Test: Just Dance 4

Von Marcel Garling am 08. Dezember 2012

Es ist Samstagnacht, kurz vor ein Uhr. Der DJ legt gerade eine neue Platte auf: ein heißer Dance-Mix zu … Never Gonna Give You Up. Wie auch immer. Die Stimmung ist gut, denn der Rhythmus geht ins Ohr, die Getränke zeigen ihre Wirkung und beim anderen Geschlecht sind doch einige gutaussehende Individuen dabei. Du fängst also an zu tanzen. Zwei Minuten später gehört die Tanzfläche dir allein: Eine Menschentraube bildet sich um dich, denn alle sind fasziniert von deinem großartigen Tanzstil. Jetzt geht’s um alles, wirst du der Star des Abends? Beweise es deinem Publikum, hol alles aus dir raus, Just Dance!

Tanzen in allen Variationen

Bei Just Dance 4 ist der Name Programm. Auch im neuesten Ableger von Ubisofts Erfolgsserie geht es darum, sich die Seele aus dem Leib zu tanzen. Allein, mit Freunden, lässig oder stressig. Das Grundprinzip dabei ist altbekannt: Bis zu vier Spieler versammeln sich mit einer Wii-FB ausgestattet vor dem Fernsehbildschirm, um die Bewegungen des Tänzers auf dem Screen nachzumachen. Dabei sind die Bewegungen auf dem Fernseher spiegelverkehrt zu den eigenen. Es ist also im Grunde so, als wenn man in den Spiegel gucken würde. Wer die Tänze schon auswendig gelernt hat, findet in der unteren rechten Bildschirmecke einige Symbole, die daran erinnern, welcher Move als nächstes abverlangt wird. Ein fünfter Spieler kann gleichzeitig auf dem GamePad einige Spielereien durchführen.

Doch es gibt nicht immer bloß einen Tänzer pro Song, an dem es sich zu orientieren gilt: Im Duett-Modus hat man die Wahl, welche von mehreren Rollen man spielen will, und muss dann miteinander interagieren. Im Musical-Hit „(I’ve Had) The Time Of My Life“ beispielsweise gibt es zwei Interpreten, namentlich Bill Medley und Jennifer Warnes. Die beiden tanzen dann gerne auch mal wirklich zusammen, und die Spieler sollen es ihnen nachmachen. Eine weitere Variante ist der Battle-Modus, indem die Abschnitte zweier Songs abwechselnd eingespielt werden. Derjenige Spieler, der einen solchen Abschnitt am besten meistert, bekommt einen Punkt, und wer am Ende die meisten Punkte hat, gewinnt das Duell.

Ganz abseits vom Hauptspiel gibt es außerdem noch den neuen Zusatzmodus „Just Sweat“. Hinter diesem Menüpunkt verbergen sich spezielle Trainingsprogramme, die aus einer Mischung aus Workouts und Songs bestehen, und diese sind thematisch angeordnet. Wer will, kann sich also entweder 10, 25 oder 45 Minuten lang lateinamerikanischen (oder anderen) Rhythmen hingeben, während ein Kalorienzähler aufzeigt, wann man sich die nächste Milch-Schnitte leisten kann.

47 Songs bietet Just Dance 4 von Haus aus an, freischaltbare Dance Mash-Ups und Duell-Mixes nicht mit eingerechnet. Das Hauptaugenmerk wurde dabei zwar auf Popmusik aus den Charts gelegt, doch auch Vertreter anderer Genres kommen zum Zuge: Elvis Presley, Europe, Stevie Wonder, Skrillex und sogar Rick Astley mit dem eingangs erwähnten Song, der vielen Lesern auch als „Rickroll-Song“ bekannt sein dürfte. Das Angebot ist breit genug gefächert, um auch den Chart-Hassern zumindest ein paar Perlen zu bieten. Wem das nicht reicht, der kann zusätzliche Stücke im eShop erwerben, zum Zeitpunkt des Testens war dort allerdings noch kein Zusatzinhalt verfügbar.

