Pikmin 3-DLC: Paketeweise Strategie

Von Tim Herrmann am 23. Dezember 2013

„Och, wie süß. Eine Armee der Blümchen. Die quietschen aber niedlich“. Der Anblick von Pikmin 3 trügt. Hinter der niedlich-bunten Fassade steckt ein ausgebufftes Strategiespiel, das im Kern selbst Profis auf eine harte Probe stellt. Pikmin 3 ist eines der besten Spiele des Jahres 2013 und auch fast ein halbes Jahr nach seinem Release noch so aktuell wie im Sommer. Denn Nintendo hat den Titel mittlerweile mit drei DLC-Paketen erweitert. Anlässlich des bislang größten Zusatzes, der Anfang des Monats erschien, schreiben wir den klugen Download-Missionen eine Huldigung.

Die Mehrheit der Spieler wird wohl nur den Story-Modus von Pikmin 3 einmal durchgespielt und den Titel dann zufrieden zu den Spiele-Akten gelegt haben. Haken dran, fertig, Welt gerettet, alles gesehen. Das eigentliche Herz von Pikmin 3 schlägt aber abseits, im Missionsmodus. Es ist ausnahmsweise keine PR-Blase, wenn die Nintendo-Granden immer wieder davon sprechen, dass er die „Essenz von Pikmin“ abbilde. Zwei Missionsmodi gibt es: „Sammele Schätze!“ und „Besiege die Kreaturen!“. Die Namen sagen eigentlich alles Nötige. Standardmäßig gibt es in jedem dieser Modi fünf Missionen. Nintendo hat sie mittlerweile um je zehn weitere Missionen erweitert. Folgende DLC-Pakete gibt es:

  • Sammele Schätze (Missionen 7 – 10) – Die bekannten Levels aus dem Sammele-Schätze-Standardmodus werden teilweise leicht verändert wiederholt. Weil die Schätze anders verteilt sind und die Infrastruktur anders aufzubauen ist, erfordern sie aber völlig andere Lösungswege. Preis: 1,99€ (also 50 Cent pro Level).
  • Besiege die Kreaturen (Missionen 7 – 10) – Hier werden nicht die bekannten Missions-Levels neu aufgelegt, sondern verkleinerte Stages aus dem Hauptspiel. Diverse Extra-Bereiche sind nicht mehr zugänglich, einige kleine Veränderungen lassen die Levels wie neu erscheinen. Preis 1,99€ (also 50 Cent pro Level).
  • Sammele-Schätze 12 – 15 & Besiege die Kreaturen 12 – 15 – Anders als in den anderen beiden Paketen bietet Nintendo hier fünf neue Stages an, in denen sich je eine Schatzsammlung und eine Kampfrunde abspielt – zum Beispiel auf einem Geschenketisch oder auf einer Baustelle. Der Preis ist mit 5,99€ etwas höher, der Inhalt dafür aber auch größer. Pro Level bezahlt ihr ca. 75 Cent.
 

Jedes Paket lockt euch mit je einer Gratis-Mission. Sie hilft bei der Entscheidung darüber, ob ihr einige Stunden in die perfekte Lösung investieren wollt oder lieber nicht. Wer Pikmin 3 gerne mochte und tiefer in den Kern des Strategiekonzepts einsteigen möchte, sollte sie unbedingt ausprobieren.

Was unterscheidet die Missionen nun vom Hauptspiel? Die Areale sind kleiner als die Regionen der Story. Sie lehnen sich stilistisch an die großen Gebiete an, sind aber anders aufgebaut. Auch die verfügbare Zeit ist knapper bemessen. Und oft steht dem Spieler nur eine bestimmte Anzahl von Pikmin vorgegebener Farbe zur Verfügung. Unter diesen Voraussetzungen spielt Nintendo die ganze Raffinesse seines meisterhaften Level-Designs aus.

Level-Design ist hier mitnichten gleichzusetzen mit schönen Grafikdetails oder bunten Szenarien. Nein, die Levels sind einfach minutiös präzise konstruierte Rätsel, die es mit Fingerspitzengefühl, Akribie und strategischer Planung zu knacken gilt. Das Ziel ist es, innerhalb des Zeitlimits möglichst viele (am besten: alle) Schätze zu sammeln oder Gegner auf der Karte zu besiegen. Das sieht auf den ersten Blick immer völlig unmöglich aus: „Ich soll mit insgesamt 20 blauen Pikmin einen Kerker voller Punktekäfer besiegen?!“.

Tatsächlich, das Augen-zu-und-durch-Prinzip versagt regelmäßig kläglich. Stattdessen verlangen euch die Levels ab, mit ihnen zu spielen, ihre Eigenheiten zu entdecken und sie zu durchblicken. So müsst ihr eure Pikmin nach Bomben graben lassen, möglichst effizient zu starken Blumen-Pikmin entwickeln, intelligent verteilen und ihnen passende Aufgaben geben. Dann gehen die Levels auf – so ästhetisch wie eine mathematische Gleichung und so befriedigend wie ein vertrackter Knoten, der sich langsam löst. Nicht selten kommt die letzte Frucht regelrecht in der letzten Sekunde an. Jede übrige Sekunde beschert euch Extra-Punkte. Daraus errechnen sich dann die schwindelerregend hohen Punktzahlen, die den Weltrekord einnehmen.

