Test: Game & Wario

Von Kamil Witecy am 21. Juni 2013

Marios raffgieriger Gegenspieler Wario ist zurück und hat einmal mehr große Pläne. Mit einer Minispiel-Sammlung der Marke Eigenbau strebt er nach dem ganz großen Geld, um seinem überdurchschnittlich hohen Knoblauch-Konsum auch in Zukunft nachkommen zu können. Nichts großartig Neues also, denn während insbesondere ältere Semester Warios bisherige Spielauftritte noch zumeist als Jump’n‘Runs mit kleineren Kampf-Elementen kennen, wird der Gelbmützenträger spätestens seit dem GameBoy Advance auch mit einer Videospielreihe eines ganz anderen Genres in Verbindung gebracht. Die WarioWare-Spiele sind total abgedrehte Sammlungen aus Minispielen, die dem Spieler eine meist absurde und simple Tätigkeit abverlangen. Das Herausfordernde daran: Dem Spieler bleiben für die einzelnen sogenannten Microgames, meist nur etwa fünf Sekunden Zeit. Bereits in WarioWare: Smooth Moves präsentierte der moppelige Taugenichts kurz nach dem Launch der Wii-Konsole die ganze Bandbreite des japanischen Humors. In Game & Wario für Wii U lässt es Entwickler Intelligent Systems hingegen etwas gemächlicher angehen, ohne aber dabei den teils ultrabekloppten Humor auf der Strecke zu lassen.

Kein echtes Wario Ware

Eines sollte am besten schon zu Beginn ganz deutlich gesagt werden: Game & Wario ist kein neuer WarioWare-Ableger. Auch wenn sich Warios neuestes Spiel nicht nur optisch ganz offensichtlich an einigen Elementen der Reihe bedient, liefert Intelligent Systems erster Wii U-Titel ein gänzlich anderes Spielgefühl. Game & Wario ist vielmehr eine in eine Minispiel-Sammlung gepresste Demonstration der Fähigkeiten und Möglichkeiten des Wii U GamePads. Im Grunde also eine Art Nintendo Land im Wario-Universum. Das erklärt auch, warum Nintendo den Titel ursprünglich vorinstalliert auf jeder Wii U-Konsole anbieten wollte. Warios Spiele sind stilistisch allerdings sehr speziell und auch Game & Wario ist mit einer mehr als gesunden Prise Humor gesalzen.

Die Hauptgeschichte von Game & Wario kommt dementsprechend einmal mehr nur provisorisch daher. Wario entdeckt beim alltäglichen Herumlümmeln vor der Flimmerkiste einen Werbespot für eine neue Videospielkonsole, die mit einem GamePad samt eigenem Display wirbt - jegliche Ähnlichkeit mit der Wii U sind dabei natürlich rein zufällig. Die fiese Knollennase wittert darin selbstverständlich eine todsichere Chance, um zu großem Reichtum zu gelangen. Voller Elan macht sich der sonst eher gemütliche Zeitgenosse gleich an die Arbeit und entwickelt kurzerhand seine eigenen (Mini-)Spiele für das neue System. Und darin ist Wario gar nicht so schlecht. Die Minispiele in Game & Wario sind durchaus spaßig und nutzen die Fähigkeiten des Wii U GamePads auf eine jeweils andere Art und Weise. Dabei liefern Warios Freunde aus Diamond City (bekannt aus der WarioWare-Reihe) den passenden Stoff für die thematisch jeweils unterschiedlich gearteten Minispiele.

Minispiele als Mittel zum Zweck

Game & Wario besteht grob zusammengefasst aus insgesamt 16 Minigames (nicht Microgames!). Zwölf von ihnen sind ausschließlich allein und vier ausschließlich im Multiplayer spielbar. Ihre Qualität variiert. Jeder Spieler beginnt jedoch zunächst mit Warios erster Minispiel-Kreation „Arrow“. Hier haltet ihr das Wii U GamePad seitwärts und verschießt Pfeile über den Touchscreen, indem ihr den Bogen mit dem Finger spannt und das GamePad zum Zielen nach links und rechts schwenkt. Zahlreiche Wario-Roboterklone preschen aus dem Hintergrund über einige Hügel auf euch zu, die ihr euch mit Hilfe der Pfeile vom Hals schaffen müsst, um am Ende einen kurzen Bosskampf zu überstehen. Kommt euch ein Gegner einmal zu nah, verbeißt er sich zunächst in das Touchpad, wo er durch schnelles Antippen noch ausgeschaltet werden kann. Schafft ihr das nicht, wird euch mindestens eines eurer insgesamt drei Leben (hier in Form von Erdbeeren) gemopst und ihr werdet im schlimmsten Fall mit dem obligatorischen Game Over konfrontiert. Das Spiel ist dabei durchaus fordernd, die Spielerfahrung bleibt jedoch nur etwa fünf Levels lang erhalten. Danach ist die Luft doch relativ schnell raus.

