Test: Mighty Switch Force! Hyper Drive Edition

Von Lars Peterke am 07. Januar 2013

Nintendos erste mobile Download-Plattform „DSiWare“ bekam abseits von vielen Geschicklichkeits-Spielereien und Handyspiel-Umsetzungen nie wirklich tolle und große Titel spendiert. Die Entwickler von WayForward aber machten mit zwei cleveren Puzzle-Titeln auf sich aufmerksam: „Mighty Milky Way“ und „Mighty Flip Champs“ konnten viele Spieler begeistern, sodass man an dem Konzept festhielt und ein drittes „Mighty“-Spiel mit einem ebenso abgedrehtem Style entwickelte: „Mighty Switch Force!“ - eine clevere Kombination aus Jump and Shoot und Puzzle. Der Titel erschien im vergangenen Sommer für den eShop des Nintendo 3DS und für Wii U legen die Entwickler nun eine HD-Version des Titels nach. Doch „HD“ steht in diesem Fall nicht etwa für das obligatorische „High Definition“, sondern für den Zusatz „Hyperdrive“-Edition. Was dies genau bedeutet und wie sich der Titel auf dem großen Bildschirm macht, verraten wir euch in unserem Test.

 

Switch Reloaded

Die Hauptfigur des Spiels ist eine weibliche Cyber-Polizistin mit dem Namen Patricia Wagon, die einen ganzen Haufen weiblicher Sträflinge einfangen muss. Die Handlung hat allerdings keine Relevanz für das Spiel und wird auch nirgends wirklich erklärt. Immerhin passt sie aber zu der Tatsache, dass die Entwickler offenbar unheimliche Lust auf ein durchgestyltes Spielsetting hatten, welches optisch irgendwo zwischen Mega Man X und der Star Light Zone aus Sonic the Hedgehog liegt.

 

 

Das Spielziel von „Mighty Switch Force!“ ist recht simpel: Ihr müsst in jedem Level die fünf entflohenen Gefangenen einsammeln und anschließend den Ausgang erreichen. Ihr habt dafür drei Versuche, könnt aber an vielen Stellen im Level Extraleben erhaschen. Die Grundsteuerung mit Laufen, Springen und Schießen ist dabei grundsätzlich nichts Besonderes. Die eigentliche Würze bekommt das Spiel erst durch sein Switch-Feature, welches auch namensgebend für diesen Titel ist. Patricia trägt auf ihrem Kopf eine Art Sirene, die ihr jederzeit mit einer der Schultertasten am GamePad betätigen könnt. Anschließend werden alle Blöcke im Level „umgeschaltet“.

 

Was hat es aber nun mit diesen Blöcken auf sich? Im ersten Level findet ihr beispielsweise einige transparente und feste Blöcke, die mit jedem Druck auf eine der Schultertasten am GamePad ihren Zustand untereinander tauschen. Transparente Blöcke werden begehbar und begehbare Blöcke werden transparent. Die Blöcke fungieren dann als Plattformen oder Hindernisse, die ihr nur überwinden könnt, wenn ihr mit passendem Timing eure Sirene benutzt, um den Zustand der Blöcke zu verändern. Aber Vorsicht - ihr solltet diese Funktion nicht benutzen, wenn Patricia gerade vor einem transparenten Block steht. Ansonsten wird sie gewaltsam gegen den Bildschirm gedrückt und verliert ein Leben. Als Angriffsmittel gegen eure Gegner ist dies aber natürlich eine hervorragende Art sich dieser zu entledigen.

 

 

Im ersten Level ist das Spiel mit den Blöcken noch furchtbar banal, doch schon kurze Zeit später wird die Komplexität durch viele weitere Sonderblöcke stark erhöht. So gibt es beispielsweise Blöcke, die euch den Weg blockieren, jedoch durchlässig für die Schüsse eurer Waffe sind. Besonders häufig werdet ihr Katapult-Blöcke antreffen, die euch in eine vorgegebene Richtung durch das jeweilige Level schießen. Um diese zu aktivieren müsst ihr euch vor einen transparenten Block dieser Art stellen und dann Patricias Sirene betätigen. Da diese Katapult-Blöcke besonders in späteren Leveln verkettet werden, in luftigen Höhen platziert sind und viel näher beieinander liegen, ist gutes Timing gefragt.

