Microsoft-Pressekonferenz von der E3 2012

Von Marcel Garling am 05. Juni 2012

Manchmal muss man als ernstzunehmender Gamer auch einfach mal über den Tellerrand schauen, selbst wenn man sich sonst in ein ganz bestimmtes Lager einordnet. Und dieses „manchmal“ prasselt auf eben jene Individuen mindestens einmal im Jahr ein wie ein Feuerwerk, nämlich zur E3. Die wohl wichtigste Branchenmesse für Videospiele, mit weltweit übertragenen Pressekonferenzen und einem Overkill an Journalismus aus erster, zweiter und dritter Hand ist Pflichtprogramm für jeden, und deshalb nehmen wir von WiiUX uns auch die Freiheit, euch Microsofts Pressekonferenz kurz zusammenzutragen. Die große Frage „Gibt es eine XBOX 720“ beantworten wir dabei schon im Voraus: Nein. Aber es gibt andere Ankündigungen, die Nintendo möglicherweise in die Suppe spucken könnten. Doch lest selbst.


Eröffnet wurde die Redmonder Spieleparade durch das Franchise-Flagschiff schlechthin: Halo. Man zeigte den vierten Teil der Trilogie in einem Action-Trailer, anschließend garniert mit echten Gameplay-Szenen, die doch relativ stark an Metroid Prime erinnerten, inklusive Umgebungsscan. Anschließend sah man Splinter Cell: Blacklist von Ubisoft, was die Namensgerüchte der letzten Zeit bestätigt hat. Das vorgestellte Material enthielt ungewohnt viele Passagen im Hellen, Sam Fisher ging teilweise ziemlich rabiat vor und kletterte dann die Wände herauf im Stile von Lara Croft und Nathan Drake.


Was anschließend folgte, darf man wohl getrost als das Kinect-Vorspiel schlechthin bezeichnen. Microsoft zeigte anhand der Sportspiele FIFA 13 und Madden 13, wie man sich ordentlich umgesetzte Sprachsteuerung in Spielumgebungen vorstellt. Durch gesprochene Kommandos an die Konsole werden Spielpässe ausgeführt, Spieler befehligt und umpositioniert. Auch das gezeigte Fable: The Journey  bedient sich der Spracherkennungsmetoden aus Kinect. Es folgten ein kurzer Teaser zu Gears of War: Judgement und ein längerer Trailer zu Forza Horizon, der allerdings kein Gameplay-Material bot.


Alsbald verließ Microsoft die Gaming-Schiene, und das für eine lange Zeit, denn nun wurden Features und Services präsentiert. Wer die XBOX 360 jetzt noch nicht zum Spielen daheim hat, wird daran schließlich auch nichts mehr ändern. Das weiß Microsoft und bläst zum Angriff mit Kooperationen und Neuheiten, die jede XBOX 360 zum Entertainment-Center machen und jeden Fernseher in einen „Smart-TV“ verwandeln sollen. Dazu zählt die hauseigene Suchmaschine Bing in allen möglichen Sprachen, Verträge mit bekannten Videocontent-Anbietern (Nickelodeon, Machinima, Paramount, in Amerika sogar Sport der NHL, NFL und ESPN), ein neuer Musikservice und der beliebte Internet Explorer in einer TV-optimierten Fassung.


Ganz nebenbei wurde das Kinect-Vorspiel dann zum Orgasmus ausgebaut: Das gesamte Menü ist nun per Sprachbefehl steuerbar („Xbox: Filme! Liebesfilme!“)  und mit „Xbox Smart Glass“ kündigte man schließlich noch einen Dienst an, der alle Microsoft-Features auf möglichst vielen Plattformen verfügbar machen soll. Man kann beispielsweise einen Film auf seinem iPhone (ja, Apple wurde explizit genannt) beginnen und dann zuhause am Fernseher beenden. Der Dienst merkt sich automatisch, wo man gerade aufgehört hatte. Jedes Tablet oder Smartphone kann zu einem Zusatzbildschirm für die XBOX werden und somit in Spielen erweiterte Inhalte bieten.


Nach diesen Meldungen geht es nun mit Spielen weiter: Tomb Raider von Square Enix wird beleuchtet. Die neue, dreckige Lara wird vor dem Zuschauer zahlreicher Torturen unterzogen und hat ihre Coolness absolut noch nicht verdient. Es folgen einige Teaser zu weiteren Titeln: Ascend, LocoCycle und Matter.

Nachdem auch Capcom seine 5 Minuten Ruhm mit Resident Evil 6 hatte, lieferte das Xbox Live-Team den humorösesten Auftritt des Abends mit Wreckateer, einem fluffig-lustigen Spiel, indem man per Bewegungssteuerung Burgen in einer quietschbunten Welt hochgehen lässt. In Erinnerung geblieben ist besonders auch der Auftritt der South Park-Schöpfer, die ihr Spiel South Park: Stick of Truth vorstellten. Sie hatten kaum Zeit zu reden, mussten auf die Uhr schauen und gingen dann einfach wieder, um Platz zu machen für Usher, welcher einen Song zur Promotion von Dance Central 3 hinlegte. Wahrscheinlich kein guter Deal.


Zuletzt, um das Klischee zu erfüllen sozusagen: Der Abschluss der Konferenz mit einer immensen Demonstration von Call of Duty: Black Ops 2. Das hat sogar diesen kurzen Textabschnitt für sich allein verdient.


Da dieser Bericht um 4.45 Uhr am Dienstagmorgen (der Himmel wird schon heller!) fertiggestellt wurde, erlaube ich mir auch noch ein persönliches Urteil: Microsoft ist zu toppen. Man hatte zwar viel gezeigt, davon war aber vieles nicht von spielerischer Natur, und anderes war einfach die Zeit nicht wert. Bestes Beispiel: Der Auftritt von Usher. Ich bin gespannt, wie es morgen weitergehen wird.

Hinweis: die Kommentarsektion ist aktuell geschlossen.