Test: NBA 2K13

Von Andreas Held am 05. Februar 2013

Fans virtueller Leibesertüchtigungen haben in der Wii U-Bibliothek noch nicht sonderlich viel Auswahl. Neben dem nicht erwähnenswerten Sports Connection ist die einzige Alternative eine abgespeckte Version von FIFA 13, die viele der Neuerungen, die das Spiel auf den anderen Konsolen erfahren hat, nicht beinhaltet. Umso erfreulicher ist es dann, dass 2K Sports seine NBA 2K-Serie auch weiterhin für Nintendo-Konsolen veröffentlicht und die Wii U-Portierung ihren Vorbildern scheinbar in nichts nachsteht. Wir haben uns in die virtuelle Sporthalle begeben und herausgefunden, ob sich die Anschaffung von NBA 2K13 für euch lohnen könnte.

Holpriger Spielstart
Ist eure Wii U-Konsole mit dem Internet verbunden, müsst ihr euch erstmal mit eurer eMail-Adresse und einem Passwort bei 2K Sports registrieren. Dieser Vorgang lässt sich nicht überspringen und vorher kommt ihr auch erst gar nicht zum Titelbild. NBA 2K13 setzt sehr stark auf seine Online-Anbindung: Im Titelbild werden aktuelle News und Ergebnisse aus der echten NBA-Liga eingeblendet und selbst euer Spielstand wird bei jedem Speichervorgang automatisch auf die Server von 2K Sports hochgeladen - ob ihr wollt oder nicht. Das ist aus zwei Gründen kritisch: Zum einen möchte nicht jeder seine eMail-Adresse herausgeben, um ein gekauftes Spiel überhaupt nutzen zu dürfen, und zum anderen kann die Software nicht mit Netzwerkfehlern umgehen. Schlägt im Anschluss eines Basketballspiels die automatische Online-Speicherung eures Spielstands fehl, weil die Server nicht erreichbar sind, dürft ihr zwar den Speichervorgang abbrechen und ins Titelbild zurückkehren - aber euer Fortschritt ist dann weg und ihr müsst das letzte Match wiederholen, da bei der nächsten Gelegenheit euer alter Spielstand aus der Cloud geladen wird. Nachdem bei unserem Test zunächst alles gut ging, waren die Server von 2K tagelang kaum erreichbar, sodass uns nichts anderes übrig blieb als die Netzwerkverbindung der Wii U zu kappen, um NBA 2K13 überhaupt spielen zu können. Erst dann wird das Spiel nämlich in einen Offline-Modus versetzt und ihr habt endlich Ruhe vor den ganzen Online-Features.

Habt ihr es irgendwann bis zum Hauptmenü geschafft, werdet ihr zunächst einmal erschlagen von Spielmodi und Einstellungsmöglichkeiten. In den Optionen kann mit Dutzenden Variablen eure Spielerfahrung angepasst werden und angesichts der unzähligen zur Auswahl stehenden Spielmodi weiß man gar nicht, für welchen man sich entscheiden soll. Letztendlich lockte uns jedoch der Karrieremodus, in dem ihr mit einem zuvor selbst erstellten Spieler ein virtuelles Leben als NBA-Profi führen könnt. Die Karriere beginnt mit einem Testspiel, in dem ihr euch mit vielen weiteren Hoffnungsträgern messt und die Beobachter beeindrucken müsst. Gelingt euch das, führt ihr anschließend Vorstellungsgespräche mit den Direktoren aller interessierten Teams. Darauf folgt eine Zeremonie, deren Sinn wir nicht ganz verstehen: In einem sehr gemächlichen Tempo werden nun die Namen der 30 fiktiven Sportler vorgelesen, die zukünftig in der virtuellen NBA spielen werden. Diese Sequenz zieht sich über einige Minuten hin und kann nicht übersprungen oder irgendwie beschleunigt werden, sodass man einfach abwarten muss, bis das Spiel endlich weitergeht.



