gamescom 2014 - Unsere persönlichen Eindrücke

Von Gesamte Redaktion am 21. August 2014

Es gab Jahre, da war die gamescom für die Redaktion von NintendoWiiX.net und WiiUX.de viel Arbeit. Wochenlang bereiteten wir Berichterstattung vor, organisierten dutzende von Pressetermine im Business Center, die sich in enger Taktung und über mehrere Tage hinweg aneinanderreihten. Dritthersteller präsentierten uns ihre Third-Party-Titel, nicht immer in Wii bzw. Wii U-Versionen, aber immerhin. Und Nintendo fuhr häufig schwere Geschütze auf, um seine Konsolen im Messegemenge hervorstechen zu lassen. Die gamescom 2014 war keine solche Messe.


Klar, das lag auch an uns. Wir hätten uns mit obskuren Indie-Entwicklern aus Estland oder Katalonien verabreden können, deren Spiele mit diffusem Wii U-Stretchgoal gerade bei Kickstarter finanziert werden sollen. Dann hätte es etwas zu berichten gegeben. Aber alles in allem war die gamescom wie so oft Spiegel einer Branche, die sich derzeit wieder einmal am Scheideweg befindet. Wii U, so das nüchterne Fazit, spielt in ihr auf absehbare Zeit leider keine große Rolle mehr. Waren in den vergangenen Jahren noch vereinzelte Wii U-Stände bei Ubisoft und EA, bei SEGA oder BandaiNamco zu sehen – mit Just Dance, Sonic, Minispielen oder Exklusivexperimenten – herrschte 2014 geradezu demonstrative Ignoranz. Die Nintendo-Konsole haben wir abseits von Nintendos eigenem Stand nur einmal auf dem öffentlichen Messegelände entdeckt: An einem Losstand, wo es sie zu gewinnen gab…

Nintendo feierte an seinem Stand Super Smash Bros. und konnte damit die Fans begeistern. Immerhin wählten sie den Titel bei einem Besuchervoting auf Platz 1 der meistbegehrten gamescom-Spiele. Ansonsten wiederholte Nintendo die E3, stellte Splatoon, Captain Toad und Yoshi’s Woolly World vor und präsentierte Hyrule Warriors und Bayonetta 2. Ein für Fans durchaus ordentliches Lineup, das aber zumindest für uns nichts Neues offenbarte - immerhin wurden selbst im Business Center dieselben Demo-Versionen gezeigt, die uns bereits vor einigen Monaten in Frankfurt präsentiert wurden. Die Zeiten, als man die GamesConvention bzw. die gamescom für kleinere Ankündigungen nutzte (Battalion Wars 2, Mario Strikers Charged Football), sind offenbar vorbei. Nicht einmal konkrete Release-Termine für Super Smash Bros. oder Bayonetta 2 veröffentlichte der Publisher per Pressemitteilung. Man kann, ja muss fast sagen: Die gamescom ist Nintendo aus internationaler Sicht völlig egal. Sie ist ein Bespaßungsprogramm für lokale Fans, eine etwas größer geratene Mall-Tour, aber zumindest für Nintendo hat sie offenbar keinerlei PR-Relevanz. Schade, zumal auch das Direct-Format zunehmend einschläft.


Bei den anderen Herstellern sieht das anders aus, wenn auch nur ein wenig: Sony und Microsoft veranstalteten formelle Pressekonferenzen vor der Messe und kündigten kleinere oder größere neue Features für ihre neuen Systeme an. Sie hatten auch prominente Gesichter zu Gast, etwa Hideo Kojima oder Michel Ancel. Nintendo hatte dagegen den Director für das Kampfsystem der Pokémon-Reihe aufzubieten. Shigeki Morimoto heißt der Mann, der bislang international beileibe keine Hauptrolle gespielt hat.

Abseits von Überlegungen zur internationalen Relevanz der Messe bleibt sie ein Spiegel der Branche und ihrer grundlegenden Herausforderungen: Die Vielfalt der Angebote ist verhältnismäßig gering, die Zielgruppe immer noch speziell. Während auf Smartphones und Tablets mittlerweile großes Geld mit kleinen Spielen, Free 2 Play-Konzepten und Sozialen Online-Konzepten verdient wird, versteift sich die traditionelle Spielebranche auf die Märkte, die sie versteht – auf Shooter, auf dunkle, cineastische Action-Unterhaltung, die genau diejenigen anspricht, die man auf der Messe antrifft: junge Männer. Anspielen ist bei alldem schwierig, wenn die Schlangen sich gut und gerne fünfzig Meter um den Stand biegen. Unterdessen müssen die Indie-Entwickler auf die Gnade eines großen Konsolenherstellers hoffen, der ihnen eine Präsenz an ihrem Stand gibt, oder sich unter ferner Liefen in den Tiefen des Business Centers oder kleinen Indie-Ecken präsentieren.


