Eiji Aonuma: ein Mann, viele Interviews und Zelda

Von Tim Herrmann am 21. Oktober 2013
Aonuma erklärt, Aonuma verrät, Aonuma deutet an, Aonuma munkelt. Seit Tagen tröpfeln täglich mehr oder wenige relevante News-Schnipsel in die internationale Blogosphäre, in denen Eiji Aonuma sich in irgendeiner Weise zu The Legend of Zelda äußert. Und doch schafft es der 50-jährige Serienproduzent, nie wirklich etwas zu sagen. Egal – solange Zelda in der Überschrift steht, springt die internationale Fachszene dankend auf den Promotion-Zug auf.
 
Es ist maßgeblich Aonuma, der die Zelda-Reihe seit The Legend of Zelda – Majora’s Mask vorantreibt, über neue Mechaniken entscheidet, Gameplay und Grafikstil formt. Vor kurzem war Aonuma in Amerika, um The Legend of Zelda – A Link Between Worlds für den Nintendo 3DS zu bewerben. Und prompt scharten sich Horden aus Tech-Bloggern, Fachjournalisten und Fans um den Entwickler. In den vergangenen Jahren ist Aonumas Popularität rasant gewachsen, Nintendo positioniert ihn offensiv als geistigen Nachfolger von Shigeru Miyamoto, lässt ihn vor Fans und bei Nintendo Direct sprechen. Aonuma genießt seinen neuen Promi-Status sichtlich, lässt kaum ein Interview aus und kokettiert mit der großen Begeisterung, die „seine“ Zelda-Serie und damit auch seine Person erfährt. "My name is Eiji Aonuma" - aufbrandender Jubel. "Do you know me...?" - frenetischer Jubel. Es entsteht ein echter Starkult um Aonuma. Zum Beispiel auf dem Panel auf der New York Comic-Con, von dem auch ein Video existiert.
 
 
Egal ob vor Fans oder Bloggern, in den Medien oder bei Nintendo Direct; immer geht es nur um eine Frage: Was kommt als nächstes für The Legend of Zelda? So erreicht uns in diesen Tagen ein wahrer Interview-Overkill, ein buntes Potpourri aus Nicht-Informationen, Gemunkel, Geheimniskrämerei und unverhohlener Werbung. Wir haben die Tröpfchen zum nächsten Zelda-Spiel für Wii U gesammelt und destilliert. Damit es in unserem Special nicht beim wilden Stochern im Nebel bleibt, das in der Fanszene schon genug praktiziert wird, hinterlegen wir unsere Funde direkt mit Links (!) zu den Interviews oder zur WiiUX-News-Berichterstattung. Übrig bleibt ein Eindruck davon, wie der neue Titel aussehen könnte.
 
Die Grafik
„Aussehen“ ist dabei gleich das erste Stichwort. Welchen Grafikstil bringen Aonuma und sein Team auf den Bildschirm – das ist das meistdiskutierte Thema. Von einem Gedanken, so viel ist klar, können Fans sich verabschieden: Das neue The Legend of Zelda wird nicht so realistisch aussehen wie etwa Uncharted auf der PlayStation 3 oder andere aktuelle Titel. „Neu“ müsse der Artstyle des nächsten Zelda-Spiels sein und „anders wirken als alles, was schon existiert“, gibt Aonuma vor (zur News). Selbst eine Stilrichtung wie in The Legend of Zelda – Twilight Princess schloss Aonuma praktisch bereits aus. Man habe den Titel auf der Wii U-Konsole in HD umgesetzt, sei vom Ergebnis aber unbeeindruckt gewesen (zum Interview). Unterdessen hat Aonuma das negative Echo auf The Legend of Zelda – The Wind Waker verkraftet und seinen Frieden mit Cel-Shading gemacht (zum Interview). Er könne sich sogar vorstellen, noch einmal zum Cartoon-Stil zurückzukehren, sagte er gegenüber Fans in New York (zum Artikel). Für das nächste Wii U-Zelda ist das aber unwahrscheinlich, gerade im Licht des Remakes von The Wind Waker. Dennoch: Comichafte, bunte Akzente sind auch für das nächste Wii U-Abenteuer denkbar, die Grafik der Tech-Demo von 2011 wird wohl eben dies bleiben – eine Demo.
 