Üppige Auswahl an Spielmodi
Danach öffnet sich der Karrieremodus zum Glück und läuft in etwa so ab, wie man es erwarten würde. Zwischen den Spielen habt ihr hier Zugriff auf einige Funktionen wie das Absolvieren von Trainingseinheiten, das Verbessern eures Alter Egos oder auch Gespräche mit dem Manager, in denen ihr ihm vorsichtig sagen könnt, dass ihr gerne den Verein wechseln würdet oder den Trainer nicht mögt. Startet ihr das nächste NBA-Spiel, steuert ihr auf dem Platz nur euren Spieler und müsst euch an die taktischen Vorgaben des Trainers halten: In der Verteidigung wird euch ein Spieler zugewiesen, den ihr decken müsst, und in der Offensive müsst ihr je nach euren Fähigkeiten entweder den Korbwurf erzielen oder den entscheidenden Pass spielen. Bonuspunkte gibt es in erster Linie für intelligente Spielzüge: Wenn ihr euch gut freilauft und aus einer günstigen Position auf den Korb werft, ist das unterm Strich deutlich wichtiger als die Antwort auf die Frage, ob der Ball überhaupt im Korb landet. Wenn ihr ausgewechselt werdet, könnt ihr den Spielverlauf entweder als Zuschauer oder im Zeitraffer verfolgen – oder ihr springt direkt bis zu eurer nächsten Einwechslung bzw. bis zum Spielende. Nach dem Spiel erhaltet ihr je nach Leistung Skillpunkte, die ihr dann einsetzen könnt, um die Fähigkeiten eures Basketballers zu verbessern. Das Ziel des Karrieremodus ist eure Aufnahme in die Hall of Fame, für die ihr eine Reihe wirklich harter und zum Teil extrem zeitaufwändiger Anforderungen erfüllen müsst.

Dieser Karrieremodus ist aber nur die Spitze des Eisbergs dessen, was NBA 2K13 zu bieten hat. Neben den Standard-Modi für einzelne Matches bis hin zu einer kompletten virtuellen Saison findet ihr auch den Association-Modus. Hier schlüpft ihr selbst in die Rolle eines Teammanagers und müsst Transfers tätigen, Taktiken festlegen und natürlich Spiele gewinnen. Wem das zu trocken ist, der kann sich auch am weniger realistischen Modus “My Team” versuchen – hier bekommt ihr zu Beginn ein Starter-Paket bestehend aus einer kompletten Mannschaft, Trikots, einer Heimarena und einigen anderen Dingen. Fast wie in einem Trading-Card-Game könnt ihr virtuelles Geld, welches ihr euch erspielt, in Booster-Packs investieren, die neben weiteren Spielern auch Gegenstände enthalten können, mit denen ihr die Statuswerte eines Spielers aufbessern könnt. Gespielt wird dieser Modus ausschließlich online gegen andere menschliche Gegner – ihr startet bei Level 3 und könnt auf Level 1 fallen oder bis Level 10 aufsteigen. Das System lost euch dann Spieler mit eurem Level zu, sodass ihr immer gegen ebenbürtige Gegner antreten könnt. Leider konnten wir aufgrund der angesprochenen Serverprobleme kein einziges Online-Spiel starten, und in vielen Internetforen wird von Lags und Verbindungsabbrüchen während des laufenden Spiels berichtet. Es bleibt zu hoffen, dass diese Probleme wirklich nur serverseitig sind und noch behoben werden.

 



Der Flugsimulator unter den Sportspielen
Ähnlich üppig und komplex wie die Spielmodi fällt auch die Steuerung aus. Der Wii U-Version liegt ein großes Faltblatt bei, auf dem tabellarisch insgesamt 171 (in Worten: Einhunderteinundsiebzig) Steuerungskommandos gelistet sind. Natürlich müsst ihr diese nicht alle auswendig kennen, aber wer sich nur auf die grundlegenden Kommandos “Passen” und “Korb werfen” verlassen will, wird von der KI selbst auf den niedrigen Schwierigkeitsgraden gnadenlos an die Wand gespielt. Auch sonst erwartet das Spiel von euch, dass ihr euch gut mit den taktischen Grundlagen und dem Vokabular des Basketballs auskennt. Zum Beispiel könnt ihr beim seitlichen Ziehen die ZL-Taste gedrückt halten und den rechten Analogstick zwei mal entgegen der Sprungrichtung antippen, um einen Snatchback-Jumper auszuführen. Alles klar?

Ein weiterer Simulationsaspekt, der einige Spieler frustrieren könnte, ist die Tatsache, dass beim Spiel vieles unter der Haube passiert. Die Statuswerte und die Positionen der Spieler haben große Auswirkungen auf den Spielverlauf – und zwar nicht nur auf die Erfolgsschancen von Korbwürfen und die Laufgeschwindigkeit der virtuellen Sportler, sondern auch auf Dinge wie die Fähigkeit, sich von einem Verteidiger losreißen zu können. Gerade im Karrieremodus kann es also passieren, dass ihr mit unterschiedlichen Statuswerten völlig unterschiedliche Erfahrungen sammelt. All diese Dinge sind an sich keine Kritikpunkte, da sich NBA 2K13 ohnehin nur an Spieler richtet, die Fans der NBA oder zumindest des Basketballs an sich sind und deshalb die erforderlichen Vorkenntnisse mitbringen – doch auch diese sollten aufpassen, denn wer sich nur beiläufig mit diesem Sport befasst, wird in NBA 2K13 schlichtweg überfordert.

