Hands-On: Project Giant Robot und Project Guard

Von Michael Prammer am 27. Juni 2014

Shigeru Miyamoto ist der Erfinder von bekannten Spiele-Reihen wie Super Mario, The Legend of Zelda und Pikmin, doch mittlerweile ist der einstige Nintendo-Chefentwickler Hauptmanager des Unternehmens sowie General Manager von Nintendos Hauptentwicklungsabteilung Nintendo Entertainment Analysis & Development. In dieser Position überwacht er in erster Linie die interne Spieleentwicklung und gibt gerade jüngeren Entwicklern wichtige Ratschläge und Hilfestellungen. Doch die Spieleentwicklung hat er natürlich nicht ganz aufgegeben, sondern werkelt auch selbst noch fleißig an neuen Spielideen und -konzepten. Auf der diesjährigen E3 präsentierte Miyamoto einige dieser Projekte, die besonderes Augenmerk auf die Funktionen des Wii U GamePad legen. Doch während zur wohl spektakulärsten Miyamoto-Ankündigung, Star Fox Wii U, keine näheren Infos preisgegeben wurden, rückten mit Project Giant Robo und Project Guard zwei andere Spielideen in den Vordergrund. Bislang handelt es sich bei den Titeln nur um Tech-Demos, hinter denen noch keine fertigen Spielkonzepte stehen und deren grafische Präsentation noch weit von einem finalen Status entfernt ist. Sie sind daher als Konzeptentwürfe für neue GamePad-zentrierte Spiele zu verstehen, die eines Tages zu fertigen Titeln werden oder wieder in der Versenkung verschwinden könnten. Im Rahmen des Nintendo Post E3-Events konnten wir in Frankfurt beide Spielkonzepte erstmalig antesten.

Robo-Wrestling in Project Giant Robot
In Project Giant Robot schlüpft ihr in das Innere eines riesigen Roboters und müsst andere Roboter-Kontrahenten zu Boden ringen. Dabei könnt ihr euren Robotor zunächst in einem Baukasten selbst zusammenbauen. So habt ihr nicht nur die Wahl zwischen verschiedenen Körperpartien, wie Arme, Beine, Kopf und Rumpf, sondern könnt diesen auch verschiedene Größenproportionen verpassen. Somit lässt sich euer gigantische Roboter individuell gestalten. Mit einem Druck auf das GamePad beginnt eure Reise schließlich in einem Areal, in dem ihr verschiedene Aufgaben bewältigen müsst. Diese reichen vom stupiden Ausschalten eines Gegners bis hin zum Ausweichen von Sprengsätzen.


Soweit so gut, soll es das nun gewesen sein? Mitnichten. Das Spektakuläre an Project Giant Robot ist zweifelsfrei die Steuerung, die alles andere als einfach zu handhaben ist. Mit „L“ und „R“ steuert ihr euren Roboter vorwärts und rückwärts. Zusätzlich kontrolliert ihr mit dem Bewegungs- und Gyrosensor des Wii U GamePads das Gleichgewicht des Roboters, während ihr mit dem linken und rechten Stick die Kontrolle über die Arme eures Blechmonsters erlangt. Somit ist voller Körpereinsatz erforderlich, um das Spiel zu meistern. Auf dem Fernseher läuft dabei stets das eigentliche Geschehen ab, während auf dem GamePad die Sicht des Roboters zu sehen ist, in die ihr euch für die Bewegungssteuerung hineinversetzen müsst. Neben dem Schlagen und Schubsen kann dem Gegner auch über die ZL-Tast mit einem mächtigen Laserstrahl zugesetzt werden - Godzilla lässt grüßen.

Drei kleine Level mit kleinen Aufgaben durften wir in der Demon bereits spielen, ehe abschließend ein Bosskampf auf dem Programm stand. Das erste Level diente dabei eher als Steuerungs-Tutorial, ehe es dann ins Kampfgetümmel ging. Die Steuerung erfordert dabei einige Einarbeitungszeit, sodass man die Demo schon zwei-, dreimal spielen musste bevor man den „Dreh“ raushatte und sich tatsächlich so etwas wie Spielspaß entwickelte.

