Preview: Batman - Arkham Origins

Von Tim Herrmann am 03. Oktober 2013
„Sowas müsste man mal zuhause haben“, murmelt jemand im Publikum fast ehrfürchtig. Ein Kino, in Hamburg. Saal 4. Etwa 30 Journalisten, Blogger und Medienvertreter bekommen gleich einen neuen Batman auf 37 Quadratmetern Leinwand zu sehen. Einen unerfahrenen, ungehobelten Batman; den aus Batman: Arkham Origins, das Warner Bros. Interactive der Fachpresse an diesem Mittag präsentiert.
 
Executive Producer Ben Mattes von Warner Bros. Montreal ist auch da, sein Studio entwickelt den neuen Teil der Reihe. Mattes und sein Team treten damit in die Fußstapfen von Rocksteady, das mit Batman: Arkham Asylum einen echten Überraschungshit gelandet und mit Batman: Arkham City fortgesetzt hatte.
 
Während der Produzent noch einleitet, lauert Batman mal wieder im fahlen Mondschein auf einem Wasserspeier an einer Hauswand in Gotham City – und steckt in gewaltigen Schwierigkeiten. Der skrupellose Bandenboss Black Mask hat ein Kopfgeld von 50 Millionen US-Dollar auf ihn ausgesetzt. Ausgerechnet an Weihnachten. Das treibt den gesammelten Abschaum der DC-Verbrecherwelt nach Gotham City. Und damit eine ganz neue Qualität von Verbrechern.
 
 
Noch bevor Batman sich auf der Leinwand ins Abenteuer stürzt, fasst Mattes kurz zusammen, worum es in Arkham Origins geht: Batman muss besser werden, um zu überleben – ein besserer Batman. Das Spiel beginnt zwei Jahre, nachdem Bruce Wayne die Fledermausmaske aufgesetzt hat, aber lange vor den anderen Batman-Spielen. Der selbsternannte Rächer von Gotham bekämpft jede Nacht Drogendealer, Kleinkriminelle und ein paar Mafia-Bösewichte. Doch mit hochprofessionellen Berufskillern und wahnsinnigen Bandenbossen hatte er es noch nicht zu tun. Die erwarten ihn aber in der verhängnisvollen Weihnachtsnacht.
 
Und damit stürzt sich Batman auf dem Bigscreen ins Dunkel, um das Gotham City Police Department zu infiltrieren. Er muss mehr über seine Gegner erfahren. Polizeichef Gordon, der ihm in späteren Jahren dabei helfen würde, ist im Moment noch ein Fremder. Schlimmer noch: Er ist Teil der Gotham-Polizei. Und die ist unterwandert von korrupten, selbstherrlichen und kurzsichtigen Beamten, die es sich ihrerseits zum Ziel gesetzt haben, den illegalen Streifzügen der Fledermaus ein jähes Ende zu setzen. Da sind Scharmützel vorprogrammiert. Und natürlich kommt es dazu prompt. Das hochgelobte Free-Form-Kampfsystem der Vorgänger ist dabei 1:1 übernommen worden. Batman teilt kräftig aus und kontert Gegenangriffe artistisch. Das motivierende System mit seinen Kombos, den heftigen Sound-Effekten und den flüssigen Animationen ist immer noch State of the Art.
 
 
Die Kämpfe bleiben nicht das einzige Element der Vorgänger, das einen bekannten Eindruck macht. Tatsächlich kehren auch so gut wie alle Gadgets zurück – sei es die Batclaw, das Explosivgel, Batarangs oder Seilwinden. Mit den Gadgets gehen die Rätsel einher: Gitter zum Lüftungssystem öffnen, marode Wände sprengen, sichere Balance-Seile spannen, Rauchbomben werfen. Das kennt man aus Arkham City. Auch der Rest bleibt weitgehend unangetastet: Im Detektivmodus erkennen Spieler, welche farbig markierten Gegner bewaffnet sind und wo sich versteckte Wege befinden. So können sie sich leise zu ihrem Ziel schleichen, möglichst unerkannt bleiben oder sich dem Kampf stellen. Das ist alles nicht neu.
 
Dieser Eindruck bleibt. Man merkt Arkham Origins fast eine gewisse Ehrfurcht vor den großen Rocksteady-Vorgängern an; bloß nichts verändern. Neu an Arkham Origins sind die Geschichte und das Szenario. Spielerisch wagen die Entwickler aber keine großen Experimente. Das spiegelt auch die offene Spielwelt wider, die Rocksteady in Arkham City eingeführt hat. Im neuen Teil bewegt sich Batman durch das echte Gotham. Das ist etwa doppelt so groß wie die Spielwelt des Vorgängers und natürlich komplett neu modelliert, fühlt sich aber dennoch an wie Arkham City: Es ist dunkel, es ist kalt, es ist gefährlich. Batman saust durch Häuserschluchten, gleitet, stürzt auf Feinde herab, rettet sich in sichere Höhen.
 
