Test: Mega Man 3

Von Burkhart von Klitzing am 23. Juni 2013

Vanille-Eis, Mutterliebe, Kätzchen. Manche Dinge sind einfach gut aus Erfahrung, und sie lassen sich kaum noch verbessern. Klar, man kann das Eis mit einer Sauce verfeinern, die Mutter könnte ein paar Extra-Geschenke an Weihnachten herausrücken, und das Kätzchen – nein, das ist wahrlich perfekt. Doch das sind nur Details, der eigentlich Kern ließe sich höchstens verschlimmbessern. Mit Mega Man verhält es sich ganz ähnlich, und Capcom war lange Jahre clever genug, eben nicht das Rad neu erfinden zu wollen, sondern es lediglich mit funkelnden neuen Felgen dezent aufzuwerten.

So auch bei dem dritten Auftritt des blauen Bombers auf dem NES. In grafischer und musikalischer Hinsicht wurde das hohe Niveau von MM 2 beibehalten, und auch spielerisch blieb vieles beim Alten. Abermals sprintet, springt und schießt sich der behelmte Heroe durch zunächst acht frei wählbare Levels, ringt nacheinander acht thematisch auf die Levels abgestimmten Bossen in kniffligen Kämpfen nieder, und nutzt im Anschluss deren Spezialwaffen zu seinem eigenen Nutzen. Zum Ende hin führt das Abenteuer wieder in ein mehrteiliges Schloss des bösen Wissenschaftlers Dr. Wily – der übrigens auf Albert Einstein basiert.



Das funktioniert alles auch im dritten Anlauf noch fantastisch. Die Action ist schnell, ohne dadurch an Präzision und Kontrolle einzubüßen. Auch die Bosse und ihre Levels sind erneut über so ziemlich jeden Zweifel erhaben. Obermotze wie Hard Man, Shadow Man oder Magnet Man beweisen, dass das Team rund um Keiji Inafune auch außerhalb einfacher Elemente der Marke Luft, Wasser oder Feuer eine ganze Wagenladung guter Ideen in petto hatten. Gemini Man schockt gar mit einem Zwillingsbruder, der den Kampf gleich doppelt so intensiv gestaltet. Die Levels selbst kommen gleichermaßen abwechslungsreich daher, und überraschen mit neuen Elementen wie gigantischen Schlangen, deren Körpersegmente sich stetig bewegen und als Plattform dienen. Serienliebling Hammer Joe feiert hier ebenfalls seinen Einstand.

Doch auch außerhalb der obligatorischen neuen Levels und Bosse hat sich einiges seit MM 2 getan. So greift Mega Man zwar wieder auf Items zurück, die ihm die Fortbewegung erleichtern, doch diesmal kommt diese Aufgabe seinem treuen Roboterhund Rush zu, der seinen ersten Auftritt feiert, und sich in Jet, U-Boot und Sprungfeder verwandelt. Ebenfalls neu ist die Möglichkeit zu rutschen, was den Kämpfen eine willkommene neue Facette verleiht. Hammer Joe ist übrigens nicht der einzige Kontrahent, der seinen ersten von vielen Auftritten in MM 3 hinter sich brachte: Auch Mega Mans Bruder Protoman warf sich hier erstmals sein Halstuch um, und kündigte sich mehrmals im Verlauf des Spiels durch seine charakteristische Auftrittsmelodie an.

Fazit:
Mega Man 3 ist für sich bereits ein großartiger Titel, aber auch als Teil einer langlebigen Serie funktioniert es außerordentlich gut. Oft besteht die Diskussion, ob nun MM 2 oder MM 3 der beste Serienteil sei, und auch wenn ich beispielsweise Teil 4 nicht aus dieser Debatte heraushalten möchte, so muss man doch Teil 3 einige Pluspunkte zugute halten: Das Rutschmanöver ist eine konsequente Weiterentwicklung der Spielmechanik. An dem Mega Buster in MM 4 scheiden sich die Geister, doch das Rutschen fügt sich zu 100% in das Spiel ein und bereichert es, ohne dabei so manchen Spieler zu verschrecken. Zudem sind die Designs von Bossen und Levels über so ziemlich jeden Zweifel erhaben...wenn man von Top Man und seiner meist sinnlosen Waffe absieht. Letztlich sind alle Serienteile absolut empfehlenswert (wenn auch Teil 1 eher eingeschränkt), aber es spricht vieles für Mega Man 3.

Wertung:

9.0

Burkhart von Klitzing meint:

"Rutschen bereichern nicht nur Schwimmbäder – möglicherweise Mega Mans stärkster Titel."
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3 Kommentare:


Nakuri
vor 8 Jahren | 0
Kommentar

mega
vor 8 Jahren | 0
Rush ist eine Positiv Weiterentwicklung der Item-Variationen. Auch das Rutschen ist eine gelungene Einführung, auch wenn man sich über den Sinn Streiten kann... denn dieses macht das Spiel unnötig leichter! Auch einige Waffen die man erhält wirken etwas einfallslos (Top Spin, Needle, Spark)

Leider ist die Dr.Wily-Festung ziemlich monoton und kurz geraten, ebenso die Bossgegner in derer, die einfallsloser nicht hätten sein können! Wundert mich nicht, das dies hier verschwiegen wird... Wird es doch bei fast allen Tests zu diesem Spiel Außen vor gelassen! Schade eigentlich...

Die erste Hälfte des Spiels ist richtig gut, die Dr.Wily-Festung hingegen wirkt arg lieblos dahingeschustert, daher Punktabzug! Auch ist der Umfang von Teil 3 keineswegs größer als MM4, 5 und 6!

Gab
vor 8 Jahren | 0
Na, ich schließe mich eher der Meinung der Red. an, obwohl du recht hast, wass die "Einfachheit" der Wilyfestung betrifft. Jedoch habe ich feststellen müssen dass das Spiel schwerer ist, als ich in Erinnerung hatte (das lag vor allem an dem fehlenden B-Turbo-Adapter, den ich für das NES besaß.) Deshalb kommt MM3 für mich gleich hinter MM2, und zwar richtig knapp. ;)