Die weiteren Minispiele orientieren sich nicht mehr unbedingt direkt an Wario, sondern sind wie bereits erwähnt seiner bunt-gemischten Entourage gewidmet. Grundsätzlich ist jedem Charakter(-paar) ein eigenes Minispiel zugeordnet, das zu dessen Persönlichkeit und Hintergrundgeschichte passt. So werden euch die einzelnen Minispiele nach und nach in kurzen und witzig bis bekloppten Intro-Sequenzen im bekannten Comic-Stil vorgestellt. Die beiden Ninjas Kat und Ana schneiden verschiedene Stoffmuster in Fetzen, die ihr möglichst schnell wieder zu einem Bild zusammenlegen müsst. Als Hexe Ashley fliegt ihr auf eurem Besen durch bunte Bücherwelten und weicht in mehreren Levels und Schwierigkeitsgraden aufkommenden Hindernissen aus. Jimmy T. hingegen möchte sein Sporttalent einmal mehr unter Beweis stellen. Euer Blick bleibt dabei starr auf dem hochkant gehaltenen Wii U GamePad, wo der unscheinbare Athlet einen simplen Parcours herunterrutscht, der im ersten Level bis auf Begrenzungspfosten und einigen Turbostreifen noch gänzlich leer ist. Dies ändert sich im Laufe der insgesamt fünf Abhänge, die dann mit zusätzlichen Hindernissen und kleinen Gemeinheiten daherkommen. Die Steuerung beschränkt sich indes auf simples Neigen des GamePads – eine allzu große Herausforderung stellt dies somit zumeist nicht wirklich dar. Mona versucht sich hingegen mit einem Fotoapparat ausgerüstet als Paparazzo. Auf dem Fernseher tummeln sich zig Figuren in mehrstöckigen Gebäuden, während der Blick durch das hochgehaltene GamePad und dessen Touchscreen eine Nahaufnahme der Szenerie zeigt. Steckbriefe blenden die aktuell gesuchten Wesen ein. Ist der Gesuchte einmal im Sucher, ist eine ruhige Hand gefragt, um einen möglichst zentralen Schnappschuss zu landen. Dafür gibt es schließlich die meisten Punkte.

Als ein Highlight entpuppt sich mit dem Szenario von 9- und 18-Volt gerade das Minispiel, das eine klare Hommage an die WarioWare-Reihe darstellt. Der kleine Videospiel-Nerd 9-Volt spielt heimlich unter der Decke mit seinem Handheld und stellt sich blitzschnell schlafend, wenn seine Mutter in der Nähe ist. Während ihr also auf dem GamePad einige der typischen Microgames in Sekundenschnelle hintereinander spielt, müsst ihr zeitgleich euren Blick immer wieder auf euren Fernseher richten, um die Bewegungen der Mutter zu verfolgen. Erwischt sie euch nämlich beim nächtlichen Daddeln, verwandelt sie sich in eine grässliche Gestalt und alles ist vorbei.

Manche Minispiele haben gleich zu Beginn einen ordentlichen Schwierigkeitsgrad, andere steigern sich hingegen erst im Verlauf. Hartnäckigkeit zahlt sich dabei aber immer aus: Je mehr Punkte ihr innerhalb der Spiele durch gute Leistungen erhaschen könnt, umso wertvollere Medaillen (gold, silber, bronze) erhaltet ihr. Neben noch höheren Schwierigkeitsgraden und weiteren Levels erhaltet ihr Marken, die ihr im so genannten Chick-‘n‘-Win einlösen könnt. Dieser Automat in der Gestalt eines Huhns enthält insgesamt 200 Kapseln, in denen jeweils eine kleine Überraschung auf euch wartet. Dabei kann es sich um diverse Sammelobjekte oder gar neue Microgames handeln, die ihr dann einzeln abspielen könnt.

Insgesamt kann festgehalten werden, dass der Großteil der Minispiele in Game & Wario rein technisch betrachtet wirklich gut funktioniert und auch größtenteils durchaus Spaß macht; allerdings nur für eine begrenzte Zeit. Da sich die einzelnen Spiele in ihren zumeist fünf Abschnitten nur sehr dezent unterscheiden, nutzt sich ihr Prinzip deutlich zu schnell ab, zumal auch die Gesamtanzahl der Minispiele nicht gerade riesig ist. Was dann nur noch bleibt, ist die erwähnte Highscorejagd und die Suche nach allen 200 Boni. Sofern eure Motivation dafür reicht.