Weil die neue Spielwelt so groß ist (eine Nord- und eine Südhälfte, verbunden durch eine Brücke), gibt es auch ein optionales Schnellreisesystem. Das ist besonders dann notwendig, wenn Batman in sein Hauptquartier, die Batcave, reisen möchte. Dort kann er sich mit Butler und Freund Alfred unterhalten, seine Gadgets aufrüsten oder sich dem Training widmen. An dieser Stelle merkt Mattes bei der Präsentation besonders auf – denn gerade dieses Training verdiene eine besondere Betonung. Batman soll in seiner Batcave trainieren, schließlich muss er besser werden, um es mit neuen Feinden und Assassinen aufnehmen zu können. Deshalb bekommt er auch nach dem künstlichen Training in der Batcave Erfahrungspunkte, die er in Upgrades für die Ausrüstung oder in neue Fähigkeiten investieren kann. Das Ziel: ein besserer Batman werden. Dessen soll sich auch der Spieler immer bewusst sein.
 
 
Nur indem Spieler die Spielmechaniken meistern, kommen sie voran: zum Beispiel beim Bosskampf gegen Deathstroke, den Mattes zum Schluss seiner Präsentation vorführt. Deathstroke ist einer der tödlichen Assassinen, die es auf Batman abgesehen haben, dick gepanzert, mit gruseliger Maske und brutalem Schlagstock. Er überrascht die Fledermaus, während sie den schmierigen Pinguin befragt, einen weiteren Gotham-Schurken, der hier mitmischt. Der Kampf gegen Deathstroke in einer runden Arena im Dunkel ist intensiv, schnell und schon beim Anschauen anstrengend. Nüchtern betrachtet muss der Spieler aber nur das grundlegende Kampfsystem beherrschen, um Deathstroke zu besiegen, und im richtigen Moment kontern oder angreifen. Spezielle Herausforderungen bietet der Kampf nicht. „Die Bosse sollen prüfen, ob die Spieler und der unerfahrene Batman die Spielmechaniken bis zu diesem Punkt gemeistert haben und zu einem besseren Batman geworden sind“, schwärmt Mattes. Klar, dazu sind Bosskämpfe da.
 
Mattes' Ausführungen über das bahnbrechende Origins-Setting klingen toll. Aber hinter der Kulisse ist es nicht überraschend, dass ein Spieleheld im Laufe eines Action-Spiels stärker werden muss, um neue Gegner zu bezwingen. Eine scheinbar unüberwindbare Aufgabe ist die Grundlage jeder Charakterentwicklung. Und am Ende wissen doch alle: Obwohl Batman unerfahren ist, wird er seine Assassinen am Ende doch bezwingen und die Terrornacht überleben.
 
 
Batman – Arkham Origins wird ein tolles Spiel, darauf deutete auch während der Präsentation im großen Kinosaal alles hin. Das Spiel hat sich grafisch nochmals etwas verbessert, die Spielwelt ist größer und es gibt noch mehr DC-Schurken zu bezwingen. Ansonsten bleibt vieles – etwa Spielidee, Kampfsystem, Spielmechaniken, Düsterstimmung – gleich. Und damit bestimmt auch gleich gut. Arkham Origins bringt nach Rocksteadys großen Quantensprüngen allerdings (voraussichtlich) nicht viel Neues mit. Es erfindet die Arkham-Reihe nicht so neu, wie es vor zwei Jahren Arkham City tat. Deshalb darf man sich von dem dritten Arkham-Spiel hauptsächlich eine neue Geschichte mit vielen Schurken und frischen Spielstoff im bekannten Gewand erhoffen. Und das ist doch eigentlich mehr als genug. Oder?
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4 Kommentare:


Santiagowinehouse
vor 8 Jahren | 0
Ich bin schon sehr gespannt auf das Game, habe es mir Anfang Sommer vorbestellt :-)

highvoltage
vor 8 Jahren | 0
Das hatte ich auch, aber als diese Woche dann die Entwickler "Stolz" verkündeten das die Spielzeit von Haupt und Nebenmissionen ca 12 Stunden lang wäre, habe ich mich für Deus Ex entschieden. für 60€ 12 Stunden Spaß! Ihr mich auch!

Santiagowinehouse
vor 8 Jahren | 0
@highvoltage,

beim Vorgänger war die Hauptstory auch ca. 12 Stunden lang, die effektive Spieltzeit lag bei mir allerdings bei 39 Stunden. Es gibt so viele spannende Nebenmissionen! Und diese sind geschickt eingefädelt, es fühlt sich also nicht an, als wären sie einfach nur eine langatmige Verlängerung

highvoltage
vor 8 Jahren | 0
Zitat:(zu Origins)
The main narrative arc and side missions last about 12 hours," he explained, "and then you have all the collectibles. To get 100 per cent of that will take much, much longer.

Zita:;zu City)
Man braucht über 25 Stunden, um die Hauptgeschichte von Batman: Arkham City abzuschließen",

Im Prinzip wird die kürzere Spielzeit mit dem online Modus gerechtfertigt, blöd nur das wir genau den nicht in unserer Version haben. Nach dem Motto "ihr Spielt sowieso nicht online, dann braucht ihr das nicht"

ich kann auch auf einen onlinemodus Verzichten, aber mir persönlich ist es zu viel Geld für zu wenig Spielzeit! Bin auch Fan, aber im Augenblick hat das Spiel Konkurrenz mit splinter Cell und deus ex, und die beiden kommen bei mir als erstes ins Laufwerk!