Das Controller-Redesign: Analyse eines Lecks

Von Tim Herrmann am 20. Mai 2012

Das wird teuer: Am Samstag, dem 19. Mai, postete ein Entwickler von Traveller's Tales (das Studio arbeitet an LEGO City Stories für Wii U und Nintendo 3DS) ein Bild bei Twitter. So weit, so uninteressant. Doch er zeigte nicht irgendetwas: Zu sehen war der Controller von Wii U. Nintendo mag es gar nicht, wenn Entwickler die Prototypen seiner Hardware fotografieren. Noch weniger amüsiert dürfte der japanische Gigant aber in diesem Fall gewesen sein: Denn das Bild zeigt eine neu konfigurierte Version des Controllers, die sich wohl nah an der finalen befindet und einige bemerkenswerte Änderungen im Vergleich zur Ur-Version der E3 2011 aufweist. Das könnte deftige Vertragsstrafen nach sich ziehen. Doch bei allem Mitleid mit dem US-Entwickler wollen wir uns trotzdem heute lieber dem Controller widmen und klären, was man ihm an neuen Infos entnehmen kann. Lest jetzt unsere erste Analyse.

Schiebepads adé
Zunächst das Wichtigste: Nintendo hat sich offenbar doch dagegen entschieden, dem Wii U-Controller die vom Nintendo 3DS bekannten Schiebepads zu verpassen. Auf dem neuen Bild sind knubbelige Analog-Sticks zu erkennen, wie man sie vom Nunchuk oder dem Nintendo-GameCube kennt. Diese zwei Sticks sind nicht eingebettet in Achtecke wie beim Nunchuk, sondern befinden sich in der Mitte eines Kreises. Das macht sanftere Drehungen und Bewegungen etwa von der Kamera möglich.

Ein Entwickler hatte vor ein paar Wochen behauptet, die Sticks seien außerdem klickbar wie bei den Controllern von XBOX360 und PS3. Dort sind die Sticks selbst Knöpfe: Drückt man mit dem Daumen auf sie, wird so zum Beispiel die Kamera zentriert. Ob der Controller von Wii U das auch ermöglicht, bleibt allein anhand des Bildes noch offen. Doch zumindest die Möglichkeit dafür wäre gegeben.

Ein kleines Detail der Ergonomie zeigt sich auch in der veränderten Position der zwei Sticks. Sie sind nun näher an den Rand des Pads gewandert. Dort erreicht sie der Daumen offenbar komfortabler. Ein Problem könnte aber weiterhin bleiben, dass der Daumen so noch weniger vom Touchscreen zu fassen bekommt. Wenn man nicht eine Hand völlig vom Stick lösen soll, um zur Mitte des Bildschirms zu gelangen, müssen Entwickler oft benutzte Schaltflächen eng am Rand des Screens platzieren, damit sie überhaupt in Reichweite bleiben.

Von Knöpfen und Touchscreen
So wie die Sticks nach außen gewandert sind, sind die vier Aktionsknöpfe eine Kleinigkeit nach innen geschoben worden. Ihnen untergeordnet finden sich seit Neuestem der Plus- und Minus-Knopf, welche die Funktionen von Start und Select haben. Vorher befanden sie sich am unteren mittleren Ende des Controllers und waren somit nur zu erreichen, wenn sich eine Hand völlig vom Controller löste. Nun kann der rechte Daumen diese Aufgabe erledigen.

Gut zu sehen sind auch zwei kleine Öffnungen links und rechts – hierbei handelt es sich um Lautsprecher, die wie bei der Wii-Remote während des Spielbetriebs Töne ausgeben. Ein kleines Batterielicht zeigt den Akku-Stand des Controllers. Das auf dem Bild angeschlossene Ladekabel erinnert übrigens an das des Nintendo 3DS. Nicht zu sehen sind Anschlüsse für einen kürzlich bemunkelten Controller-Stand, der das Pad wie den Nintendo 3DS aufladen könnte.

Einen Satz wert ist auch der Touchscreen: Er ist weiterhin leicht eingebettet, was darauf hindeutet, dass der Hersteller sich letztlich wohl doch gegen die kapazitive Technonolgie entschieden hat. Stattdessen setzt Nintendo offenbar auf den resistiven Touchscreen, der auf Druck reagiert und auf Bedienung mit dem Stylus ausgelegt ist. Zwar kann man ihn auch mit dem Finger bedienen, allerdings weniger komfortabel als einen kapazitiven Touchscreen.