Warum kommen also trotzdem fast 335.000 Menschen jedes Jahr auf die gamescom? Es muss wohl die Atmosphäre sein, das krawallartige Wummern der Boxen, das begeisterte Schreien übermotivierter Moderatoren. Es müssen die Cosplayer sein, die Menschenmassen, diese ganz eigene Welt, die auch die gamescom 2014 wieder nach Köln gebracht hat. Denn bei aller Kritik sei eines gesagt: Auch wir hatten durchaus wieder unseren Spaß. Und sei es nur deswegen, weil mit Kollegen aus der Redaktion und der Branche spannende Diskussionen über das schönste Hobby der Welt geführt wurden. Somit bleibt die gamescom in Köln auch weiterhin ein Ort des Zusammentreffens.

Lest hier nun nachfolgend noch unsere ganz persönlichen Messefazits.

Lars Peterke meint:

gamescom-High: Wie gewohnt schönes Messe-Flair
gamescom-Low: Sequels am laufenden Band, quasi die gleiche Messe wie letztes Jahr, nur mit anderen Ziffern hinter den Spielenamen
Handheld-Spiel(e) der Messe: keines
Konsolen-Spiel(e) der Messe: Bloodborne und Super Smash Bros.
Bester Messestand: Nintendo
Damit habe ich die meiste Zeit verbracht: Treffen von Freunden und Kollegen
Das wünsche ich mir für die nächste gamescom: Größere Publikumsauslese am Fachbesuchertag, mehr Anspielstationen bei den Blockbustern

Kamil Witecy meint:

gamescom-High: Die ersten Erfahrungen mit den VR-Brillen und die Metal Gear Solid 5-Präsentation mit Hideo Kojima
gamescom-Low: Nur bei Nintendo selbst spielt Wii U eine Rolle
Handheld-Spiel(e) der Messe: Fantasy Life
Konsolen-Spiel(e) der Messe: Super Smash Bros. und The Witcher 3
Bester Messestand: Sony
Damit habe ich die meiste Zeit verbracht: Laufen. Und Stehen. Wie immer eben.
Das wünsche ich mir für die nächste gamescom: Dass der exklusive Fachbesuchertag auch tatsächlich ein Fachbesuchertag ist

Burkhart von Klitzing meint:


gamescom-High: Sony-Party und The Witcher 3-Präsentation im Kinosessel mit polnischem Bier (wenn auch leider warm)
gamescom-Low: WiiU und 3DS praktisch nur bei Nintendo präsent
Handheld-Spiel(e) der Messe: Super Smash Bros.
Konsolen-Spiel(e) der Messe: The Evil Within und Super Smash Bros.
Bester Messestand: Nintendo
Damit habe ich die meiste Zeit verbracht: Streetpass - immer wieder ging der Blick runter zum (hoffentlich) grünen Licht.
Das wünsche ich mir für die nächste gamescom: Weniger Wildcards, Familien, Kinder und co am Fachbesuchertag. Mehr WiiU-Spiele.


Mark Schäfer meint:

gamescom-High: Die Redaktion nach einem Jahr wiederzusehen
gamescom-Low: Bereits am Fachbesucher- und Medientag musste man an vielen Ständen lange warten
Handheld-Spiel(e) der Messe: keines
Konsolen-Spiel(e) der Messe: Splatoon und Oculus Rift-Demos
Bester Messestand: Nintendo, wobei ich den Sony-Stand gekonnt umgangen bin ...
Damit habe ich die meiste Zeit verbracht: Mit Warten und Anstehen...
Das wünsche ich mir für die nächste gamescom: Ein Messegelände, das mit 335.000 Menschen klarkommt

Michael Prammer meint:

