Zwischenruf: Wo bleibt das Wii U-Botschafter-Programm?

Von Tim Herrmann am 21. April 2013

Pikmin 3 wurde in der vergangenen Woche zum zweiten Mal verschoben. Das Spiel, auf dem so große Erwartungen liegen, erscheint jetzt irgendwann im Juli / August. Es reiht sich damit in eine Reihe gebrochener Versprechen ein. Sie treiben Nintendo langsam in eine Bringschuld gegenüber den Fans, die der neuen Wii U-Konsole von Anfang an Vertrauen und Unterstützung geschenkt haben. Warum gibt es eigentlich noch kein neues Botschafter-Programm wie auf dem Nintendo 3DS?

LEGO City Undercover. Geplant für Weihnachten 2012. Tatsächlicher Release: 28. März 2013. Pikmin 3. Geplant fürs Launch-Fenster (bis spätestens 31. März). Tatsächlicher Release: August 2013. Wii Fit U. Geplant fürs Launch-Fenster. Tatsächlicher Release: Wohl kaum vor Juni 2013. Scribblenauts Unlimited. Geplant für den Wii U-Launch. Tatsächlicher Release: In Europa weiß das offenbar nicht einmal Nintendo. Rayman Legends. Geplant für den Launch. Tatsächlicher Release: Erst leicht, dann drastisch verschoben; September 2013. Toki Tori 2. Geplant für: 15. Dezember 2012. Tatsächlicher Release: 04. April 2013. Game & Wario. Geplant fürs Launch-Fenster. Tatsächlicher Release: Mai / Juni 2013. The Wonderful 101. Geplant fürs Launch-Fenster. Tatsächlicher Release: Das weiß kein Mensch. Nintendo TVii. Geplant für: so bald wie möglich. Tatsächlicher Release: Wer weiß? Aliens: Colonial Marines. Geplant fürs Launch-Fenster. Tatsächlicher Release: gar nicht.

„Wir haben eine bittere Lektion aus dem Launch des Nintendo 3DS gelernt“, bedauerte Nintendos Präsident, Satoru Iwata, noch 2012 gegenüber Investoren. Nach dem miserablen Start des Handhelds im Jahr 2011 seien einfach zu wenige neue Titel erschienen. Das müsse man bei Wii U dringend ändern. “Wir strengen uns an, um verschiedene Titel im Startfenster zu veröffentlichen, die Evergreen-Titel für Wii U werden können“, so das markige Versprechen damals. Und tatsächlich: Was Nintendo auf der E3 im Jahr 2012 vorstellte, klang überzeugend. Innerhalb weniger Monate nach dem Konsolenstart wollte man verschiedene große Franchises veröffentlichen.

Heute ist die Situation sogar noch schlechter als 2011 auf dem darbenden Nintendo 3DS. 75% der Titel (sechs aus acht), die Nintendo auf der E3 für den Start der neuen Konsole und die drei Monate danach versprochen hatte, wurden lapidar und ohne größere Erklärung um drei bis sechs Monate nach hinten verschoben. Einzig das später angekündigte Monster Hunter 3 Ultimate und die zwei Launch-Titel von Nintendo schafften es rechtzeitig. Unterdessen sank der Preis der Konsole klammheimlich bei diversen Einzelhändlern um bis zu 100 Euro (z.B. hier bei Amazon). Die Situation kennen Nintendo-Kunden doch? Damals, 2011, musste Nintendo seinen abmurksenden 3DS-Handheld mit einer rabiaten Preissenkung retten. Fans, die noch vor wenigen Monaten 80 Euro zu viel gezahlt hatten, entschädigte man mit kostenlosen Download-Spielen vom GameBoy Advance. Heute haben Erstkäufer 50 Euro bis 100 Euro zu viel bezahlt - ist das eine Entscheidung des Einzelhandels, der damit fast auf seine komplette Gewinnspanne verzichtet? Oder hat Nintendo (diesmal klammheimlich und ohne großes Aufsehen darum zu machen) wie beim Nintendo 3DS auch die Einkaufspreise gesenkt, um seiner humpelnden Konsole einen Schub zu geben? Niemand weiß das. Das Ergebnis ist aber ohnehin das gleiche.

Es gibt heute nur einen Unterschied zwischen dem 3DS- und dem Wii U-Debakel. Für den Handheld hatte Nintendo von Anfang an nichts für das Launch-Fenster angekündigt. Man könnte also sagen: selbst schuld, wer ihn sich trotz der düsteren Aussichten gekauft hat. Den Wii U-Käufern hat Nintendo dagegen zahlreiche Titel versprochen – diese aber dann einfach verschoben, sodass das Ergebnis auch hier das gleiche bleibt. Eigentlich ist diese Verfahrensweise sogar noch dreister. Manch einer könnte gar von Täuschung reden, hatten die Wii U-Käufer schließlich damit gerechnet, dass sie ihre Konsole nach dem Start auch benutzen können.

Nintendo und sein Vorstandsvorsitzender, Satoru Iwata, haben ein massives Glaubwürdigkeitsproblem. Leere Versprechungen, hohle Phrasen und mangelhafte Planung beschädigen die Reputation des Unternehmens zunehmend. Iwatas Chefsessel wackelt wie selten zuvor, denn auch die wirtschaftlichen Ergebnisse stimmen nicht mehr.

Sollte sich Nintendo innerhalb des nächsten Jahres nicht deutlich gefangen haben, dürfte spätestens in einem Jahr ein anderer an der Spitze des Unternehmens stehen. Während sich der Nintendo 3DS stabilisiert hat und dank eines breiten Software-Angebots von Nintendo immer mehr Käufer findet, bleibt die Situation auf Wii U düster. So langsam kann, muss und sollte man sich fragen: Wo bleibt eigentlich das Wii U-Botschafterprogramm, um die Fans für diese desaströse Planung zu entschädigen?

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1 Kommentare:


dampflokfreund
vor 6 Jahren | 0
Schöner Artikel, kann euch da ziemlich zustimmen. Allerdings fehlt noch was, um den Artikel zu perfektionieren: die schlechte Hardware der Wii U und das leere Versprechen, die Core Gamer zurückzuholen!