Test: Golf

Von Burkhart von Klitzing am 16. Oktober 2013

Es ist vollbracht! Ein weiterer Titel vom Kaliber eines Earthbound beehrt die Virtual Console der WiiU. Wie, was? Earthbound und ... Golf? Selbes Kaliber? Gut, qualitativ liegt Golf im Vergleich "Out of Bounds", um es in der Sprache des Sports zu sagen, aber eines haben beide Titel tatsächlich gemein: Sie sind nie auf der Virtual Console der Wii erschienen. Während der Release von Earthbound auf der WiiU dagegen mit großem Tamtam bejubelt wurde, bleiben bei Golf eigentlich nur zwei Fragen: Warum kam das damals nicht zusammen mit all den anderen, angestaubten Sportspielen auf die Wii? Und woher hat sie bloß diesen Pullover? Nein, die Frage lautet natürlich: Warum kommt es jetzt plötzlich auf die WiiU und braucht es überhaupt noch jemand?

Soviel vorweg, es braucht wohl wirklich niemand mehr. Golf ist wie das in der selben Woche veröffentlichte Tennis eine simple Reproduktion seines Sports ohne große Schnörkel. In der Rolle eines dicklichen Schnauzbartträgers mit Mütze, der wohl nicht nur zufällig Mario ähnelt, schwingen wir auf einem klassischen, aus 18 Löchern bestehenden Golfkurs das Standardrepertoire an Schlägern. Wir wählen jederzeit frei unser Spielgerät vom mächtigen Einer-Holz bis hinunter zum Putter, bekommen dabei aber anders als gewohnt keine Informationen darüber, wie weit der jeweilige Schläger maximal reicht. Zwar zeigt eine Einblendung oben rechts jederzeit die Entfernung zum Loch an, doch wenn wir durch zähes Ausprobieren und zahlreiche Notizen nicht genau wissen, wie effektiv unsere Knüppel sind, dann bleibt uns meist nur unser Gefühl. Und das trügt gerne, sodass der Ball gerade zu Beginn oft über das Ziel hinausschießt oder zu kurz fliegt, und anstelle von sattem Grün nur sandige Bunker oder gleich das durch Bäume markierte Ende des Kurses findet.

 



Auch die Schwungmechanik kommt uns regelmäßig in die Quere. Das Grundprinzip dahinter kennt jeder, der schon einmal ein Golfspiel gespielt hat. Der erste Knopfdruck startet einen Cursor unten am Powerbalken. Der zweite Druck bestimmt die Stärke des Schlags und der dritte Input wiederum beeinflusst, wie gerade der Ball fliegt. Leider ist der Cursor dabei aber ziemlich schnell unterwegs und die Fehlertoleranz bei der Festlegung der Genauigkeit fiel arg gering aus. Das ist besonders insofern schlecht, als dass uns das Spiel einen dritten metaphorischen Bunker in den Weg legt. Während wir beim Putten frei unsere Schlagrichtung bestimmen, wählen wir bei weiteren Schwüngen lediglich zwischen 16 unterschiedlichen Winkeln. Liegt das Loch oder unser angepeiltes Stück Rasen zwischen zwei dieser Winkel, dann können wir höchstens versuchen, den Flug mittels des dritten Klicks auf dem Power-Balken zu unseren Gunsten zu beeinflussen. Gelingt das tatsächlich einmal, dann fühlt sich das ungemein gut an, doch meist geht es gründlich daneben.

Golf im Fernsehen fällt für die meisten schon unter die Kategorie "Aufregend wie Fußpilz", aber hier fällt die Präsentation noch ein gutes Stück langweiliger aus. Musik gar nicht erst, das Geräusch des Schlages klingt arg dünn und die krümelige Darstellung des Kurses inmitten eines schwarzen Vakuums reißt kaum zu Begeisterungsstürmen hin. Einzig das kleine Fenster unten links, das unser Alter Ego in einer vorgegaukelten 3D-Perspektive zeigt, ist nett anzuschauen. Da diese Ansicht aber keinem spielerischen Zweck dient und teilweise nicht einmal korrekt den Platz abbildet (große Wälder schrumpfen auf vier Bäume zusammen), nützt uns dieses kleine bisschen technischen Glanzes kaum etwas.

Fazit:
Golf macht uns das Leben unnötig schwer. Hinter den zahlreichen Hürden liegt zudem ein bestenfalls gerade noch durchschnittliches Sportspiel, dessen abwechslungsreiche Löcher zum Teil für Wii Sports Golf überarbeitet wurden. Wem moderne Golfspiele nicht genügen, der greift besser zu Kirby's Dream Course oder wartet auf NES Open Tournament Golf, das ebenfalls von Nintendo für das NES veröffentlicht wurde, dabei aber den Mario-Faktor deutlich in die Höhe schraubt, besseres Gameplay bietet und den Umfang drastisch erhöht.

Wertung:

4.0

Burkhart von Klitzing meint:

"Überflüssiges Steinzeit-Golf."
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1 Kommentare:


Nakuri
vor 8 Jahren | 0
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