Test: Sports Connection

Von Mark Schäfer am 09. Dezember 2012

Vor sechs Jahren war Wii Sports das Vorzeigespiel der frisch erschienenen Wii, um Freunden und Verwandten die Wii-Remote zu erklären. Statt eines konventionellen Controllers konnten Spieler erstmals eine Fernbedienung in die Hand nehmen und beim Tennis und Baseball einfach ihre Hand schwingen, um mit dem virtuellen Schläger auf dem Fernseher den Ball zu schlagen. „Stell dir vor du hast einen Tennisschläger in der Hand, du musst nur schlagen!“ Ob alt oder jung, das verstand jeder. Heute, sechs Jahre später, möchte Ubisoft auf Nintendos Erfolg von damals aufspringen und bringt mit Sports Connection eine Sport-Sammlung auf den Markt, die auf den ersten Blick zwar an Wii Sports erinnert, ihm auf den zweiten Blick jedoch nicht das Wasser reichen kann.

   

Wii-Remote oder GamePad?

Hat man nach dem ersten Starten des Spiels einen Avatar erstellt, dem selbst ein Mii an Details weit überlegen ist, steht man schon im Hauptmenü der Sports Connection und muss sich für eine der sechs Sportarten entscheiden. Neben den üblichen Verdächtigen Tennis, Golf und Baseball finden sich hier auch Kartfahren, Fußball sowie American Football. Wer jedoch glaubt, dass man - gerade bei den aus Wii Sports bekannten Disziplinen - nicht viel falsch machen kann, der irrt, und man fragt sich schon nach der ersten Partie Tennis, wofür das zwingende WiiMotion Plus überhaupt benötigt wird. So erfolgt die Übertragung an den Avatar teils zeitverzögert und auch ein hin- und herschwingen des Schlägers ist nicht möglich. Hier kommt es wie schon bei Wii Sports lediglich auf das richtige Timing an, was auch ohne WiiMotion Plus bestens funktionierte.

 

Tennis, Golf und Baseball steuern sich dabei zunächst wie gewohnt mit WiiMotion Plus, wobei das GamePad beim Golf als Übersichtskarte und zur Auswahl des Schlägers genutzt wird. Erste Unterschiede zur Steuerung von Wii Sports fallen aber spätestens auf, wenn man beim Baseball dazu aufgefordert wird, das GamePad in die Hand zu nehmen. Denn Baseball ist neben American Football eine der Sportarten mit asymmetrischem Gameplay. Während der schlagende Spieler die Wii-Remote schwingt, muss der werfende Spieler die Flugbahn des Balles auf dem Touchscreen des GamePads einzeichnen. Dabei hat er durch das Zeichnen von Kurven die Möglichkeit, Flugbahn und Geschwindigkeit des Balles zu bestimmen, um so möglichst einen Strike zu erzielen. Das funktioniert gut, mit Problemen hat man dagegen als Schläger zu kämpfen, da man den Baseballschläger trotz WiiMotion Plus nicht frei bewegen kann und so häufig den Ball verfehlt. Schafft es der Gegenspieler dennoch, den Ball zu treffen, wechselt die Sicht auf dem GamePad in die Ego-Perspektive eines Feldspielers, der nun versuchen muss den Ball zu fangen, indem man ihn durch drehen und neigen des GamePads sucht. Das asynchrone Gameplay führt natürlich dazu, dass nach jeder Spielrunde die Controller getauscht werden müssen, was den Spielfluss auch beim American Football immer wieder unterbricht.

Während dort Spieler 1 mit Wii-Remote die offensive Mannschaft mit Ballbesitz kontrolliert, muss Spieler 2 auf dem GamePad die Laufwege seiner defensiven Mannschaft einzeichnen, um die Offense möglichst gut zu blocken. Die Regeln des richtigen American Football wurden hierbei auf ein Minimum reduziert und die einzige Aufgabe des offensiven Spielers ist es, den passenden Moment zum Werfen des Footballs abzuwarten. Zuvor kann er dafür je eine von drei Strategien auswählen, auf welche Art seine Spieler losrennen sollen. Im Idealfall wählt man hier eine andere Taktik als die Defense, um große Lücken im Feld und eine freie Wurfbahn zu haben, was der Kommentator stets mit einem „Gute Strategie!“ bei jedem einzelnen Zug kommentiert. Kommentator ist hier aber, wie in den anderen Disziplinen auch, zu viel gesagt, denn mehr als zwei oder drei Standardsprüche bringt dieser selten. Leider ist beim American Football schnell die Luft raus, denn der eigentliche Spielzug, das Werfen des Footballs, dauert häufig nur 10 Sekunden. Anschließend wird erst wieder der aktuelle Zwischenstand eingeblendet ehe beide Spieler die Strategie ihres nächsten Spielzugs wählen oder die Controller tauschen müssen. Während dieser Unterbrechungen läuft die reine Spielzeit von 4 Minuten natürlich nicht weiter, weshalb sich eine Partie American Football gerne mal auf bis zu 15 Minuten ziehen kann. Gepaart mit der geringen Abwechslung, die vor allem der starken Vereinfachung des Spielprinzips geschuldet ist, kommt so schon nach wenigen Spielzügen Langeweile auf.

