Test: Romance of the Three Kingdoms IV

Von Burkhart von Klitzing am 26. Oktober 2013

Heutzutage kennt man Koei besonders außerhalb Asiens vorrangig – um nicht zu sagen: nur – für ihre diversen „Warriors“-Ableger. Egal, ob im alten China, im alten Japan, im zukünftigen Gundam-Universum oder gar auf den tropischen Inseln von One Piece: Überall gehen strunzdumme Feinde zu hunderten über die Wupper, den Jordan, den Styx oder einen anderen beliebigen Fluss, der den Eingang in das Jenseits markiert. Mit Anspruch hat das in der Regel ähnlich viel gemein wie eine Becker-Biografie. Doch es gab auch andere Zeiten. Bis tief in die Ära der PlayStation 2 hinein war der Name Koei gleichbedeutend mit komplexen Strategiebrocken und historischer Authentizität.

So auch in der langlebigen Rundenstrategiereihe „Romance of the Three Kingdoms“, die zur Zeit der „drei Reiche“ im alten China spielt. In der vierten Episode ist es dabei abermals unser Ziel, China unter unserem Banner zu einen. Rom wurde nicht an einem Tag erbaut, und so verwundert es nicht, dass auch die Einigung der chinesischen Nation zur Mammutaufgabe wird, die mehr als nur einen geschickten Feldherren, einen raffinierten Diplomaten oder einen klugen Handelsmann erfordert. Im Idealfall erfüllen wir gleich all diese Profile.

 



Als angehender Alleinherrscher stehen wir zunächst vor der Wahl einer Fraktion, die zu Beginn nur einige wenige Städte Chinas kontrolliert. Auf der Übersichtskarte wird uns schnell klar, dass die 7€ zumindest quantitativ schon einmal gut angelegt sind, denn Dutzende weitere Städte warten auf ihre Eroberung, und selbst danach lockt noch der alternative, höhere Schwierigkeitsgrad oder fünf weitere Szenarien, die jeweils eine eigene Kampagne oder Mission bilden.

Bis wir daran auch nur einen Gedanken verschwenden können, vergehen viele Stunden und nicht minder viele graue Zellen auf dem Weg zur Staatseinigung. Wir heuern Gefolge an, heben Armeen in unseren Siedlungen aus, schmieden Allianzen und helfen mit Bestechungen nach. Wir handeln Güter, treiben die Forschung voran, streuen Gerüchte in den Städten unserer Widersacher, die sich auch von Geschenken nicht auf unsere Seite ziehen ließen. Wir trainieren unsere Truppen und fechten schließlich Belagerungen aus. Im Vergleich zu dem Gros der Strategiespiele, fällt den Kämpfen in RotTK IV allerdings eine verhältnismäßig kleine Rolle zu. Die rundenbasierten Scharmützel lassen sich nicht gänzlich vermeiden und sie machen auch Spaß, aber sie bilden hier eben nur ein kleines Rädchen in einer großen, komplexen Maschinerie.

RotTK IV erschien auf der Wii-VC nur in Japan und Nordamerika, Europäer kommen erst jetzt auf der Wii U in den Genuss. Das ist besonders insofern schön, als dass wir auch das SNES-Original nie auf unserem Kontinent begrüßen durften. Dennoch darf man sich fragen, warum Koei sich ausgerechnet für diesen Titel entschieden hat, wenn ihr 16-Bit-Archiv noch so viele weitere, bislang hierzulande unveröffentlichte Strategietitel beherbergt, die weniger komplex geraten sind und somit gerade als Einstieg in die Materie besser geeignet wären. Genghis Khan II, Nobunaga's Ambition oder speziell Uncharted Waters wären hier vielleicht die bessere Wahl gewesen, zumal sie allesamt ebenfalls in den USA auf der Wii-VC veröffentlicht wurden. Das soll bitte nicht falsch verstanden werden, RotTK IV ist auch heute noch spielenswert und seine Ankunft auf der VC ist höchst willkommen, doch die Fülle an spielerischen Möglichkeiten in Kombination mit etwas altbackener Menüführung könnte einige Spieler abschrecken.

Der optische und akustische Eindruck fällt indes weniger zwiespältig aus. Von den hässlichen Stadtbildschirmen abgesehen, weiß die Grafik mit ihrer schicken Mode7-Weltkarte, fein gezeichneten Porträts und hübschen Diplomatie-Szenen zu gefallen. Die Musik bleibt stets unaufdringlich, ohne unterzugehen. Ihre Melodien erwecken wohlige Erinnerungen an diverse RPG-Klassiker der Ära und passen wunderbar in das altchinesische Setting.

Fazit:
Romance of the Three Kingdoms IV ist ein gutes Spiel – nur nicht für jedermann. Selbst Strategiefans müssen hier gegebenenfalls umdenken und sich auf verhältnismäßig wenige Kämpfe und eine Vielzahl staatsmännischer Möglichkeiten einstellen. Vereinfacht gesprochen haben wir es hier mit einem asiatisch angehauchten Civilization zu tun. Wer das sucht und mit einer Steuerung ohne Maus, Cursor, Touchpad und co leben kann, der sollte einmal reinschnuppern. Es winken unzählige Stunden feinster Eroberungszüge.

Wertung:

7.0

Burkhart von Klitzing meint:

"Einzigartiges Schwergewicht der Rundenstrategie."
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1 Kommentare:


Nakuri
vor 8 Jahren | 0
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