Zusammenfassung der Microsoft-Konferenz

Von Lars Peterke am 10. Juni 2013

Nachdem Microsoft vor wenigen Wochen seine neue Konsole mit dem Namen XBOX One vorgestellt hatte, sollten nun zur E3 die Spiele sprechen. In Microsofts erster Präsentation im Mai ging es zwar vorwiegend um Multimedia-Funktionen, allerdings kündigte der Publisher viele neue Marken an, die es im Launch-Fenster für die XBOX One geben wird. Welche Titel sich hinter dieser großspurigen Ankündigung letztendlich verbargen, haben wir für euch zusammen mit allen anderen Ankündigungen kompakt zusammengefasst.

 

Mit kurzer Verspätung begann die Präsentation unter Johlen der Anwesenden direkt mit einem Trailer zu Hideo Kojimas Metal Gear Solid V für XBOX One. Der Titel konnte grafisch überzeugen und transportiert das traditionelle MGS-Gameplay in ein Open World-Setting – ein überraschender Einstieg, mit dem Microsoft die Aufmerksamkeit des Publikums aktivierte. Im Anschluss ging es allerdings zunächst noch einmal um die „alte“ XBOX360, für die noch drei Ankündigungen gemacht wurden: eine Umsetzung des Free-To-Play-Titels World of Tanks und „Max: The Curse of Brotherhood“ wurden vorgestellt. Der letztgenannte Titel entsteht bei dem dänischen Entwickler Press Play und sieht aus wie ein Spiel von Rare während ihrer besten Tage. Es handelt sich übrigens um einen geistigen Nachfolger zu Max & The Magic Marker, das einst als Exklusivtitel für WiiWare erschien. Als letztes zeigte BandaiNamco noch einen Trailer zu dem Titel Dark Souls 2 gezeigt, der 2014 ebenfalls noch für XBOX 360 erscheinen wird.

 

 

Danach schwang Microsoft direkt zur neuen XBOX One um – und dabei vor allem zu Spielen für die neue Konsole, die bei der ersten Ankündigung deutlich hinter den Multimedia-Features zurückstellen mussten. Den Beginn machte „Ryse“, ein Projekt von Crytek. Der Titel soll Microsofts Antwort auf Sonys erfolgreiche „God of War“-Reihe werden und weist auch gewisse Einflüsse von Assassin’s Creed auf. Die gezeigten Ingame-Szenen setzten besonders auf bombastische Inszenierung und erinnerten ein wenig an die Landung in der Normandie a la Medal of Honour, angereichert mit Hack and Slay und massig gescripteten und vorinszenierten Quicktime-Events. Während sich die Verantwortlichen über weitere Details ausschwiegen, wurde der nächste Titel als „XBOX One Exclusive“ angekündigt: das Beat em Up „Killer Instinct“ von Rare wird 2014 erscheinen und knüpft an die ersten beiden Ableger aus den Jahren 1994 und 1996 an.

 

„Sunset Overdrive“ heißt indessen der neue Titel von Insomniac Game. Ein cartoonhafter Multiplayer-Shooter, bei dem sich die Spielkonditionen für die Teilnehmer täglich ändern sollen. Gezeigt wurde jedoch nur ein kurzer vorgerenderter Trailer.  Mit dem bereits angekündigten fünften Teil der Rennspiel-Reihe Forza wurde das nächste Grafikbrett ausgepackt. Neben einer bombastischen Optik laufen im Hintergrund Cloud-Funktionen und eine intelligente Fahrer-KI für Gegner, die mit der Zeit lernt, wie sie Spieler am besten herausfordern kann. Besonders betonten die Entwickler bei Forza 5, dass sie die neue Technik eben nicht nur für mehr Polygone und bessere Texturen nutzen wollen. Viel mehr soll sie die kleinen Details widerspiegeln, die dem Spiel leben einhauchen. Und auch die Intelligenzfeatures im Hintergrund sollen dazu beitragen, dass der Spieler Forza mehr wie eine Kopie der Wirklichkeit erlebt.

 

Im Folgenden wurde eine „XBOX One Edition“ von Minecraft angekündigt, Remedy zeigte einen kurzen Ingame-Clip zu seinem neuen Action-Titel „Quantum Break“. Der neue Titel der Alan-Wake-Macher spielt in einer Welt, in der nach einem missglückten Experiment manchmal die Zeit stehen bleibt. Die Macher von Deadly Premonition bringen einen episodischen Mystery-Titel im Cel-Shading-Look mit dem Namen „D4“ für die XBOX One. Microsoft selbst entwickelt mit „Project Spark“ ein aufwändig wirkendes Baukasten-Spiel. Der Titel nimmt sich Titel wie Minecraft und Little Big Planet zum Vorbild und wird auch für andere Microsoft-Systeme erscheinen.

 

 

Anschließend wurde ein erster Kampf aus dem neuen Ableger von „Killer Instinct“ auf der Bühne ausgefochten. Er war jedoch nur Mittel zum Zweck, um die Smartglass-Integration und den neuen Service „Upload Studio“ vorzustellen. Das integrierte Tool ermöglicht das Aufzeichnen und Teilen von Videos im Spiel, ist mit dem Streaming-Dienst Twitch verbunden und eine deutliche Replik an Sony: Die Japaner hatten bereits vor Monaten ein sehr ähnliches Feature für die PlayStation 4 angekündigt und als einen Kernnutzen des Produkts dargestellt. Auch zu XBOX Live vermeldete man Neuigkeiten: Microsoft Points werden verschwinden und durch lokale Währungen ersetzt. Außerdem ist die Mitgliedschaft bei XBOX Live Gold nun konsolenbezogen. Das bedeutet, dass künftig auch andere Familienmitglieder mit ihren Accounts Funktionen wie den Online-Multiplayer nutzen können.

