Test: Pokémon Rumble U

Von Lars Peterke am 20. August 2013

Nach und nach finden Nintendos starke Marken auch ihren Weg auf die Wii U. Seit dem 15. August sind auch die Pokémon vertreten, die sich mit dem Download-Titel Pokémon Rumble U im eShop niederlassen. Das Spiel ist nach dem Debüt auf WiiWare und einem Ableger für den Nintendo 3DS bereits der dritte Teil der Rumble-Reihe. Wie es der eher kontrollierte Release auf Nintendos Downloadplattform bereits suggeriert, handelt es sich bei dem Titel nicht um ein reinrassiges Pokémon-Abenteuer, sondern um ein kleineres Spin-Off, bei dem die Hauptprotagonisten genau genommen auch nicht einmal Pokémon sind, sondern nur kleine Pokémon-Aufziehfigürchen. Diese werden durch ein Missgeschick eines Mitarbeiters aus der vertrauten Umgebung des Pokémon-Ladens gerissen und finden sich im Anschluss in der spielzeugunfreundlichen Wildnis wieder. Mit vereinten Kräften gilt es nun, den Weg zurück zu finden.

A, A, A, A, A!!!

Pokémon Rumble U ist - um es gnadenlos kurz zu machen - sinnbefreites Button-Smashing mit dem spielerischen Tiefgang eines mittelprächtigen NES-Titels. Aber eins nach dem anderen. Habt ihr euch die Intro-Sequenz angesehen, werdet ihr zunächst mit der äußerst simplen Steuerung vertraut gemacht: Rumlaufen mit dem Analog-Stick und den A- und B-Knopf zum Angriff drücken. Im Anschluss werdet ihr auf eine lineare Weltkarte geworfen, auf der ihr pro Station mehrere Kämpfe bestreiten müsst. Diese werden allesamt in flippig-bunt ausgestalteten Kampfarenen ausgetragen, in denen nacheinander verschiedene Wellen an Gegnern anstürmen. Ihr müsst nun in der Arena herumlaufen und mit dem A-Knopf angreifen, um eure Gegner zu schädigen. Manche Pokémon besitzen auch eine Sekundärattacke, die ihr mit dem B-Knopf auslösen könnt. Habt ihr alle Gegnerwellen besiegt, erscheint am Ende noch ein übergroßes Boss-Pokémon, das euch eine maximale Beherrschung des A-Knopfes abverlangt. Die Kämpfe bestreitet ihr mit bis zu 3 CPU-Pokémon eurer Wahl im Team. Bei Bedarf können menschliche Mitspieler hier die Kontrolle übernehmen. Dabei werden alle gängigen Controlleroptionen unterstützt.

Manche Arenen sind mit Hindernissen ausgestattet, die es euch zusätzlich erschweren, bei dem monotonen Knopfgedrücke den Spielspaßpegel oberhalb der Höhe eures Couchtisches zu halten. Den Rest erledigen die absurd überdrehten Effekte der verschiedenen Attacken, die nicht nur für stellenweise Unübersichtlichkeit sorgen, sondern zusammen mit blinkenden Regenbogen-Schriftzügen, den bunten Arenen und der hochgradig nervigen Dudelmusik den Eindruck erhärten, dass ihr gerade vor einem total bekloppten Spielautomaten in einem Kinder-Freizeitpark steht.

Die Kämpfe werden schrittweise anspruchsvoller, was sich in einem erhöhten Stärkelevel der gegnerischen Pokémon widerspiegelt. Glücklicherweise fallen regelmäßig heilende KP-Bonbons sowie Kapseln neuer Pokémon-Figuren in die Arena. Letztere sind ein Kernelement des Spiels, da ihr nach jedem Kampf alle neu aufgesammelten Pokémon-Figuren in eure Sammlung aufnehmt. "Schnapp sie dir alle!" ist hier direkt wörtlich zu nehmen, denn alle Pokémon aus den ersten fünf Generationen (649 Stück an der Zahl) können gesammelt werden. Das die Grafikmodelle der Pokémon bei dieser hohen Menge entsprechend schlecht aussehen, erklärt sich fast von selbst.

Nintendos erstes NFC-Spiel ohne NFC

Direkt im Hauptmenü findet sich der Auswahlpunkt "NFC-Figur". Diese sind ein weiteres Kernelement von Pokémon Rumble U. In Großbritannien können die kleinen Pokémon im Origami-Look für 3,99 britische Pfund erworben werden. Stellt man sie auf den NFC-Empfänger des Gamepads, werden sie in das Spiel übertragen. Der Vorteil dabei: im Gegensatz zu den normalen Pokémon-Figuren im Spiel können die via NFC freigeschalteten Figuren hochgelevelt werden.