Highlight: Retro-Stand (Halle 10.2), Spiele von früher (Amiga, Nintendo 64, Super Nintendo), Automaten und und und. Spielerherz was willst du mehr.
Enttäuschung der Messe: Nintendo, da ich die Spiele alle schon auf dem Post E3-Event ausprobieren konnte und leider NICHTS Neues dazu kam.
Handheld-Spiel der Messe: Super Smash Bros.
Konsolenspiel der Messe: Splatoon und Super Smash Bros.
Bester Messestand: Retro-Stand
Damit habe ich die meiste Zeit verbracht: Laufen, stehen und schauen
Das wünsche ich mir für die nächste Gamescom: Nintendo soll mal wieder alle überraschen (wie auf der diesjährigen E3)

Tim Herrmann meint:

gamescom-High: Batman - Arkham Knight sieht unglaublich gut aus
gamescom-Low: Nintendo nimmt die Messe nicht ernst, fährt B-Personal und aufgewärmte E3-Demos auf.
Handheld-Spiel(e) der Messe: keines
Konsolen-Spiel(e) der Messe: Batman - Arkham Knight
Bester Messestand: Sony
Damit habe ich die meiste Zeit verbracht: Herausfinden, in welcher Halle ich bin, und wie ich wieder hinaus komme.
Das wünsche ich mir für die nächste gamescom: eine eigenständige Messe und keine lauwarme E3-Wiederholung

Anspielberichte zu den wichtigsten Wii U-Titeln:


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17 Kommentare:


Masters1984
vor 7 Jahren | 0
Die Gamescom ist eher ein Gamertreffen und gleichzeitig eine große Anspielstation, wo alle bisher angekündigten Spiele ausprobiert werden können. Die E3 hat da einen gänzlich anderen Stellenwert.
Die Gamescom ist eher eine Bespaßungsmesse, genau wie auch in der News geschildert.

Tobsen
vor 7 Jahren | 0
Danke für diesen Rückblick. Ich liebe - auch in Zeitschriften - diese "Liest im Moment: xyz, Spielt im Moment: xyz"-Rubriken, daher fand ich eure persönlichen Eindrücke besonders cool.
Ich glaube aber übrigens nicht, dass die Directs im eigentlichen Sinne einschlafen. Nintendo würde bestimmt gerne wieder welche abhalten. Nur könnte man im Moment dann zum vierten Mal dasselbe zeigen (zum 1. Mal bei der E³, dann beim post-E³-Event, dann Gamescom); ich glaube, daran hapert es.

Wario
vor 7 Jahren | 0
Nach einen Jahr wieder ein Treffen der ganzen Redaktion?
Ob das nach der Gamescom noch ne "lange Nacht..." gewesen ist werden wir wohl nie Erfahren.. *gg* ;)

Zur Gamescom selbst.. War es da wirklich so erdrückend eng wie auf den Bilder von Videos?
( Abgesehen vom Nintendo Stand der leer ausgesehen hat... )
Kann mir das net so recht vorstellen...

Tim @

Hättest du die Gamescom App benutzt ( die wohl kacke war ) hättest du vielleicht "erahnen können" wo du ungefähr bist.. :D

Vader
vor 7 Jahren | 0
Also ich fand das was ich am Fachbesuchertag gesehen habe nicht so dolle. Keine ahnung... aber die Stände und bauten werden immer größer, aber sehen tut man nicht wirklich viel von den spielen. Es ist einfach nur noch ein Protziges "Ich hab nen größeren stand als du" ..... Aber das gefühl was es damals gab, das es um Spiele geht die man sehen kann (Alles nur noch in Räumen versteckt), oder auch um die Spielevielfalt und Ideen (Die gab es wirklich nur an den kleinen unscheinbaren ständen)
Entwickelt sich immer mehr ins uninteressante. Einzig was da spass macht ist streetpass zu sammeln, sich kostümieren und mit gleichgesinnten zu treffen, oder wie ich^^Am stand als Promoalien zu arbeiten.
Ehrlich, Geld ausgeben würde ich dafür nicht mehr. Na ja. vielleicht liegt es auch daran das ich das Kölner Messegelände absolut nicht ab kann^^

Marioserbe
vor 7 Jahren | 0
In Hannover gibt es ein tolles Messegelände was mit noch mehr als 330.000 Besuchern klar kommt nur mal so ;-)

Belphegor
vor 7 Jahren | 0
Am geilsten ließt sich das letzte Fazit. Ich brech zusammen. Schön aber das Splatoon und Smash bei den meisten sehr gut wegkommen und der Nintendostand anscheinend gerockt hat (3 von 6 highs). Aber insgesamt ließt man wie jedes Jahr heraus: zu voll und dadurch lange Warteschlangen und Herumstehen.

