Test: Harvest Moon

Von Burkhart von Klitzing am 16. August 2013

Natsume gehört nicht unbedingt zu den ganz großen Namen der Spielezunft, obwohl die eifrigen Japaner zu NES-Zeiten einen interessanten Action-Titel nach dem anderen rausgehauen haben. Kleinode wie Blue Shadow und Shatterhand haben noch heute eine treue Fangemeinde. Doch in den letzten Lebenszügen des SNES sollte sich das Schicksal der Firma massiv ändern, als sie mit Harvest Moon auf eine Goldmine stießen, und fortan Natsume quasi zu einer einzigen Farmsimulations-Fabrik mutierte. Der ungewöhnliche Ansatz, einen jungen Farmer zu verkörpern, der sich neben der Farm auch noch um sein privates Leben kümmern muss, schlug dermaßen gut ein, dass seitdem ein Nachfolger nach dem anderen auf jeder erdenklichen Plattform nachgeschoben wird.

Der juvenile Landwirt erbt die Farm seiner Großeltern, was ihn zu Beginn nicht unbedingt zu Freudenstürmen hinreißen dürfte, denn der Betrieb ist komplett heruntergekommen. Das Ziel ist klar: Mit Hilfe der wenigen vorhandenen Mittel muss der Acker bestellt, Gemüse gepflanzt und gegossen und schließlich geerntet und verkauft werden. So blüht der Hof nicht nur mit der Zeit auf, sondern wirft auch genug Geld für neue Werkzeuge, bessere Samen und nicht zuletzt Tiere wie Hühner und Kühe ab, die ihrerseits wie schon das Grünzeug tägliche Pflege benötigen. Der Spielablauf ist in einzelne Tage eingeteilt, an denen sich viele Vorgänge wiederholen. Morgens steht Gießen der Pflanzen an, danach wird Futter nachgelegt, Kühe gemolken, usw.

 



Abwechslung bieten die Stadt und ein Berg, die auf ihre Erkundung warten. Kauft Güter ein, hackt Holz, fangt Fische für den Verkauf, sammelt Früchte auf oder erholt euch in der heißen Quelle. Der wichtigste Aspekt dieser Nebenbeschäftigungen ist dabei die Interaktion mit den Dorfbewohnern. Diverse Damen, allesamt mit unterschiedlichen Persönlichkeiten und Vorlieben, wollen umgarnt und schließlich erobert werden. Heiratet der Bauernjunge eine von ihnen, so folgen allerlei gängige Klischees: Lasst euch bekochen, zeugt Kinder oder verprellt eure Herzensdame, bis sie enttäuscht zu ihrer Mutter heimkehrt, aber ohne darüber jemals die Farm zu vernachlässigen, sonst droht euer mittlerweile hoffentlich florierender Betrieb wieder zugrunde zu gehen. Nach zweieinhalb Jahren endet das Spiel unwiderruflich mit einer Abrechnung eurer Leistungen. So gewinnt der an sich völlig entspannte Spielansatz einen gewissen Druck.

Fazit:
Das erste Harvest Moon ist im Vergleich zu seinen Enkeln eher simpel, was nicht zwangsläufig negativ sein muss. Das Spiel bietet genug Tiefe um auf Dauer zu unterhalten und immer mal wieder die eine oder andere Überraschung bereit zu halten, ohne dabei zu überfordern. Das Spielkonzept ist herrlich eigen, und wer sich mit häufigen Wiederholungen und arg ruhigem Spielverlauf gepaart mit einem unerbittlichen Zeitdruck im Hintergrund anfreunden kann, bekommt eine Menge Spiel fürs Geld, zumal die unterschiedlichen Damen zu neuen Partien locken. Wie bei vielen späten SNES-Titeln gehört das Original-Modul mittlerweile übrigens zu den teureren Titeln für das System, was die €8 für den Download durchaus fair gestaltet.

Wertung:

8.0

Burkhart von Klitzing meint:

"Farmville in gut."
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3 Kommentare:


Nakuri
vor 8 Jahren | 0
Kommentar

Denios
vor 8 Jahren | 0
Zweieinhalb Jahre sind ja um die 900 Tage, wie lang dauert denn da ein Tag "in echt?"

Nakuri
vor 8 Jahren | 0
Tatsächlich wird in Harvest Moon das Jahr nur in Jahreszeiten unterteilt, und diese dauern jeweils 30 Tage. Das macht dann also insgesamt 300 Tage. Wie lange die Tage jetzt in Minuten dauern, kann ich jetzt nur schwer sagen. Hm, vielleicht 15 Minuten? Aber der Tag hört erst dann auf, wenn du ins Bett gehst, du könntest also theoretisch in der Nacht unendlich lang ackern. Jedoch machen alle Läden um 17 Uhr dicht und die NPCs gehen alle zu Bett.