Test: FIFA 13

Von Kamil Witecy am 08. Dezember 2012

Während die FIFA-Serie auf der PS3 und Xbox 360 in den letzten Jahren kontinuierlich weitere Schritte nach vorne gemacht hat und immer besser wurde, haben die Wii-Ableger so einige Höhen und Tiefen hinter sich, die erst kürzlich mit dem ernüchternden FIFA 13 für Wii ihren absoluten Tiefpunkt erreicht haben. Mit FIFA 13 für Wii U, das natürlich passend zum Start von Nintendos neuer Heimkonsole in den Ladenregalen bereitsteht, wollen die Entwickler diesen Fauxpas jedoch wieder gut machen und auch Nintendo-Fans endlich wieder ein ausgereiftes Fußball-Gesamtpaket mit einem großen Umfang liefern. Ob Electronic Arts dieses Versprechen bereits mit FIFA 13 einhalten konnte oder wir es auch bei der Wii U-Version mit einer Mogelpackung zu tun haben, verraten wir in unserem Test.

Alte Stärken, neue Skills
Die FIFA-Serie ist seit jeher bekannt für ihren enormen Umfang. Das geschieht bei Electronic Arts zunächst über die vielfältigen Fußball-Lizenzen. Die Zahlen sprechen auch dieses Mal wieder eine eindeutige Sprache: Mit über 30 voll lizenzierten Ligen und mehr als 500 Vereinen, in denen mehr als 13.000 virtuelle Profispieler ihr fußballerisches Talent unter Beweis stellen, ist FIFA in dieser Hinsicht auch in diesem Jahr wieder jeglicher Konkurrenz meilenweit voraus. Auch sämtliche Transfers der vergangenen Sommerpause sind allesamt angepasst worden, sodass ein Javi Martinez bei Bayern München und ein Ibrahim Affelay (leihweise) bei Schalke 04 kickt, während die Ex-Mailänder Zlatan Ibrahimović und Thiago Silva im Zuge einer wahnsinnigen Ablösesumme nun die Schuhe für Paris Saint-Germain schnüren.

Ein kurzer Blick ins neu gestaltete Menü genügt, um sich schnell heimisch zu fühlen: Vom guten alten Freundschaftsspiel über den umfangreichen Trainingsmodus bis hin zum Managermodus - all das ist auch in FIFA 13 für Wii U wieder vorhanden. Für Einzelspieler dürfte gerade der zuletzt erwähnte Managermodus von großem Interesse sein, der im Vergleich zur Wii-Version noch einmal umfangreicher ausfällt. Am grundlegenden Ablauf hat sich dabei wenig getan: Wahlweise als Manager oder Spieler (ihr könnt auch einen eigenen Virtual Pro erstellen) beginnt ihr mit eurem Wunschverein eine Saison in der entsprechenden Liga, bestreitet Freundschafts-, Liga- und Pokal-Matches, könnt Spieler scouten und die jeweiligen Transferperioden dazu nutzen, um euren Kader zu verstärken. Was beim Spielen des Modus sofort positiv auffällt sind die umfangreicheren Storys, News und Gerüchteküchen, sowohl was den Transfermarkt betrifft als auch die Stimmung unter den eigenen Spielern. Neu ist zudem auch, dass ihr neben eurem Verein auch eine Nationalmannschaft trainieren könnt, sofern ihr nach einer erfolgreich verlaufenen Saison entsprechende Angebote erhaltet. Demzufolge werden die Spieler auch für die jeweiligen Nationalmannschaften abgestellt und ihr dürft die internationalen Partien auch selbst spielen.


Wovon die FIFA-Serie in den letzten Jahren sehr stark gelebt hat ist der tolle Online-Modus – auf diesen mussten Wii-Spieler in den letzten Jahren unverständlicherweise jedoch gänzlich verzichten. Dies hat sich glücklicherweise nun geändert. Wii U-Besitzer erhalten mit dem neuen FIFA eine prinzipiell gute Online-Erfahrung inklusive dem sehr beliebten Season-Modus, der erstmals seinen Weg auf eine Nintendo-Konsole gefunden hat. In diesem Modus beginnt ihr in Liga 10 und könnt euch über gute Leistungen bis in Liga 1 spielen. Dabei müsst ihr euch keinesfalls auf eine Mannschaft beschränken. Vielmehr könnt ihr theoretisch vor jedem Ligaspiel eine neue Mannschaft samt Team-Management auswählen und euch dann automatisch ein ungefähr gleichstarkes Team eines anderen, gerade in diesem Modus spielenden Gegners zulosen lassen. Ein Modus, in dem man wirklich sehr viel Zeit verlieren kann. Neben den ebenfalls vorhandenen normalen Online-Freundschaftsspielen mit euren Freunden oder zufällig ausgewählten Gegnern könnt ihr diesmal auch eigene Online-Ligen gründen. Das große Problem bislang: Die Community ist aktuell noch recht dünn besetzt und kein Vergleich zu der Vielzahl an Online-Spielern auf der PS3 und Xbox 360. Dementsprechend ergibt sich bei den Online-Spielen trotz verbesserter Suchmöglichkeiten immer wieder mal die Situation, dass gerade kein passender Gegner gefunden werden kann. Dann müsst ihr die Suche vielleicht auch mal ein zweites und drittes Mal starten.

