E3 2014: Kommentar zur Microsoft PK

Von Tim Herrmann am 09. Juni 2014

Microsoft hat ein, sagen wir mal, durchwachsenes Jahr hinter sich. Die XBOX One hat nach dem Generationenstart im letzten Jahr nicht nur ein paar Schritte, sondern gleich einige volle Meter auf Sonys PlayStation 4 verloren. Das 500 Euro teure Multimedia-Center fand weitaus weniger Anklang als das System, das Sony kontrastreich als reine Spielkonsole positioniert hatte.

Die E3 2014 war die direkte Reaktion auf die Querelen des ersten Weihnachtsgeschäfts mit der neuen XBOX. „Wir haben das Feedback gehört und reagieren darauf“, eröffnete Microsofts Spielechef Phil Spencer unumwunden und mit klaren Worten und setzte damit gleich den Ton für den diesjährigen E3-Auftritt. Man werde in den nächsten anderthalb Stunden nur Videospiele zeigen. Ein durchaus bemerkenswertes Statement für eine Pressekonferenz zur wichtigsten Spielemesse der Welt. Doch Fans verstanden schon: Von der ausgiebigen Beweihräucherung seiner Multimedia-Features will Microsoft erst einmal Abstand nehmen, zumindest gegenüber dem spielevernarrten E3-Publikum. Keine Multimedia-Funktionen also, keine Dashboard-Updates, keine Kinect-Funktionen, keine Casual-Titel. „Wir sind jetzt auch wieder eine Spielekonsole“, wollte Microsoft den Spielern vermitteln.


Und Spiele lieferte der amerikanische IT-Gigant dann auch. Ein Titel nach dem anderen flimmerte über die riesigen Videowände, auf neue Trailer folgten ganz unvermittelt und in hohem Tempo die nächsten Live-Demos, Zwischenmoderationen oder Kurz-Auftritte namhafter Entwickler. Überraschungen blieben dabei zunächst aus. Microsoft ließ die großen Drittherstellertitel dieses Jahres auflaufen – von Call of Duty – Advanced Warfare über den Monster-Shooter Evolve bis hin zum kooperativ geprägten neuen Assassin’s Creed-Titel von Ubisoft. Außer zeitlich exklusiven DLC-Inhalten kann Microsoft mit diesen Titeln aber keinerlei Boden auf die Konkurrenz gutmachen. Sie erscheinen multiplattform.

Dass das Lineup auch dieses Jahr an einer deutlichen Shooter-Überlastung krankt, gehört mittlerweile eher zum guten Ton bei den US-zentrierten Herstellern. Fans von Shooter-Titeln in allen Variationen werden auch 2014 beileibe nicht zu kurz kommen. Doch Microsoft hat neben den düster-grauen Dauerexplosionen in Videospielform auch überraschend viele buntere Titel im Lineup, ohne damit gleich ins Casual-Genre abzudriften. Das quietschige Sunset Overdrive (auch ein Shooter, aber anders) von Insomniac Games ist das farbenfroheste Beispiel, ein neues Fable-Abenteuer oder das Kreativspiel Spark sprechen durchaus auch andere Geschmäcker an als den gewöhnlichen Freund klassischer Action-Titel.

Seine Traditionsfans versorgt Microsoft unterdessen mit der zugkräftigsten Marke, die es im Portfolio hat: Halo 5: Guardians kommt zwar erst nächstes Jahr, aber schon 2014 will der Publisher eine große Collection mit allen wichtigen Halo-Spielen veröffentlichen und die Serie damit auf der XBOX One etablieren: Die Masterchief Collection beinhaltet darüber hinaus die Halo-Serie Nightfall, die man letztes Jahr angekündigt hatte. Großer Jubel im Saal. Halo zieht. Immer.


