Test: New Super Mario Bros. U

Von Tim Herrmann am 01. Januar 2017

„Einer für alle. Einer für immer“. So markig hat Nintendo im Sommer für Super Mario geworben. Einer für immer… Eigentlich erscheint es doch gar nicht so undenkbar, dass im Jahr 2039 Virtual-Reality-Helme zwar längst Realität sind, auf irgendeiner Nintendo-Konsole der 11. Generation aber trotzdem immer noch ein pummeliger Klempner jauchzend durch zweidimensional scrollende Levels hüpft; mit dem erhebenden Sprung-„Boing!“, dem „Woohoo!“ und dem spitzen Kreisch-Sound beim Fall in den Abgrund. Wer hätte noch vor wenigen Jahren geglaubt, dass das klassische 2D-Jump & Run-Genre zurückkehren und sogar eine große HD-Konsole noch einmal erobern würde? New Super Mario Bros. U heißt der neueste Teil mit dem ewigen Klempner für Wii U: immer noch „New“, immer noch „Super“? Ein Spiel für die Ewigkeit?

Ewiger Stillstand
Wer New Super Mario Bros. U in Videos sieht, dem springen die Unterschiede zu New Super Mario Bros. Wii, gelinde gesagt, nicht gleich ins Auge. Es hüpfen immer noch bis zu vier Charaktere durch die kunterbunten 2D-Welten: Mario, Luigi und zwei Toads. Yoshi ist wieder dabei, ebenso das Eisblumen-Powerup. Es gibt wieder die üblichen Wüsten-, Wald- und Strandwelten sowie eine Karte aus der Vogelperspektive. Und auch an den heiter-fröhlichen New Super Mario Bros.-Melodien hat sich praktisch nichts getan. Koopas tanzen im Takt und in jeder Welt versperren ein Zwischen- und ein Endgegner den Weg. Eigentlich sieht im neuen Wii U-Ableger alles genauso aus wie 2009 – auf den ersten Blick.


Normalerweise kommt jetzt ein vollmundiges „aber auf den zweiten Blick…“, gefolgt von einem Loblied auf die enormen Innovationen, die Nintendo seiner Erfolgsserie – „wieder einmal“ – eingehaucht hat. Diesmal nicht. Die breiten spielerischen, gestalterischen und stilistischen Redundanzen zum Wii-Vorgänger sind offensichtlich: Sie sind die größte Schwäche dieses Wii U-Launchtitels. Selbst die ersten 10, 20 Levels wirken, als hätte man sie so auch schon auf Wii gesehen. Es fällt schwer, das alles noch mit Tradition, einem Hang zur Retro-Liebe oder mit simpler Kontinuität zu verklären – das ist Recycling. Mit allem, was es tut, baut New Super Mario Bros. U auf den Fundamenten seines erfolgreichen Wii-Vorgängers auf – ganz so, wie es oft kritisierte Dauerserien wie Call of Duty oder FIFA machen. Langsam läuft Nintendo Gefahr, der Reihe durch diese großflächige Wiederverwertung ihren künstlerischen Charme zu nehmen. Trotzdem: Wer dem Spiel jegliche Innovation abspricht, macht es sich viel zu einfach.

New Old New Super Mario Bros.
Die Neuerungen beginnen bei der Grafik, die in Echt tatsächlich besser aussieht als in unscharfen Videos. Zwar schafft es Mario nicht ganz in Full-HD 1080p, posiert aber immerhin in Fast-HD (720p) auf dem TV-Bildschirm. Die Charaktermodelle sind überarbeitet und detaillierter – Marios Haare etwa werfen jetzt leichte Schatten, seine Hose glänzt (warum auch immer). Die Grafiken laufen flüssig und ohne Flimmern, klitzekleine Details wie Glimmen in den Feuerbällen, dunstige Nebelschwaden oder animierte Hintergrundgrafiken tragen in ihrer Summe dazu bei, dass die 2D-Grafiken auf Wii U durchaus hochwertig aussehen. Eine Herausforderung sind sie für die neue Konsole aber sicherlich nicht. Ebenso wie die bereits angesprochenen mehrfach durchrecycelten Sounds und Musikstücke, die immerhin ab und zu mit interessanten Neuarrangements aufwarten.