In Deutschland werden diese NFC-Figuren aber offenbar nicht erhältlich sein. Nintendo hüllt sich jedenfalls in Schweigen und verweist nur auf Passwörter, die man über Twitter und Facebook verbreiten will. Mit ihnen soll man dann spezielle Pokémon freischalten. Bleibt die Frage, worüber man sich mehr freuen soll: darüber, dass man der unverschämten Abzocke entgeht oder dass man stattdessen Codes im Internet zusammensuchen muss, die man dann über die aufregende Passwort-Funktion im Hauptmenü eintippt, um schlussendlich einen spielerischen Mehrwert durch stärkere Pokémon herauszuholen. Bis zu 20 NFC-Pokémon können pro Spielrunde eingelesen werden. Das sind für Nicht-Engländer 20 einzutippende Passwörter. So kann man natürlich auch für mehr Spielzeit sorgen.

Fazit:

Pokémon Rumble U folgt einer unglaublich simplen Formel. Das muss nicht schlecht sein, steht angesichts des hohen Preises von 14,99€ aber im krassen Kontrast zu Titeln wie Trine 2. Unter diesen Gesichtspunkten auch nur ansatzweise von einer guten Preis-Leistung zu sprechen, wäre vermessen. Das Button-Smashing mit den kleinen Pokémon-Figuren mag im Multiplayer kurzweilig und geringfügig unterhaltsam sein, für Solisten ist aber bereits nach ein paar Minuten die Luft raus. Zu monoton ist das Gameplay, zu nervtötend die audiovisuelle Präsentation des Titels. Die NFC-Unterstützung, die als Kernfeature des Spiels angepriesen wird, fehlt für Kunden aus unserer Region komplett und wurde durch eine lieblose Passwort-Funktion ersetzt. Sofern ihr also nicht schon mit den beiden Vorgänger-Titeln Spaß hattet, hebt euch euer Geld lieber für die in Bälde erscheinenden Pokémon-Editionen für den 3DS auf.

Wertung:

4.5

Lars Peterke meint:

"Ein simpler Action-Titel ohne spielerischen Tiefgang, merkwürdig zusammengewürfelter Optik und nerviger Musik."
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5 Kommentare:


Matthew1990
vor 8 Jahren | 0
Verstehe ich richtig, dass diese NFC-Figuren das selbe Prinzip aufweisen, wie die Figuren aus Skylanders?
Ich hoffe nicht, denn es wäre sehr ironisch, da ich noch letztens gehofft habe, dass Nintendo diese Funktionalität nicht für Pokémon und seine 600+ Pokémon anwendet. XD
Ich glaube, ich warte lieber auf die richtigen Pokémon-Spiele X bzw. Y. Der einzige positive Punkt ist sicherlich, dass es ausnahmsweise mal in EINEM Pokémon-Spiel alle Pokémon erhältlich sind. XD

D3noMJ
vor 8 Jahren | 0
@matthew
also in der letzten direct show hab ich das iwie herraus verstanden, Pokemon Figuren sind durch Passwörter zu bekommen, bin mir aber nich mehr sicher ^^. Was ich mir wünschen würde, wäre ein Pokemon HD im Colosseum Style das wäre geil.

wazup
vor 8 Jahren | 0

Ja, es ist genau das selbe.

War abzusehen, das das "portal" ja schon von Nintendo im Kontroller eingebaut wurde.

Das man die Figuren nicht kaufen muß, um das ganze Spiel zu sehen, ist im Gegensatz zu Skylanders anders. Da man angeblich die Figuren, die man kaufen kann, auch im Spiel finden/besiegen/einsacken kann, ist der NFC Support hier nur ein nettes Beiwerk.

Ist mit 14,99 Euro wohl wie Ducktales nur etwas für echte Fans. Wird auch wohl genug Leute geben die nur die Figuren sammeln werden, weil sie Pokemon gut finden. Und natürlich die Eltern und Großeltern die diese Figuren als reines Spielzeug sehen und damit womöglich den Wunsch nach dem Spiel und der Konsole unbeabsichtigt wecken/schüren.

Wazup

Samus_Aran
vor 8 Jahren | 0
Die NFC-Pokemon können mehr Stärkepunkte oder andere Attacken haben. Und man kann sie Leveln. In sofern haben die NFC-Pokémon einige Vorteile. Ist aber im Endeffekt egal, weil es ja keinen kompetitiven Multiplayer gibt.

Der R
vor 8 Jahren | 0
Dachte mir schon beim ersten Video, dass das Spiel mal wieder eine Beleidigung für Pokemon-Fans darstellt ^^.