Hands-On: Splatoon

Von Michael Prammer am 22. Juni 2014

Es war für viele Fans wohl die größte Überraschung des Digital Events von Nintendo auf der diesjährigen E3: die Ankündigung des exklusiven Third-Person-Shooter Splatoon. Der knallbunte Shooter, der in-house bei Nintendo entwickelt wird, verfolgt einen ganz anderen Ansatz als seine zumeist realistisch anmutenden Genre-Kollegen, schließlich wird nicht mit scharfer Munition, sondern mit Farbe geschossen. Statt Grau und Braun dominieren daher knallige Farben und die jugendlichen Protagnisten hantieren nicht wie in den zahlreichen Militär-Shootern mit detailgetreuen Schusswaffen umher, sondern stattdessen mit fetzigen Farbpistolen, die das Spiel bewusst familienfreundlich gestalten.

Zusätzlich enthält Splatoon eine Reihe unverbrauchter Spielideen und unterscheidet sich somit auch spielerisch deutlich von der gängigen Shooter-Kost. Kein plumpes Rumgeballere soll dem Spiel zu Fans verhelfen, sondern ein klares, strategisches und teambasiertes Spielkonzept: Ein Team aus jeweils vier Spielern tritt gegen ein anderes Vierer-Team an, um mit ihren Farbpistolen die Umgebung einzufärben. Euer oberstes Spielziel ist es nämlich ausnahmsweise mal nicht, die meisten Gegner über den Jordan zu bringen, sondern möglichst viel Fläche des Spielfeldes mit der eigenen Team-Farbe einzudecken. Wer die meiste Farbe bis zum Ende des Zeitlimits auf der jeweiligen Map verteilt hat, gewinnt das Spiel. Andere Spieler in dieser Zeit aufs Korn zu nehmen lohnt sich aber dennoch, da diese durch einen Abschuss kurzzeitig aus dem Spiel genommen werden.


Um das Spielziel zu erreichen hat Nintendo zusätzlich eine clevere Gameplay-Idee verbaut: Auf Wunsch könnt ihr im sogenannten Squid-Modus euren Inkling (so werden die Figuren im Spiel genannt) in eine Art Tintenfisch verwandeln, der durch zusammenhängende Flächen in der Farbe seines Teams hindurchtauchen kann, um dann zum Beispiel unerwartet hinter einem Gegner wieder aufzutauchen. Ganz nebenbei wird durch das Rutschen über den farbbeschmierten Boden auch der Farbtank eurer Kanone wieder aufgefüllt. Ist dieser nämlich noch gut gefüllt, können auch Granaten geworfen werden, die für einen größeren Farbkleks sorgen. Darüber hinaus machen die Inklinge auch vor Wänden keinen Halt: Sind diese nämlich ordentlich mit Farbe bekleckert, können auch sie via Knopfdruck hinaufgeschlittert werden.

Das Wii U GamePad bekommt in Splatoon ebenfalls eine besondere Funktion, denn es dient als Karte des jeweiligen Level. Dadurch ist es möglich sich über einen Druck auf den Touchscreen blitzschnell zu seinen Spielgefährten "beamen" zu lassen, statt erst einen langen Marsch zu dieser Position in Kauf nehmen zu müssen. Auch der Fortschritt über die aktuelle Farbverteilung auf der Map kann in Echtzeit auf der Karte des GamePads verfolgt werden. Dank des Gyrosensors kann das GamePad zusäzlich auch zur Kamerasteuerung eingesetzt werden. Wer das nicht möchte, kann aber auch ganz klassisch den rechten Stick des GamePads verwenden. Apropos Steuerung - diese geht relativ locker von der Hand. Via Controllstick steuert man seine Figur, mit der rechten Schultertaste wird geschossen und mit der linken Schultertaste geht es in den Squid-Modus und man schlittert seine Farben entlang.

In der spielbaren E3-Demo konnte bislang nur eine Map ausgewählt werden, die von der Größe her jedoch sehr gut zum Konzept der zwei Vierer-Teams passte, sodass es während des Post E3-Events immer wieder einige Matches zwischen acht Redakteuren bzw. Nintendo-Mitarbeitern gab. Gespielt wurden dabei jeweils zwei Runden zu drei Minuten, in der finalen Version soll es jedoch noch weitere Einstellungsmöglichkeiten geben. Die Absprache unter den Teammitgliedern die alle jeweils an einer eigenen Konsole via Wii U GamePad spielten erfolgte oftmals per Zuruf, denkbar wäre für die fertige Version jedoch auf alle Fälle auch ein Voicechat. Insgesamt lässt das bisher gezeigte Material zu Splatoon somit auf ein klares (Online-)Multiplayer-Spiel schließen, denn weder in der Demo-Version, noch in Videos oder ersten Interviews war von einem Singleplayer-Modus die Rede. Auch auf Nachfrage konnte uns Nintendo in Frankfurt keine weiteren Infos geben, sodass man sich hier noch ein wenig in Geduld üben muss.