Jede Menge freischaltbarer Content

Man muss Just Dance 4 positiv anrechnen, dass bereits zu Beginn alle siebenundvierzig auf der Verpackung angepriesenen Songs spielbar sind. Dennoch gibt es versteckte Inhalte, die erst durch intensives Spielen freigeschaltet werden. Denn nach jeder Tanzrunde werden dem Spieler ein paar sogenannte Mojo-Punkte auf sein Konto gutgeschrieben. Wenn man dann noch so gut war und bestimmte, bei jedem Song unterschiedliche Sonderziele erreichen konnte, bekommt man noch viel mehr Punkte dafür. Wer genug dieser Punkte sammelt, schafft immer mal wieder Stufenaufstiege. Und bei jedem Stufenaufstieg wird ein Bilderkarussell angestoßen – je nachdem, wo man es anhält, wird der zum Bild gehörige Inhalt freigeschaltet. So kann man in Teilen steuern, was man als nächstes unbedingt haben möchte.

Und an freischaltbaren Inhalten mangelt es ganz sicher nicht: Zu jedem Song gibt es Dance Mash-Ups, alternative Choreografien und/oder höhere Schwierigkeitsgrade, dazu kommen Songmixes für den Battle-Modus und eine Shuffle-Option, die es erlaubt, alle Lieder hintereinander spielen zu lassen. Bis man dort alles freigeschaltet hat, vergeht jede Menge Zeit und man wird viele Choreografien dann schon auswendig kennen.

Faule Menschen spielen am GamePad

Wenn ein Spiel auf Wii U erscheint, muss es natürlich irgendwelche Features auf dem GamePad bieten, und seien sie noch so banal - schließlich will man sich als Entwickler ja nicht den Vorwurf einer bloßen Portierung anhören müssen. Und so kommt es, dass auch Just Dance, welches vom Konzept her überhaupt nicht auf einen Controller mit Touchscreen ausgelegt wurde, ein paar mehr oder weniger belanglose Extras auf dem Zusatzbildschirm bietet. Wer will, kann auf das GamePad ein paar Zeichnungen kritzeln, die die anderen Spieler beim Tanzen zu sehen bekommen. Es lässt sich außerdem auswählen, welcher Song als nächstes abgespielt werden soll. Man merkt an dieser Stelle aber, dass Just Dance anfängt zu ruckeln, wenn der GamePad-Spieler im Titelmenü scrollt, während die anderen tanzen.  

Die Sängerfraktion kann sich auch die Songtexte auf dem Bildschirm anzeigen lassen (hierbei sei kurz angemerkt, dass in Just Dance 4 einige Textzeilen abgeändert oder komplett gestrichen wurden, um den weltweiten Jugendschutzstandards zu entsprechen). Da während des Spielens das gesamte Geschehen auch auf dem GamePad gezeigt wird, kann man notfalls sogar ohne Fernseher nur auf dem Pad spielen. Das ist aber sehr unpraktisch, denn der Bildschirm des Controllers ist einfach zu klein, als dass man auf die Entfernung noch Bewegungen genau erkennen könnte, geschweige denn die Symbole in der unteren rechten Ecke.

Das beste GamePad-Feature ist der sogenannte Puppet Master-Modus. Dieser muss für jeden Songtitel einzeln (!) freigeschaltet werden. Der „Puppet Master“ ist dabei der Spieler mit dem GamePad. Er darf alle paar Sekunden durch Auswahl entscheiden, welchen Tanzschritten seine Freunde als nächstes ausgeliefert sind. Aufgelockert wird das Ganze durch „Posen“: Wird der aufblinkende Button gedrückt, müssen die Tänzer eine meist schwierige Pose einnehmen und dann einige Sekunden halten. Der „Puppet Master“ entscheidet dann, wer die Aufgabe am besten gelöst hat, und gibt demjenigen Bonuspunkte.

Im Großen und Ganzen sind die GamePad-Features keinesfalls störend - für den ein oder anderen werden sie sicherlich eine Bereicherung darstellen. Der große Innovationsfaktor sind sie allerdings nicht. Man sollte Just Dance 4 weniger als „Wii U-Titel“ ansehen, sondern mehr als ein Spiel, das unter anderem auch auf Wii U erscheint.

