Indies mit Schwierigkeiten in Deutschland? - USK-Einstufung zu kostenintensiv für manche

Von Tim Herrmann am 20. Mai 2015

Das britische Magazin NintendoLife berichtet aktuell von einem anonymen Indie-Entwicklerstudio, das wirtschaftliche Hindernisse bei der Veröffentlichung von eShop-Titeln im deutschen Markt beklagt. Dem Bericht zufolge seien die Kosten für eine Einstufung der USK (Unterhaltungssoftware Selbstkontrolle), die zur Veröffentlichung neuer Software-Titel in den meisten Fällen rechtlich notwendig ist, für viele Indie-Studios zu hoch, um sie vor der Veröffentlichung aus den Entwicklungsbudgets oder aus eigener Tasche zu zahlen. Das gelte nicht nur für Hobby-Entwickler, sondern auch renommierte größere Studios.

Die Verkaufszahlen der meisten Titel im eShop seien ohnehin niedrig, beschreibt der nicht näher benannte Indie-Entwickler, der "in der Szene gut vernetzt ist und respektiert wird". Nur wenige Titel kämen im Laufe ihrer Existenz über 3.000 Verkäufe, so heißt es - eine unbefriedigende Situation. Im Lichte dieser ohnehin niedrigen Verkaufszahlen im eShop entscheiden sich dem Bericht zufolge immer mehr Entwickler dazu, ihre Spiele gar nicht mehr im deutschen eShop anzubieten. Im Rest Europas ist lediglich eine Einstufung der PEGI notwendig.

Nintendo stehe im ständigen Kontakt mit Indie-Studios und berate im Rahmen nicht-öffentlicher Treffen über Lösungen. Im Gespräch sei angeblich ein global vereinheitlichtes System zum Jugendschutz, wie es zum Beispiel Apple und Google in ihren jeweiligen Download-Stores praktizieren. Ein solches System selbst aufzubauen oder sich einem bestehenden Standard wie der IARC (International Age Rating Coalition) anzuschließen, erfordert aber nicht unerheblichen Planungsaufwand. Daher ist noch unklar, ob Nintendo seine Prozesse dahingehend umzustrukturieren plant.

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4 Kommentare:


ProG4M3r
vor 6 Jahren | 0
Meine Güte, dann macht den eShop Titel in Deutschland halt 1-2€ teurer und bei 1.000 Verkäufen ist die USK wieder (mehr als) drin!

Ich verstehe ja, dass Hobby Entwickler nicht unbedingt 1000€ für die USK haben, aber wo im Leben muss man nicht erst mal investieren um Geld zu verdienen? Ich bin weiß Gott kein Freund der USK aber im Endeffekt, wer keine ~1000€ für die USK auftreiben kann, hat wahrscheinlich auch kein all zu gutes Spiel im Angebot... bei größeren Studios ist es hingegen wohl eher eiskalte Kalkulation, mit den zu erwartenden Verkaufszahlen und den gegen gerechneten Kosten.

Darüber hinaus stellt sich mir allerdings noch die Frage, was praktizieren Sony und Microsoft (oder Valve) in ihren Stores (ernsthaft, ich achte null auf USK Ratings...)? Und reicht ein USK Rating oder muss ein Entwickler es für jede Plattform machen obwohl es unveränderte Ports sind?

Samus_Aran
vor 6 Jahren | 0
Bei Sony musst du eben 18 sein um die Stores überhaupt nutzen zu können. Das wird dadurch gewährleistet, dass du entweder mit deiner Kreditkarte zahlst oder eine Prepaid-Karte kaufst, die eine USK-18-Freigabe haben.

Ausnahme sind Download-Codes für ein Explizites Spiel. Die gibt es aber nicht zu jedem Titel zu kaufen, was wohl ebenfalls mit der USK zusammenhängt. Man kann aber z.B. eine Codekarte für Resogun kaufen, die dann USK 6 ist. Vermutlich übernimmt hier Sony die Gebühren, eben damit sie besonders beliebte Downloadtitel als Codekarte in die Läden bringen können.

ProG4M3r
vor 6 Jahren | 0
Nicht optimal, aber es gibt schlechtere Lösungen als die Verantwortung auf die Eltern abzuwälzen, hier würde dann auch eine Kennzeichnung der Titel mit dem PEGI Rating als Empfehlung für die Verantwortlichen ausreichen... und erwachsene Spieler hätten aus gründen des Jugendschutzes keine Nachteile.

Aber so ein System wird Nintendo wohl niemals übernehmen... von daher naja...

Chuckbert
vor 6 Jahren | 0
Nachdem ich zu faul bin selbst im deutschen eshop nachzuschauen wollt ich mal die Frage in die Runde werfen ob Master Reboot eigentlich mittlerweile in Deutschland erschienen ist (das Game wird diese Woche sogar bei den eshop-Preissenkungen hier auf wiiux erwähnt)? Falls nein war vermutlich auch in diesem Fall die USK-Einstufung der Grund.

Jedenfalls hab ich mir letztes Jahr extra für das Game ne österreichische Nutzer-ID angelegt, mit der man das Game problemlos herunterladen kann (sprich auch auf ner deutschen Wii U).

Dieser Kommentar soll im Übrigen keine Werbung sein, Master Reboot is wohl in vielerlei Hinsicht eher nicht jedermanns Sache.