Das alles ist so anspruchsvoll, weil das knappe Zeitlimit und der verästelte Level-Aufbau euch dazu zwingen, ganz anders und weniger nachgiebig zu denken als im Story-Modus. In der Geschichte ist es oft bequem, die zwei zusätzlichen Anführer einfach zu ignorieren und eine große Gruppe von 100 Pikmin allein zu kommandieren. Der Story-Modus lässt dieses Prinzip für unerfahrene Spieler durchaus zu. Im Missionsmodus wird es aber nie zum Erfolg führen.

Ein recht realistisches Beispiel mit 50 Pikmin: Es scheint sich manchmal anzubieten, zwanzig Pikmin auf zwei Äpfel zu schicken (zehn pro Apfel), um sie zum Mutterschiff zu transportieren und schnelle Punkte zu kassieren. Doch dann würden nur 30 Pikmin übrig bleiben, um einen nahegelegenen Goldberg von 40 Steinen abzutragen (ein Stein pro Pikmin). Die kleinen Helfer müssen jetzt zweimal hin- und herlaufen, wobei in der zweiten Runde 20 Pikmin tatenlos im Leerlauf bleiben und warten. Die Rechnung geht also nicht auf, die Variante verschwendet wertvolle Zeit. Schneller geht es, erst 40 Pikmin auf den Berg zu jagen (dann müssen sie nur eine Tour absolvieren) und erst danach zum Abtransport der Äpfel zu kommandieren. Während ihre Artgenossen unterwegs sind, können die verbliebenen zehn Pikmin zum Beispiel eine Wand aus dem Weg räumen und den Weg für die weitere Expedition ebnen. Damit der Anführer nicht zwischen den beiden Gruppen pendeln muss, kann der Spieler einen der drei Captains beim Berg belassen und den anderen weiterschicken. Alternative: Wer lila Pikmin im Gepäck hat, kann sich auch 18 Pikmin ganz sparen und nur die zwei Schwergewichte zum Transport der schweren Äpfel schicken. Fazit: Es gibt nicht nur eine richtige Lösung. Aber es gibt viele falsche.

Übrigens hilft es nicht unbedingt, die Levels zu zweit zu spielen. Zwar ist der Koop-Modus auch im Missionsmodus immer verfügbar, einen echten Vorteil bringt er aber selten. Wer den Level durchblickt, wird Wartezeiten und Aufgaben so legen können, dass er zwischen den Anführern springen kann, ohne dabei Zeit zu verlieren. Die Weltrekorde werden zumeist von Einzelspielern gehalten, die ihre Wartezeiten minimieren und ihre Pikmin optimal einsetzen konnten.

Grundsätzlich gilt: Wer die Platin-Medaille will, muss dem Verlangen nach schnellen Punkten widerstehen. Eingesammelt wird zum Schluss. Zuerst geht es darum, möglichst viele Pikmin zu gewinnen. Entweder durchstreift ihr das Level nach verfügbaren Tierchen oder züchtet euch eine Anfangsarmee. Das geht aber nur in einigen Levels, in denen es auch Pikmin-Zwiebeln gibt. Danach solltet ihr die Infrastruktur des Levels vorbereiten. Während rote Pikmin eine Lehmwand zertrümmern, könnten einige Fels-Pikmin zum Beispiel Geysire öffnen oder blockierende Kristalle zerstören. Besonders im Sammele-Schätze-Modus ist das unerlässlich, um den Pikmin am Ende beim Einsammeln der Schätze die Laufwege zu verkürzen.

Wenn am Ende alle Pikmin vereint sind, hält ihnen kein Gegner mehr stand. Böse Punktekäfer liefern plötzlich keine langwierigen und verlustreichen Kämpfe mehr, sondern sind besiegt, bevor sie richtig aufstehen können. An Goldbergen arbeiten sich die Pikmin nicht mehr fünf Minuten lang ab: Wenn ihr ausreichend Gehilfen der richtigen Farbe zur Hand habt, dauert die Sammelei keine 20 Sekunden. Natürlich solltet ihr in der Zwischenzeit alle Pikmin zu starken Blüten entwickelt, alle Bomben ausgegraben und roten Nektar getrunken haben, der euch eine Portion Ultra-Motivier-Spray verleiht. Mit ihm können selbst zwanzig kleine Pikmin innerhalb kürzester Zeit riesige Gegner angreifen, besiegen und abtransportieren. In der Zwischenzeit könnten andere Grüppchen etwas anderes tun.

Ein Fazit: Wer schnell sichtbare Erfolge in seinen Spielen braucht, wird sich über das ständige Trial & Error-Prinzip der Download-Missionen von Pikmin 3 wohl trefflich ärgern. Wer dagegen Lust auf Strategie hat und gerne seinen Kopf anstrengt, kommt am Missionsmodus von Pikmin 3 nicht vorbei. Die Missionen sind tatsächlich Musterbeispiele präzisen und überlegten Level-Designs. Und damit ein Muss für jeden leidenschaftlichen Pikmin-Gärtner.

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3 Kommentare:


mch
vor 7 Jahren | 0
Habe das Spiel noch nicht, aber das klingt super und sehr hilfreich! Guter Artikel!

Santiagowinehouse
vor 7 Jahren | 0
Super Test, finde die neuen DLC-Missionen extremst motivierend!

Hettwer
vor 7 Jahren | 0
@mch das sollte in jeden regal stehn war bis zu dem teil auch kein fan von aber das spiel is hammer und der missions modus hammer egal ob allein oder zu zweit es is sehr schwer teilweise selbst zu zweit weil du dich dran gewöhnen musst die pikmin zu teilen xD