Die Geschichte von Assassin's Creed

Von Andreas Held am 22. April 2012

Der vielleicht prominenteste Titel, der bisher für Wii U fest angekündigt ist, heißt Assassin's Creed III. Trotz der "III" im Titel des Spiels handelt es sich um den fünften Teil einer Reihe, die eine zusammenhängende Geschichte über mehrere Jahrhunderte erzählt. Ubisoft ist sich bewusst darüber, dass gerade Besitzer von Nintendo-Konsolen die Vorgänger möglicherweise nicht gespielt haben, und bewirbt den Serienableger als "ideal für Neueinsteiger". Allen Interessierten und auch denjenigen, die bei der verworrenen Hintergrundgeschichte etwas den Faden verloren haben, wollen wir in diesem Special trotzdem die Geschichte der Vorgänger etwas näher bringen.

2007: Eine Saga beginnt
Assassin's Creed beginnt damit, dass der Barkeeper Desmond Miles von Abstergo entführt und in einem Labor gefangen gehalten wird. Abstergo ist ein multinationaler Konzern, der seine ganze Macht skrupellos auf ein Ziel konzentriert, das sich Desmond erst später erschließen soll. Das Unternehmen steckt seinen Gefangenen in einen Animus. Das ist eine Maschine, die es erlaubt, die Erinnerungen der eigenen Vorfahren selbst nachzuerleben. Der fiktiven Theorie im Spiel nach werden Erinnerungen nämlich in der DNA gespeichert und über die Generationen hinweg weitervererbt. So kann Desmond im Jahr 2012 durch die Erinnerungen seiner Vorfahren streifen und dort auf die Suche nach Hinweise gehen, die er in der Gegenwart braucht. Im ersten Teil folgen der Spieler und sein Schützling den Erinnerungen von Altaïr ibn La-Ahad, eines Assassinen, der Ende des 12. Jahrhunderts im Mittleren Osten gelebt hat.

Zu Beginn des Spiels verteidigt Altaïr erfolgreich einen Tempel vor Robért de Sable, bricht dabei jedoch einige Kredos der Assassinen (daher der Name der Serie) und wird als Konsequenz von seinem Anführer, Al Mualim, zum Novizen degradiert. Um seinen Rang wiederzuerlangen, muss er neun Attentate durchführen. Im Laufe des Spiels findet Altaïr heraus, dass seine Zielpersonen den Templern angehören und auf der Suche nach einem mächtigen Artefakt sind. Schließlich erfährt er, dass auch sein Führer Al Mualim den Templern angehört und er somit Opfer einer Intrige geworden ist. Altaïr stellt sich Al Mualim im Kampf, der sich seinerseits die Macht des Artefakt zunutze gemacht hat, das die anderen Templer so verzweifelt gesucht haben. Einen extrem unfairen und frustrierenden Bosskampf sowie mehrere zerbrochene Controller später sieht man die Endsequenz, in welcher Altaïr das Artefakt aktiviert. Das Artefakt, das die Form einer silbernen Kugel hat, zeigt ein Hologramm der Weltkugel, auf dem mehrere Orte markiert sind.

Genau zu diesem Zeitpunkt beendet Abstergo die Simulation, denn sie haben gefunden, wonach sie suchen. Abstergo ist selbst eine moderne Organisation der Templer, und Desmond wird allein in seiner Zelle zurückgelassen. In diesem Moment kommt ihm Lucy Stillman zu Hilfe, eine Vertreterin des ebenfalls immer noch existenten Assassinen-Clans, die als Maulwurf bei Abstergo eingeschleust wurde. Zusammen mit ihr flieht Desmond aus dem Labor.

2009: Was zur Hölle habe ich mir gerade angesehen?
Sofort nach den Ereignissen im Erstling fliehen Desmond und Lucy zusammen mit zwei weiteren Verbündeten, Shaun Hastings und Rebecca Crane, in ein leerstehendes Lagerhaus. Dort verschanzen sich die vier, und Desmond soll mit Hilfe des Animus 2.0 weiter in den Erinnerungen seiner Vorfahren schwelgen. Diesmal geht es nicht nur um Informationen, sondern auch darum, dass sich Desmond auf diese Weise die Fähigkeiten seines Vorfahren aneignen kann.


