Test: Resident Evil - Revelations

Von Lars Peterke am 24. Mai 2013

Die Resident Evil-Serie konnte in der Vergangenheit nicht immer überzeugen. Resident Evil 6 war für so manchen Spieler eine herbe Enttäuschung und der Multiplayer-Shooter Operation Raccoon City wurde allenfalls belächelt. Glücklicherweise gab es aber den Nintendo 3DS. Er erwies sich für Capcom als echter Glücksgriff. Nach einem Testlauf in Form von Resident Evil Mercenaries 3D entwickelte man einen eigenständigen Singpleplayer-Titel. Das Endprodukt mit dem Namen Resident Evil - Revelations (nein, nicht Retribution, das war der miese Kinofilm!) hatte jedoch mit einigen Einschränkungen zu kämpfen: Der Hauptbildschirm des 3DS ist schließlich recht klein und einen zweiten Analogstick bringt der 3D-Handheld von Haus aus nicht mit. Doch genau diese Einschränkungen förderten offenbar die Kreativität der Entwickler. Da eine Bombast-Explosion mit schnellem Gameplay oder ausufernde Multiplayer-Konzepte nicht im Rahmen der Möglichkeiten lagen, musste ein anderer Weg eingeschlagen werden. Eine Reduktion der Formel von Resident Evil. Zurück zu alten Tugenden, aber alles gespickt mit Ideen und Ansätzen, die in der jüngeren Vergangenheit Einzug in die Serienableger hielten. Resident Evil - Revelations wurde schließlich eine Art episodisches Survival-Horror-Spiel mit Action-Einschlag und einer der meistgelobten Handheld-Titel des letzten Jahres. Klar, dass jetzt ein HD-Remake für die Heimkonsolen erscheint. Wir haben es uns angesehen.

Eine Kreuzfahrt die ist lustig...

Videospiele und Schiffe haben eine lange Tradition. Schon Hideo Kojima ließ seinen Schützling Snake auf einem Öltanker herumlümmeln. Und in Dynamite Cop auf dem Sega Dreamcast durften massig Terroristen auf einem Kreuzfahrtschiff vermöbelt werden. Sogar die Resident Evil-Serie selbst fuhr in Resident Evil Gaiden auf dem GameBoy Color mit dem Luxusliner Starlight bereits zur See. In Resident Evil - Revelations trägt der Hauptschauplatz nun den klangvollen Namen Queen Zenobia. Auf diesem Kreuzfahrtschiff untersuchen Chris Redfield und Jessica Sherawat Hinweise über den Wiederaufstieg einer terroristischen Untergrundorganisation mit dem Namen Veltro. Als der Kontakt zum Hauptquartier abbricht, werden Jill Valentine und Parker Luciani ausgesendet um nach ihnen zu suchen. Die Story ist in seiner Gänze zwischen Resident Evil 4 und Resident Evil 5 angesiedelt.

Im Prolog des Spiels werdet ihr zunächst mit der Steuerung vertraut gemacht. Bis auf Laufen, Zielen und Schießen gibt es hierbei zunächst nichts zu beachten. Mit Hilfe des B-Knopfes könnt ihr euren Charakter einen 180-Grad-Turn ausführen lassen und Heilkräuter lassen sich direkt über den X-Knopf benutzen. Wie bereits erwähnt ist die SS Queen Zenobia zwar der Hauptschauplatz, viele Episoden spielen sich jedoch an anderen Orten und mit anderen Charakteren ab. Jede Episode kann ungefähr in 30 bis 60 Minuten absolviert werden. Dabei können die Episoden in bis zu drei Spielpassagen unterteilt sein, zwischen denen ihr abspeichern könnt. Schließlich ist Resident Evil - Revelations ursprünglich als ein etwas kurzweiligeres Handheld-Spiel konzipiert worden.

Am Anfang und Ende jeder Episode wird die Story durch Zwischensequenzen vorangetrieben. Zusätzlich gibt es fetzig zusammengeschnittene Einspieler vor jeder Episode, die euch mit den Worten „Letztes Mal bei Resident Evil Revelations...“ auf den aktuellen Stand der Geschehnisse bringen. Zusammen mit den variierenden Schauplätzen und Spielcharakteren bekommt man so das Gefühl, man guckt Folge um Folge eine cool inszenierte TV-Serie. Stückchenweise werden euch vorangegangene Ereignisse, die Motivationen der einzelnen Charaktere und der Ursprung von Veltro erläutert, bevor im großen Finale alles zusammenkommt.