Wichtig ist auf dem Platz
Abseits dieser mal wieder gelungenen Rahmenbedingungen gilt auch in diesem Jahr wieder die gute alte Fußball-Floskel: Entscheidend ist auf dem Platz. Schließlich muss es ein guter Fußball-Titel mit seinem Gameplay schaffen, das Herz eines Fußballfans höher schlagen zu lassen. Und hier kann man sowohl positive, als auch einige sehr negative Dinge berichten. Das Positive: Endlich entledigt sich EA dem Arcade-Gebolze der Wii-Version und spendiert auch Nintendo-Spielern eine tolle Fußball-Simulation, die sich rund anfühlt. Das Negative: Die Wii U-Version basiert spielerisch eher auf dem zwar sehr guten, aber dennoch älteren FIFA 12. Konkret bedeutet dies, dass im Vergleich zu den anderen HD-Fassungen einige in diesem Jahr neu hinzugekommenen Raffinessen fehlen, die das Gameplay in diesen Versionen absolut bereichert haben. Das wäre zum einen die neu eingeführte First-Touch-Control-Funktion, durch die es mehr Unberechenbarkeit bei den Zuspielen gibt, weil gerade Spieler unterklassiger Teams Pässe nicht mehr so perfekt wie zuvor annehmen und weiterverarbeiten können. Bälle verspringen somit hin und wieder einmal und der Grad an Realismus wurde noch mehr erhöht – in Fifa 13 für Wii U fehlt das Feature leider gänzlich. Ebenso nicht vorhanden ist das aus Fifa Street übernommene Complete-Dribbling-Feature, durch das man als agierender Spieler während eines Dribblings stets Blickkontakt zu seinem Gegner halten kann und ihm beim Tricksen somit nie den Rücken zukehrt, sodass gerade Eins-gegen-Eins-Situationen noch mehr Würze bekommen. Auch die Player-Impact Engine, die für die anderen Versionen im Gegensatz zum Vorgänger noch einmal ordentlich aufpoliert wurde, befindet sich in der Wii U-Version nicht auf dem aktuellsten Stand der Technik. Darüber hinaus haben es auch noch einige individuelle Physik-Effekte beim Bodycheck sowie taktische Abwehrfeatures nicht in die Wii U-Version geschafft. Enttäuschend.

Doch nicht nur beim Gameplay wurde gespart: FIFA 13 für Wii U enthält auch einige Spielmodi weniger. Zum einen betrifft dies den Online-Spielmodus „Virtuelle Bundesliga“, der ersatzlos gestrichen wurde. In den anderen Konsolenfassungen kann man sich in diesem Modus mit den 18 Bundesligavereinen untereinander messen (alle Spieler jeden Vereins haben dieselben Spielstärken), um dem eigenen Team in der Tabelle nach oben zu verhelfen. Zusätzlich müssen Wii U-Benutzer auf den mittlerweile sehr populären Ultimate-Team-Modus verzichten. In diesem „Kartenspiel-Modus“ betreut man ein individuell zusammengestelltes Fußball-Team, erarbeitet sich durch Siege (online oder offline) Geld und tauscht die virtuelle Währung gegen Kartenpakete ein. Durch neue Karten bekommt man neue Spieler oder schaltet neue Fähigkeiten der Sportler frei. Auch im Trainingsmodus wurde die Schere angesetzt: die Skill-Games, die sich in den anderen Versionen als anspruchsvolle Trainingseinheiten präsentieren, wurden ebenfalls herausgekürzt. Last but not least fehlen auch das Match-Day Feature, welches die Kaderwerte der europäischen Top-Ligen wöchentlich aktualisiert, sowie die regelmäßigen Online-Herausforderungen, bei denen man aktuelle Fußballspiele der echten Ligen mit bestimmten Aufträgen (z.B. einen 0:2 Rückstand in der letzten halbe Stunde aufholen) nachspielen kann.


