Hands-On: Game & Wario

Von Burkhart von Klitzing am 12. Juli 2012

Ob der Name Game & Wario sich noch als mehr denn nur eine leere Anspielung auf Nintendos klassische Game & Watch-Geräte entpuppt, das lässt sich bislang kaum sagen. Eine Abkehr von dem sonst üblichen Warioware-Titel für die neueste Minispiel-Sammlung der fiesen Knollennase macht allerdings in jedem Fall schon Sinn, denn die vier bislang verfügbaren Disziplinen zeigten, dass Wario etwas Neues im Gepäck hat: Zeit. Waren frühere Mikro-Spiele meist in wenigen Sekunden vorüber und gaben sich die Klinke in die Hand, verbringen wir nun beim Fotografieren oder Skilaufen zwischen 20 Sekunden und mehreren Minuten.

Den Skilauf dürfte dabei der eine oder andere in ähnlicher Form bereits von seinem Handy kennen: Der Blick bleibt starr auf dem hochkant gehaltenen Wii U GamePad, wo der unscheinbare Athlet einen simplen Parcours herunterrauscht, der bis auf Begrenzungspfosten und einige Turbostreifen noch gänzlich leer ist. Keine Tore wollen durchfahren werden, keine gewohnten Wario-Verrücktheiten lockern das Geschehen auf. Die Steuerung beschränkt sich indes auf simples Neigen des Controllers. Das funktioniert ordentlich, ist aber bislang noch arg uninspiriert, wenn nicht gar plump. In der Demo war zwar bereits erkennbar, dass weitere (hoffentlich interessantere) Levels warten, doch die waren noch nicht spielbar.

Etwas ambitionierter gibt sich das Detektiv-Spiel, das zudem als bislang einziges auch einen Multiplayer-Modus bietet. Hier wuseln minutenlang kantige Menschlein (ähnlich der Katamari-Serie) durch eine Stadtszenerie in der Größe eines TV-Bildschirms. Busse und LKWs brausen gelegentlich durch das Bild und Rauch steigt ab und an vermehrt auf und raubt so die Sicht. Der "Hauptspieler" übernimmt nun die Rolle einer der Menschen und versucht innerhalb des Zeitlimits eine gewisse Menge an Äpfeln aufzusammeln, während die anderen Spieler das Geschehen beobachten und erraten, wer der Apfeldieb ist. Was vom Grundprinzip her nett klingt, wird durch gleich mehrere Faktoren komplett vor die Wand gesetzt. So zieht sich das Spiel über mehrere sehr, sehr lang anmutende Minuten, in denen schlicht kaum etwas passiert. Es spielt überhaupt keine Rolle, wann man den Hauptspieler ausgemacht hat, die Wahl darf erst ganz am Ende erfolgen. So erspäht man den Täter teils nach bereits 20-30 Sekunden und verfolgt ihn fortan nur noch mit den Augen und bekämpft den unwiderruflichen Drang, einzuschlafen. Verliert man ihn doch wider Erwarten einmal aus dem Blick, helfen regelmäßige Großaufnahmen des Gebietes, in dem sich der Spieler befindet.

Kaum besser schlägt sich die Fotojagd. Auf dem Fernseher tummeln sich zig Kreaturen in mehrstöckigen Gebäuden, während der Blick auf den Touchscreen eine Nahaufnahme der Szenerie zeigt. Wer sich angesichts des Herumfuchtelns mit einem Fadenkreuz vor Hochhäusern an die Lightgun-Shooter-Serie Silent Scope erinnert fühlt, muss jedoch umdenken, denn bei Game & Wario werden natürlich keine Kugeln ver-, sondern Fotos geschossen. Steckbriefe blenden die aktuell gesuchten Wesen ein und ist der Missetäter erst einmal im Sucher, ist eine ruhige Hand gefragt, um einen möglichst zentralen Schnappschuss zu landen. Das spielt sich leider erneut leidlich uninspiriert und durch den steten Wechsel zwischen TV und Touchscreen auch wie schon bei Silent Scope etwas träge.

Das letzte Spiel der Demo legt dem Spieler schließlich einen Bogen in die Hand, oder vielmehr in den Touchscreen. Mickrige Wario-Klone preschen aus dem Hintergrund über einige grüne Anhöhen auf den Spieler zu, der sich ihrer erwehrt, indem er den Bogen spannt und den Controller nach Links und rechts schwenkt. Kommt ein Gegner zu nah, verbeißt er sich zunächst in das Touchpad, wo er durch schnelle Antippen noch ausgeschaltet werden kann. Das ist durchaus ein netter Einfall, aber der Rest dieser Disziplin fällt erneut in die Kategorie "öde, langsam und schlichtweg nicht besonders clever konzipiert".

Allgemein macht die Demo zu Game & Wario einen erschreckend unausgereiften und unsagbar undurchdachten Eindruck für einen Titel, der offensichtlich eines Tages einmal im Regal um die Käufergunst buhlen möchte. Es fehlt der typische Wario-Charme, es fehlt der Multiplayer in einer Minispielsammlung, es fehlen zündende Ideen und es fehlt sogar an den einfachsten Grundmechanismen und Designs, die den gezeigten Minispielen einen gewissen Reiz mitgeben könnten. In seinem derzeitigen Zustand ist Game & Wario nichts weiter als eine belanglose Tech-Demo, die zwar ordentlich die verschiedenen Einsatzfähigkeiten der WiiU präsentiert, aber zugleich ein Jahr zu spät kommt. Zu diesem Zeitpunkt wenige Monate vor Launch der Plattform muss Nintendo echte Spiele präsentieren und keine halbgare Ansammlung konzeptloser Versatzstücke, zumal das Foto-Spiel beispielsweise ganz offensichtlich einen schnellen Umbau einer Szene aus der WiiU-Enthüllungspräsentation von der E3 2011 darstellt, in der Miis von Reggie, Miyamoto und Iwata panisch vor dem Sucher eines WiiU-Controllers in einem Hochhaus fliehen.

Fazit:

Wenn Nintendo Game & Wario wirklich ernst nimmt und es separat zum Kauf anzubieten gedenkt, dann muss sich noch einiges auf dieser Baustelle verändern. Wird die gegenwärtige Linie beibehalten, würde das zwangsläufig einen weiteren harten Schlag für den armen Wario bedeuten, der mit New Super Mario Bros. 2 ohnehin schon seinen Posten als geldgierigster Klempner einbüßen muss. So bleibt nur die Hoffnung auf deutlich mehr Feinschliff oder gleich auf die Rückkehr zu den Mikrospielen.

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2 Kommentare:


Cap10
vor 9 Jahren | 0
Oha, also am Besten einstampfen und stattdessen 'nen neues Warioland machen...

Wario
vor 9 Jahren | 0
Gefällt mir ganz un gar nicht.. Die Figur Wario hat eindeutig bessere Spiele verdient.. :(