Wie üblich gibt es auch ein neues Item: Der Eichhörnchen-Anzug lässt Mario langsamer sinken, Luftsprünge machen oder sich an Wänden festkrallen. Er steht damit in einer Reihe mit den Tanuki-Suits der letzten Ableger, die das Springen zugänglicher (= einfacher) machen sollten. Tatsächlich orientiert sich der Wii U-Ableger beim Schwierigkeitsgrad an seinem recht knackigen Wii-Vorgänger. Nach den ersten drei Welten werden bei Profi-Spielern zwar schon satte 60 Leben auf der Uhr stehen – doch in späteren Levels nimmt auch der Schwierigkeitsgrad wieder merklich zu. Und auch die Stern-Münzen sind gefühlt deutlich geschickter versteckt.


Als Bonbon für die Fanherzen sind außerdem die Baby Yoshis aus Super Mario World zurückgekehrt: Pink bläht sich auf, um zu schweben, Blau prustet nützliche Luftblasen aus und Gold verströmt Licht. Die Babys kann man sogar über Levelgrenzen hinweg tragen. Weil sie so nützlich sind, sind sie aber auch enorm selten und verstecken sich auf der Weltkarte.

Über diese Karte wurde bereits viel gesprochen: Mario bewegt sich auf einer einzigen großen Map à la Super Mario World, die ihn ab und zu vor Abzweigungen stellt. Der Spieler kann sich dann oft zwischen zwei Levels, manchmal aber auch zwischen ganzen Welten auf dem Weg zum Ziel entscheiden. Und bisweilen führt es ihn auch auf überraschende Wege, die in ganz neue Welten oder Levels führen. Die neue Karte wirkt nicht mehr so starr, ist dynamischer, belebter und individueller. Das gefällt.

Eine der prominentesten Innovationen ist ein hinlänglich bekanntes Feature: Das komplette Spiel lässt sich ausschließlich auf dem Bildschirm des GamePads bestreiten. Auch wenn ihr auf den Fernseher schaut, läuft das Geschehen parallel auf dem Controller mit. Besonders dem Sound nützt das: Musik erschallt (wenn eingeschaltet) gleichzeitig aus Pad und TV. Der ganze Raum füllt sich plötzlich mit Tönen und Melodien, sie scheinen von überall zu kommen. Und es fühlt sich an, als greife man das Geschehen mit eigenen Händen. Sobald eine der beiden Soundquellen versiegt, wirkt die Musik gleich deutlich weiter weg.

Optional können Spieler auch zur Wii-Fernbedienung greifen und New Super Mario Bros. U so kontrollieren wie seinen Wii-Vorgänger. Im direkten Vergleich steuert es sich mit der Wii-Remote tatsächlich etwas knackiger als mit dem doch ziemlich großen GamePad, das übrigens auch beim Spielen mit der Wii-Remote eingeschaltet bleibt und weiterstreamt (dann aber leider ohne Musik).

Give me a boost
Im Moment des Controller-Wechsels startet auch automatisch der Boost-Modus: Ein zweiter Spieler kann dann Hilfsplattformen auf den GamePad-Touchscreen zaubern, Gegner betäuben oder Kisten zerstören. Im Multiplayer-Modus kann der Helfer aber nie aktiv mithüpfen. Ihm bleibt auf dem Wii U-Controller einzig die Zuständigkeit für Boost-Plattformen. Damit kann er seinen Mitspielern entweder helfen – oder sie böswillig behindern.