 
Die Spielstruktur
Neu und anders, das ist nicht nur die Prämisse für die grafische Gestaltung, sondern das generelle Ziel der Entwicklung. Aonuma ist des klassischen Zelda-Prinzips überdrüssig (zur News), will die Spieler nicht erneut der Reihe nach durch Rätselkerker jagen und ihnen feste Pfade vorgeben. Im aktuellen Zelda-Spiel für den Nintendo 3DS muss der Spieler ab einem bestimmten Punkt stattdessen selbst entscheiden, welches Ziel er als nächstes aufsuchen möchte. Keine Trampelpfade mehr, keine Klarheit. Stattdessen soll jeder selbst überlegen, welche Items den Weg zum nächsten Ziel ebnen könnten, und diese dann in einem Shop ausleihen.
 
Aonuma findet, dass es durchaus Spaß machen kann, manchmal steckenzubleiben und nicht mehr weiterzuwissen. „Wir, die Entwickler, haben uns die schlechte Angewohnheit zugelegt, Spieler zu sehr an die Hand zu nehmen“, betonte der EAD3-Chef gleich mehrmals und konterkarierte damit offensiv Bestrebungen seines Chefs Shigeru Miyamoto (zum Interview). Es war maßgeblich Miyamoto, der in den letzten Jahren Nintendos Hilfe-Features vorangetrieben hatte, die ganze Levels automatisch komplettieren, Lösungen vorsagen oder Videos vom nächsten Rätsel abspielen. Wenn es nach Aonuma geht, werden sie im neuen Wii U-Zelda wieder gestrichen. Zudem wird es der Produzent darauf anlegen, ab und zu auch kniffligere Kopfnüsse einzubauen, deren Lösung nicht gleich offensichtlich ist (zum Interview).
 
Die Spielwelt
Solche Rätsel wird er im nächsten Zelda wohl wieder in eine offenere Spielwelt einbetten. Nach dem recht linear gestrickten The Legend of Zelda – Skyward Sword mit seinen dungeon-ähnlichen Erdländern und dem relativ leeren Wolkenreich haben Fans einige Kritik geäußert und sich wieder eine große Spielwelt zum freien Entdecken gewünscht. Aonuma hat das gehört und will den Wunsch bei der Entwicklung berücksichtigen (zum Interview) – im Kern der Planung stehe aber die Frage: „Welche Welt braucht das Gameplay, das wir umsetzen wollen?“. Also eine nochmals vergrößerte Hylianische Steppe, ähnlich wie in The Legend of Zelda – Twilight Princess? Eine Spielwelt wie in The Elder Scrolls V – Skyrim? Eher nicht, denn auch an der Spielwelt will Aonuma für das neue Wii U-Zelda feilen. Ebenso wie der Grafikstil soll die Welt überraschen (zur News) – was das heißt, bleibt natürlich ein Kerngeheimnis.
 
 
Die Geschichte
Welche Geschichte erzählt wird, ist indes noch völlig offen. Zwar ist die wirre Zeitleiste der Serie jetzt offiziell, bislang gibt es aber keinen Anhaltspunkt, wo Nintendo andocken will. Nur eines steht fest: Es gibt ein Land namens Hyrule, in dem ein Charakter namens Zelda lebt – dabei wird Zelda aber aller Voraussicht nach keine Prinzessin im klassischen Sinne sein. Aonuma hat angedeutet, den Charakter erneut anders einbinden zu wollen – wie schon in The Wind Waker und Skyward Sword (zum Interview).
 