Electronic Arts begründet das Fehlen all dieser Features damit, dass man die meiste Entwicklungszeit schlichtweg dafür verwendet hat, um das Grundprinzip überhaupt auf die Wii U zu portieren. Demnach fehlte danach einfach die Zeit, um alle Feinschliffe der letzten Jahre noch eins zu eins umzusetzen. Stattdessen sollen diese erst im nächsten Ableger mitsamt der dann weiteren neu eingeführten Features nachgereicht werden. Ob zumindest der Ultimate Team-Modus zu einem späteren Zeitpunkt noch per DLC nachgeliefert wird, scheint zwar noch im Rahmen des Möglichen zu sein, wurde seitens EA aber auch noch nicht bestätigt.

Exklusive GamePad-Features
Während der Wii U-Umsetzung von FIFA 13 somit einige Gameplay-Features und Modi der anderen Versionen fehlen, hat EA jedoch zumindest auch einige exklusive, Gamepad-spezifische Features eingebaut, die durchaus Lust auf mehr machen. So könnt ihr auf der Wii U während eines laufenden Spiels jederzeit taktische Änderungen bequem über das GamePad vornehmen. Dies ist gerade deswegen eine tolle Geschichte, weil das Spiel dafür nicht extra pausiert werden muss, sondern sämtliche Dinge in Echtzeit vorgenommen werden können. Dadurch benötigt ihr nur wenige Klicks auf dem Touchscreen um eure Aufstellung, Strategie und Manndeckung zu managen bzw. Auswechslungen vornehmen. Der Freunde-Tab auf der rechten Seite des Touchscreens erlaubt es euch zudem jederzeit zu sehen, welche Freunde gerade Fifa 13 spielen, um sie dann sehr einfach zu einem Online-Match einzuladen. Auch ein Echtzeit-Chat über die Tastatur auf dem Touchscreen des GamePads ist so möglich.

 
Neben diesen Taktik-Spielereien könnt ihr optional auch über den Touchscreen des GamePads aktiv in den Spielverlauf einsteigen. Seid ihr im Ballbesitz passt ihr den Ball per Druck auf einen Mitspieler zu diesem hinüber. In der Defensive hingegen können gegnerische Spieler per Touchscreen-Druck getackelt werden. Darüber hinaus kann das GamePad auch für Torschüsse verwendet werden. Dazu muss das GamePad in Nähe des gegnerischen Tores kurz geschüttelt werden, sodass euch auf dem Screen das Tor angezeigt wird und ihr euch eine Ecke des Tores aussuchen könnt. Diese Vorgehensweise funktioniert zwar überraschend gut, ist aber gerade in hektischen Spielen nur wenig praktikabel und zudem auch nur selten von Erfolg gekrönt. Schon besser funktioniert dies bei Standardsituationen wie Ecken und Freistößen. So kann via Neigung des GamePads die Flugkurve des Balls bestimmt werden oder einfach eines der entsprechenden Ziele angetippt werden.


Angeregt von diesen GamePad-Features dürft ihr euch in FIFA 13 zudem nicht nur als Spieler auf das Feld wagen, sondern könnt auch lediglich die Rolle des Trainers übernehmen. Über den Touchscreen können dann Laufwege bestimmt, Pässe und Schüsse gefordert und Strategien eingestellt werden – aktiv greift ihr hier aber nicht ins Spielgeschehen ein, dies übernimmt der Computer. Alternativ kann auch ein zweiter Spieler mit dem Wii U Pro Controller (oder anderen Controllern der Wii-Ära) diesen Part übernehmen, während ihr als Trainer beschäftigt seid. In diesem kooperativen Modus hat der Spieler mit dem Wii U Pro Controller keinen Zugriff auf das Team-Management und muss sich nur auf das Spielgeschehen konzentrieren. Auf diese Art und Weise könnt ihr sogar einen kooperativen Karrieremodus (Manager + Spieler) absolvieren, sofern euch diese Art und Weise des Spielens Freude bereitet.

Technik und ihre Tücken
In punkto Technik und Grafik wurde im Vorfeld einiges von EA versprochen, das Resultat ist jedoch eher ernüchternd. Und das liegt noch nicht einmal an der Optik selbst. Die Wii U-Version punktet mit satten Farben, teils etwas höher aufgelösten Texturen und einem optisch etwas verbesserten Publikum im Gegensatz zu den anderen HD-Konsolenfassungen. Der große Schwachpunkt ist jedoch die Framerate, die immer wieder mal (wohlgemerkt offline!) in die Knie gezwungen wird. Unschöne Ruckler sind dann die Folge, die zwar den Spielbetrieb nicht großartig behindern, aber dennoch auf Dauer sehr nerven. Angesichts der stärkeren Hardware und vor allem der Tatsache, dass die anderen Versionen stets flüssig über den Bildschirm laufen, ist dies sehr ernüchternd. An dieser Stelle fehlt es dem Titel einmal mehr an der letzten Qualitätsprüfung.