Motorsport als Hoffnungsträger?

Hoffnung macht jedoch das Kartfahren. Auf elf Strecken, die teils jedoch einfach nur rückwärts gefahrene Variantionen einer anderen Strecke sind, können sich bis zu fünf Spieler gegeneinander messen. Die Steuerung, je nach Wunsch per Neigung von GamePad bzw. Wii-Remote oder klassisch mit Analogstick bzw. Steuerkreuz, funktioniert dabei erstaunlich gut. Sogar ein Driftsystem mit unterschiedlichem Driftverhalten auf Stein und Erde ist vorhanden und gut ausführbar. Durch das Driften füllt sich zudem ein Turbo, der auf Knopfdruck ausgelöst werden kann. Leider hat man auf die Implementierung von Turnieren oder Cups verzichtet, auch Punkte gibt es keine. So muss man nach jedem Rennen wieder eine neue Strecke auswählen, was aufgrund der horrenden Ladezeiten schnell zu einem Graus wird. Dennoch ist Kartfahren das Highlight der sechs Disziplinen, da auch die Gegner in den höheren Schwierigkeitsgeraden fordernder werden. Beim Fußball hat man die KI der fünf Gegenspieler dagegen so gering gehalten, dass sie teilweise lieber einmal im Kreis um den Ball herumlaufen, statt ihn zu schießen.

Für Langzeitspaß mit Sports Connection sollen hunderte In-Game-Erfolge sorgen, von denen jede der Disziplinen 40 Stück bietet. Gewonnen werden sie durch bestimmte Aktionen während des Spielens, wie z.B. einem As beim Tennis oder dem ersten Sieg beim Baseball. Mit den Auszeichnungen erhält man Punkte, welche den eigenen Rang, von Anfänger über Amateur bis Profi, kennzeichnen. Einfluss auf das Spielgeschehen nimmt das jedoch keinen, denn den Schwierigkeitsgrad der Disziplinen kann man vor jedem Spiel selbst bestimmen und ist dabei nicht an den eigenen Rang gebunden. Wer es sich zur Aufgabe gemacht hat, all diese Erfolge zu sammeln, wird wohl einen Großteil der dafür aufzubringenden Zeit vor Ladebildschirmen verbringen. Es ist unerklärlich, gerade für ein Spiel, das auch grafisch nur an ein Wii Sports in HD-Auflösung erinnert, weshalb vor jedem Spielstart Ladezeiten von bis zu 30 Sekunden hingenommen werden müssen. Dazu kommt stets die Auswahl des eigenen Avatars sowie der Spieleinstellungen, sodass man vor jeder Partie Tennis oder jedem Kartrennen schon rund eine Minute Wartezeit auf dem Zähler hat. Dazu kommt, dass Wii-Motion Plus ständig neu kalibriert werden muss, beim Golfen sogar nach jedem Loch. Wenn man sich selbst noch damit abfinden kann, werden wohl zumindest die Mitspieler schnell die Lust verlieren, eine spaßige Runde im Multiplayer ist so jedenfalls nicht möglich.

FAZIT:

Sport Connection macht wenig richtig. Die technische Umsetzung ist weit unter den Möglichkeiten der Wii U: So es gibt immer wieder fragwürdige Ladezeiten von bis zu 30 Sekunden, nach jedem Spiel muss WiiMotion Plus neu kalibriert werden und die Steuerung funktionierte selbst vor 6 Jahren in Wii Sports besser. Auch grafisch erinnert der Titel mehr an ein Wii Sports in HD. Dabei zeigt das Kartfahren, dass es durchaus gute Ansätze für den Titel gab, die aber leider nicht konsequent zu Ende gebracht werden konnten.

Wertung:

4.5

Mark Schäfer meint:

"Enttäuschung auf ganzer Linie. Wer eine gute Sportspiel-Sammlung möchte, dem seien auch heute noch Wii Sports und Wii Sports Resort ans Herz gelegt. Mit Sports Connection wird man nicht glücklich."
Spielerlebnis: Durchschnittlich
Umfang: Durchschnittlich
Technik: Mangelhaft
Hinweis: die Kommentarsektion ist aktuell geschlossen.

1 Kommentare:


mega
vor 8 Jahren | 0
Eurer Meinung kann ich nur zustimmen. Wobei ich das Kartfaren mit als schlechtestes ansehe. Insgesamt war deutlich mehr drin. Eigentlich schade...