Test: Gradius

Von Burkhart von Klitzing am 12. Oktober 2013

Wir haben es bereits im Galaga-Test vor gut zwei Monaten moniert und es hat seitdem nichts von seiner Aktualität eingebüßt: Die WiiU-VC ist, bleibt und wird in absehbarer Zeit nicht gerade ein Hort für für Shoot'em Ups. Wo die Virtual Console der Wii noch ein regelrechtes Sammelbecken für allerlei Vertreter des Genres darstellte, da ließe sich auf der WiiU bislang nicht einmal ein mickriges Planschbecken ausfüllen. Nach Galaga und Xevious in ihren staubigen NES-Fassungen versucht sich nun zwar auch Konami mit dem – naturgemäß nicht optimalen – 8-Bit-Port eines bekannten Shooters, doch weiß der Klassiker Gradius auch so noch zu überzeugen. Wahrlich zeitlose Titel würden im Zweifelsfall wohl sogar noch auf Taschenrechnern funktionieren.

Vom Grundprinzip her ist Gradius ein durch und durch klassischer, horizontal scrollender Shooter, und steht damit alleine traurigerweise bereits ohne Konkurrenz auf der WiiU da. Spannend wird das Ganze durch sein einzigartiges Waffensystem. Zerstörte Gegnerformationen oder einzelne rote Feinde hinterlassen Power-Ups, die eine Leiste am unteren Bildschirmrand um jeweils einen Punkt befüllen. Auf Knopfdruck können die aktuell gebunkerten Punkte in das entsprechende Raumschifftuning investiert werden. Ein einzelner Punkt etwa beschleunigt das Schiff, vier heften uns einen starken Laser an die Maschine und bei sechs lockt ein Schutzschild.



Dieses System verspricht ein gewisses Maß an Freiheit, doch im Endeffekt sind wir durch das Leveldesign meist doch in unserer Wahl eingeschränkt, da an gewissen Stellen einfach gewisse Upgrades deutlich besser ihr Werk verrichten als andere. Zudem erweitern erst diverse Sequels das Waffensortiment dergestalt, dass wir das Spiel an unsere Spielweise anpassen können und nicht umgekehrt. Ein Vorteil bereits im ersten Gradius besteht aber darin, dass wir nicht unbedingt auf ein ganz bestimmtes Item an einer bestimmten Stelle angewiesen sind, schließlich hat auch das nächste oder übernächste Item exakt den gleichen Effekt auf unsere Powerup-Leiste.

Eines der größten Probleme bei diesem Konzept, das sich durch die gesamte Serie zieht: Wer einmal stirbt, sieht sämtliche Modifikationen des Raumschiffs ins All entschwinden, sodass eine schwache, langsame Vic Viper (so der Name unseres Schiffs) verzweifelt versucht, wieder halbwegs auf die Beine oder meinetwegen auf das Fahrwerk zu kommen, was eine Unsumme an Powerups nötig macht, die wiederum extrem schwierig zu ergattern sind, da das Raumschiff eben schwächlich dahiensiecht.

Dieser Teufelskreis macht noch stärker als bei anderen Shootern ein Auswendiglernen der Levels unabdingbar. Einfache Reflexe reichen hier nur selten, zumal urplötzlich Gegner von hinten in das Bild fliegen oder laufen können. So dürfte für viele ungeuldige Genre-Neulinge spätestens bei den Doppelvulkanen am Ende des ersten Levels Schluss sein, noch bevor sie überhaupt den ersten Boss zu Gesicht bekommen. Hier hilft auch der (unter älteren Semestern) berühmte Konami-Cheat kaum, der uns auf einen Schlag voll ausrüstet. Unglücklicherweise, muss man sagen, denn auch wenn Gradius bis auf die legendäre Osterinsel-Stage nicht gerade vor Abwechslung strotzt und stellenweise aufgrund plötzlich schießender Unholde arg frustrierend sein kann, so merkt man dem Titel doch an, dass sich die Konami-Mannen beim Design wirklich Gedanken gemacht haben: Die Gegnerformationen sind gut abgestimmt, und kleine, nette Secrets wie Punkte-Boosts und Level-Warps verpassen dem Spiel ordentlich Charme. Auch Sound und Optik tragen ihren Teil dazu bei, ohne unbedingt zu den besten auf der Plattform zu gehören.

Fazit:
Das erste Gradius macht auch heute noch Spaß, selbst in der NES-Fassung. Bis auf verhältnismäßig kleine Änderungen wie etwas schwächere Optik, nur zwei statt maximal vier "Options" (Satelliten, die das Schiff begleiten) und fehlendes vertikales Scrolling in manchen Stages, hat der Shooter-Opa den Sprung gut gemeistert, ohne sich dabei das künstliche Hüftgelenk zu verdrehen. Gradius ist bockschwer, verzeiht kaum Fehler und fährt siebenmal den gleichen Boss auf, lockt dafür aber mit tadelloser Spielbarkeit und feinen Leveldesigns. Wie ein guter Judo-Trainer wird euch Gradius ein ums andere Mal zu Boden werfen, ihr werdet wütend, doch dabei zeigt es euch auch, was ihr besser machen könnt. Es kämft gut, aber selten unfair. Das motiviert, wieder und wieder aufzustehen, bis ihr den Spieß endlich umdreht. Dass Gradius damit bislang der beste Shooter auf der WiiU ist, muss wohl nicht mehr extra erwähnt werden.

Wertung:

7.0

Burkhart von Klitzing meint:

"Klassischer Shooter für Hartgesottene."
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1 Kommentare:


Nakuri
vor 7 Jahren | 0
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