Die Steuerung 
Eine große Unbekannte bleibt auch die Steuerung. Das GamePad werden die Entwickler einbinden. Es soll nicht nur die Karte und das Inventar anzeigen wie in The Wind Waker HD, sondern auch spielerisch Verwendung finden. Was aus der Wii-Fernbedienung Plus wird, dazu gab es in den letzten Monaten kein Wort aus den EAD-Studios. Nach dem Release von Skyward Sword hieß es noch, man könne sich nicht mehr vorstellen, zu Knöpfen zurückzukehren (zur News). Der Wii-Titel war voll auf der 1:1-Bewegungssteuerung von Wii MotionPlus aufgebaut und teilte die Fangemeinde in gänzlich Überzeugte und ewig Skeptische. Nach der Stille der letzten Monate ist es schwer vorstellbar, dass Nintendo letztendlich auf ein kompliziertes Zusammenspiel beider Controller-Generationen setzen wird. Es wird wohl beim GamePad als einzigem Eingabegerät bleiben.
 
Der Release-Termin
Und wann kommt das neue Zelda-Spiel nun endlich auf den Markt? An dieser Frage zerbricht eigentlich der ganze Artikel. Denn noch mindestens ein Jahr lang heißt es: Warten. Daher ist die überhitzte Diskussion, die derzeit um den nächsten Wii U-Ableger geführt wird und die Aonuma sicher nicht unwissentlich in seinen Interviews anheizt, maßlos überzogen.
 
Auf der E3 2014, im Juni also, will Aonuma „über den Titel sprechen“ – und ihn wohl erstmalig groß ankündigen (zur News). Doch noch in diesem Jahr könnte Nintendo erstes Material veröffentlichen (zur News). Womöglich steht am Ende des Ankündigungsvideos dann „Release: Winter 2014“. Genauso gut ist es aber möglich, dass es Ende 2014 dann heißt: „Sorry, we need more time. Thank you for your patience“. So war es bei Twilight Princess. So war es bei Skyward Sword. Beide wurden nach ihrer Ankündigung um mehr als ein Jahr verschoben. Zwar wollten die Entwickler “den Abstand zwischen den Zelda-Spielen wieder verringern” (zur News), nachdem fünf Jahre zwischen Twilight Princess und Skyward Sword lagen. Doch realistisch betrachtet wird es eher länger dauern, einen aufwändigen HD-Titel auf die Beine zu stellen, der die eigenen Ansprüche erfüllt. Zartbesaitete sollten sich also schon heute seelisch darauf einstellen, dass Zelda noch bis 2015 oder 2016 auf sich warten lassen könnte. The Wind Waker HD ist nicht ohne Grund als Brückentitel veröffentlicht worden.
 
 
Fazit
Zeit für ein Fazit. Aonuma will aktiv werden. Kaum ein Zelda-Konsolenableger hat sich schlechter verkauft als The Legend of Zelda – Skyward Sword. Und das auf einer Konsole, die in fast 100 Millionen Haushalten stand. Das klassische Prinzip mit seinen subtilen Rätsel-Delikatessen und dem immer gleichen Ablauf geht in der rasanten Games-Branche heute mehr und mehr unter. Aonumas Lösung: weg von den Wurzeln. Ein Aufsehen erregender Grafikstil, ein neues Setting und ein veränderter Spielablauf sollen die Serie ins Jahr 2014 (oder 2015. Oder 2016…) hieven. Aonuma nutzt seine neu gewonnene Beliebtheit auch, um Spielern quasi ins Gesicht zu sagen, dass viele ihrer Wünsche nicht erfüllt werden. Ein klassisches Zelda in realistischer HD-Grafik? Nicht mit Aonuma. Erwartungen enttäuschen und stattdessen überraschen, das ist Aonumas Credo. Er kann es sich leisten
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7 Kommentare:


Belphegor
vor 5 Jahren | 0
Vielen Dank Tim für diesen großartigen Artikel der den heutigen Stand des Projekts komplett wiedergibt!

Das Aonuma als Miyamoto-Nachfolger aufgebaut wird war mir bis eben noch gar nicht klar. Aber es macht Sinn. Ich freue mich auf die kommenden Jahre mit ihm!