Doch wie geht es langfristig weiter? Spencer verspricht in einer Zwischenansprache: „Microsoft wird weiter in die Entwickler investieren, neue Franchises kreieren und auf Videospiele setzen“. Die letzte halbe Stunde widmete man also einem Blick in die fernere Zukunft – ein durchaus wichtiger Blick. Denn gerade die längerfristigen Zukunftsaussichten entscheiden heute darüber, welcher Hersteller welchen Kunden gewinnt. Mit einer breiten Vielfalt an Indie-Games will Microsoft ebenso von sich überzeugen wie mit wichtigen Third-Party-Titeln des nächsten Jahres. Ein neuer Teil des Tomb Raider-Reboots gehört ebenso dazu wie The Witcher 3 oder Tom Clancy’s The Division. Dass Microsoft auch in neue IPs investiert, soll eine Kooperation mit einem bekannten Studio zeigen, das scheinbar immer dann zum Zuge kommt, wenn Publisher eindrucksvolle Marken und Spielideen brauchen: Platinum Games entwickelt exklusiv für Microsoft ein Action-Spiel namens Scalebound, in dem ein tüchter Blondschopf gegen mythische Monstrositäten aller Art antritt. Und David Jones arbeitet wieder an seiner Traditionsmarke Crackdown.

Auf mehr als 20 war der Zähler der großen Spiele für die nähere und fernere Zukunft am Ende angestiegen, darunter auch viele der so wichtigen Exklusivtitel, die Microsoft abheben sollen. In ihnen dringt die Kernbotschaft mehrfach durch: „Wir wollen wieder relevant sein als Gaming-Publisher“, schrie Microsoft förmlich zwischen den Trailer-Videos, zwischen den zahlreichen Explosionen und digitalen Gemetzeln. Was Sony dem heute Nacht entgegenzusetzen hat, wird maßgeblich beeinflussen, wem die Spieler diese Botschaft am Ende mehr glauben; ob sie Microsoft die Botschaft abnehmen oder sie als Plagiat verstehen und lieber zum Urheber der Idee der reinen Spielekonsole greifen.

Mit seinem E3-Auftritt hat Microsoft gut vorgelegt und seinen Fans geliefert, was sie sehen wollten: Spiele, Spiele, Spiele. Das Wort „Kinect“ fiel nicht einmal. Sogar das Wort „Nintendo“ fiel öfter. Nämlich einmal. Ganz am Anfang. Als es um die gemeinsame Leidenschaft aller Hersteller für das Medium Videospiel ging, die auch Microsoft wieder stärker innewohnen soll.

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11 Kommentare:


Belphegor
vor 5 Jahren | 0
Zusammengefasst: Halofans kommen auf ihre Kosten ansonsten hat M$ nichts Exklusives als Alleinstellungsmerkmal der Konkurrenz entgegen zu setzen. Wenn sich Big N und vielleicht auch Sony nicht ganz dumm anstellen, dürfte die E3 auch dieses Jahr wieder an die Konkurrenz gehen. Same procedure as last year? Same procedure as every year! ;-)

Mich stört an sich nur tierisch was die aus Conker machen. Da könnt ich echt heulen!

blither
vor 5 Jahren | 0
Hast du die PK gesehen?
Ich finde schon, dass MS einiges an guten Exklusive-Titeln aufgefahren hat. Ich find's sehr schade für Nintendo, dass Platinum "Scalebound" exklusiv für die One entwickelt. Das schaut richtig spaßig aus!

McClane
vor 5 Jahren | 0
Ah, du hast die Konferenz nicht gesehen. Das erklärt den inhaltlichen Fehler deines Kommentars.

Kid Icarus
vor 5 Jahren | 0
@Belphegor
Normalerweise lese ich ja eher anstatt zu kommentieren, aber jetzt muss ich doch mal in die Tasten hauen. Sorry, aber das, was du schreibst, ist absoluter Quatsch. Sieh dir die PK einfach mal an oder schmeiß den Nintendo-Fanboy aus dir raus, sonst kann dich kaum jemand ernst nehmen. Mann, ey.

@Topic
Nette Zusammenfassung zu einer mMn sehr, sehr gelungenen Vorstellung von Microsoft. Für mich persönlich ist die Xbox One dank Sunset Overdrive, Forza Horizon 2, Ori and the Blind Forest und vor allem Scalebound nun wirklich interessant geworden. Und Halo wollte ich sowieso mal nachholen, dafür wäre die Collection ein guter Ausgangspunkt. Denke, gegen Ende des Jahres werde ich mir eine XO zulegen :)

gast
vor 5 Jahren | 0
@blither

"Ich find's sehr schade für Nintendo, dass Platinum "Scalebound" exklusiv für die One entwickelt."