Im zweiten Teil, der nebenbei bemerkt ein ungleich besseres Spiel ist als sein Vorgänger, verfolgen der Spieler und Desmond das Leben von Ezio Auditore da Firenze. Nachdem Ezios Familie im Prolog des Spiels als Resultat einer politischen Intrige gehängt wird, flieht er mit seiner Mutter und seiner Schwester nach Monteriggioni. Dort leben sie in der Villa von Ezios Onkel, der sich mit einem sympathischen “It's-a-me, Mario!” vorstellt. Nach einigen Recherchen entlarvt Ezio den Spanier Rodrigo Borgia als Drahtzieher hinter der Intrige. Dieser lässt sich im Verlauf des Spiels zum Papst wählen, sodass es in der weltbekannten Sixtinischen Kapelle im Vatikan zum Showdown kommt.


Nach einem diesmal zum Glück deutlich angenehmeren Endkampf gerät die Story des Spiels etwas aus den Fugen. Ezio trifft in einer geheimen Kammer im Vatikan auf eine holographische Darstellung von Minerva, die eine aufgezeichnete Nachricht vorträgt. Minerva gehört einer vermutlich außerirdischen und sehr weit entwickelten Zivilisation an. Wer eine Reihe im Spiel versteckter Extras findet, kann außerdem Informationshappen freischalten, die implizieren, dass diese Zivilisation die Menschheit erschaffen hat. Minerva spricht direkt mit Desmond und warnt ihn vor einer großen Katastrophe, die in der Vergangenheit beinahe sowohl ihr Volk als auch die gesamte Menschheit ausgelöscht hätte und sich nun wiederholen soll. Danach endet die Aufzeichnung und man hört die Stimme von Desmond, der das sagt, was der Spieler nur denkt: “What the fuck?”


Allzu viel Zeit, darüber nachzudenken, hat Desmond jedoch nicht, denn das Lagerhaus wird daraufhin von den Templern angegriffen, sodass die vierköpfige Crew erneut fliehen muss. Desmond, Shaun und Rebecca verstecken sich schließlich in einem LKW, der von Lucy gefahren wird. Bevor die Credits über den Bildschirm flimmern, stellt Shaun noch seine Weltuntergangstheorie vor: Das Magnetfeld der Erde sei am Schwächeln, und gleichzeitig kündige sich ein starker Sonnensturm an. Dieser Sonnensturm wird, wie sollte es auch anders sein, auf das Jahr 2012 datiert.

2011-2012: Die Gelddruckmaschine Assassin's Creed
Nach dem nachhaltigen Erfolg von Assassin's Creed II machte Ubisoft die Serie zu einer der “üblichen Verdächtigen” im Weihnachtsgeschäft, sodass Assassin's Creed: Brotherhood und Assassin's Creed: Revelations jeweils ein Jahr nach ihrem Vorgänger und passend zum Fest in den Regalen standen. Die kürzere Entwicklungszeit machte sich vor allem in der deutlich geringeren Größe der Spielwelt bemerkbar.


Zu Beginn von Brotherhood flieht die vierköpfige Crew um Desmond nach Monteriggioni in Ezios alte Villa. Dort folgt Desmond im Animus weiter dem Leben von Ezio, der sich nach dem Sieg über Rodrigo Borgia in Sicherheit wähnt. Bereits nach kurzer Zeit wird er jedoch von Cesare Borgia, dem Sohn seines Widersachers, angegriffen. Aufgrund dieser Ereignisse reist Ezio zurück nach Rom, das sich nun komplett in der Hand der Familie Borgia und somit der Templer befindet. Nach und nach wird Rom befreit und Cesare flieht schließlich in ein spanisches Dorf, wo Ezio ihm das Handwerk legt. Dabei offenbart sich auch der Fundort eines der mächtigen Artefakte – ein ähnliches Artefakt wie jenes, das Al Mualim im ersten Teil verwendete.

Desmond und seine Gefährten fahren daraufhin selbst nach Spanien. Dort wird ihnen eine weitere holographische Nachricht übermittelt – diesmal jedoch von Juno, die derselben Zivilisation angehört wie Minerva, der Menscheit jedoch deutlich weniger gut gesinnt ist und sie als minderwertig ansieht. Als Desmond das Artefakt berührt, übernimmt eine höhere Macht die Kontrolle über ihn und nutzt seinen Körper, um Lucy mit einem Messer in die Halsschlagader zu stechen. Desmond bricht bewusstlos zusammen, wird von Shaun und Rebecca zurück zum Lieferwagen getragen und wieder in den Animus gelegt. An dieser Stelle knüpft Revelations nahtlos an.