Zwei Fragen bleiben für mich übrig: zeigt Nintendo dieses Jahr noch einen Schnipsel? Auf der E3 hatten sie es versprochen! Und WANN wird Zelda U released. Seit der Ankündigung erst auf der nächsten E3 den Titel offiziell vorstellen zu wollen, habe ich mich vom Release zu Weihnachten 2014 verabschiedet. Zumal wir dieses Jahr das Remake und einen neuen 3DS-Teil bekommen haben. Somit steht Nintendo auch nicht mehr unter dem enormen Druck in 2014 direkt wieder ein Zelda "raushauen" zu müssen. Ich freunde mich nach und nach mit dem Gedanken an das es mit Zelda U erst zu Weihnachten 2015 etwas wird. Traditionell sind ja Konsolen-Zeldas immer Weihnachtstitel! Zumindest war es von Zelda I bis zu SS (mit Ausnahme von WW) in Europa immer so!

MZItalo
vor 5 Jahren | 0
Schöner Beitrag!!!!

Ich muss sagen trotz vieler Mankos hat mir Skyward Sword gefallen. Nur konnte es mich bisher nicht für einen weiteren Durchgang begistern! Das ist mir bei Zelda bisher noch nie passiert!

Ich glaube auf jeden fall, dass ein Spiel für ein Weihnachtsgeschäft ist!

WiiTetsu
vor 5 Jahren | 0
Haha, ich denke ein Wort über eine mögliche Sprachausgabe hätte uns alle am meisten interessiert xD

Der R
vor 5 Jahren | 0
Kommt der überhaupt noch dazu was an dem Spiel zu machen bei der ganzen Medienpräsenz? :DDD

Zum Skyward Sword. Sie haben das Spiel veröffentlicht als die Konsole bereits fast tot war. Viele mochten auch die Bewegungssteuerung nicht. Denn die Bewegungssteuerung fand vor allem bei Casual-Gamern anklang....und die wiederum konnten nicht sooo viel mit einem Zelda anfangen. Man hätte Skyward Sword soe wie Twilight Princess auch für 2 Systeme machen sollen. Die Wii und die Wii U.

MZItalo
vor 5 Jahren | 0
Bitte keine sprachausgabe... Das könnte auch viel zerstören!

Duffman
vor 5 Jahren | 0
Die Frage ist, wie lange er sich das leisten kann. Das hängt natürlich maßgeblich vom Erfolg des neuen Zeldas ab.
Der Fehler, den Aounuma bzw. Iwata gemacht hat, war diese Zelda-Tech-Demo zu zeigen. Dadurch hat man den Leuten quasi ein realistisches HD-Zelda versprochen, bzw. sie darauf heiß gemacht, und das wird einigen bei der Zelda Präsentation im Kopf sitzen. Ich selbst zähle mich auch dazu.

Eins ist sicher: Der Mann hat gute Ideeen und Ansätze. Ich fand die veränderte Oberwelt in Skyward Sword durchaus gelungen, nur leider viel zu klein und es hat sich trotz der geringen Größe nicht dieses Gefühl von "sich auskennen" eingestellt, wie es z.B. bei TP der Fall ist (kennt das jemand?). Dazu kommt natürlich der lineare Spielverlauf...

Besser wäre gewesen: ein Metroid von den Retro Studios als HD Tech-Demo vorzustellen (Corruption war 2007!). Tropical Freeze hätte Retros nachfolgendes Projekt werden sollen und Zelda? Naja, hier und da ein paar Infos und evtl Artworks, so wie es eh schon jetzt gemacht wird und die volle Präsentation 2014.
Aber so ist es eben mit diesen "Hätte, wenn, wäre"-Aussagen...

Krugigi
vor 5 Jahren | 0
Ich frage mich ,ob Nintendo sich dazu durchringen wird irgendwann mal ein Spiel mit der Tech-Demo-Grafik rauszubringen. Es muss ja nicht unbedingt Zelda sein. Auch Metroid oder Starfox hätten das Potenzial dazu.