Test: Puddle

Von Tim Herrmann am 21. Dezember 2012

Wer sich mit der fortschreitenden Leistungsfähigkeit moderner Konsolenhardware beschäftigt, landet schnell bei Grafikprozessoren, bei Frames per Second, bei Stichwörtern wie 1080p oder dem Detaillierungsgrad von Texturen und Charaktermodellen. Stärkere Technik ermöglicht allerdings mehr als nur das Offensichtliche: Immer mehr Spiele haben die Konsolen in den vergangenen Jahren für ihre Physik-Engines beansprucht, um Spielern eine Simulation der Realität zu präsentieren: Trials HD, Boom Blox, Art of Balance – nur eine Auswahl von Titeln, die sich voll und ganz auf ihre Physik verließen. Auch ein neues Spiel namens Puddle lässt den Spieler mit der Physik spielen und stellt die weite Welt der Flüssigkeiten in den Vordergrund. Puddle heißt Pfütze – und genau darum geht es.

Bewegung oder Knopf
Puddle ist einer der Premierengäste im Wii U eShop, hat vorher aber auch schon auf anderen Hochzeiten getanzt – auf PlayStation 3, XBOX360 und PC ist das physikalische Geschicklichkeitsspiel erschienen. Das Prinzip ist simpel: Ihr neigt einen zweidimensionalen Parcours und lasst dadurch eine flüssige Pfütze durch Kurven und um Hindernisse fließen. Dieses Kippen funktioniert natürlich über die Bewegungssensoren im Wii U GamePad. Auch die zwei Schultertasten ZR und ZL oder der Analogstick lassen sich zur Eingabe verwenden.

Die Knopfsteuerung funktioniert einwandfrei. Die Gyrosensoren im Prinzip auch, sie harmonieren aber nicht auf Anhieb mit Puddles Spielmechanik. Denn der Rahmen, in dem ihr den 2D-Level neigen könnt, ist ziemlich beschränkt: Nur um etwa 30° lässt sich das Bild nach oben oder unten neigen. Das ist nicht viel und führt schnell dazu, dass man die Funktionsfähigkeit der Bewegungssensoren in Frage stellt: Spieler tendieren dazu, extreme Bewegungen zu verwenden, um extreme Ergebnisse im Spiel zu erzielen: So kippt man den Wii U-Controller intuitiv zunächst um 80° nach rechts, in der Hoffnung eines schnellen Schwapps nach vorn. Das Bild macht diese Extremneigung allerdings nicht mit und bleibt beim sanft abschüssigen Maximalwinkel, der die Pfütze behände nach vorn schwappen lässt. Bewegung und Umsetzung im Spiel passen nicht zusammen und es erfordert einige Übung, die Kleinstneigungen von Puddle zu akzeptieren und sich auch auf dem GamePad auf die sanften Bewegungen zu beschränken. Oder man wechselt einfach gleich zur bewährten Knopfsteuerung.

Die Pfütze im Labyrinth
Wenn es um ein Geschicklichkeitsspiel mit Liquiden geht, ist das erste Schlagwort: „Wasser“. Im WiiWare-Titel Hydroventure machte sich der Spieler Aggregatzustände zunutze und navigierte eine Wasserlache durch 2D-Kästen. Puddle lässt seine Spieler Ähnliches tun – aber ganz anders. Denn hier ist die Flüssigkeit nur Mittel zum Zweck: mal ist es Wasser, mal Unkrautvernichter, Tinte, Dünger, Öl oder brennbarer Kohlenwasserstoff, den ihr befördern müsst. All diese Flüssigkeiten fließen durch unterschiedliche optische Szenarien und interagieren auf andere Art und Weise mit ihrer Umwelt. Im Kern bleibt das Ziel aber immer gleich: Bringe Flüssigkeit X zum Ziel und verliere auf dem Weg so wenig wie möglich. Nur vereinzelt variiert das Spielprinzip mit Bossen oder kleinen Spezial-Challenges.