Magere Auswahl im Multiplayer

Wer mehrere Freunde beisammen hat, kann im Mehrspieler-Modus von Game & Wario in einigen Minispielen gleich zu fünft gegeneinander antreten. Dabei kommt das Spiel mit lediglich einem GamePad aus, zusätzliche Controller werden also nicht benötigt. Der große Haken: Mit nur vier Minispielen ist der Mehrspielermodus deutlich zu knapp geraten, auch wenn die Minispiele teilweise ebenfalls über mehrere Abwandlungen verfügen. Alle Minispiele können zudem nur lokal gespielt werden, ein Online-Mehrspieler-Modus existiert nicht.

Das erste Mehrspieler-Minispiel ist ein für zwei Spieler konzipiertes Rhythmus-Spiel namens Disco. Das GamePad muss dabei so platziert werden, dass sich beide Spieler einander gegenüber sitzen und jeweils eine Seite des GamePads über den Touchscreen bedienen können. Die Idee des Minispiels basiert darauf, den Gegner durch geschickte Fingerübungen aus dem Tritt zu bringen. Dazu werden jeweils abwechselnd von einem Spieler verschiedene zum Rhythmus der Musik passende Noten vorgegeben, die der Gegenspieler dann möglichst perfekt nach dem „Guitar Hero-Prinzip“ treffen muss. Wer es schafft, die vom Gegner vorgegebenen Moves nachzumachen und sich nicht aus dem Takt bringen lässt, hat gute Chancen auf den Sieg. Ein durchaus cooles Konzept, aufgrund des limitierten Soundtracks ist jedoch bereits nach wenigen Runden völlig die Luft raus.

In Islands schleudert ihr via Touchscreen eine Hand voll klötzchenförmiger Gestalten - die so genannten Fronks - auf eine kreisrunde Punkte-Plattform. Je nachdem wo eure Fronks landen, erhaltet ihr die entsprechenden Punkte aufsummiert auf eurem Punktekonto gutgeschrieben. Der nächste Spieler hat dabei die Chance, mit seinem Wurf eigene Punkte einzuheimsen und zusätzlich auch die in den Punkten liegenden Fronks der anderen Spieler von den Feldern zu drängen oder ins kühle Nass zu werfen - die Punkte-Plattform schwimmt nämlich auf dem Wasser. Befinden sich daher zu viele Fronks auf einer Stelle, kann die Plattform kippen und alle Fronks landen im Wasser, weshalb sich der Punktestand jedes Spielers nach jedem Zug teils drastisch verändern kann. Dadurch kommt eine gewisse taktische Note ins Spiel. Eine Partie geht grundsätzlich immer über fünf Runden, danach kürt das Spiel den Sieger. Eine Art Turniermodus, in dem ihr mehrere Spiele hintereinander spielt, gibt es hingegen leider nicht.

Etwas ambitionierter gibt sich auf den ersten Blick das Detektiv-Spiel. Hier wuseln über einige Minuten lang kantige Menschlein durch eine Stadtszenerie in der Größe eines TV-Bildschirms. Busse und LKWs brausen gelegentlich durch das Bild und Rauch steigt ab und an vermehrt auf und raubt so die Sicht. Der Hauptspieler schlüpft dabei in die Rolle eines der Menschen und versucht innerhalb des Zeitlimits eine gewisse Menge einer bestimmten Obstsorte zu stehlen, während die anderen Spieler das Geschehen beobachten und erraten müssen, wer der Obstdieb ist. Was vom Grundprinzip her ganz nett klingt, ist in der Praxis jedoch eher eine Schlaftablette. So zieht sich das Spiel über mehrere sehr, sehr lang anmutende Minuten, in denen schlicht kaum etwas passiert. Es spielt dabei überhaupt keine Rolle, wann man den Hauptspieler ausgemacht hat, die Wahl darf erst ganz am Ende erfolgen. Erspäht man den Täter also bereits nach wenigen Sekunden, muss man dennoch für die nächsten Minuten gelangweilt dem Spielverlauf folgen. Verliert man den Täter doch wider Erwarten einmal aus dem Blick, helfen regelmäßige Großaufnahmen des Gebietes, in dem sich der Spieler gerade befindet.