Vorbildliche Wii U-Anpassung
Grafisch ist NBA 2K13 solide, reißt aber keine Bäume aus. Vor allem bei den Gesichtern der Spieler und einigen Grafiken wie z.B. den Werbeplaketen ist definitiv Luft nach oben. Dies macht der Titel aber durch seine unglaublich gute Präsentation wieder wett: Die Sporthallen sind extrem detailliert und erzeugen allein durch ihre Optik manchmal eine ganz eigene Atmosphäre. Die Entwickler haben sich außerdem mächtig ins Zeug gelegt, um die Aufbereitung des Spiels möglichst originalgetreu an eine Live-Übertragung im Fernsehen anzulehnen, und das ist ihnen fast schon erschreckend gut gelungen. Von Einblendungen während des Spiels bis hin zu Anmoderationen, Halbzeitanalysen und Werbepausen fährt NBA 2K13 alles auf, was man irgendwie bieten könnte. Derweil plappern die – leider nur Englisch sprechenden – Kommentatoren wie Wasserfälle und kommentieren nicht nur spontan den Spielverlauf, sondern versorgen euch mit Hintergrundinfos und überraschend fundierten Spielanalysen. 2K Sports wirbt übrigens damit, dass der amerikanische Rapper Jay-Z als Produzent fungiert hat, was sich vor allem dadurch bemerkbar macht, dass im Soundtrack auffallend viele Stücke von Jay-Z auftauchen. Außerdem gibt es als kleines Extra ein Celebrity-Team, in dem neben einigen nordamerikanischen Musikern auch Justin Bieber vertreten ist.



Die Wii U-Anpassung kann ebenfalls auf ganzer Linie überzeugen. Anders als bei FIFA 13 wurde hier im Vergleich zu den anderen Ablegern inhaltlich nichts wegrationalisiert, und auch technisch ist die Portierung – abgesehen von den angesprochenen Serverproblemen – wirklich sauber. Auf dem Bildschirm des GamePads werden während der Begegnungen einige Statistiken angezeigt. Haltet ihr das Pad gegen den Fernsehbildschirm, könnt ihr über eine Art Wärmebildkamera die körperliche Verfassung eurer Spieler analysieren und herausfinden, welche Auswechslungen ihr vornehmen solltet. Das mag für einige nicht viel mehr als ein Gimmick sein, aber es zeigt, wie man auch in einem traditionellen Videospiel das GamePad intelligent nutzen kann, ohne die klassische Spielerfahrung zu beeinträchtigen. Außerdem wird, wie es sich für einen Titel dieser Art gehört, der Pro Controller unterstützt. Es fehlt also lediglich das Remote Play-Feature.

FAZIT:
NBA 2K13 fordert unglaublich viel von sein Spielern, gibt ihnen jedoch ebenso viel zurück. So kann man den Titel wohl am besten beschreiben. Einsteiger und Möchtegern-Fans, die von der NBA nur wissen, dass die Los Angeles Lakers ein ganz gutes Team sind, werden hier vermutlich überfordert. Unserer Meinung nach ist es jedoch löblich, dass in einer Zeit, in der immer mehr Publisher für eine möglichst große Zielgruppe entwickeln möchten, auch ein so aufwändig produzierter Titel wie NBA 2K13 seine Zielgruppe noch kennt und sich gezielt an sie richtet. NBA-Fans, die extra in der Nacht aufbleiben um Spiele live verfolgen zu können, werden von der hochkomplexen Steuerung, der absolut beeindruckenden Präsentation und den umfangreichen Spielmodi geradezu verwöhnt und können daher sehr lange von diesem Titel zehren – vermutlich genau so lange, bis in einem Jahr NBA 2K14 erscheint.

Wertung:

8.5

Andreas Held meint:

"Eine hochkomplexe, toll präsentierte Basketball-Simulation, die Fans begeistern wird, aber alle anderen Spieler überfordert."
Spielerlebnis: Sehr gut
Umfang: Herausragend
Technik: Gut
Hinweis: die Kommentarsektion ist aktuell geschlossen.

4 Kommentare:


Vyse
vor 8 Jahren | 0
blub

mch
vor 8 Jahren | 0
Klingt ja gut! Weiss jemand etwas zu NHL Titel für die WiiU ?

Vader
vor 8 Jahren | 0
Hmmm.... Unschlüssig ob ich`s für Wiiu oder Ps3 holen sollte...... 2K11 hab ich echt viel gepielt....... Hat jemand einen direkten Vergleich der Systeme?

Chuckbert
vor 7 Jahren | 0
bin als langjähriger NBA-Fan längst süchtig nach dem Game, gerade im Onlinemodus :)
wie im Test oben bereits erwähnt erfordert das Game für Spieler, die mit Basketball eher auf Kriegsfuß stehen eine lange Einarbeitungszeit aufgrund der unzähligen Einstellungsmöglichkeiten