Hands-On: The Wonderful 101

Von Andreas Held am 29. Juni 2012

Hinweis: Zum Zeitpunkt unseres Hands-On wurde uns dieser Titel mit dem Arbeitstitel "Project P-100" vorgestellt. Er wird in der finalen Fassung mit dem neuen Titel "The Wonderful 101" erscheinen.

Project P-100 hat derzeit keinen guten Stand bei Nintendo-Fans. Nach der E3-Pressekonferenz von Nintendo, als alle noch die Enttäuschung im Hinterkopf hatten, wurde angekündigt, dass man nach der Show noch ein neues Spiel von Platinum Games, den Machern von MadWorld und Bayonetta, vorstellen wird. Und während dann alle ihre Hoffnungen in diesen Titel setzten, folgten nach dem ersten Blick auf das Gameplay entsetzte Ausrufe wie: "Was zur Hölle ist das?"

Dieser Eindruck setzte sich auch beim Anstehen an der Demo-Station von Project P-100 fort. Überall auf dem Bildschirm blinkten HUD-Elemente und man fragte sich, wie man diesen Titel überhaupt steuern soll. Aber sobald man das Gamepad selbst in der Hand hat, macht glücklicherweise alles Sinn.

P-100 101
In Project P-100 steuert ihr einen einzelnen Superhelden, der eine Traube aus Gefolgsleuten um sich schart, welche ihm automatisch folgen. Somit entsteht der Eindruck, dass man einen kompletten Pulk aus Helden gleichzeitig steuert, was sich jedoch von der ersten Sekunde an intuitiv anfühlt. Euer Angriffs-Repertoire besteht aus Team Attacks und Unite Attacks, was im Prinzip nur andere Namen für normale Angriffe und Spezialangriffe sind. Team Attacks laden eine Energieleiste am oberen Bildschirmrand auf, die von Unite Attacks wieder geleert werden. Die grundlegende Strategie ist also, mit normalen Angriffen Energie zu gewinnen, um dann mit Spezialangriffen die Gegner zu vermöbeln. Außerdem könnt ihr mit dem B-Knopf springen, mit dem R-Trigger ein Ausweichmanöver starten und mit dem L-Trigger versuchen, Angriffe abzuwehren.



Der Trick an der ganzen Geschichte sind jedoch die Gefolgsleute, die der Hauptheld um sich schart. Entweder mit dem rechten Analogstick oder dem Touchscreen könnt ihr diese auffordern, eine Art Polonäse zu bilden, in etwa so, als würdet ihr (ausgehend vom Helden) Symbole auf den Boden malen. Je nachdem, welches Symbol ihr malt, schließen sich die Kämpfer zu einem großen Objekt zusammen. Mit einem Kreis bildet ihr eine riesige Faust, mit einer Linie ein riesiges Schwert und mit einem Winkel eine Pistole, die natürlich auch riesig ist. Andere Stellen erforderten, mit einem Dreieck einen Stealth Bomber zu formen, oder schwerkraftverachtende Ketten auf Hochhäuser oder über Abgründe zu ziehen, die sich anschließend in Leitern oder Brücken verwandelten. Die letzte aus der Demo ersichtliche Funktion ist das Einkreisen von auf der Straße herumlaufenden Personen, die sich daraufhin dem Trupp anschließen.

Die Demo
Wie die meisten anderen Spiele wurde auch P-100 in einer Demo präsentiert, die nur bedingt Rückschlüsse auf die Qualität des fertigen Spiels erlaubt. Man hatte zunächst acht Minuten Zeit, um ein Level durchzuspielen, und anschließend weitere zwei Minuten für einen Bosskampf. Der Begriff "Level" ist hier jedoch relativ, denn im Prinzip war auch das eigentliche Level eine Aneinanderreihung von kleineren Bosskämpfen, die durch kleine Zwischeneinlagen miteinander verbunden wurden. Normale Gegner gibt es zwar, aber sie sind kaum wahrnehmbar. Jeder der Bosskämpfe war Teil einer Mission, die anschließend anhand der benötigten Zeit, Combo-Angriffen und dem genommenen Schaden bepunktet und mit einer Medaille bewertet wird. Abgeschlossen wurde die Demo von einem Kampf gegen einen riesigen Mech, der entfernt an Shadow of the Colossus erinnerte.

Project P-100 hat Potential, des fertige Spiel muss sich jedoch erst noch beweisen. Die schnellen Kämpfe aus der isometrischen Perspektive machen Spaß, aber auch nach dem Spielen der Demo bleibt die Frage offen, wie präzise sich ein ganzer Pulk aus Helden letztendlich steuern lässt. Die Gefahr besteht, dass das Spiel zu einem eher auf Glück basierenden Button-Masher verkommt. Ebenfalls ist völlig unklar, wie Platinum Games für Langzeitmotivation und Spieltiefe sorgen wird oder ob man überhaupt dafür sorgen will. Das Zusammenbauen eines Superhelden-Squads hat viel Potential, aber es ist auch gut möglich, dass es beim Auflesen von Teammitgliedern auf der Straße bleibt. Auf der Präsentation nach der E3 wurde den in diese Richtung gehenden Fragen jedenfalls gezielt ausgewichen. Dafür macht die Optik des Titels einiges her - durch die satten Farben und die vielen Details war es, meiner Meinung nach, der grafisch beste Titel, den Nintendo auf dem Post E3-Event gezeigt hat.



Fazit

Project P-100 versteht man erst dann, wenn man das Wii U GamePad selbst in die Hand nimmt. Erst dann wird das Spielprinzip wirklich ersichtlich und es folgt die Erkenntnis, dass P-100 zumindest gutes Gameplay bietet. Der abgedrehte Stil, die isometrische Perspektive und das ungewöhnliche Konzept sorgen für Spielspaß, der von der bunten und detaillierten Grafik abgerundet wird. Jetzt liegt es an Platinum Games, um aus dem in der Demo gezeigten Gameplay ein Spiel mit Tiefgang und Langzeitmotivation zu bauen. Wenn sie das schaffen, ist Project P-100 sicherlich der Überraschungshit im Wii U-Launch-Lineup.

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1 Kommentare:


Cap10
vor 9 Jahren | 0
Jap, geht mir genauso. Anfangs war ich skeptisch, nachdem ich mehr davon gesehen habe, bin ich neugierig.