Mit Abstand am besten hat uns trotz fehlender Originalität das Mal-Minispiel gefallen, das dem klassischen Montagsmaler-Prinzip folgt. Der Spieler mit dem GamePad bekommt bestimmte Begriffe angezeigt, die er samt Stylus über den Touchscreen auf den TV-Bildschirm zaubern muss; so gut es eben geht. Die anderen Mitspieler müssen durch wildes Hereinrufen erraten, um was es sich beim Kunstwerk des Malenden handelt. Wurde der zu malende Begriff richtig erraten, erhält der jeweilige Spieler einen Punkt gutgeschrieben und der aktive Maler widmet sich dem nächsten Begriff. Nach Ablauf von zwei Minuten wird gewechselt. Ist jeder einmal an der Reihe gewesen, erfolgt die Auswertung. Besonders witzig: Jeder Spieler wird vor Spielbeginn mit der Kamera des GamPads fotografiert und dann fortan mit diesem Bild, das zusätzlich noch mit einigen vorgefertigten Effekten verziert werden kann, dargestellt.

Fazit:

Game & Wario ist kein neues WarioWare. Und das ist irgendwie schade. Durch das gemächlichere Tempo spielt man zwar wesentlich länger an einem Minispiel und kann sich über mehrere Levels hinweg steigern, doch gerade der Reiz der schnellen und teils absurden Reaktionstests entfällt komplett. So ist es irgendwie auch etwas bezeichnend, dass uns gerade das Minispiel am meisten motivieren konnte, welches sich vom Grundprinzip her noch am ehesten an WarioWare orientiert. Dennoch muss dies je nach Spielgeschmack noch nicht Schlechtes sein: Wer noch nie etwas mit dem hektischen Spielprinzip von WarioWare anfangen konnte, wird wohl glücklich über den neuen Ansatz von Game & Wario sein. Die insgesamt 16 Minispiele sind zwar allesamt nicht übermäßig spektakulär, demonstrieren die Fähigkeiten des Wii U GamePads aber sehr gut und funktionieren zudem allesamt einwandfrei, während die Highscore-Jagd zum mehrmaligen Spielen anregt. Hier kommt es bei der individuellen Bewertung wirklich darauf an, wie lange man sich als Einzelspieler an dem guten Dutzend von Minispielen erfreuen kann und will. Wo es hingegen wenig Spielraum bei der Beurteilung gibt, ist der eindeutig zu kurz kommende Mehrspielerpart. Hier hat Entwickler Intelligent Systems sehr viel Potential verschenkt.

Wertung:

6.5

Kamil Witecy meint:

"Game & Wario ist eine abgedrehte Minispiel-Sammlung, die die Fähigkeiten des GamePads gut demonstriert, jedoch gerade im Multiplayer zu wenig Inhalt bietet."
Spielerlebnis: Gut
Umfang: Durchschnittlich
Technik: Durchschnittlich
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6 Kommentare:


Tim
vor 8 Jahren | 0
WiiUX-Test zu Game & Wario

Wario
vor 8 Jahren | 0
Naja es kann gut sein das es Spiel die Fähigkeiten des Gamepads gut nutzt aber ich glaube das die WiiU mit dem Spiel stark unterfordert ist und man mehr hätte machen können zu mal der Preis für 16 Minispiele etwas überteuert ist.
Nene Nintendo,so wird des nix.. :(

PS: Vielen dank für denn Test Kamil :)

Toad
vor 8 Jahren | 0
das ist aber ganz schlechte promo wario so kommst du nie an dein knoblauch :D

Matthew1990
vor 8 Jahren | 0
Ich muss sagen, dass das Spiel meiner Ansicht von der Länge der Minispiele nicht ausbalanciert genug sind. Während man in Ski 5 Level hat + Endlos-Modus + 5 weitere freischaltbare Level, besteht Design nur aus 2 Methoden, die man auch in einem 2 Spieler-Modus setzen kann.
Der Mehrspieler-Modus ist sehr schön und haben Stunden lang Spaß vor allem mit Artwork und Islands, jedoch fehlt mir wahrlich so ein Turnier-Modus, wie es Nintendo Land mit der Zugrundfahrt hat. =/

ProG4M3r
vor 7 Jahren | 0
Hier wurd einieges an potzenzial verschenkt, wer abseits von Nintendo Land und Wii Party U aber noch eine Minispielsammlung möchte und Warios Humor etwas abgewinnen kann ist mit Game&Wario gut beraten, ca. 25€ wäre dem Spiel allerdings deutlich angemessener gewesen.

Chuckbert
vor 7 Jahren | 0
Dass Game & Ware kein klassisches Warioware im engeren Sinne ist, macht es nicht zwangsläufig zu einem schlechten Spiel. Allerdings ist in der Tat einiges an Pontential verschenkt worden, gerade was den nicht vorhandenen Einbau klassischer Warioware-Minispiele (die in G&W ja duchaus vorhanden sind, leider jedoch nur im Solomode) in den Multiplayermodus anbelangt.
Nach Islands oder auch dem Montagsmaler-Spin-Off kann man zu mehreren dennoch süchtig werden ;)