Test: Rabbids Land

Von Tim Herrmann am 15. Dezember 2012

Die Rabbids – nicht ganz One-Hit-Wonder, nicht ganz Popstar: Einst gefeiert, heute nur noch mediale Randerscheinungen; noch nicht ganz weg vom Fenster, nicht mehr ganz da. Ubisofts Kreischhasen fallen seit Jahren nur noch mit Präsenz auf, nicht mehr mit lustigen Spielen. Seit 2007 ist der Niedergang der Rabbids (mit einer Ausnahme) nicht zu stoppen – die (Mini-)Spiele wurden einfallsloser, das Konzept wandelte sich mehr und mehr zum generischen Partyspiel mit alibihaften Controller-Spielereien. Zum Start von Wii U kehren die Hasen auf die Nintendo-Konsole zurück und präsentieren neue Multiplayer-Ideen in einem Themenpark – ganz so wie Nintendo Land. Im direkten Vergleich zu Nintendos Vorzeigetitel sollten sich aber selbst die Rabbids einmal in Demut üben.

Belangloses Würfeln

Vergnügungsparks sind etwas Schönes, jeder ist gern dort – perfekt für bunte Minispielsammlungen. Wenn diese Minispiele mit einem Themenpark allerdings gar nichts zu tun haben, bringt selbst die schönste Kulisse nichts. Dieses Problem hatte schon Nintendo Land. Bei Rabbids Land ist es noch gravierender. Denn der Themenpark ist nicht mehr als eine bunte Tapete, vor der sich ein völlig anderes Spielkonzept auftut, das nicht einmal die Bezeichnung Minispielsammlung trifft: ein Brettspiel.

Bis zu vier Rabbids bewegen sich auf drei miteinander verbundenen Kreisringen und sammeln auf den Aktionsfeldern Trophäen. Wer als erstes Häschen zehn (oder zwanzig) Trophäen gesammelt hat, muss sich zurück in die Mitte begeben und die Partie für sich entscheiden. Wie bei den großen Klassikern hält das Brett auch hier einige Überraschungen auf den Feldern bereit: Mal erscheint eine Zeitbombe, die einen unglücklichen Spieler viele Trophäen kostet, ab und zu passiert auch etwas Erfreuliches. Im Kontrast dazu ploppt manchmal aber auch plötzlich eine hochseriöse Quizfrage auf, die allen Ernstes Allgemeinwissen abfragt und so gar nicht in das irre Rabbids-Konzept passt. Was soll das?


Die wichtigsten Aktionsfelder sind die Minispiele – doch dominant sind sie auf dem Brett nicht, so suspekt es auch ist. Es gibt gerade mal sechs Minispielfelder, auf die der Würfel die Rabbids zufällig spülen kann. Die Chance auf ein Minispiel liegt also bei 1 : 6. Dann treten immer zwei Spieler in einem Minispiel gegeneinander an und kämpfen um die angesprochenen Trophäen – der Gegenspieler wird per Zufallsprinzip bestimmt. Die Minispiele sind nur ein verhältnismäßig kleiner Teil des Brettspielkonzepts. Das wäre prinzipiell auch in Ordnung – wenn der Rest stimmen würde. Der Rest stimmt aber nicht.

Keine Ambitionen
Die traurige Anspruchslosigkeit, die die Rabbids in ihrem siebten Konsolenspiel (der sechsten Minispielsammlung) an den Tag legen, beginnt bei der audiovisuellen Gestaltung. Aus einer starren Perspektive blickt der Spieler auf das bunte Kreisrund und verfolgt die Hasen dabei, wie sie in gähnender Monotonie von Würfeln geplättet oder auf andere Weise in comichaften Animationen malträtiert werden, während sie hin- und herwandern. Der typische Rabbids-Humor der ersten Stunden ist verschwunden und weicht billigen Slapstick-Einlagen, die sich immer und immer wiederholen und spätestens nach dem dritten Mal einfach lästig werden. In den Minispielen selbst machen sich die schärferen HD-Grafiken von Wii U durchaus bemerkbar und zeichnen ein weitestgehend sauberes Bild auf den Fernseher. Es ist sicherlich nicht spektakulär und spielt auch nicht mit besonderen stilistischen Stilrichtungen wie einige der anderen Rabbids-Spiele, ist aber durchweg ordentlich – auch wenn der Themenpark an kaum einer Stelle erkennbar wird. Schön sind auch die vorgerenderten Videosequenzen, die ab und zu in die Minispiele einleiten. Wirklich zum Brüllen sind sie beileibe nicht, doch wer auf die abgefahrenen Rabbids steht, kann sich die Clips später in einer spielinternen Videothek noch einmal anschauen.


Kritikwürdiger ist der Sound - die Entwickler haben sich ganz mit lahmer Fahrstuhlmusik zufrieden gegeben. Keiner erkennbaren Melodie folgend, begleitet das uninteressante Elektroklimpern die Eintönigkeit des Würfelns und Ziehens. Künstlerische Ambitionen oder Visionen – Fehlanzeige. Diese stilistische Belanglosigkeit und Beliebigkeit raubt den Rabbids ihren Charme. Ubisoft sollte sich endlich auf die Wurzeln der Serie zurückbesinnen und anständige Künstler an dem Konzept arbeiten lassen. Je mehr inspirationslose Rabbids-Spiele, desto mehr Schaden für die Marke. Irgendwann wird er irreparabel sein – wenn er es nicht sogar schon ist.