Schon in New Super Mario Bros. Wii wurde der Vierspieler-Modus bisweilen reichlich chaotisch. Denn anders als etwa in Rayman Legends können sich die Spielcharaktere gegenseitig im Weg stehen, behindern, tragen oder einander „hochhüpfen“. Zu viele Köche können den berühmten Brei aber auch verderben. Die meisten Levels (besonders die späteren) sind eigentlich zu schwierig für vier Spieler. Die Versagensquote steigt; es wird deutlich kniffliger, die kleinen Plattformen zu treffen, wenn noch drei weitere dieses Bestreben haben. Auf Wii U kommt jetzt also noch eine fünfte Partei dazu, die wie wild Blöcke in der Gegend platzieren kann. Unterstützen die Hilfsplattformen den einen, stehen sie anderen womöglich im Weg. Das Konzept trägt also nicht immer zum Erfolg bei. Einige werden sich von den Boost-Blöcken gestört fühlen, anderen helfen sie, wieder andere erfreuen sich einfach an dem frenetischen Chaos, das New Super Mario Bros. U im Multiplayer-Modus auch diesmal wieder auf den Bildschirm zaubert.

Bonbon: Challenges

Ein besonderes Bonbon hebt das Wii U-Mario-Spiel dann doch noch einmal deutlicher ab: die Extra-Modi neben dem Hauptspiel. Sie sind willkommene Extras, in denen ihr übrigens auch mit eurem Mii antreten könnt: Herausforderungen, Schnellspiel und Münzjagd stellen sich zur Wahl. Während der Challenges sollt ihr mal eine bestimmte Anzahl an Power Ups erringen, mal innerhalb eines strengen Zeitlimits das Ziel erreichen, ab und zu einfach nur ankommen oder keine (!) Münzen sammeln. Einige lassen sich auch nur im Team mit Boost-Modus bestreiten. Am Ende werden Spieler mit Medaillen für ihre Leistung belohnt. Besonders die knackigeren Challenges führen unweigerlich zur „Nur noch ein Versuch“-Mentalität. Keine Frage: Der Challenge-Modus kann viel Zeit und Nerven kosten. Ebenso wie der Schnellspielmodus, in dem vordefinierte Levelpakete möglichst schnell durchquert werden wollen. Wie schnell die Stages scrollen, hängt von der Anzahl der gesammelten Münzen ab. Je schneller der Level scrollt, desto schneller kann man ihn durchqueren, desto schwieriger wird es jedoch auch, Extras einzusammeln, und der Druck wächst. Ein herrlich stressiger Modus. Die Münzjagd, schlussendlich, ist ein reiner Multiplayer-Modus, in dem bis zu vier Spieler gegeneinander antreten, um die meisten Münzen einzuheimsen.

FAZIT:

Ist New Super Mario Bros. U ein gelungenes Jump & Run? Auf jeden Fall. Tatsächlich ist der neue Teil wohl sogar der Beste aus der 2D-Revival-Reihe: die aufpolierten HD-Grafiken, die interessantere Weltkarte, die spaßigen Extra-Modi und die neuen Hilfe-Features im Multiplayer-Modus stellen Mario in gutes Licht. Ist New Super Mario Bros. U aber auch ein Spiel für die Galerie? Ein Kunstwerk? Eher nicht. Weite Teile dieses vierten New Super Mario Bros. kranken an zunehmender Redundanz. Selbst das sonst so hochgelobte Level-Design entfaltet sich erst spät im Spiel mit einigen neuen Konzepten und Einfällen, nachdem die ersten paar Spielstunden kaum neuartige Spielideen zutage fördern und geradezu belanglos wirken. So bleibt New Super Mario Bros U. ein sehr gutes Jump & Run-Produkt – ist aber kein glänzendes Aushängeschild. Wahrscheinlich braucht die Serie, die dieses Jahr besonders strapaziert wurde, jetzt erst einmal eine Pause. Doch glaubt jemand ernsthaft, dass wir Mario wirklich erst wieder auf der nächsten Nintendo-Konsole in 2D sehen werden? Ihn, den Einen für immer…?

