Hands-On: Mario Maker

Von Tim Herrmann am 25. Juni 2014

Nintendo würde New Super Mario Bros. liebend gerne fortsetzen. Denn die Serie ist für den Publisher ein Heilsbringer. Ohne große Production Values haben sich die klassischen 2D-Jump & Runs millionenfach verkauft, von Nintendo DS bis Wii U. Doch ein New Super Mario Bros. U2 würde Kritiker zum Rundumschlag einladen: Nintendo habe keine Ideen mehr, setze nur noch auf billige Produktionen, traue sich nicht mehr aus dem sicheren 2D-Genre heraus. Womöglich hätten sie damit sogar ein Stück weit recht. Nintendos Lösung für dieses Dilemma heißt Mario Maker.

"Entwickelt euch doch einfach euer eigenes New Super Mario Bros. U2", könnte das Motto dieses Titels lauten. Denn Mario Maker ist ein großer Level-Editor für zweidimensionale Mario-Kurse. Der Spieler bekommt ein weißes Blatt Papier beziehungsweise einen vorgefertigten gerasterten Hintergrund vorgesetzt und kann ihn nach Belieben mit dem klassischen Mario-Jump & Run-Repertoire füllen: Blöcke, Münzen, Piranha-Pflanzen, Koopas, Hammerbrüder, Trampoline.


Über den Touchscreen des Wii U GamePads platziert der Spieler die Objekte auf dem Bildschirm, manipuliert sie mit wenigen Handgriffen und kann per Knopfdruck sogleich in das von ihm gestaltete Level hüpfen. Dabei bleibt es jedem Level-Designer überlassen, ob er einen klassischen Geschicklichkeitsparcours bauen möchte oder ein Rätsel aus Mario-Elementen. Wie die Kreation am Ende grafisch aussieht, entscheidet jeder selbst: Wahlweise präsentiert der Mario Maker die Kreationen mit den glänzenden 3D-Modellen eines New Super Mario Bros. U oder im pixeligen 8-Bit-Retro-Schick vom NES. So zumindest in der E3-Demo. In der fertigen Version könnte es durchaus noch weitere Mario-Stile geben, zwischen denen man hin- und herwechseln kann.

Über die Online-Funktionen und das Miiverse können Spieler ihre besten Kreationen zudem mit anderen Mario-Fans teilen oder sich besonders gelungene Werke auf die heimische Konsole laden. So können sie die Versorgung mit neuen Mario-Levels selbst in die Hand nehmen. Mario-Autarkie sozusagen. Eines ist klar: Mit dem unweigerlich anstehenden Release des fünften New Super Mario Bros.-Spiels muss Nintendo sich dann mit seinen Fans messen lassen, die bis dahin geradezu aberwitzige Kreationen mit dem Mario Maker auf die Beine stellen werden.

In der in Frankfurt anspielbaren E3-Demo standen uns insgesamt drei Samples (also fertig erstellte Levelbeispiele) sowie der eigentliche Level-Editor zur Verfügung. Dank des Touchscreens im Wii U GamePad ist die Bedienung auch tatsächlich so kinderleicht wie eingangs beschrieben: Per Drag & Drop zieht man die gewünschten Objekte einfach aus einer oberen Auswahl-Leiste nach unten in den Hauptbildschirm und baut sich seinen Level so Stein für Stein bzw. Rohr für Rohr zusammen. Größenanpassungen können ähnlich komfortabel ausgeführt werden, indem die grünen Rohre z.B. einfach mit dem Stylus hinsichtlich Höhe und Breite nach eigenen Wünschen zurechtgezogen werden. Die frisch gestalteten Level können in der Folge ständig Probe gespielt werden, während auch leichte Veränderungen an den Leveln in Windeseile vorgenommen werden können. Dazu steht eine Rückspulfunktion bereit, in der auch sämtliche Lauf- und Sprungwege des Klempners durch kleine Mario-Schatten festgehalten werden. So kann leichter nachvollzogen werden, warum man gerade in den Abgrund gesprungen ist oder ob die Gegnerformation vielleicht doch etwas ungünstig platziert wurde. Eigene Fehler im Design können so recht schnell ausgebessert werden. Einfache Level, wie z.B. das erste Level von Super Mario Bros. U, sind bereits mit der aktuellen Version von Mario Maker gut machbar. Weitere Bauteile, beispielsweise für Untergrundlevel oder Unterwasserlevel, wären jedoch für die fertige Version wünschenswert, um die Tiefe und Komplexität von Mario Maker weiter zu erhöhen.


