 werden die Brillen marktreif. Sowohl Auflösung als auch Head Tracking in Verbindung mit geringen Latenzzeiten werden diese Brillen sehr schnell insbesondere auf dem Gamer Markt etablieren. Ich persönlich rechne sogar mit viel mehr. Nintemdo müsste im Gaming Bereich alleine schon richtig was vorzeigen um da nicht abghängt zu werden. Sony, Microsoft und Facebook (Oculus) stehen in den Startlöchern mir ihren brillen.... Was auch immer QOL wird, die bisherige Ankündigung einer Schlafüberwachunshardware interessiert uns hier hier vermutlich nicht die Bohne. Sollte Nintendo damit aber Erfolg haben, haben sie hoffentlich genug Kohle, um weiterhin Videospiele für Feinschmecker zu machen. Dann soll es mir recht sein.

DarkFighter
vor 6 Jahren | 0
"Außerdem sollen die hauseigenen Marken wie Mario, Zelda oder Donkey Kong weiter in jeder Form vermarktet werden und die amiibo-Plattform soll noch profitabler werden."

Boah da bekomm ich echt das KOTZEN wenn ich soetwas lesen muss. Die Übersetzung für mich ist ganz einfach: "schlachten wie die bekannten Marken bis zum geht nicht mehr aus".

Tatze
vor 6 Jahren | 0
@wal
Marktreif vlt aber wie hoch ist letztlich die Anzahl der Nutzer dieser Brillen? Ich glaube nur ein sehr geringer Teil wird diese Technik überhaupt annehmen.

Zum Topic: Ich erwarte nix. Ist die einfachste Variante mit dem Thema umzugehen :p

wal
vor 6 Jahren | 0
@Tatze: Ich hab nicht umsonst geschrieben "wer so eine Brille mal getestet hat...". Mach das mal ! Alle, die ich gesprochen habe stimmen zu, dass sich das Erlebnis schlagartig einstellt, weil dargestellte Gegenstände plötzlich Präsenz bekommen, sie werden quasi "echt". Das muss man erlebt haben, darüber kann man nicht nur reden. Es ist zwar nur meine bescheidene Meinung, aber ich bin sicher, dass diese Brillen gesellschaftsverändernde Wirkung haben werden, in spätestens 2 Jahren beschäftigen sich alle damit. Nintendo (Miyamoto) sagte vor einiger Zeit im Interview, dass sie natürlich sehr genau gucken, was im 3D Bereich passiert, der Schwerpunkt bei der WiiU aber darauf gelegt wurde, dass nicht das Einzelspielererlebnis im Vordergrund steht, sondern der Fernseher der Mittelpunkt im Wohnzimmer ist und das Multispielererlebnis hervorgehoben werden soll. Das finde ich aller Ehren wert und habe das immer gemocht und werde es auch sicher in Zukunft schätzen. Mit Freunden Mariokart oder mit Familie Marioparty o.ä. ist unschlagbar gut. Dennoch bin ich sicher, dass Nintendo in den nächsten Jahren die Weichen richtig stellen muss.
Sascha Lobo hat gerade heute im SPON einen Artikel über die Autoindustrie geschrieben (http://www.spiegel.de/netzwelt/web/sascha-lobo-ueber-vernetzte-autos-google-und-apple-a-1020417.html) , da geht´s um vernetzte Autos. Das passt ein wenig auch auf Nintendo´s Situation, er hat den schönen Satz gesagt : "In der Technologiegeschichte ist eher die Regel als die Ausnahme, dass Erfolg den Blick auf Marktumwälzungen verstellt."
Das übertrage ich mal auf Nintendo. Noch haben Sie (relativ großen) Erfolg, vor allem mit dem 3DS. Bei dem ist die 3D Eigenschaft jedoch nicht so entscheidend, weil zwar eine räumliche Darstellung geschaffen wird, nicht jedoch eine echte virtuelle Realität, daher wird die Funktion ja zum Teil auch belächelt und garnicht genutzt. Die WiiU wird sich mit den Titeln in diesem Jahr, allen voran Zelda vielleicht sogar mehr als nur über Wasser halten. Mit den Brillen von Sony, Oculus und Microsoft wird jedoch ganz schnell ein Massenmarkt mit völlig neuen Möglichkeiten geschaffen.

wal
vor 6 Jahren | 0
.... Es gibt vielversprechende Ansätze für Anwendungsmöglichkeiten, die weit über herkömmliche Spiele hinaus gehen. Dass Nintendo Fehleinschätzungen beherrscht, haben sie in der Vergangenheit mit aller Regelmäßigkeit bewiesen. Wenn schon virtuelle Realitäten, dann wünsch ich mir auf jeden Fall welche von Nintendo. und 4 Spieler in einem Raum mit 4 Brillen kann ich mir in Zukunft ziemlich gut vorstellen. Hoffentlich gehen Sie nicht den Weg von Nokia.

La_Pulga
vor 6 Jahren | 0
Aber hat Nintendo denn überhaupt die richtigen Franchises um VR sinnvoll einzusetzen? Metroid Prime und Starfox sind sicherlich Spiele die davon profitieren könnten, aber Zelda und Mario? Dafür braucht man keine VR meiner Meinung nach.

Tatze
vor 6 Jahren | 0
@wal:
Immer dieses "Probier doch mal weißt du es."
Unsinn.

Wir haben nen dive Gestell mit einem HTC One 8 benutzt und darauf
verschiedene Spiele gestreamt (per fester Verbindung um die Reaktionszeit minimal zu halten). Dabei wurden alle Kopfbewegungen vom One erkannt und umgesetzt.

Gibts nen Unterschied zwischen dem und ner OR? Qualitativ natürlich.
Reicht es um zu wissen wie es ist? Klaro.

Es ist fraglich wie viele Spieler sich ne Brille dafür aufsetzen wollen.
Will ich was im Gesicht kleben haben und nix von der Umwelt mitkriegen?
Etliche Genres funktioniert das System überhaupt nicht.
Dazu noch nen Headset? Bestimmt gemütlich/ nicht jeder kann blind schreiben.
Zocken, trinken, dabei was essen. So kein Ding. Mit dem Ding im Gesicht eher leidlich.
Einigen wird davon schlecht, andere kriegen Augenprobleme
Nicht jeder Brillenträger wird wohl damit glücklich.

Nur weil das System funktioniert heißt es nicht dass die breite Masse es annimmt. Besonders der "casual" Spieler der einfach nur bequem Abends spielen will.

Ich unterschätze die Brillen nicht aber so oberflächlich ist das nicht einschätzbar. Und daran ändert sich auch nicht wenn der andere es noch nicht ausprobiert hat. :p