Wertung:

8.5

Tim Herrmann meint:

"Ein spaßiges Jump & Run mit sinnvollen Detailneuerungen, das sich im Großen und Ganzen aber oft zu vertraut und zu bekannt anfühlt."
Spielerlebnis: Sehr gut
Umfang: Sehr gut
Technik: Gut
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10 Kommentare:


Samus_Aran
vor 9 Jahren | 0
Ich kann mich da meinem Kollegen Tim nur anschließen. Am Anfang ist das Spiel wirklich arg uninspiriert aber mit zunehmender Spieldauer zieht auch der Schwierigkeitsgrad gut an und besonders die neue "Super Mario World"-inspirierte Weltkarte sagt mir sehr zu. So unter dem Strich also besser gelungen als New Super Mario Bros. 2 für den 3DS...

xangor
vor 8 Jahren | 0
Ich hatte mit dem NSMBU auch mehr Spaß als mit NSMB 2. Etwas enttäuscht war ich von der (viel zu kurzen) letzten Welt...aber das ist Jammern auf hohem Niveau. Man wünscht sich ja immer mehr Level ;-)
Besonders positiv erwähnen möchte ich noch den Boost-Modus. Mit meinem Junior zusammen hat das richtig Laune gemacht und war dann auch etwas einfacher.

Wario
vor 8 Jahren | 0
Ich hab jetzt 7 Std Mario auf en Buckel und muß sagen das es mir richtig gut gefällt,die ersten Leveln waren ja einfach aber nu wird es langsam eng mit dem einfach durhrennen. Die Weldkarte ist gut gegliedertund für manche Überraschung gut.
Von mir gibt es ein gutes 8,5 Punkteergebnis.

PS: Hat schon wer diesen komischen Mopsie gefangen.. Ich krieg denn nich.. :D :D

LostScorpion
vor 8 Jahren | 0
Mir hat New Super Mario Bros. U auch sehr gut gefallen. Der Schwierigkeitsgrad ist machbar und ist gegen Ende hin auch etwas fordernd.
Besonders hervorheben möchte ich sowohl den Boost-Modus als auch die Herausforderungen, welche teilweise echt schwer sind und einem keinen Fehler verzeihen.

Gab
vor 8 Jahren | 0
Ich habe es auch durch, TOP! Was will man von einem Mario auch sonst?

Matthew1990
vor 8 Jahren | 0
Ich stimme dem Test soweit ganz zu: Da fehlt das besondere Etwas, wie es für den 3DS "New Super Mario Bros. 2" war durch den Münzwahn. Es fehlt auch einiges an Wiederholungsbedarf durch Rekordhaltung. In Super Mario 3D Land kann man Timeruns starten und neue Rekorde aufstellen, während in NSMB2 man Münzrekorde aufbaut.
Ich habe NSMBU durch und wüsste nicht, wieso ich noch einmal spielen soll. Im Moment dient es eher nur zum Multispieler mit Freunden aus.
Die Extra-Challenges sind dafür sehr lobenswert angehängt! :-)

nibez
vor 8 Jahren | 0
Wie immer gut. Aber eben "wie immer". Im Vergleich zu Rayman Legends deutlich schlechter.

Der R
vor 8 Jahren | 0
Tolles Spiel, Tolle Ideen, aber zu früh nach dem Vorgänger und zu einfach (mal wieder). Die Herausforderungen sind aber sehr gelungen und ich würde den Titel sofort wieder kaufen.

StMaster3000
vor 7 Jahren | 0
Wie Nintendo Land eines der Besten Wii U Spiele EVER ! Es macht unglaublich Viel Spaß das Spiel zu spielen ! Obgleich ich es schon 20 mal oder so durchgespielt hab :) .

Gute Grafik , Spielspaß hoch 1millarde ! , große Welten , Leider kein Onlinemodus und leider Wenig Gamepad Einbindung :-/ oder trotzdem ein Super Spiel für die Wii U !

Belphegor
vor 7 Jahren | 0
Ein herrliches 2D-Mario das zum Start der Konsole alles richtig machte. Zusammen mit NSLU ein perfekter Spielspaß und an sich darf der Titel in keiner Sammlung fehlen. KAUFEN!