Tower Defense in Project Guard
Das Konzept von Project Guard ist schnell erklärt: Ihr verteilt auf dem GamePad zwölf mit Schussanlagen ausgestattete Kameras in einem verwinkelten Labyrinth. Ist alles vorbereitet, versuchen fiese, kleine Roboter, zum Zentrum vorzudringen. Mit Hilfe der Mitspieler vor dem Fernsehbildschirm muss der Spieler zwischen den verschiedenen Kameras wechseln, um die Roboter abzuschießen, die auf eigene Basis stürmen. Im Falle der E3-Demo waren es insgesamt zehn Gegner, die es auszuschalten galt. Dabei gab es einerseits kleine Gegner, die mit nur einem Schuss ausgeschaltet werden konnten, und anderseits auch größere Blech-Brocken, die mehrere Treffer einstecken konnten. Zudem gab es auch einige ganz linke Vögel, die sich daran versuchten, unsere montierten Kameras zu zerstören. Einmal zerstört stehen diese dann für die restliche Zeit nicht mehr zur Verfügung.

Gesteuert wird Project Guard mit dem Wii U GamePad. Auf dem Fernseher sieht man zwar ebenfalls die Kameras, doch umgeschaltet wird per Touch-Steuerung. Die ausgewählte Kamera steuert man dann mit dem Controllstick und feuert mit „A“. Die Demo auf dem Event zeigte uns dabei ein und dasselbe Areal mit drei unterschiedlichen Schwierigkeitsstufen. Während die leichteste Stufe im Schlaf zu bewältigen war, hat es jedoch bereits die zweite Stufe wirklich in sich gehabt.


Michael Prammer meint:
Giant Robot ist ein durchaus interessantes Spielkonzept, das sich deutlich von der Masse abhebt und ein ganz neues Spielerlebnis bietet. Die Steuerung ist zwar auf den ersten Blick kompliziert und erfordert einiges an Übung, aber irgendwann macht es durchaaus Spaß, mit seinem Roboter alles platt zu machen. Dennoch wirkte die gezeigte Demo tatsächlich lediglich wie eine kleine Tech-Demo, die vermutlich nicht zu einem eigenständigen Videospiel wird. Dazu wirkte der Spielinhalt trotz der coolen Steuerung dann doch zu einseitig, die schlichte optischen Präsentation trug seinen Teil dazu bei. Aber wer weiß, vielleicht kommt das Projekt ja doch noch in einem anderen Spiel zum Einsatz oder wird als kleinerer Titel zum Download angeboten.

Noch größeren Tech-Demo-Charakter hatte hingegen Project Guard. Minimalistischer könnte Grafik und Sound kaum eingesetzt werden, zumal die grundlegende Spielidee für mich auch nicht so neuartig wie die von Project Giant Robo ist. Spaß gemacht hat es aber dennoch ein wenig, obwohl das Spiel teilweise in Stress ausartete. Beim Spielen hatte ich sogar prominente Unterstützung von Nintendo of Europe-Präsident Satoru Shibata, der mir beim Antesten zuschaute. Also doch irgendwie ein kleines Highlight. Für ein eigenständiges Videospiel wird es jedoch eher nicht reichen.

Burkhart von Klitzing meint:

Ich mag ein sentimentaler Spinner sein, und Giant Robot war vielleicht nie als richtiges Spiel sondern wirklich nur als Tech-Demo angelegt, aber für mich war es das persönliche Highlight des Events. Bei ungünstiger Positionierung der Kamera sieht man, dass die kleinen Menschlein am Boden wohl platte Bitmaps sind (die 90er haben angerufen, sie wollen ihre Grafik wieder). Die Steuerung ist absolut gewöhnungsbedürftig, und letztlich macht man nicht viel mehr, als auf den Gegner zuzustapfen, und ihn umzuhauen. Da boten andere Kaijuu-Spiele vor Jahren schon mehr Freiraum. Aber ich will verdammt sein, wenn Giant Robot nicht auf seine eigene, schrullige Art mehr Seele zeigt als das Gros der AAA-Titel heutzutage.“Seele...Hipster-Gelaber“ hör ich schon so manchen laut denken, aber mir hat der Titel ausnehmend gut gefallen und etwas von dieser kindlichen Freude gegeben, die mir persönlich heute beim Spielen meist abgeht. Der Baukasten ist vielseitig und herrlich abgefahren. Auch die Gegner bewiesen schon jetzt enorme Vielfalt, und das wichtigste: Die Steuerung geht erfrischend eigene Wege und funktioniert tatsächlich so, wie sie sollte – mit etwas Übung. Beim ersten Gegner bin ich noch umgefallen, was besonders insofern ein wenig peinlich ist, als dass der Holzkamerad sich nicht einmal bewegt. Nein, ich habe schlicht das Gleichgewicht verloren. Aber dieses simple Anfangslevel und mein peinlicher Sturz waren genau der richtige Einstieg und die nötige Motivation, sodass ich bald schon geschickt mein Körpergewicht verlagerte, von unten zustieß und mich aus brenzligen Situationen noch zu retten wusste. Giant Robot ist sicherlich nicht jedermanns Sache, aber ich kann Miyamoto (wieder einmal) nicht genug danken.

Project Guard auf der anderen Seite konnte mich hingegen nicht wirklich überzeugen. Tower Defense ist mittlerweile zum regelrechten Klischee verkommen, und auch die Idee, selbst gegen Angreifer aktiv zu werden, ist alles andere als neu. Zudem artet das Geschehen schnell in bloße Hektik aus. Alleine wird Project Guard kaum fesseln können, aber in geselliger Runde könnte der Titel tatsächlich für eine kurze Weile funktionieren, wenn besagte Hektik auf alle Zuschauer überspringt. Rufen diese dann panisch "Da! Bei Nummer 1!" und "Nein, nein! Da, bei 4, der Vogel!" und setzen so den eigentlichen Spieler gar noch mehr unter Druck, als er ohnehin schon ist, dann könnten Freundschaften auf starke Proben gestellt und spaßige Party-Runden gefeiert werden. Zumindest als Pausen-Snack zwischen Nintendoland, Wii Party U und co.

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4 Kommentare:


ProG4M3r
vor 7 Jahren | 0
mMn. eher zwei Konzepte für das kommende Wario Ware, entfaltet Project Guard wohl erst im Multiplayer seine Wirkung, kann Project Giant Robot, vllt beim 1vs.1 mit 2 Gamepads sein volles Potential entfalten :) ?

Ich bin gespannt, ob es letztendlich für eigenständige Spiele reicht werden wir sehen, ich hoffe jedoch, dass dies nicht die hoch gepriesene NEUE IP sein soll... hatte mir da vom Mastermind himself schon etwas durchweg geniales alla Pikmin und co. gewünscht...

SCNboy
vor 7 Jahren | 0
Ich glaube das diese Konzepte eher für große AAA spiele verwendet werden. Ich kann mir zum bsp. sehr gut Projekt guard in dem neuen star fox oder metroid als Minispiel vorstellen. Als eigenständiges spiel ist es nicht gut genug. Aber als Minispiel für eine ( meiner Meinung nach) armseligen Minispielsammlung zu gut. Mal schauen was sie daraus machen.

Belphegor
vor 7 Jahren | 0
Ich glaube ja immer noch das dies Konzepte für das kommende Star Fox sind. Vielleicht werden aus diesen Konzepten wirklich eigenständige Spiele aber mehr als ne nette neue Minispielsammlung die man vielleicht in Nintendo Land 2 oder dem erwähnten Wario Ware einbaut kann daraus nicht werden.

mch
vor 7 Jahren | 0
Ich wünsche mir, dass der Support für 2 Gamepads kommt, denn 2 Wii U besitze ich bereits. *thumbs up*