Michael Prammer meint:
Mario Maker konnte mich nach meiner Anspiel-Session zwar nicht komplett überzeugen, doch der grundlegende Ansatz ist wirklich ein sehr guter. Im Prinzip sind nämlich bereits nahezu alle Zutaten für einen Super Mario Bros.-Leveleditor, wie ich ihn mir idealerweise vorstelle, vorhanden: Übersichtliches Menü, liebevolles Design, verschiedene anwählbare Mario-Stile und die klassischen Level-Elemente. Auch die Steuerung mit dem GamePad und dem Stylus klappt vorzüglich und das Spielen der Level funktioniert wie jedes Super Mario tadellos. Die Demo zu Mario Maker zeigt also sehr gut, was grundsätzlich möglich ist, doch aktuell mangelt es vor allem noch an Umfang und Auswahlmöglichkeiten. Ich bin auf jeden Fall auf die Vollversion gespannt, die neben einem Soundeditor hoffentlich noch mehr Bauteile aus dem Mario Bros.-Universum bietet. Für einen Vollpreistitel reicht mir das bisher Gezeigte im Moment noch nicht aus, aber ich bin dennoch zuversichtlich, dass 2015 ein vollgestopfter Level-Editor erscheint, der Mario-Fans glücklich macht.

Hinweis: die Kommentarsektion ist aktuell geschlossen.

5 Kommentare:


blither
vor 7 Jahren | 0
Ich bin gespannt, ob mit dem Editor auch mehr möglich ist als die herkömmlichen Jump'n Run-Konzepte.

Jokofi
vor 7 Jahren | 0
Im Fazit wird das Wort "Vollpreistitel" verwendet. Heißt das, dass Nintendo das Spiel für 50-60€ anbieten wird? Ich dachte nämlich eigentlich, dass das ein e-Shop-Titel für maximal 15-20€ wird! Für 50€ würde das doch keiner kaufen, oder?

Farbi11
vor 7 Jahren | 0
Also bis jetzt ist die Idee cool, aber in der Ausführung fehlt mir noch ein Haufen Inhalt:
-Levellänge muss variabel sein
-verschiedene Designs (z.B. Super Mario World)
-Kampagnen (Man lädt nicht einzelne Level hoch sondern gleich eine Folge von Leveln)
-Welche Powerups stehen zur Verfügung?!
-Dieses Umschalten impliziert, dass nur die NES-Super Mario Bros. Bauteile zur Verfügung stehen. Das wäre schade. So richtig klasse wäre es, wenn man die New Super Mario Bros. Spiele nachbauen könnte. Gerne kann man die Teile nach und nach freischalten, wie in Mario vs. Donkey Kong, wo man anderen Spielern Trinkgeld für gute Level geben kann.

michi1894
vor 7 Jahren | 0
@Jokofi: Soweit ich weiß, ist noch nicht bekannt, in welcher Form das Spiel auf den Markt kommt. Nur in meinen Augen ist es von einem Vollpreisspiel noch etwas entfernt, sollte das in Erwägung gezogen werden.

Masters1984
vor 7 Jahren | 0
Ich denke da kommt noch eine Menge Inhalt dazu, weil man das sonst nicht aufs nächste Jahr gelegt hätte, sondern auf dieses Jahr. New Super Mario Bros U Style ist auch möglich und weitere folgen, vielleicht noch das angesprochene Super Mario World und Bros 3.