Dancing with myself?

Um zunächst die Lorbeeren auszuteilen: Wenn man einen oder mehrere Mitspieler hat, die sich nicht zu schade für Hampeleien vor dem Fernseher sind, macht Just Dance 4 wirklich eine Menge Spaß. Doch kaum ist man alleine, ist die Partystimmung des Spiels verflogen. Man sollte sich vor dem Kauf unbedingt bewusst sein: Just Dance 4 ist kein Spiel für Einzelspieler. Und das nicht nur aus dem einfachen Grund, weil alleine zu tanzen weniger Spaß macht.

Wenn man an das Spiel mit dem Ziel herangeht, möglichst alle Songs mit 5 Sternen abzuschließen und alles freizuschalten, setzt man sich einer Menge Frust aus. Auf einer Party geschieht das Ganze mehr oder weniger „on the fly“: Irgendwann macht einer der Spieler nun mal die 5 Sterne, so läuft das. Wer es hingegen gezielt darauf anlegt, dem werden keinerlei Hilfen gegeben. Im Gegensatz zur Guitar Hero-Reihe gibt es hier beispielweise keinen Übungsmodus. Man kann nicht die eine schwierige Stelle in „Asereje“ immer wieder üben, sondern muss dafür den ganzen Song wiederholen.

Hinzu kommt die ungenaue Steuerung. Die Konsole erkennt anhand nur einer Wii-Fernbedienung ohne MotionPlus eure Bewegungen. Auch wenn ihr die Choreo schon auswendig kennt und eigentlich perfekt meistert, kann es sein, dass die Wii U anderer Meinung ist. Zufallseffekte lassen sich also nicht vermeiden. Dennoch ist die Konsole ziemlich zuverlässig darin zu bestimmen, welcher Spieler besser und welcher schlechter ist. Anstrengung lohnt sich also sehr wohl.

FAZIT:

Wenn man einen kleinen Haufen Leute zusammenbekommt, die sich nicht zu schade sind, nur für den Spaß vor dem Fernseher herumzutanzen, dann entfaltet Just Dance 4 seine volle magische Wirkung. Es macht eine Menge Laune, miteinander oder gegeneinander anzutreten und die Bude wackeln zu lassen – selbst wenn man, je nach Fitness, irgendwann körperlich am Ende ist. Just Dance 4 bietet eine große Auswahl an Musik und genug freischaltbare Inhalte, um das Team lange bei der Stange zu halten. Für Einzelspieler ist das Partyspiel naturgemäß weniger interessant, Trophäenjäger werden geradezu frustriert. Auch die GamePad-Features sind, mit Ausnahme des Puppet-Master-Modus, eher belanglose Beigabe zum altbekannten Konzept. Doch wer noch einen Titel sucht, mit dem er die nächste Party aufpeppen kann, der ist bei Just Dance 4 genau an der richtigen Adresse.

Wertung:

7.0

Marcel Garling meint:

"Das altbekannte Konzept funktioniert weiterhin wunderbar auf Partys, Einzelgänger haben nicht so viel davon. Gehirn ausschalten und lostanzen!"
Spielerlebnis: Gut
Umfang: Gut
Technik: Durchschnittlich
Hinweis: die Kommentarsektion ist aktuell geschlossen.

2 Kommentare:


Matthew1990
vor 8 Jahren | 0
Ich muss sagen, mit der Fernbedienung ist es ziemlich übel manchmal, wenn man es nicht genau hält bzw. es nicht genau erkennt.
Jedoch muss ich sagen, finde ich dennoch es auch als Einzelspieler sehr amüsant. Vor allem reicht dann auch der Platz in meinem Zimmer. Haha! XD

Belphegor
vor 7 Jahren | 0
Netter Tanztitel. Für Freunde des Genres dürfte es kaum was besseres geben. Nicht umsonst ist Just Dance quasi der Branchenprimus!