Während der Hauptteil des Spiels an Bord der Queen Zenobia sehr survival-orientiert abläuft und eure Erfolge (gesammelte Items, Munition, Heilkräuter) mit in die nächste Episode genommen werden, sind die Spielpassagen an anderen Schauplätzen meist wesentlich actionlastiger. Oft liefern diese Episoden Hintergrundwissen zu den aktuellen Geschehnissen auf der Queen Zenobia und sind entsprechend in den Spielverlauf eingewoben. So wechseln sich Action und Survival gekonnt ab, wovon die komplette Kampagne aus insgesamt 12 Episoden ungemein profitiert.

MAYDAY, MAYDAY!

Mit dem Raubzug-Modus bietet Resident Evil - Revelations noch eine zweite Spielvariante, die aus speziellen Zusatzherausforderungen besteht, die Capcom schon seit Resident Evil 4 gern als Boni in die Serienableger einstreut. Hier spielt ihr verschiedene Herausforderungen, die jeweils aus einem kleinen, abgesteckten Areal aus dem Hauptspiel bestehen. Bevor ihr eine Herausforderung startet, wählt ihr in einem Auswahlmenü zunächst euren Charakter und legt sein Waffenarsenal fest. Gegen sogenannte BP lassen sich allerhand neue Waffen und Erweiterungen kaufen. BP erhaltet ihr für das Absolvieren einer Herausforderung und auch in der Solo-Kampagne bekommt ihr nach jeder Episode einige BP auf euer Konto. Zusätzlich zu den BP bekommt ihr nach jeder absolvierten Herausforderung Erfahrungspunkte, die euch näher an den nächsten Level-Up bringen. Durch ein höheres Level könnt ihr es auch mit stärkeren Gegnern aufnehmen, bessere Waffen nutzen oder auch online damit angeben.

In der Herausforderung selbst wird über jedem Gegner sein Level und eine Energieleiste eingeblendet. Außerdem könnt ihr durch eine eingeblendete Zahl direkt sehen, wie viel Schaden euer gerade abgefeuerter Schuss an der Kreatur verursacht hat. Da der Raubzug-Modus eine ganze Menge an Herausforderungen bietet, seid ihr hier lange Zeit beschäftigt. Und durch das fast schon arcadelastige Gameplay ist man immer motiviert weiterzuspielen, um seine bisherigen Rekorde zu übertreffen. Dies müsst ihr übrigens nicht zwangsweise alleine machen. Über das Nintendo Network könnt ihr euch einen Mitspieler suchen und alle Herausforderungen auch kooperativ spielen.

Eine weitere Neuerung im Zusammenhang mit dem Raubzug-Modus findet ihr nicht im Spiel selbst, sondern online. Dort könnt ihr euch im Resident Evil Net (www.residentevil.net) kostenlos registrieren und euer Spielexemplar durch die Eingabe eines vom Spiel generierten Codes mit eurem Konto verknüpfen. Anschließend könnt ihr euch allerhand Statistiken ansehen, euch mit Freunden vergleichen und gesammelte BP direkt auf der Webseite gegen Goodies wie etwa Wallpaper oder neue Items eintauschen. Letztere werden dann direkt an euer Spiel transferiert. Später sollen über das Resident Evil Net auch spezielle Online-Events veranstaltet werden an denen ihr teilnehmen könnt. In unserem Test war die Webseite des Resident Evil Net zwar etwas langsam, doch nach wenigen Versuchen hatten wir unser Spiel erfolgreich mit unserem Konto verknüpft und hatten Zugriff auf alle Funktionen und Statistiken.

Exklusive Features und Technik mit Abstrichen

Dank des zweiten Bildschirms am Wii U Gamepad ist genau wie im 3DS-Original der Hauptbildschirm frei für die Survival-Action. Die Karte der Umgebung wird auf dem GamePad eingeblendet und auf den Bildschirmrändern finden sich zusätzliche Touch-Oberflächen für den Wechsel der Waffen und Sekundärgegenständen wie beispielsweise Granaten. Auch die kleinen Touchscreen-Rätsel haben es dank des GamePads in die Fassung für die Wii U geschafft. Off-TV-Gameplay und eine Steuerung mit dem Wii U Pro Controller sind ebenfalls möglich. Wieso hingegen eine Steuerung via Wii-Fernbedienung und Nunchuk wie aus der Wii-Edition von Resident Evil 4 fehlt, wissen wir nicht.

