Test: Nano Assault Neo

Von Kamil Witecy am 30. Dezember 2012

Die Vergangenheit hat es schon mehrfach bewiesen: Hohe Produktionskosten und ein großes Entwicklungsteam stehen nicht immer im Einklang mit der Qualität eines Videospiels. Dementsprechend buhlen mittlerweile auch immer mehr kleinere Entwickler mit ihren durchaus ambitionierten Spieleprojekte um die Gunst der Videospieler. Dies gilt auch für das deutsche Drei-Mann-Team Shin'en, die mit ihrem Twin-Stick-Shooter Nano Assault Neo zeigen wollen, dass ein guter Wii-U-Starttitel keine millionenschwere Blockbuster-Produktion sein muss. Der futuristisch anmutende Shooter ist dabei direkter Nachfolger des 3DS-Titels Nano Assault und beherbergt anspruchsvolle Shoot'em Up-Kost in plastisch wirkenden HD-Welten, garniert mit einem schwungvollen Techno-Soundtrack, der an Videospiele der späten 90er Jahre erinnert. Kann da noch etwas schief gehen?

Ballert die Viren von der Zelle
Auch diesmal geht es wieder darum, von Viren befallene Mikroorganismen von ihren Erregern zu befreien, sodass eure Reise zu dreidimensionalen und organisch daherkommenden Mini-Planeten führt, die sich letztlich als zu säubernde Zellen entpuppen. Ohne weitere Erklärungen zu liefern, schickt euch das Spiel direkt in die Action, und so findet ihr euch auf der ovalen und leicht gewölbten Zelloberfläche mit eurem auf mikroskopische Größe geschrumpften Raumschiff wieder. Mit dem Gleiter düst ihr nun über die wirklich toll ausgeleuchteten Zellen und nehmt dabei allerlei Viren, unsichtbare Kanonenkäfer, Stachelkugeln und haarige Würmer ins Visier, um möglichst alle Spuren des gefährlichen Virus auszumerzen. Dabei sehen die verschiedenen Gegnertypen angenehm fremdartig aus, Grasbüchel wehen geschmeidig-lieblich im Fahrtwind eures Raumgleiters und sämtliche Oberflächen der organischen Schauplätze glänzen intensiv um die Wette, sodass es schlichtweg eine Wonne ist, dem ganzen Treiben zuzusehen. Dabei gerät das Spiel auch bei großem Gegneraufkommen nie ins Stocken und flimmert stets butterweich mit 60 Bildern pro Sekunde über den Bildschirm.

Wie es sich für einen guten Twin-Stick-Shooter gehört, kann mit dem L- und R-Stick des Wii U GamePads gleichzeitig manövriert und geschossen werden: Der linke Stick dient dabei zum Steuern des Schiffs und der rechte Stick zum Zielen und Feuern. Hat man diese simple und gut funktionierende Steuerung innerhalb weniger Sekunden verinnerlicht, gilt nur noch eines: ballern, ausweichen und ballern. Je schneller die gegnerischen Viren vernichtet werden, desto höher wird eure Punktzahl ausfallen und umso schneller erreicht ihr das nächste Level. Etwas Abwechslung bringen einige Ausrüstungsgegenstände für euer Raumschiff in das routinierte Shooter-Gameplay. Diese finden sich einerseits in den Levels selbst oder lassen sich nach jedem beendeten Level im Shop mit zuvor eingesammelten Credits (der virtuellen Geldwährung in Nano Assault Neo) hinzukaufen. So umkreisen etwa zusätzliche Satelliten euer Schiff und geben Extra-Feuer in Richtung eurer Gegner ab, Schilde lassen euch einige Sekunden unbeschadet durch die Zellen düsen oder der Raydion-Aufsatz für euer Raumschiff erzeugt verzögerte Gravitationsbomben. Wer diese Extras geschickt einsetzt, kommt leichter voran und somit der Ausrottung des Virus einen gewaltigen Schritt näher. 