 

Weniger ist mehr?

Timing ist übrigens das große Stichwort. Natürlich habt ihr zum Absolvieren eines Levels alle Zeit der Welt, doch richtig komplett ist ein Level erst dann abgeschlossen, wenn ihr es schafft den Highscore zu knacken. Dies erfordert einen perfekten Ablauf, da der Verlust eines Lebens euch einige Sekunden an Zeit kostet. Außerdem solltet ihr eure Route genau kennen, da die Level manchmal etwas größer und weniger linear ausfallen.

 

Der Timing-Aspekt bringt aber auch einen großen Nachteil mit sich. „Mighty Switch Force!“ wäre gern eine tolle Kombination aus Plattformer und Puzzle. Leider gibt es von den verschiedenen Blocktypen aber zu wenige, beziehungsweise lassen sie sich nicht immer untereinander kombinieren, um so komplexere Rätsel zu erstellen. In den meisten Fällen wird das Vorankommen daher nicht durch Köpfchen, sondern durch Geschicklichkeit entschieden. Und da die Level im Aufbau natürlich immer gleich bleiben, reduziert sich der Wiederspielwert hierdurch deutlich.

 

Das ist besonders schade, da insgesamt nur 16 Level (plus fünf Bonus-Level aus dem Gratis-DLC für den 3DS) zur Verfügung stehen. Ähnlich ausgerichtete Titel wie beispielsweise Braid verfolgen eine analoge Spielmechanik, verknüpfen die einzelnen Spielelemente aber so gekonnt miteinander, dass der Spieler so manche "(Kopf)Nuss" zu knacken hat. Stellenweise kommt das Gefühl auf, den Entwicklern sind nach der Umsetzung des tollen Grundkonzeptes keine Ideen mehr für weitere und schwierigere Level geblieben.

 

 

Da man den Käufern auf der Wii U fairerweise aber nicht das identische Spiel vorsetzen wollte, hat man sich an Stelle von neuen Leveln etwas anderes ausgedacht: Neben aufgebohrter Grafik und der Unterstützung von Remote-Play bietet das Spiel den sogenannten „Hyper Drive“-Modus. Hierhinter verstecken sich jedoch nur Remakes der 16 Level, die euch mit einem erhöhten Schwierigkeitsgrad erneut herausfordern. Meist bedeutet dies mehr Gegner und mehr Blöcke, die euch mehr Sprungfähigkeiten abverlangen. Wer so etwas mag wird sich bestimmt freuen, doch falls man keinen Sinn darin sieht jedes Level zwei Mal zu spielen, der wird den „Hyper Drive“ wohl eher hyper lahm finden.

 

FAZIT:

„Mighty Switch Force!“ kann mit seinem cleveren Spielkonzept überzeugen und punktet mit einer durchgestylten und verrückten Optik, lupenreiner Steuerung und flottem, kurzweiligem Gameplay. Blöd nur, dass bereits nach 21 überschaubaren Leveln Schicht im Schacht ist und die Jagd nach den Bestzeiten nicht mit aufregenden Belohnungen honoriert wird. Ich hatte ein wenig das Gefühl, die Entwickler wussten nicht so recht, wie sie mit ihrem fertigen Konzept viele Level mit knackigem Schwierigkeitsgrad konstruieren sollten. Stattdessen wird die Version für Wii U mit dem „Hyper Drive“-Modus angereichert, der aber auch nicht mehr tut als alle Level mit etwas mehr Anspruch garniert zu recyclen, sodass unter dem Strich zu wenig Inhalt für das liebe Geld geboten wird. Habt ihr aber ein Faible für diese Art von Spiel, könnt ihr durchaus zugreifen.

Wertung:

7.0

Lars Peterke meint:

"Mighty Switch Force! ist ein guter Titel. Leider fehlt es ihm an mehr Spielinhalten und Feinschiff um nachhaltig zu begeistern."
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