Unterdessen bleibt unklar, wie die Rückseite aussieht. Im letzten Jahr waren dort zwei Trigger und zwei Schultertasten angebracht, auf und unter einer "Fingerablage" auf der Rückseite. Ob auch sie umgestaltet wurden (ob es zum Beispiel analoge Schultertasten gibt), kann man noch nicht sagen.

Aktionsleuchte für den Home-Button
Blickt man auf den Home-Button des redesignten Controllers, erkennt man einen runden Kreis darum, der vorher nicht da war. Er scheint eine Lichtquelle zu sein, deren Funktion allerdings noch unbekannt ist. Gut möglich, dass der Ring während des Spielbetriebs einfach blau leuchtet und so signalisiert, dass der Controller eingeschaltet ist.Denkbar ist aber auch, dass er die Funktion des pulsierend leuchtenden Disc-Slots der Wii-Konsole übernimmt. Immer wenn die aktuelle Konsole etwas über die Standby-Internet-Verbindung empfangen hatte (etwa eine Nachricht oder ein Update), leuchtete der Disc-Slot blau.

Da Nintendo mit Wii U großes Augenmerk auf Downloads und Internet-Services legen will, ist es wahrscheinlich, dass auch die Leuchte um den Homebutton herum auf Updates, Neuigkeiten oder andere Geschehnisse hinweist, die während des Standby-Modus der Konsole aufgetreten sind. Leuchtet sie, sollte der Spieler nachsehen, was es Neues gibt.

Auch auf der XBOX360 wird der Home-Button von einem leuchtenden Licht umkreist. Dort wird es vor allem dafür benutzt, dem Spieler anzuzeigen, welche Nummer er in einem Multiplayer-Duell trägt. Dafür werden einzelne Viertel des Rings erleuchtet. Auf dem Wii U-Controller sieht man eine solche Unterteilung nicht. Und auch ansonsten gibt es keine Anzeige, die darauf hinweist, dass mehrere neue Controller gemeinsam verwendet werden können. In dieser Frage ist allerdings noch nicht aller Tage Abend, schließlich könnte man die Information darüber, als welcher Spieler man gerade an einem lokalen Multiplayer-Match teilnimmt, auch wunderbar direkt auf den Bildschirm streamen.

Mysteriöse Quadrate
Zwei kleine Quadrate sind auf dem Controller zu sehen – eines links neben dem Power-Button und eines unter dem Steuerkreuz. Noch ist aber völlig unklar, welche Funktion diese beiden Bereiche einnehmen. Es sieht zumindest beim Quadrat unter dem Steuerkreuz nicht so aus, als handele es sich um einen Knopf. Man könnte mutmaßen, dass es sich um eine Schnittstelle für die Near Field Communication handelt. Doch diese war in einem kürzlich durchgesickerten Video noch direkt hinter dem Bildschirm verankert. Das untere Quadrat könnte ein Sync-Button sein - doch ein so unwichtiger Knopf an so prominenter Position?

Eine sehr kühne Vermutung kreist in der Fachwelt bereits um den gestoppten Vitality Sensor. 2009 auf der E3 als Revolution für Wii angepriesen, erschien das Zubehör nie im Handel. In den Sensor, der über ein Kabel mit der Wii-Remote verbunden wurde, musste der Spieler seinen Finger platzieren, um Puls und andere Vitalwerte messen zu lassen. So sollten Entspannungsübungen realisiert oder Aufregung gemessen werden. Wegen zu hoher Fehlerquoten stellte Nintendo die Idee allerdings ein – wird sie im Wii U-Controller wieder Verwendung finden? Spieler könnten den Daumen oder einen anderen Finger auf der kleinen Fläche platzieren – dort würden dann Puls oder Körpertemperatur gemessen.

Gerüchte gab es im letzten Jahr auch über einen haptischen Bildschirm - sie bewahrheiteten sich allerdings nicht. Ist das kleine Quadrat unter dem Steuerkreuz dazu in der Lage, seine Struktur zu verändern? Die Größe spricht dagegen, doch solch wahnwitzige Mutmaßungen sind bislang das Einzige, was Fans näher an eine Entschlüsselung des Quadrat-Rätsels bringt.