Desmond findet sich nun selbst im Animus wieder und muss sich die Erinnerungen von Ezio zu Ende ansehen, um wieder in die Realität zurückkehren zu können. Ezio reist zu Beginn des Spiels zu Altaïrs Bibliothek, welche mit einem Tor versiegelt ist, das mit fünf Schlüsseln geöffnet werden muss. Diese befinden sich in Konstantinopel. Ezio begibt sich auf die Suche nach diesen Schlüsseln und wird dabei abermals Teil einer politischen Intrige. Diesmal versuchen einige Templer, das Sultanat und somit das Osmanische Reich zu stürzen.

Ezio öffnet schließlich Altaïrs Bibliothek, findet dort jedoch nur sein Skelett und ein weiteres Artefakt vor. Daraufhin legt er seine Waffen nieder, spricht direkt mit Desmond und teilt ihm mit, dass er sein Leben als Assassine beenden werde und hoffe, dass Desmond die Antworten auf seine Fragen finden kann. Außerdem trifft Desmond auf eine Erscheinung von Jupiter, der ebenfalls der hohen Zivilisation angehört. Er erklärt Desmond, dass seine Zivilisation und beinahe auch die gesamte Menschheit von einem Sonnensturm ausgelöscht wurden. Damals wurden verschiedene Kammern errichtet und nach einer Möglichkeit geforscht, die Katastrophe abzuwenden – allerdings erfolglos. Desmond habe jedoch die Macht und die Mittel, zu verhindern, dass sich diese Katastrophe wiederholt. Jupiter sagt ihm, dass er sich zur zentralen Forschungskammer begeben solle.

Am Ende des Spiels erwacht Desmond und sieht Shaun, Rebecca sowie seinen Vater William. Diese sind in ihrem LKW bereits zu dem Ort gefahren, an dem sich die Kammer befindet, zu der Desmond geschickt wurde.

Ein Ausblick auf 2012
Ubisoft hat für die Handlung von Assassin's Creed einen sehr geschickten Stil gewählt. Betrachtet man die einzelnen Spiele, sind ihre Kernaspekte ganz klar die politischen Intrigen und die Kämpfe zwischen Assassinen und Templern, die sich innerhalb des Animus abspielen. Betrachtet man die Serie im Gesamten, bildet die eher seichte Weltuntergangsstory, die schnell erklärt ist, die Klammer.



Dieser Erzählstil erlaubt es Neueinsteigern, mit dem ersten, dem zweiten oder dem kommenden dritten Teil einzusteigen und mindestens die eigentliche Handlung innerhalb des Animus zu verstehen. Diese Eigenschaft nutzt Ubisoft jetzt mit Assassin's Creed 3, das auf Wii U ein neues Publikum erreichen soll. Ubisoft weiß natürlich, dass somit viele Neueinsteiger einen Blick auf die Serie werfen, und wird vermutlich eine Zusammenfassung der Rahmenhandlung um Desmond mit auf die Scheibe packen – die ihr euch nun nicht mehr ansehen müsst, da ihr unser Special gelesen habt.

Hinweis: die Kommentarsektion ist aktuell geschlossen.

3 Kommentare:


Kid Icarus
vor 9 Jahren | 0
Danke für die Zusammenfassung, das hat mir doch einiges wieder aus dem Gedächtnis geholt, was ich längst wieder vergessen hatte - und das als Assassin's-Creed-Fan :D

Was ich aber bis heute nicht nachvollziehen kann, ist, dass Ezio am Ende von Revelations direkt mit Desmond spricht. Das ergibt für mich nach wie vor keinen Sinn.

Samus_Aran
vor 9 Jahren | 0
Am Ende von Teil 2 spricht ja die Göttin zu Desmond und Ezio kapiert nichts. Vielleicht begreift Ezio am Ende ja das er nur Teil von etwas sehr Großem ist. Das würde zumindest für mich Sinn machen...

Pogopuschel
vor 9 Jahren | 0
Die "die vorher kamen" sind keine außerirdische Rasse, die die Menschen erschaffen haben. Menschen und diese "Die vor uns kamen" lebten zur selben Zeit parallel, nur nciht friedlich, da die Menschen von ihnen mithilfe der Edenäpfel kontrolliert wurden. Da die Menschheit aber eine viel höhere Population hatten und Adam und Eva, wie man in ACII sieht, den Edenapfel stehlen, können sich die Menschen erstmals wehren. Dann kam die Katastrophe...

Der dritte Absatz unter "2009..." ist also nicht ganz akkurat. Ansonsten eine knackige Zusammenfassung!