Find ja auch die Location mehr als Scheiße dafür. Leipzig war echt gut und auch das erwähnte Messegelände der EXPO in Hannover würde wohl passen. Zumal dort auch weniger Besucher hin kämen. Köln ist halt DAS Ballungszentrum in Deutschland und das Messegelände ist für die Massen einfach zu alt und dadurch zu klein.

KeeperBvK
vor 7 Jahren | 0
Die Größe der Messe Köln ist nicht das Problem. Schließlich gibt es dort noch einige Hallen, die während der Gamescom leerstehen.

Krugigi
vor 7 Jahren | 0
Zu den aufgewärmten E3-Demos: Ist doch klar, dass für die Gamescom nicht brandneue Demos von Spielen entwickelt werden, die auf der E3 überhaupt das erste Mal anspielbar waren. Schließlich ist die E3 nur für Fachbesucher und es konnte nicht jeder wie ihr die Games schon auf einem Post-E3-Event anspielen. Die Zielgruppe der gamescom sind die normalen Konsumenten und denen ist es völlig wurscht, ob es die Demos schon auf der E3 gab.

thirdparty
vor 7 Jahren | 0
Nur mal so zur Geschichte:

Es gab seiner Zeit die Cebit In Hannover auf der das gesamte Computerspektrum abgebildet wurde.
Dann dachten sich bekloppte Messemanager: Die Messe ist zu groß und man splittete die Cebit in Cebit Pro und Cebit Home! Die Cebit Home war erfolglos und wurde nach Leipzig abgegeben ,Dort entwickelte sie sich zu gamescom die jetzt in Köln sehr erfolgreich ist.


McClane
vor 7 Jahren | 0
Dass ich das noch erleben darf...Zumindest hinsichtlich ds Ballungszentrum Kööln hat Belphegor Recht. Köln liegt in der Metropolregion Rhein-Ruhr, der größten Deutschlands. Hinzu kommen die Benelux-Staaten und Frankreich links. Somit liegt Köln in DEM Ballungszentrum Deutschlands.

Nachlesen: http://de.wikipedia.org/wiki/Metropolregion_Rhein-Ruhr

Belphegor
vor 7 Jahren | 0
Dei-Mudda: Dein Name ist Programm. Echt. Ich bin in Köln geboren und wohne 60 km davon entfernt. Ich glaube ich weiß sehr gut wovon ich schreibe. NRW ist das bevölkerungsreichste Bundesland. Das wissen User mit Namen wie deinem an sich nicht, da sie in der Schule wahrscheinlich sich mehr mit Ice-Bucket-Challenges auseinander setzen, als mit Erdkunde. Das Ruhrgebiet ist das wirtschaftliche stärkste Gebiet Deutschlands und Köln ist quasi das Tor ins Ruhrgebiet. Setzen 6 Dei Mudda!

Marioserbe
vor 7 Jahren | 0
@thirdparty

Ja sehr schade das die blöden CeBIT futzis das damals so fahrlässig weg gegeben haben. Bin ja Hannoveraner das hat mich damals sowas von gestört.
Stört mich jetzt auch immer noch fast alles ist immer in NRW oder Berlin zum k*****.

Der R
vor 7 Jahren | 0
kann man euch auch buchen? :D ...

Wario
vor 7 Jahren | 0
Und mal wieder verkommt ein super mit Freute gemachter Artikel mit prima Eindrücken der Verfasser ( und natürlich abgesehen von den Vernünftigen Vorpostern ) zu einem Streit plärrten Ghetto Kinder (nach Erwachsene hört sich hier keiner an) die sich drüber Streiten wer en schöneren Strich mit der Farbe kreide auf den Boden gemalt hat...
.
Benehmt euch und und spielt in PN's euren Kükenkampf aus und lasst die normalen User hier in Ruhe schreiben...
Ist ja net zum aushalten hier...

thirdparty
vor 7 Jahren | 0
@marioserbe
Hey ja bin auch Hannoveraner!
Das was die aus der cebit gemacht haben ist wirklich bedauerlich. Wir haben jetzt das größte Messegelände, aber auf die cebit dürfen nur noch Professionals. Das war damals die absolute Fehlentscheidung.

Egal- hautsache 96 gewinnt heute gegen Schalke:-)

Marioserbe
vor 7 Jahren | 0
@third

Dann können wir ja nächstes jahr ne Fahrgemeinschaft zur gamescom machen :-))

thirdparty
vor 7 Jahren | 0
...is mir echt zu voll da!