Puddle zieht zunächst mit seiner grafischen Aufmachung die Augen auf sich: Mal düster, mal hell, mal futuristisch, mal steril, mal ganz verspielt präsentiert sich das Geschicklichkeitsspiel in seinen neun Welten und spielt dabei gezielt mit Schatten, Unschärfen und dem Zusammenspiel aus comichafter Einfarbigkeit und Realismus. Von Fabrikhallen über Labore und Gärten bis hin zu Zeichenblöcken ist alles dabei. Das sorgt für optische Abwechslung – und auch die Musik unterstreicht die unterschiedlichen Szenarien. Fast hypnotisch brummt, surrt und piepst sie im Hintergrund. Einige werden den mystisch-hypnotischen Artstyle lieben. Andere wird die Mischung aus langsamem Geschicklichkeitsspiel und einschläfernder Musik tatsächlich fast entschlummern lassen. Für ungeduldige Spieler ist Puddle nichts, sie werden es schnell aus der Hand legen.

Tatsächlich sollte die Physik manchmal etwas schneller auf die Eingaben des Spielers reagieren und die Flüssigkeiten besser imitieren. Wasser fühlt sich in Puddle mehr an wie ein breiiger Schleim, der sich wie in Zeitlupe mal in kleine Tröpfchen separiert und dann wieder zusammenplatscht. Weil die Flüssigkeiten so träge auf Neigungen reagieren, bleibt ein Großteil davon regelmäßig auf dem Weg zurück oder fällt ärgerlicherweise einer der vielen Fallen anheim. Die Kamera folgt immer den vordersten Tropfen, sodass zumeist gar keine Chance besteht, die Pfütze beisammenzuhalten. Manchmal wirkt die Interpretation von Sprüngen über dafür vorgesehene Schanzen etwas willkürlich, die Impulse lassen sich nicht so zielgerichtet steuern, wie man sich das wünscht. Hier bringt Puddle selbst die geduldigen Spieler, die sich auf das Neigen und Pütschern einlassen, oft unnötig zur Weißglut.

FAZIT:

Puddle ist ein reinrassiges Geschicklichkeitsspiel – und damit ist die Warnung eigentlich schon ausgesprochen. Wer mit filigranen Geduldsspielchen noch nie etwas anfangen konnte, sollte die Hände von Puddle lassen. Mit seinen verträumten Grafiken, der einschläfernden / beruhigenden Hintergrundmusik und dem bisweilen recht trägen Gameplay wirkt es wie eine einzige große Zeitlupe. Sie hypnotisiert ihre Spieler und lässt sie entweder sanft entschlummern oder zwingt sie wie in Trance zum Weiterspielen. Mit seiner abwechslungsreichen grafischen Gestaltung sammelt der Titel reichlich Pluspunkte, dürfte ab und zu allerdings etwas schneller und knackiger laufen: Die träge Umsetzung der Physik und die geringen Neigungswinkel beschränken den Spielraum und zwingen zu einer gewissen Langsamkeit. Hätten die Entwickler noch etwas an den Details der Physik gearbeitet, wäre Puddle vielleicht ein kleines Download-Kunstwerk geworden – so bleibt immerhin ein gutes Geschicklichkeitsspiel zum Start des Wii U eShop.

Wertung:

7.0

Tim Herrmann meint:

"Puddle ist einfalls- und abwechslungsreich gestaltet, das eigentliche Spiel sollte aber etwas flinker von der Hand gehen."
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5 Kommentare:


Tim
vor 8 Jahren | 0
Puddle eShop Review

Gab
vor 8 Jahren | 0
Gute Review, die den Kern der Sache trifft. Es macht Spass, fühlt sich jedoch nicht wie Wasser etc. an...

Christian xy
vor 8 Jahren | 0
Langweilig, mehr fällt mir dazu nicht ein.
Das Gameplay ist extrem träge und mehr Glück wie Können.

Für mich ein Griff ins Klo

Bell4tor85
vor 8 Jahren | 0
Der Style ist Witzig die Ideen gut. Aber das war es auch die Umsetzung ist schwach und es spielt sich wie Kaaaauuuguuumiiieee

Chuckbert
vor 7 Jahren | 0
nettes Game, aber wäre deutlich mehr drin gewesen