Das hat mich wirklich geärgert, denn das Spiel macht zumindest jetzt einen richtig tollen Eindruck. Statt so etwas zu entwickeln für die wii u hat der Herr Kamiya The Wonderful 101 raus gebracht und den tiefsten Punkt seiner Karrierelaufbahn erreicht, meiner Ansicht nach.

Zum ersten Mal bin ich, was das Spielangebot von Microsoft zu dieser E3 betrifft wirklich positiv überrascht. Mit Scalebound, Tomb Raider 2, Witcher 3 und Phantom Dust habe sie ein interessantes Arsenal aufgestellt. Halo 5 nicht zu vergessen!

Der R
vor 5 Jahren | 0
ich denke dass Nintendo Wonderful101 und MS Scalebound bekommen hat, hat nicht alleine mit Platinum zu tun. Letzten Endes bestimmen MS und Nintendo in welche Projekte sie investieren wollen. Und wer weiß, ob Nintendo nicht vlt sogar Scalebound abgelehnt hat? ...^^

Tim
vor 5 Jahren | 0
Dass Scalebound exklusiv ist, hat absolut gar nichts mit Platinum zu tun. Platinum hat 0 Einfluss auf die Plattformentscheidung. Microsoft bezahlt für die Entwicklung von Scalebound, also bekommt Microsoft Scalebound exlusiv. Nintendo hat The Wonderful 101 finanziert und kein Scalebound, also bekommt Nintendo The Wonderful 101. Wer die Band bezahlt, bestimmt auch, was gespielt wird, so einfach ist das.

gast
vor 5 Jahren | 0
@Der R

Wer weiß das schon :-)

BombJack
vor 5 Jahren | 0
Ich bin ja auch alles andere als ein Xbox One Fan, allerdings hat mir die PK heute doch recht gut gefallen.
Alleine durch die Third Party Games sind für die One doch wirklich jede Menge Hochkaräter in der Pipeline.
Auch die Exklusivtitel sind sicher nicht die Schlechtesten. Mit Forza Horizon 2, Masterchief Collection, Scalebound, Project Spark, Ori and the blind forrest, Fable Legends, Crackdown,Sunset Overdrive und Phatom Dust ist genug Exklusiver Kram dabei.
Dazu gesellen sich ja noch diverse exklusive und "Zeit"- exklusive DLCs. Ich kann nur sagen das war mehr als eine gelungene Präsentation welche MS da abgeliefert hat.
Sollte die Xbox One ohne Kinect einen anständigen Preis bekommen, dann könnte ich wirklich nochmal überlegen was spätestens nächstes Jahr bei mir unter dem Fernseher steht.
Auch die Wii U beginnt augenblicklich wieder interessant zu werden, aber wenn Nintendo jetzt nicht was richtig Fettes raushaut ist diese Konsole für mich leider endgültig abgeschrieben.
Ich bin auf jeden Fall sehr gespannt was Sony und Nintendo präsentiert.

D3noMJ
vor 5 Jahren | 0
Ich fand die E3 gut.
Halo, Fable, sunset overdrive, scalebound usw...
Ich bereue den kauf meiner Xone kein bisschen.

Ich persönlich hab meine Perfekte Kombi gefunden, Wiiu+Xone.

Wenig wurde nicht gezeigt, einige Exklusive waren dabei, Third Party support ist auch mehr als genug dabei.
Kann man sich eigentlich nicht beschweren, meine Spiele wurden gezeigt.

Außerdem hat Spencer auch schon gesagt, das die E3 nicht die einzige Show mit neu ankündigungen ist, da ist ja noch die GC & TGS, warten wirs ab die 3 Shows sind alle ganz nah ^^

otten56
vor 5 Jahren | 0
Ich fand die MS PK Super. Allein für Scalebound und Sunset Overdrive. Weiterhin haben die Herren Spiele über Spiele raus geballert. Ich bezweifle, dass wir annähernd so viele Spiele bekommen.