 

Zurück zu den Spielen: Capcom enthüllte „Dead Rising 3“, das exklusiv für die XBOX One erscheinen soll. Das gezeigte Gameplay-Material mit Heerscharen von leicht niederzumähenden Zombies erntete großen Applaus im Publikum. Direkt danach war EA an der Reihe: Während die Präsentation des dritten Teils von „The Witcher“ problemlos gelang, gab es bei Battlefield 4 zunächst eine technische Panne, die mit höhnischen Sprüchen aus dem Publikum quittiert wurde – die Szene dürfte in die E3-Annalen eingehen. Als es dann im Anschluss doch noch funktionierte, konnten die gezeigten Spielszenen mit haufenweise Bombast für die kleine Wartezeit entschädigen. 


Zum Ende der Präsentation gab es frischere Konzepte. „Below“ ist ein neuer Titel der Macher des Indie-Hits „Superbrothers Swords and Sorcery EP“ und neue Microsoft-Studios arbeiten an neuen IPs, auf die die PK allerdings nur im Ansatz einging. Vom Studio BlackTusk kommt ein Titel, der an Splinter Cell erinnert, und bei 304 Industries entsteht ein neuer Halo-Titel. Natürlich wurde der neue Eintrag in die Traditionsserie mit frenetischem Jubel bedacht.

 

 

Zum Abschluss gab es dann noch die wichtigen Eckdaten für den Launch: Die XBOX One erscheint im November 2013 für 499€ weltweit. Dabei wird es auch eine spezielle „Day One Edition“ geben. Bevor die anwesenden Journalisten und Medienvertreter den Saal verließen, bekamen sie noch eine letzte „Neuankündigung“ zu sehen. Von Respawn Entertainment, dem Studio der ehemaligen Infinity-Ward-Köpfe, kommt „Titanfall“. Von dessen Existenz hatte die Öffentlichkeit bereits im Vorfeld erfahren. Die ehemaligen Entwickler von Infinity Ward zeigten eine Gameplay-Demo, die eindrucksvoll zeigte, dass die kreativen Köpfe hinter Call of Duty nun Call of Duty mit Weltraum machen und das Ganze mit Mech-Warrior kombinieren.

 

Fazit:

Nachdem die Enthüllung der XBOX One vor einigen Wochen wegen einiger zweifelhafter Features in einem mittleren PR-Debakel endete, hielt sich Microsoft auf seiner E3-Konferenz mit näheren Ankündigungen zur Politik hinter der Konsole bedeckt und ließ stattdessen reihenweise Trailer zu kommenden Spielen sprechen. Im Minutentakt feuerte man Enthüllungsvideos und Ingame-Demos auf die Zuschauer ab, die stellenweise kaum mehr aus dem Staunen herauskamen. Besonders konnte man darüber staunen, wie alle gezeigten Spiele versuchten, sich gegenseitig in der Anzahl der gezeigten Explosionen zu überbieten, um ihre Next-Gen-Grafikengines ins rechte Licht zu rücken. Innovation blieb dabei weitestgehend außen vor: Viele der gezeigten Titel waren entweder Sequels oder bedienten sich an typischen Gameplay-Schemata für Triple-A-Blockbuster. Große Ankündigungen bezüglich der neuen Services für XBOX One gab es nicht, sodass Microsoft nach wie vor die Wogen glätten muss, wenn es um Themen wie Gebrauchtspiel-Sperre und Wohnzimmer-Überwachung geht.

 

Das Unternehmen lieferte unterm Strich dennoch eine kompromisslose Bombast-Konferenz, die klar auf die angepeilte Zielgruppe zugeschnitten war, die endlich Spiele sehen wollte. Da wohl kaum ein Casual-Gamer das neue System für die stolzen 499€ kaufen wird, bleibt Kinect vorerst ein technisches Hilfsmittel für die Multimediadienste. „You are the Controller“ – das war einmal. Für den Moment (heißt: für diese E3) hat Microsoft also fast alles richtig gemacht. Ein endgültiges Fazit wird sich aber erst nach der Messe ziehen lassen, wenn die unangenehmen Fragen aufkommen. Denn bei den vermutlich hohen Produktionskosten der Next-Gen-Titel wäre es nicht verwunderlich, wenn diese in den Folgetagen auch für die PlayStation 4 oder gar Wii U angekündigt werden. Sollte das so sein, könnte ein Großteil der heutigen Konferenz nachträglich verpuffen. Was bleibt, sind aber: Explosionen.

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1 Kommentare:


MC H
vor 6 Jahren | 0
Ein zweischneidiges Brett. Lässt man den Online-Zwang und die Gebrauchtspielesperre ausem vor so liefert Microsoft dank zahlreicher Ankündigungen eine solide Show. Aber wie gesagt abstreiten lässt sich die Schwächen der Xbox One aber nicht und auch der Preis ist zu teuer. Mehr als eine 3 kann ich nicht geben dafür haben mich die Zwänge der Box zu sehr enttäuscht. Aber die Games waren gut.