Für die Nutzung des MiiVerse haben sich die Entwickler ebenfalls zwei nette Spielereien einfallen lassen. Zum einen gibt es sogenannte Todesnachrichten. Immer wenn ihr im Verlauf der Solo-Kampagne das Zeitliche segnet, werden auf eurem Bildschirm ausgewählte MiiVerse-Postings von Spielern angezeigt, die an der gleichen Stelle gestorben sind. Bei Bedarf könnt ihr euch im Anschluss mit einer eigenen Trauerbekundung einreihen. Die zweite Funktion hört auf den Namen Kreaturen-Nachricht und ist eine kleine Spielerei innerhalb des Raubzug-Modus. Hier könnt ihr einen lustigen Spruch oder eine witzige Zeichnung erstellen, die dann bei anderen Spielern über den Köpfen der Kreaturen erscheint, die sie gerade im Raubzug-Modus bekämpfen. Natürlich bietet dieses Feature keinen Mehrwert, sorgt aber für den einen oder anderen Lacher beim Spielen.

Durch die exklusiven Features hat Resident Evil - Revelations gerade im Direktvergleich mit den Fassungen für Xbox 360 und PlayStation 3 die Nase ein klein wenig vorn. Kritik gibt es allerdings für die technische Umsetzung, die außer einer höheren Auflösung nicht wirklich das Potential der Wii U ausschöpft. Einzig etwas kürzere Ladezeiten im Vergleich zur 3DS-Fassung sind uns positiv aufgefallen. An sich hat sich grafisch jedoch nichts geändert und abseits der tollen Charaktermodelle hätten die Spielumgebungen hier und dort etwas mehr Feinschliff vertragen können. Zusätzliche Grafikeffekte wurden nicht für das Spiel kreiert. Vorteilhaft für das Spiel ist dieser Fakt an einigen Stellen deshalb nicht wirklich. Denn was auf dem kleinen 3DS-Bildschirm noch begeisterte, sieht auf dem großen TV-Bildschirm plötzlich nicht mehr ganz so spektakulär aus.

Fazit:

Resident Evil - Revelations ist eine gute Umsetzung des 3DS-Titels geworden. Das liegt in erster Linie aber an der ohnehin hervorragenden Qualität der Handheld-Vorlage. In die Umsetzung selbst hat Capcom an einigen Stellen leider etwas weniger Arbeit investiert, als es uns lieb gewesen wäre. Die Solo-Kampagne wurde lediglich umgesetzt und inhaltlich nicht erweitert. Der Raubzug-Modus hingegen kann durch die neuen Erweiterungen richtig profitieren, ist sehr spaßig und kann schon fast als kleines Kaufargument angeführt werden, auch wenn hier genau wie in der Solo-Kampagne neue Level fehlen. Wer Resident Evil - Revelations also noch nicht auf dem 3DS gespielt hat, sollte sich das tolle Einzelspieler-Abenteuer auf keinen Fall entgehen lassen. Besitzer des Originals sollten für sich hingegen vorher genau abwägen, ob die Neuerungen einen erneuten Kauf rechtfertigen.

Wertung:

8.0

Lars Peterke meint:

"Trotz kleinerer Abstriche kann die HD-Fassung von Resident Evil - Revelations überzeugen. Besitzer des 3DS-Originals finden hingegen nicht viele Kaufanreize."
Spielerlebnis: Sehr gut
Umfang: Sehr gut
Technik: Gut
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2 Kommentare:


Bell4tor85
vor 8 Jahren | 0
Ich fande für eine Portierung ist die Grafik recht gut gelungen. Und ich schreibe im Sinne von vielen endlich mal wieder ein echtes Resindent Evil. Klasse Titel für Wii U kann es nur jedem Resi Fan empfehlen.

Belphegor
vor 7 Jahren | 0
Ein sehr gutes Resident Evil das grad am Anfang und am Ende wieder das klassische Horrorfeeling aufkommen lässt. Der Mittelteil ist dann leider doch wieder sehr shooter-actionlastig ausgefallen!