Michael Prammer meint:
Splatoon hat mir persönlich großen Spaß bereitet. Für mich ist es neben Bayonetta 2 sogar das beste Spiel in Nintendos diesjährigem E3-Lineup und ich freute mich beim Event richtig auf die Duelle mit den anderen Redakteuren und Nintendo-Mitarbeitern. Die Grafik ist zwar bislang noch nicht allzu spektakulär, läuft dafür aber stets flüssig über den Bildschirm. Auch die Steuerung benötigt zwar eine kurze Einarbeitungszeit, geht dann aber sehr gut von der Hand. Fraglich ist zum jetzigen Zeitpunkt jedoch, wie Nintendo den Titel konkret positionieren will: als reinen Mehrspieler-Shooter zum moderaten Preis? Momentan kann ich mir nämlich noch nicht vorstellen, ob und wie dieses Spiel im Einzelspielermodus funktionieren soll. Ich bin auf jedenfall gespannt wie sich das Spiel entwickelt und welche weiteren Modi in der finalen Fassung bereitstehen werden. Auf dem Event habe nicht nur ich Splatoon bereits als "das Mario Kart unter den Shootern" gefeiert.

Burkhart von Klitzing meint:
Splatoon ist einer dieser seltenen Titel, deren Demo meine vorherige Freude eher gedämpft denn bestätigt hat. Das Grundkonzept ist ungemein spannend. Abschüsse spielen nur eine untergeordnete Rolle neben dem Einfärben, und kreative Fortbewegungsmethoden werden in Shootern eh immer gerne gesehen. Allerdings kam ich im Gegensatz zu meinem Kollegen mit keiner der beiden bislang angebotenen Steuerungsmethoden wirklich vollauf zurecht, obwohl es sicher nicht mein erster Konsolenshooter ist. Gut möglich aber, dass das mit mehr Eingewöhnungszeit besser „flutscht“. Im wahrsten Sinne des Wortes. Dennoch wünsche ich mir für die Zukunft auch die Möglichkeit, den Kamerastick zu invertieren oder alternativ nur den Bewegungssensor für die Kamera zu nutzen. In der Demo gab es nur die Optionen "nur per Stick" oder "Stick für die x-Achse und Gyro-Sensor für die y-Achse". Letzteres erinnert etwas an Versuche, sich koordiniert mit der rechten Hand den Bauch zu reiben und mit der linken auf den Kopf zu tätscheln. Außerdem verliefen die Partien auf der einzigen bislang gebotenen Map praktisch immer gleich. Beide Teams färbten sich die Finger wund, bis sie auf einer zentralen, viereckigen Fläche aufeinandertrafen. Dort rannte fortan immer mal wieder jemand tapfer voran, gewann vielleicht einige Meter, fiel dann aber doch einer Bombe oder einem Tintenstrahl zum Opfer, bevor der Feind selbst einen Mini-Vorstoß wagte. Letztlich blieb so nicht viel mehr als ein simples Team Deathmatch in einem kleinen Areal. Die Leinwand guter Ideen ist da. Hoffen wir, dass eine Vielzahl an Steuerungsoptionen und gewitzte Stages die dazu passenden Farbkleckse beisteuern.

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4 Kommentare:


Tobsen
vor 7 Jahren | 0
Auf das Preview habe ich mich sehr gefreut! Schön für mich zu lesen, dass das Konzept - abseits der Macken, die hoffentlich noch ausgeschachtet werden - aufzugehen scheint.
Lediglich ein 1 on 1 im offline-MP kann ich mir kaum vorstellen... Das klingt für mich doch etwas arg langweilig.
Meiner Meinung nach sollte Nintendo das Ding als reines online-Spiel raushauen. Warum denn auch nicht? Man könnte im Zuge dessen etwas aggressiver kommunizieren, dass man bei der WiiU online-Gaming kostenfrei bereitstellt.
Ein mehr schlecht als Recht implementierter offline-MP ist zwar vom Gedanken her löblich, allerdings könnten bei einem Verzicht auf diesen freigewordene Ressourcen genutzt werden, evtl. noch zwei zusätzliche Maps oder einen CTF-Modus einzubauen.
Frage am Rande: auf den Screenshots sieht man mal türkisene und pinke, mal blaue und orangene Tinte. Hat man eine Auswahlmöglichkeit oder wird einem die Farbe zugewiesen?

ProG4M3r
vor 7 Jahren | 0
Ein reiner OMP-Titel würde mir gewaltig gegen den Strich gehen, weshalb ein 2 vs. 2 Lokal eigentlich drin sein muss. Auch eine Single Player "Kampagne" wäre nett.

1 vs. 1 könnte ich mir noch eine Option vorstellen, in der jemand einen Inkling steuert und alles zu saut und der andere Super Mario mit dem Dreckweg, welcher versucht sauber zu machen :D wäre ein netter Gag.

KeeperBvK
vor 7 Jahren | 0
@ Tobsen: In der Demo gab es keine Wahlmöglichkeit.

Toon-Link
vor 7 Jahren | 0
Ich bin schon richtig gespannt auf Splatoon, hoffe aber auch, dass sie noch mehr Steuerungsmöglichkeiten anbieten werden. So eine Steuerung wie bei Wind Waker HD fände ich optimal, bei der man den Stick zum zielen verwendet, aber den Gyrosensor zusätzlich für die Feinausrichtung nutzen kann.