Es bleibt bei Wii U
Das neue Controller-Design gibt auch ein weiteres Indiz dafür, dass Nintendos Konsole in der Tat nicht mehr umbenannt wird: Unten mittig links sieht man das bekannte Wii U-Logo. Es noch auf einem fast finalen Controller zu zeigen, wäre kühn, wenn man plante, den Namen kurzfristig noch zu ändern.

Schon auf der letzten großen Investorenkonferenz sprachen die Nintendo-Granden stets von Wii U, wenn es um die neue Konsole ging. Sollte der Name wirklich noch geändert werden, wäre es aus Marketing-Sicht höchst fragwürdig, wenige Monate vor dem Launch noch explizit den Arbeitstitel zu verwenden. Es bleibt also bei Wii U.

Was wir heute gesehen haben, war kein kompletter Umwurf des Controller-Designs – doch einige sinnvolle Änderungen hat Nintendo (auch als Reaktion auf das Feedback von Spielern) realisiert – allen voran natürlich die Analog-Sticks. Die wichtigsten Fragen bleiben nun, welche Funktion die prominent platzierten kleinen Quadrate haben werden. Und letztendlich zählt sowieso nur eines: Wie werden die heute gesehenen Funktionen letztendlich im Spiel verwendet? Auf der E3 2012, genauer: am 05. Juni 2012, gibt es Antworten - natürlich bei WiiUX.

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4 Kommentare:


Wario
vor 9 Jahren | 0
Ihr habt ein Fehler drin ziemlich am Anfang.. Ihr habt statt E² 2011 2012 geschrieben...

NaIzE
vor 9 Jahren | 0
Schönes Special. Die Neuerungen sind überschaubar. Sofern diese Quadrate kein dunkles Geheimnis mit sich bringen. :D
Das man sich nun für Analog Sticks entschieden hat, finde ich gut. Die Circle Pads sind zwar angenehm und erfüllen ihren zweck, glaube aber das es für einen Handheld besser geeignet ist, als für die kommende Konsole. Die Sticks als Buttons zu nutzen, würde sogar Sinn machen. Bei der große des Kontrollers, würde man so den Komfort und Bedienbarkeit erhöhen.

Die Akku leuchte mag ich nicht. Sie wirkt trügerisch...Ich weiß schon jetzt, dass sie mich hintergehen wird. Und zwar genau dann, wenn ich gerade total im Spiel bin und mich nichtmehr losreißen will/kann.

Ich weiß nicht was ich von dem Mic "Loch" halten soll. Bei Wii hat das Voice System, ja total gefailt. Und ich muss zugeben, ich trau Nintendo da keinen Fortschritt zu...Überzeugt mich!

Zum Namen würde ich sagen, der ist in aller Munde. Änderung würde da auch nicht viel helfen. Menschen die jetzt noch nicht gecheckt haben, dass DS und 3DS nicht ein und dasselbe sind und es bei Wii/WiiU nicht anders sein wird, den wird ein neuer Name nur nochmehr verwirren.

Wario
vor 9 Jahren | 0
Schöner Beitrag,besser Schreiben kann man es nicht mit nur einen Bild als Quelle. Ich kann mich da Nalze nur anschließen. Das eine Quadrat unter dem Bildschirm wo nicht beschriftet ist könnte ein Aktivierungsknopf für denn möglichen NFC unterhalb des Steuerkreuzes sein oder hat er eine andere Funktion? Keine ahnung.. Aber warten wir mal ab,solang ist es ja nicht mehr zur E³..

Möge die Macht mit uns sein.. :D

Falco
vor 9 Jahren | 0
Ich habe mich auch schon gefragt was das für Quadrate sind. Vor allem weil diese so unästhetisch positioniert sind. Das deutet auch auf die Bedienbarkeit hin. Start und Select sind rechts definitiv besser positioniert. So kommt man leichter an sie ran, auch wenn es nicht gerade hübsch aussieht. Im Großen und Ganzen gefällt er mir sehr gut und ich würde es ok finden, wenn er so in den Laden reinkommt.