Test: Pilotwings

Von Burkhart von Klitzing am 04. Juli 2013

Der Traum vom Fliegen ist wohl einer der ältesten Wünsche der Menschheit. Nicht umsonst gehört die Flugspirale zu Leonardo Da Vincis berühmtesten Werken. Auch Engel, der Pegasus, Ikarus und co zeugen von dem uralten Verlangen der Menschheit, es dem Vogel gleich zu tun, und den Himmel zu erobern. Nintendo trug diesem Wunsch bereits in den Anfangstagen des SNES Rechnung und bescherte uns mit Pilotwings nicht nur eine der ersten Flugsimulationen auf Konsolen, sondern einen der bis zum heutigen Tage abwechslungsreichsten Genrevertreter überhaupt.

In zunächst vier Trainingseinheiten, die noch einmal in mehrere Missionen unterteilt sind, schnallen wir uns eines von vier verschiedenen Fortbewegungsmitteln um. Das leichte Flugzeug steuert sich dabei noch am vertrautesten – bremsen, beschleunigen, Nase rauf, Nase runter. Das ist kein Hexenwerk. Vom Grundprinzip her ähnlich, aber doch wesentlich vertrackter fliegt es sich mit dem Hangglider, der durch gezieltes Sinken an Geschwindigkeit gewinnt. Wer einmal mit dem Cape in Super Mario World seine Runden gedreht hat, der weiß ungefähr, was ihn hier erwartet...und wie schwierig es ist, die richtige Flugkurve zu treffen. Der Fallschirm schließlich reduziert die Steuerung auf zwei Dimensionen, sorgt dafür aber mit einem hohen Wendekreis für graue Haare. Das vermutlich interessanteste Gefährt ist indes das Jetpack, mit dem wir geschickt auch um engste Kurven driften und selbst auf der Stelle schwebend unsere Höhe regulieren. Zumindest solange das Benzin reicht.

 



Ziel der jeweils nicht mehr als fünf Minuten langen Missionen ist nicht etwa der Kampf gegen außerirdische Invasoren, militärische Störenfriede oder sonstige Arten von Bösewichten, sondern der Gewinn möglichst vieler Punkte. Zu diesem Zweck fliegen wir durch Ringe, landen auf (beweglichen) Plattformen und lassen uns dabei möglichst wenig Zeit. Was unglaublich öde klingen mag, erweist sich schnell auch für Zocker als interessant, für die sonst keine Kneifzange lang genug wäre, um Simulationen auch nur anzufassen. Grund dafür ist neben dem abwechslungsreichen Fuhrpark vor allem die gelungene Balance. Pilotwings ist kein Action-Titel, aber auch keine Ausbildungssoftware für angehende Piloten, sodass mit jeder neuen Runde weitere Fortschritte und damit Erfolgserlebnisse einhergehen. Auch die Kürze der einzelnen Missionen kommt dem Titel sehr entgegen.

Für besondere Würze sorgen schließlich zwei weitere Fluggeräte. Zum einen ist da der Flügelanzug, der in einer Bonusrunde zum Einsatz kommt, und uns tatsächlich in die Rolle eines erhabenen Vogels versetzt. Die dickste Überraschung kommt jedoch nach dem Abschluss der vier Trainingseinheiten, wenn wir plötzlich das zivile Fluggeschäft hinter uns lassen, und in einem bis an die Zähne bewaffneten Helikopter Ziele in einem Dschungel aufs Korn nehmen. Das macht – wie der Rest des Spiels – verflixt viel Spaß, ist aber auch – wie der Rest des Spiels – verflixt knifflig. Ein Treffer reicht, und wir gehen als Feuerball zu Boden.

Fazit:
Pilotwings ist ohne Zweifel eine Empfehlung wert, und es dürfte weitestgehend ohne Konkurrenz nicht nur auf der VC, sondern auf der WiiU im Allgemeinen bleiben. Das Fluggefühl stimmt, die Optik beeindruckt noch heute mit sauberen Mode 7-Effekten und die leicht düdelige Fahrstuhlmusik passt erstaunlich gut zu der zivilen Vielfliegerei. Allerdings stottert die Turbine ein wenig angesichts des oft gnadenlosen Schwierigkeitsgrades gepaart mit geringem Umfang. Ohne größere Fehler dauert ein Durchgang nur knapp 40 Minuten, bevor der Expert-Modus lockt. Pilotwings 64 kommt den Wolken ein gutes Stück näher dank noch größerer Abwechslung, mehr Umfang und zudem einer Welt, die ungezwungenes, freies Fliegen belohnt, doch wer weiß, ob dieses Kleinod jemals auf der Startbahn der VC stehen wird.

Wertung:

7.0

Burkhart von Klitzing meint:

"Turbulenter Kurzstreckenflug."
Hinweis: die Kommentarsektion ist aktuell geschlossen.

1 Kommentare:


Nakuri
vor 8 Jahren | 0
Kommentar