Hands-On: Rabbids Land

Von Burkhart von Klitzing am 26. August 2012

Ein neues Jahr, ein neuer Rabbids-Titel und wieder einmal versucht sich Ubisoft an einer Neuausrichtung der Schreihälse. Im Vergleich zu Rabbids Go Home fällt die jedoch wenig gewagt aus, sondern fast schon bieder. An die Stelle der traditionellen Minispiele treten...Minispiele, eingebettet in ein Brettspiel komplett mit Würfel, Sonderfeldern und Items. Dass sich hier der Vergleich zu Mario Party aufdrängt, ist nur verständlich, doch fällt dieser in der angespielten Demo bislang kaum schmeichelhaft aus.

Abwechselnd würfeln sich vier Karnickel ihren Weg rund um ein dröges, kreisrundes Spielfeld, das lediglich durch ein Schloss im Hintergrund aufgepeppt wird, das ebenso gut in einem Disney Park stehen könnte. Optisch zieht Rabbids Land also bereits den Kürzeren, von einem designerischen Standpunkt aus betrachtet sogar gegen die fast 15 Jahre alte Konkurrenz. Auch im Spieldesign wohnt dem bislang gezeigten Brett noch keinerlei Alleinstellungsmerkmal inne. Wo bei den Klempner-Feten (hier Mehrzahl von Fete, nicht Feta) jedes Brett mit besonderen Spielfiguren und Ereignissen aufwartet, das im Idealfall noch thematisch zum jeweiligen Szenario passt, tummelt sich hier bislang nichts auf den Feldern, abgesehen von platten Labels, die auf Minispiele, Items und co hinweisen, und auch ein Kniff, der das Brett von den Abertausenden Spielbrettern dieser Welt abhebt, fehlt gänzlich.

Doch es ist nicht nur dieser Unwillen, aus dem Sumpf der Belanglosigkeit herauszuwaten, der dem Spiel bislang zusetzt. Auch die Minispiele und Items nagen schwer am Gesamteindruck. So erbeutet ein werter Kollege eine Rakete, die fortan über jedem aktiven Spieler als Damoklesschwert hängt und mit jedem Würfelschritt einen Schritt näher an der Explosion steht. Nun hatte just der Finder des Flugkörpers das zweifelhafte Glück, eine sechs zu würfeln und dadurch selbst Opfer des Items zu werden, ohne dies irgendwie verhindern zu können. Ein Gegenstand, der den sofortigen Positionstausch mit einem Gegenspieler ermöglicht, lässt sich da zwar wesentlich taktischer einsetzen, verspricht allerdings wiederum für den Betroffenen viel Frust. Hier fehlt es noch an dem Feinschliff, der zwar auch nicht allen Mario Party Items zugeschrieben werden kann, aber eben doch um einiges besser austariert ist. Bislang sahen wir keine Items, die tatsächlichen Einfluss auf das Brett haben oder die neue Wege ermöglichen, ebenso wie einen Weg, übermächtige Items etwa durch hohe Kosten zu schwächen. Wer auf einem Geschenkfeld landet, der bekommt eben ein Zufalls-Item.

Das im Rahmen der kurzen Anspielrunde meist gesehene Minispiel (sofern man es so nennen möchte), ist eine Quizrunde, die es sich zum Ziel setzt, möglichst absurdes Wissen abzufragen. Beispiel gefällig? Welcher menschliche Nagel wächst am langsamsten? Die richtige Antwort lautet "der Nagel des Daumens", doch nicht jeder, der über dieses essentielle Wissen verfügt, darf sich auch über die Belohnung in Form von zwei Trophäen (Währung in Rabbids Land) freuen. Nur der Spieler, der auf dem Quizfeld landet, darf eine der vier Antwortmöglichkeiten wählen, während die restlichen Mitspieler lediglich angeben, ob sie der Antwort zustimmen oder nicht, und dabei maximal eine Trophäe in Aussicht gestellt bekommen. Dringend einer Ausbesserung bedarf indes hierbei der Einsatz von TV und Wii U-GamePad. Erscheint die Frage zunächst noch für alle gut sichtbar auf dem großen Schirm, verchwindet sie dort unsinnigerweise, sobald der Hauptspieler seine Antwort gegeben hat. Das irritiert die anderen Spieler unnötig bei ihrer Überlegung, ob sie ihm zustimmen oder nicht.

Auch bei den traditionellen Minispielen sollte dringend noch nachgebessert werden, angefangen bei ihrer Frequenz. Während unseres Anspiels tauchte lediglich eine Minidisziplin auf. Und diese wird dann auch noch von lediglich zwei der vier Spieler ausgetragen. Während Spieler A ähnlich einem Musikspiel im Takt Symbole antippt, weicht Spieler B per Motion-Control Feuerbällen aus, die Spieler A bei erfolgreichem Tippen zündet. Das ist durchaus nett, doch warum die restlichen Mitspieler hier zum Zuschauen verdammt werden, bleibt ein Geheimnis der durchaus netten Entwickler.

Fazit:

Möglicherweise hatten wir ja bloß Pech mit der Präsentation. Vielleicht verstecken sich ja im Programmcode bereits jede Menge gewitzte Minispiele und raffinierte Items. Vielleicht stecken die anderen Bretter ja voller charmanter Ideen. Wir werden es wohl spätestens zum Release erfahren. Doch sollte sich der bisherige Eindruck bewahrheiten, so erwartet uns mit Rabbids Land eine Bankrotterklärung des Spieldesigns. Das Wii U-GamePad ist bei aller Funktionalität bislang komplett unterfordert und das Spiel an sich ist ähnlich ausgereift wie Rugrats Scavenger Hunt oder Chef's Luv Shack (beide N64). Sowohl Brettspiele als auch Quizspiele sind in der Spielelandschaft rar geworden, doch die wenigen aktiven Vertreter dieser Zunft haben sich zumindest stetig weiterentwickelt und machen es Ubisoft somit nicht gerade leicht.

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