Test: Metroid

Von Burkhart von Klitzing am 12. Juli 2013

Das erste Metroid war damals eine echte Revolution, und das gleich in mehrfacher Hinsicht. Das Gameplay wird noch bis heute gerne kopiert, und ist nicht zuletzt deswegen beinahe synonym mit der altgedienten Nintendo-Reihe. Auch die – wie sich erst nach dem erfolgreichen Durchspielen herausstellte – weibliche Heldin blieb nachhaltig in den Köpfen der Spieler. Ebenso wie die grausam langen Passwörter, denn eine Speicherfunktion konnte das Modul damals nicht stemmen. Letzteres gehört auf der VC der Vergangenheit an, doch trifft das auch auf den ehemaligen Glanz des Titels zu?

Vom Spielprinzip her unterscheidet sich Metroid im Grunde kaum von den meisten Nachfolgern inklusive der Prime-Reihe, auch wenn damals an die dritte Dimension natürlich noch nicht zu denken war. Weltraumamazone Samus startet schwach ausgerüstet inmitten einer gigantischen Untergrundwelt und versucht nun hüpfend und schießend den Planeten zu erkunden und neue Fähigkeiten wie den berühmten Morph-Ball zu ergattern. Ziel ist es schlussendlich die namensgebende Metroid-Lebensform sowie den Anführer der Weltraumpiraten (Mother Brain) zur Strecke zu bringen.



Unterstützend wirken sich dabei die über die Welt verteilten Missile-Container und andere Power-Ups aus. Leider sind diese zum einen wesentlich rarer gesät als in den Nachfolgern und kaum ein Item ist wirklich gut versteckt, sodass genaues Erkunden und Beobachten der Umgebungen kaum nötig sind. Stattdessen ist ein enormer Orientierungssinn von großem Vorteil um sich durch das Spiel zu kämpfen. Ist der irgendwo im letzten Schlauch-Shooter abhanden gekommen, dann hilft nur ein Stück Papier mit Stift zum Kartenzeichnen, denn viele Gebiete sehen sich nicht nur ähnlich, einige Räume und Abschnitte findet man sogar in unveränderter Form mehrfach vor - teilweise gar in nächster Nachbarschaft zueinander.

Generell ist das erste Metroid oft eine harte Probe für das Nervenkostüm, etwa wenn man vor einem Boss-Kampf langwierig die Lebensenergie durch minutenlanges Gegner Kloppen auffrischt. Oder eben, wenn man einen Raum wiederholt durchquert und sich dabei jedes Mal fragt, ob es nicht vielleicht doch der lang ersehnte neue Korridor ist. Viele Elemente späterer Meisterwerke (wie Super Metroid) sind bereits erkennbar: Einige Melodien sind unverkennbar und erschaffen ein wohliges Gefühl von Einsamkeit und Fremdartigkeit dieser außerirdischen Welt. Auch Feinde, Bosse und einige Items zaubern Fans der Serie ein Lächeln auf die Lippen, aber man merkt dem Titel auch an, dass es der experimentelle, etwas unausgereifte Anfang von etwas Großem ist.

Fazit:
Die klassische Formel aus großer, relativ offener Welt mit (einigermaßen) zahlreichen verstreuten Items und der Möglichkeit später neue Wege zu öffnen, gepaart mit tadelloser Steuerung und Ohrwurmmusik kommt auch im ersten Metroid gut zur Geltung. Doch optische Tristesse, spielerische Monotonie und allzu offensichtliche Item-“Verstecke“ nerven mit der Zeit, sodass nur die geduldigsten Spieler tatsächlich Mother Brain gegenübertreten dürften. Ein klares Wort der Warnung: Wer in Super Metroid bereits die Orientierung verliert, der sollte den Download hier nicht einmal in Erwägung ziehen. Und auch sonst ist Metroid mittlerweile kaum mehr als ein historisch bedeutsames Stück Software, das als Spiel nicht ganz einfach zu empfehlen ist.

Wertung:

5.0

Burkhart von Klitzing meint:

"Angegraute Quallen-Jagd."
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5 Kommentare:


Nakuri
vor 8 Jahren | 0
Kommentar

Denios
vor 8 Jahren | 0
5.0 ist eigentlich Blasphemie, aber aus heutiger Sicht ist das Spiel echt nicht mehr so super, da habt ihr natürlich recht...

KeeperBvK
vor 8 Jahren | 0
Danke für die Zustimmung. Ich kann mir sehr gut vorstellen, dass nicht alle mit dieser Wertung auch nur im geringsten einverstanden sein werden, und auch mir blutet irgendwo das Herz dabei, dem Spiel "nur" eine 5 zu geben, aber zum einen ist das immer noch zumindest eine Wertung im unteren Mittelfeld, und zum anderen ist es nüchtern betrachtet einfach nicht wirklich gut gealtert.

Ich liebe es, wenn Spiele einen nicht bei der Hand nehmen, aber das erste Metroid spinnt den Ansatz einfach zu weit, wenn Areale sich dermaßen ähneln, wie es hier teils der Fall ist.

Denios
vor 8 Jahren | 0
Ja, finde es auch gut, dass ihr die Bewertung aus heutiger Sicht vornehmt, ohne rosarote Nostalgie-Brille. Wer Metroid von damals kennt, der weiß ja, wie es ist und wer das nicht tut, dem fehlen natürlich die Erinnerungen daran und denjenigen könnte eine hohe Bewertung fehlleiten, weil er dann denkt, dass es auch für heutige Standards noch super ist

KeeperBvK
vor 8 Jahren | 0
Danke nochmal. :)