Nur eine Ballerorgie light?
Auch abseits des Gameplays ist die grundlegende Spielstruktur von Nano Assault Neo denkbar simpel gehalten. Der Titel bietet insgesamt vier so genannte Cluster, die jeweils in ebenfalls vier Zellen unterteilt sind. Um eine Zelle erfolgreich zu säubern, muss sie mindestens zu 90% von ihren Viren befreit werden – ist dies geschafft, liegt es am Spieler, den dann erscheinenden Leuchtkegel auf der Zelloberfläche innerhalb von 30 Sekunden zu finden, um durch diesen zu flüchten und zur nächsten Zelle zu gelangen. Um es den Spielern allerdings nicht zu leicht zu machen, darf man in keinem der einzelnen Cluster folgenlos sterben. Zwar besitzt euer Raumschiff grundsätzlich eine Panzerung, die es euch erlaubt, einigen Schaden zu nehmen. Doch sobald diese verbraucht ist und man beispielsweise in der letzten Zelle eines Clusters das Zeitliche segnet, gibt es direkt ein Game Over und es geht komplett von vorne los. Das erhöht zwar den Druck, sorgt aber höchstens bei ungeübten Spielern für echten Frust. Denn obwohl der Schwierigkeitsgrad ab Cluster 3 merklich ansteigt, ist Nano Assault Neo zu keinem Zeitpunkt wirklich schwer. Durchschaut man erst einmal die Eigenarten der verschiedenen Gegnertypen und findet sich auf der jeweiligen Zelle zurecht, kommt man relativ zügig und gut voran.

Wirklich kritisch zu hinterfragen ist jedoch das Balancing im Spiel. Denn im Prinzip stellt euch gerade die erste Zelle eines jeden Clusters vor die größten Schwierigkeiten, da man zu diesem Zeitpunkt noch mit einem relativ schwachen und nicht gut ausgerüsteten Raumschiff agiert. Da man aber spätestens nach der ersten Zelle ordentlich nachrüsten kann, wirken die folgenden Zellen trotz einer viel höheren Gegneranzahl zumeist leichter. Dies geht sogar soweit, dass die jeweiligen Endbosse der Cluster mit etwas Übung relativ zügig das Zeitliche segnen, weil man zu diesem Zeitpunkt in der Regel bereits bis an die Zähne bewaffnet ist. Da auf drei Zellen eines Clusters jeweils ein Endboss folgt, hat man also nach dem vierten Boss bereits alle Welten von Nano Assault Neo gesehen. Somit können geübte Spieler den Titel in unter zwei Stunden erstmalig durchspielen. Das ist auch für ein Spiel, das nur 9,99€ kostet, alles andere als üppig.

Leicht zu beenden, schwierig zu meistern?
Wie andere vergleichbare Shooter lebt auch Nano Assault Neo zweifelsfrei von der Jagd nach Highscores - das simple und sofort zugängliche Spielprinzip birgt schlichtweg enormes Suchtpotential. Hat man erst einmal Lunte gerochen, erwischt man sich immer wieder dabei, das GamePad doch nochmal in die Hand zu nehmen ,um noch eine letzte Zelle zu reinigen und den bisherigen Highscore noch weiter nach oben zu treiben. Schließlich kann man seine persönlichen Werte mit seinen Freunden und auf den Online-Ranglisten mit Spielern aus der ganzen Welt vergleichen. Mit jeder Spielminute in Nano Assault Neo lernt man hinzu, überlegt sich passendere Strategien, um höhere Combos zu erzielen, seine Trefferquote zu steigern und eingesammelten Credits nicht unbedingt für stärkere Waffen, sondern für weitere Punktemultiplikatoren auszugeben. Das macht das Spiel in diesem Stadium dann auch wieder wesentlich fordernder und spannender, als noch beim erstmaligen Durchspielen. Da man den Titel zudem auch nur über den Bildschirm des GamePads spielen kann, geht dies sogar bequem im Bett, sodass sich der Titel hervorragend für eine kurze Spielesession eignet. Verzichten muss man in diesem Fall dann lediglich auf eine drehbare Übersichtskarte, die sonst auf dem Bildschirm des GamePads zu sehen ist.