Beim Thema Sound und Atmosphäre ist hingegen wieder einmal (fast) alles super. Vom Einmarsch der Teams über die Ansagen des Stadionsprechers bis hin zu den authentischen Fangesängen - FIFA 13 sorgt für eine rundum gelungene Stadion-Atmosphäre. Nur das deutsche Kommentatorenduo nervt beizeiten wie eh und je. Aber daran sollte man mittlerweile schon längst gewöhnt sein.

Fazit:
FIFA 13 ist auch auf der Wii U nicht die erhoffte und uneingeschränkt geniale Fußballsimulation, wie man sie von den anderen HD-Konsolen kennt. Angeblich aus Zeitgründen hat es Electronic Arts nicht geschafft, wichtige Gameplay-Raffinessen sowie einige Spielmodi ins Spiel zu integrieren. Dadurch fühlt sich Fifa 13 für Wii U eher wie ein FIFA 12.5 an. Hinzu kommt, dass die eigentlich gelungene Optik von Framerateeinbrüchen heimgesucht wird, was ebenfalls nicht gerade für die Wii U-Version spricht. Dennoch ist FIFA 13 aber alles andere als ein Totalausfall. Das Gameplay geht super von der Hand, ist spannend und dynamisch und die durchaus bereichernden Wii U-exklusiven Features sorgen für ein halbwegs versöhnliches Ende. Wer FIFA 13 bereits für eine andere Konsole besitzt sollte zwar besser weiterhin bei dieser bleiben, wer das Spiel aber noch nicht kennt und keine anderen Konsolen sein Eigen nennt, kann durchaus auch zur Wii U-Variante greifen. Ein schlechtes Fußball-Spiel ist FIFA 13 nämlich definitiv nicht. Für den nächsten Teil hoffen wir jedoch inständig, dass EA seine Versprechen endlich einhält und auch Wii U-Spielern das FIFA spendiert, welches sie auch verdient haben.

Wertung:

7.0

Kamil Witecy meint:

"FIFA 13 ist eine noch gute Fußballsimulation, die aber im direkten Vergleich zu den anderen Konsolen-Fassungen abgespeckt daherkommt und mit Framerateeinbrüchen zu kämpfen hat."
Spielerlebnis: Gut
Umfang: Gut
Technik: Durchschnittlich
Hinweis: die Kommentarsektion ist aktuell geschlossen.

5 Kommentare:


nibez
vor 8 Jahren | 0
Von Framerateeinbrüchen merke ich nur was, wenn ich auf dem Pad spiele und mich von der Konsole mind. 5 Meter entferne.

Ich kenne die anderen HD-Umsetzungen nicht, daher kann ich da schlecht vergleichen. Aber auch wenn einige Features fehlen, ist der Umfang nocht gut und die Gamepad-Einbindung gelungen.

Größtes Minus für mich: Fehlende Dritte Deutsche Liga ;)

Terry
vor 8 Jahren | 0
Die Ruckler sind aber definitiv da - gerade wenn man eine andere Version kennt, springen sie einem doch sehr deutlich ins Auge. Wenn du sie aber für dich nicht wahrnimmst bzw. sie dich nicht stören, umso besser - gut für dich. Ich glaube aber kaum, dass EA unterschiedliche Versionen geliefert hat ;)

ConkerTM
vor 8 Jahren | 0
Mist das man die Demo nur 10 mal spielen kann, mit Söhnchen zu spielen macht richtig Fun.

hiesl2000
vor 8 Jahren | 0
Also als PS3 Fifa zocker hatte mich die Wii U Demo und die Features bis auf wenige (Freistoss ist cool) nicht überzeugt. Leider auch nicht gut Programmiert (Framerateeinbrüche). Wie der Tester schriebt. Bitte EA nächstes Jahr ein besseres richtiges und echtes FIFA 14

WaveBeater
vor 8 Jahren | 0
ich hätte gerne gewusst, ob man mit dem pad und de pro controller NUR als trainer/spieler unterwegs sein kann oder ob man auch ganz klassisch zu zweit in derselben mannschaft spielen kann, beide als spieler. und dann eben: wenn dem so wäre, welche möglichkeiten gibt es für coop-offline-play? turniere? liga? nur freundschaftsspiele? auf diese ganzen fragen geht irgendwie kein review ein, daher muss ich annehmen, dass es nicht geht?