Test: Final Fight

Von Burkhart von Klitzing am 13. Oktober 2013

Das leidige Thema der Spielhallen-Ports. In den ersten Jahren der Wii, als die Virtual Console noch ein neues und spannendes Konzept war, da erfreuten wir uns einfach an jedem Klassiker unserer Kindheit und an jedem und unbekannten Kleinod, das den Weg auf den Download-Service fand. Nun, einige Jahre später, sind die meisten Zocker anspruchsvoller geworden. Wir beklagen uns mehr und mehr über hohe Preise, dünne Releaselisten, schlechte Titel und – nicht zuletzt – auch über minderwertige Versionen ehemals großartiger Titel. So auch bei Final Fight, das Sony- und Microsoft-Jünger in seinem Original-Arcade-Dress herunterladen, während für unsereins nur die heruntergebrochene SNES-Fassung bleibt.

Capcoms Final Fight ist ein klassischer Vertreter der Sidescrolling Beat’em Ups, wir laufen also von links nach rechts, können dabei auch etwas in die Tiefe nach vorne und hinten gehen und stoßen alle Naselang auf Gangmitglieder und Punks, die es auszuschalten gilt, bevor der weitere Weg nach rechts freigegeben wird. Dazu stehen uns zwei Helden zur Verfügung, wie sie klischeebehafteter kaum sein könnten. Cody ist der durchschnittliche, smarte Held mit ausgeglichenen Fähigkeiten, während Haggar der starke, aber langsame Muskelprotz ist.

 



Zugegeben, die Helden sind spielerisch so neuartig wie Toast Hawaii, dafür ist Haggar wohl der einzige oberkörperfreie, Schnurrbart und Latzhose tragende, Wrestler-Bürgermeister der Geschichte. Beide Helden verfügen zudem über leicht unterschiedliche Moves, doch im Grunde spielen sich beide sehr ähnlich und das Moverepertoire ist im Verhältnis zu anderen Genregrößen etwas eingeschränkt. So langt es meist, einfach stehen zu bleiben, ununterbrochen zu schlagen und zu warten, bis ein Gegner in die Hiebe hineinläuft. Nähert sich ein Feind von hinten, wird der Sprungkick ausgepackt und wer selber getroffen wird, nutzt kurz den Special Move, der uns selbst auch leicht verletzt.

Die Optik kann sich mit ihren großen Sprites, fein gezeichneten Hintergründen und stets flüssigem Ablauf sehen lassen. Wer dem Genre allgemein etwas abgewinnen kann, dem wird auf dem Feldzug durch Hinterhöfe, rollende U-Bahnen und co so bald nicht langweilig. Dafür tragen auch die knackigen Bossfights Sorge, die es allerdings regelmäßig mit dem Schwierigkeitsgrad übertreiben. Hier merkt man Final Fight seine Spielhallenherkunft deutlich an. Die größten Negativpunkte kommen jedoch durch die Umsetzung zum SNES zustande: Ein Charakter, sowie ein Level fielen komplett der Schere zum Opfer, wodurch mit gerade einmal fünf Levels der Umfang arg gering ausfällt. Das Schlimmste ist aber das Streichen des Zweispieler-Modus. Denn kaum ein Genre lebt so sehr von der Möglichkeit, gemeinsam loszuziehen, wie das der Sidescrolling Beat'em Ups.

Fazit:
Final Fight war ursprünglich dank seiner überlegenen Technik und der griffig-simplen Spielmechanik ein Geniestreich seines Genres, doch in der SNES-Fassung büßt es viel dieser Genialität ein. Da Capcom so nett war, Final Fight direkt gemeinsam mit seinen SNES-exklusiven Nachfolgern auf die WiiU-VC zu bringen, bleibt so wenigstens der Rat, gleich zu den besseren Teilen 2 und 3 zu greifen, und dort gemeinsam mit einem Freund die Fäuste der Gerechtigkeit fliegen zu lassen. Wer dann noch ausgehungert ist und auch Dungeons & Dragons: Chronicles of Mystara durch hat, der kann allerdings ruhig einen Blick auf Final Fight wagen.

Wertung:

6.0

Burkhart von Klitzing meint:

"Prügelfest mit Mäkeln."
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3 Kommentare:


Nakuri
vor 8 Jahren | 0
Kommentar

dd2ren
vor 8 Jahren | 0
Das habe ich in der Spielhalle damals gesuchtet genauso wie Golden Axe.

Würde das gerne mal durchspielen :)

KeeperBvK
vor 8 Jahren | 0
Das Spielhallenoriginal ist auch deutlich besser als dieser Port. Vielleicht haben wir ja Glück und bekommen eines Tages Final Fight One (GBA) für die WiiU-VC.