Zusammenspiel aus GamePad und Wii-Remote

Die Minispiele spielen nicht die Hauptrolle in Rabbids Land. Dennoch sind sie mit einigen neuartigen Konzeptideen für Wii U noch der Lichtblick des ansonsten eintönigen Brettspielkonzepts. Allesamt basieren sie auf dem Multiplayer-Modus, Einzelspielerherausforderungen, wie es sie noch in den ersten vier Rabbids-Spielen gab, bleiben komplett außen vor. Und allesamt kombinieren sie GamePad und Wii-Remote im Sinne eines zweiseitigen Mehrspielerkonzepts. Während ein Spieler auf dem GamePad-Bildschirm agiert, versucht ein Gegner, ihm in die Suppe zu spucken. Tatsächlich ist „ein Gegner“ hier wörtlich gemeint, denn es spielen stets nur zwei Spieler gegeneinander. Einerseits ist das ganz pfiffig, weil das neue GamePad so durch die Gruppe zirkulieren kann, andererseits ist es absolut unverständlich und ein grober Designfehler, dass der Rest der Partytruppe tatenlos daneben sitzen und zuschauen muss.


Ein Minispiel lässt Spieler 1 auf dem Touchscreen Formen nachzeichnen, während der andere ihn verwirrt und die Konturen wieder verwischt. Oder ein Spieler weicht Feuerbällen aus, die ein anderer ihm gehässig in den Weg legt. Wer ausreichend Freunde und Wii-Fernbedienungen zur Hand hat, bekommt mit den Minispielen in Rabbids Land eine ordentliche, wenn auch nicht besonders umfangreiche Sammlung mit einigen neuen Ideen. Ohne Mitspieler springt zwar immer der Computer ein, dabei verkommt das ohnehin langweilige Brettspiel aber zu einer einsamen Partie, die fast so traurig anmutet wie ein Ein-Spieler-Tennismatch. Nur in der Gruppe gewinnt Rabbids Land also an Existenzberechtigung – und dann auch nur, wenn es an die Minispiele geht. Schade, dass man sie erst einmal im drögen Brettspiel freispielen muss, bevor sie im freien Modus zur Verfügung stehen. Da sie auf Zufallsbasis erscheinen, kann es sein, dass ihr das Brettspiel öfter über euch ergehen lassen müsst, als euch lieb ist. Insgesamt ist die Anzhal der Minispiele erneut geschrumpft: Von mehr als 80 Minispielen in Teil 1 sind jetzt nur 19 übriggeblieben, die auch qualitativ teils stark variieren.

FAZIT:
Die Rabbids haben sich wieder einmal untertroffen. Der erste Wii U-Auftritt der Raving Rabbids leidet an krampfhafter Ideenlosigkeit im Spielkonzept: Hinter der scheinbar bunten, aufregenden Themenparkkulisse steckt ein trockenes Brettspielprinzip, das konservativer und uninspirierter kaum sein könnte. Der Reihe nach würfeln Spieler sich ein bis sechs Felder nach vorn und schauen, was sich hinter den Aktionsfeldern befindet. Nur vereinzelt tauchen Minispiele auf, die immerhin eine insgesamt solide Qualität erreichen. Sie basieren allesamt auf dem Multiplayer zwischen GamePad und Wii-Remote und sind spielerisch und technisch ordentlich umgesetzt. Ärgerlich: Es spielen immer nur zwei Teilnehmer gegeneinander. Der Rest der Truppe muss passiv zuschauen. Das Drumherum ist geradezu mangelhaft: Weder grafisch noch musikalisch noch humoristisch wissen die Rabbids zu überzeugen. Wenn Ubisoft seine Marke weiter in diesem Maße mit schneller Shovelware beschädigt, könnte die Gattung der Raving Rabbids in wenigen Jahren ausgestorben sein. Das wäre schade, denn das Potential des Franchises bleibt weiterhin weitestgehend ungenutzt.

Wertung:

5.0

Tim Herrmann meint:

"Die Rabbids bringen's nicht mehr: Ein paar einfallsreiche Minispiele werden klar überschattet von einem krampfhaft ideenlosen Brettspielkonzept."
Spielerlebnis: Durchschnittlich
Umfang: Mangelhaft
Technik: Durchschnittlich
Hinweis: die Kommentarsektion ist aktuell geschlossen.

2 Kommentare:


Vader
vor 8 Jahren | 0
Es ist echt traurig.... Die Hasen sind echt genial, hier wird mal wieder potenzial durch Einfallslosigkeit und schnelles Geld ersetzt. Tolle gute spieleindustrie:-(

Matthew1990
vor 8 Jahren | 0
Das Brettspiel wirkt wahrlich sehr öde, gerdae weil es nur dieses eine Brett gibt, welches nur im Kreise verläuft ohne Ecken und Kanten.
Die Quiz-Felder sind meiner Ansicht gerade im Multiplayer eine nette Erreicherung und die Minispiele sind schön konzeptiert, jedoch bekommt man gerade bei einer längeren Party das Gefühl, das Spiel wählt 5 bis 7 Minispiele aus, die es dann in der ganzen Party zufällig auswählt, da es oft vorkommt, dass nicht nur das selbe Minispiel dran kommt, sondern die selbe Variation des Minispiels.
Trotz der Einöde kommen wir mindestens in einer Party am Abend auf unsere Kosten! :-)