Wer zudem nicht alleine spielen will, kann auch gemeinsam mit einem Freund auf Virenjagd gehen. Einer der Spieler verwendet dann den Bildschirm des GamePads, während der andere das Spiel am Fernseher verfolgt und die Action mit Wii-Fernbedienung und Nunchuk oder über den Wii Classic Controller steuert. Ein gelungener Zusatz.

Fazit:
Nano Assault Neo erfindet weder das Genre neu noch bietet es Veteranen aufgrund seines Schwierigkeitsgrades die ultimative Herausforderung. Doch wer klassische Baller-Exzesse mit charmantem Spielhallen-Flair und antreibender Techno-Akustik schätzt, auf den doch eher geringen Umfang pfeift und die Sticks des GamePads vor allem wegen der Highscore-Jagd zum Glühen bringt, ist mit Nano Assault Neo bestens bedient und kann eigentlich bedenkenlos zugreifen. Darüber hinaus sieht der Titel optisch wirklich beeindruckend aus, sodass es schon sehr verwunderlich ist, dass der Titel gerade einmal 81 MB groß ist. Saubere Arbeit, Shin'en.

Wertung:

8.0

Kamil Witecy meint:

"Ein schneller und technisch überragend umgesetzter Shooter, der zwar recht kurz ist, aber besonders auf der Highscore-Jagd motiviert."
Hinweis: die Kommentarsektion ist aktuell geschlossen.

10 Kommentare:


Tim
vor 8 Jahren | 0
WiiUX-Review zu Nano Assault Neo

Vader
vor 8 Jahren | 0
Ich finde es echt gelungen! Da kann sich mancher Publisher mal was abgucken was 3 mann so draufhaben! Ist ein sehr gutes Spiel mit hohem suchtpotenzial. Hab mich auch des öfteren erwischt dabei,
wieder und wieder zu probieren, obwohl ich eigentlich aufhören wollte^^

WaveBeater
vor 8 Jahren | 0
das war der erste titel, den ich angeschaut hatte nach dem einschalten (und updaten *g*) der wii u und es war mindblowing. ein super erster eindruck, den die wii u da mit dem game gemacht hat.

speedy-a
vor 8 Jahren | 0
Ist das von mir meistgespielte Spiel. Wahnsinn was manche schon für Highscores abräumen... Unheimlich gutes Spiel :)

Falcon
vor 8 Jahren | 0
Als Fan der ersten Teile muss ich sagen, dass ich dezent enttäuscht bin. Es macht zwar nachwievor Spaß und der Preis ist fair - trotzdem sind die 4 Welten einfach viel zu schnell durch....und nach einigen Highscores war meine Motivation dann auch irgendwie weg. Daher vergebe ich eine 7.

Kanta
vor 8 Jahren | 0
Als DL- Launchtitel gute Wahl, macht auch als Snack Spaß. Hoffentlich verkauft es sich gut, sodass noch weitere Shooter kommen (Wink an Cave ;-) )

Blacksierra
vor 8 Jahren | 0
arcade shooter ... You get what u see ... so für das kleine spielchen zwischendurch.
Der Umfang könnte etwas grösser sein muss aber nicht - für mich ist das Preis Leistungs Verhältnis absolut OK. So stell ich mir einen Indie Titel im Eshop vor.

Denios
vor 8 Jahren | 0
Jo, sieht super aus und macht Laune - ist allerdings sehr unabwechslungsreich, es gibt unsinnigerweise Gamepad-Pflicht und es ist selbst für einen Download-Arcade-Highscore-Spiel vieeel zu kurz.

ProG4M3r
vor 7 Jahren | 0
Habe es mir gerade in der Aktion mit 25% Rabatt geladen und bereuhe es keineswegs.
Das verhältniss Preis/Umfang ist hier wirklich das einziege was man leicht kritisieren könnte aber sonst macht dieses Spiel wirklich fast alles richtig.
Wird aufjedenfall noch aus Highscore jagt gegangen sobald alle 4 Cluster beendet sind.


LostScorpion
vor 6 Jahren | 0
Die Präsentation finde ich klasse. Dafür ist der Umfang eher gering, unterhält aber trotzdem gut. Für Highscore-Jäger bietet das Spiel auch noch ein bisschen mehr.