Test: TNT Racers - Nitro Machines Edition

Von Tim Herrmann am 16. Oktober 2013

Brumm, Brumm! In irrwitzigen Schlangenlinien bewegt der kleine Junge sein Spielzeugauto über den Teppich im Kinderzimmer. Ein kleines Modell, ein bisschen kindliche Fantasie – und schon ist der Kleine für ein paar Stunden beschäftigt. Spielzeugautos üben seit jeher eine erstaunliche Faszination auf kleine und große Kinder aus. Brumm, brumm – mit sattem Motorengeheul beginnt auch TNT Racers: Nitro Machines Edition, das Keen Games mit einigen Zusatzinhalten jetzt im Wii U eShop erneut veröffentlicht hat.

Dem tiefen Knattern der Maschinen folgt… heiterer Jazz im Dixieland-Schick, der erst einmal ziemlich befremdlich wirkt und den Spieler vor die Frage stellt: Was habe ich mir denn hier eigentlich gerade gekauft? Ein Rennspiel? Einen Fun-Racer? Ein Geschicklichkeitsspiel mit Spielzeugautos? Einen Multiplayer-Titel? TNT Racer ist eine Mischung aus alldem. Und dabei doch nichts so richtig.

Bis alle weg sind

Das Spielprinzip des Download-Titels ist recht schnell erklärt. Ihr steuert kleine Autos aus der Vogelperspektive um einen einigermaßen runden Kurs im Themendesign, sammelt irrwitzige Items ein und schießt eure drei Gegner damit von der Strecke. So weit, so unspektakulär. Die Besonderheit von TNT Racers sind die vielfältigen Regeln, die hinter dem scheinbar simplen Kreisfahren stecken.

Eine Runde dauert nämlich nicht unbedingt so lange, bis eine Runde gefahren ist, sondern so lange, bis alle Gegner hinüber sind. Kontrahenten fliegen durch Minen und Fallen aus dem Rennen, breit verstreute Itemboxen geben sie preis. Es gibt aber auch andere Wege ins Aus: Sobald der Führende so schnell voran fährt, dass der letzte Verfolger nicht mehr von der starren Vogel-Kamera eingefangen wird, ist er auch raus. Das heißt: ein blöder Fahrfehler, eine verpasste Kurve, und man darf nur noch hinterherfahren.

Das System ist einerseits clever: Wer konzentriert und flink durch die Kurven gleitet, kann seine Gegner durch Können ausschalten und ist nicht auf beliebige Item-Überraschungen angewiesen. Andererseits sind die Kurse so aufgebaut, dass manchmal schon kleinste Schlenker das Aus bedeuten können. Immerhin: Gestorbene Spieler dürfen als Geister zurückkehren. Dann können sie weiter Items nutzen und am Rennen teilnehmen, aber keine Punkte mehr für den Rundensieg kassieren.

Dabei sind es Punkte, worum es bei TNT Racer eigentlich geht. Punkte gibt es eigentlich für alles: für einen Turbostart, für geschickt eingesetzte Items, wild verstreute Münzen und natürlich für rausgeworfene Gegner oder gewonnene Runden. Im Einzelspielermodus führen euch etwa 20 Missionen in alle Regel-Variationen des Spiels ein. Dabei sind Challenges wie „Sammele als erster Fahrer 10.000 Punkte“ genauso vorhanden wie klassische Time Trials, Punktejagden oder „Gewinne als erster 5 Runden“.

Spielzeugparty

Der Singleplayer-Modus mit seinen simpel aneinandergereihten Challenges ist aber nicht unbedingt, worauf es bei TNT Racers ankommt. Das Prinzip ist auf seinen Multiplayer-Modus ausgerichtet. In der Gruppe lassen sich die Regeln recht flexibel festlegen, sodass mal die Punktesammelei und mal ein möglichst konzentriertes Rennen, mal Crash-Challenges und mal Item-Jagden im Vordergrund stehen. Nur freischalten muss man die verschiedenen Szenarien zunächst. Online-Modi gibt es nicht.

An dieser Stelle stolpert TNT Racers aber über sich selbst. Die Lernkurve für Fahrphysik und Steuerung ist ziemlich steil, die Fahrzeuge reagieren überraschend sensibel. Wer enge Kurven zu schnell nimmt, verliert oft die Linie, landet irgendwo neben der Strecke – und fliegt raus, wenn andere es nur etwas besser hinbekommen. Schon kleine Schlenker können zu Heckausbrüchen und merkwürdigen Ausflügen in den Streckenrand führen. Auf einer Party wird TNT Racers daher höchstens nach einiger Eingewöhnungszeit zünden – oder wenn niemand das Spiel wirklich beherrscht. TNT Racers ist anspruchsvoller, als es sein ziemlich niedlicher Look vermuten lässt.

Technisch bleibt dieser Look durch und durch unbeeindruckend. Frappierende Qualitätssprünge sind zwischen der WiiWare-Version (2012) und der Wii U-Umsetzung jedenfalls nicht zu erkennen. Die Kurse, die in klassischen Stilrichtungen wie Dschungel, Wüste oder Eislandschaft gehalten sind, bleiben daneben auch stilistisch eher unbeeindruckend. Musikalisch wirkt der Titel absichtlich befremdlich und unterlegt die Benzin-im-Blut Action mit einer fast persiflierenden Jazz-Melange.

FAZIT:

TNT Racers ist ganz nett, aber mehr auch nicht. Für ein Rennspiel ist es trotz eines gewissen Anspruchs an die Fahrphysik zu unernst, für ein forderndes Geschicklichkeitsspiel zu sehr auf seinen Multiplayer-Modus und die wilde Action ausgerichtet. Für einen Fun-Racer ist der Titel dagegen schlicht und einfach zu wenig „Fun“. Die knifflige und etwas schwammige Raserei aus der Vogelperspektive fördert kaum spielerische Highlights zu Tage, die Item-Nutzung bleibt weitestgehend unbefriedigend. Die Regeln, obwohl immerhin mal etwas anderes, stehen sich manchmal selbst im Weg und würgen Rennen durch die gewöhnungsbedürftige „Der Erste gibt den Speed vor“-Mechanik schon nach wenigen Sekunden ab. TNT Racers ist anständig entwickelt und bietet einen einigermaßen akzeptablen Umfang. Aber das Konzept zündet einfach nie so richtig.

Wertung:

5.0

Tim Herrmann meint:

"Der Nitro zündet nicht richtig. TNT Racers ist nett für zwischendurch, weiß aber nicht wirklich, was es sein möchte."
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4 Kommentare:


Tim
vor 8 Jahren | 0
Wii U, TNT Racers, Review, Test

Der R
vor 8 Jahren | 0
schade....aber hatte ich schon befürchtet.

sebastian733
vor 8 Jahren | 0
"Immerhin: In der Wii U-exklusiven leicht erweiterten Nitro Machines Edition dürfen gestorbene Spieler als Geister zurückkehren."
Das klingt so, als gäbe es das nicht auf andere Plattformen. Zumindest in der 360-Version kehren Spieler auch als Geister zurück.

Tim
vor 8 Jahren | 0
Ja, du hast Recht, der Satz war etwas missverständlich formuliert, ist geändert. Tatsächlich beschränken sich die Neuerungen der Nitro Machines Edition auf neue Fahrzeuge und Strecken und in meinen Augen völlig sinnlose Touchscreen-Menüs. Einen echten Mehrwert erkenne ich darin nicht.