Test: Final Fight 2

Von Burkhart von Klitzing am 17. Oktober 2013


Capcom hatte seinerzeit aus dem mittleren Debakel der SNES-Fassung von Final Fight schnell die richtigen Lehren gezogen. Schließlich glich der ehemals leuchtende Stern am Sidescrolling Beat'em Up-Himmel in der Heimversion eher einem unmotiviert verglühenden Meteoriten. Mit Final Fight 2 schnürte Capcom den Besitzern des 16-Bitters exklusiv ein regelrechtes Entschuldigungspaket, das sämtliche Schwächen des Vorgängers addressierte. Also alles gut an der Heimkonsolen-Prügelfront? Leider nicht ganz, denn an die Stelle der alten Probleme traten neue.

Im Kern hat sich zwischen Teil 1 und Teil 2 nicht viel verändert. Aus Final Fight wurde natürlich über Nacht nicht plötzlich eine komplexe Wirtschaftssimulation mit RPG-Elementen und metaphysisch angehauchter Story. Nein, auch in Final Fight 2 ziehen wir in bester Genre-Tradition zumeist von links nach rechts, vermöbeln Massen an Kriminellen und weichen dabei auch in die Bildtiefe nach oben oder unten aus. Unser Move-Repertoire beschränkt sich dabei weitestgehend auf einen Schlag, einen Sprung, eine Sprungattacke, einen Griff und einen Special Move, der ein wenig unseres eigenen Lebensbalkens abknapst. All das kennt man als Fan des Genres nur zu gut, dafür fühlen sich hier die Kämpfe angenehm wuchtig an, dank großer Sprites, schöner Animationen und ordentlichen Treffer-Feedbacks.

 



Final Fight 2 schickt uns auf eine Rettungsmission. Guy (einer der Helden des Originals) beklagt die Entführung seiner Verlobten und deren Vater, ist aber scheinbar dermaßen desinteressiert oder vor Schock gelähmt, dass er sich nicht blicken lässt. Stattdessen ist es wieder einmal am Latzhosen-Bürgermeister Haggar, den Tag und die (vergebene) Maid zu retten. Ihm zur Seite stehen mit der Ninja-Dame Maki und dem Schwertschwinger Carlos zwei gänzlich neue Heroen, die spielerisch aber stark an Guy und Cody erinnern. Festzuhalten bleibt auf jeden Fall: Endlich stehen drei Recken zur Wahl.

Zudem dürfen wir uns endlich gemeinsam mit einem Freund in die seitlich scrollenden Prügeleien stürzen und uns dabei über den ausgewogeneren Schwierigkeitsgrad freuen. Die meisten Bosse sind weit weniger frustrierend als noch im Vorgänger, und vier einstellbare Schwierigkeitsstufen garantieren, dass jeder Spieler entsprechend seiner Fähigkeiten gefordert wird. Eine eigentlich nicht nötige, aber nichtsdestotrotz mehr als willkommene Neuerung ist die größere optische Abwechslung der Levels. Anstatt nur eine einzige Stadt in ihren Grundfesten zu erschüttern, bereisen wir nun verschiedene Orte auf dem ganzen Globus. Optisch und akustisch gibt sich Final Fight 2 dabei ebenso wenig wie sein Vorgänger die Blöße. Große Sprites vor schön designten Hintergründen verwöhnen das Auge, zumal die Action flüssig bleibt und auch der Sound qualitativ mithalten kann.

Dummerweise erkauft sich Final Fight 2 den ausgewogeneren Schwierigkeitsgrad insbesondere in den Bosskämpfen mittels eines billigen Tricks. Die meisten Endgegner wollen nämlich kaum das Gefühl eines allentscheidenden Showdowns aufkommen lassen, stattdessen fühlen wir uns gelegentlich regelrecht verschaukelt, wenn ein eher durchschnittlicher Feind einfach über einen längeren Lebensbalken als seine Kumpanen verfügt, aber eben weder optisch noch spielerisch sonderlich etwas hermacht. Wenn wir im Test zu Final Fight 1 angemerkt haben, dass der Zweispieler-Modus in diesem Genre der wichtigste Faktor sei, dann sei hier gesagt, dass imposante Endbosse im Ranking nicht weit dahinter liegen. Ein weiterer, wenig verständlicher Makel ist das im Vergleich niedrigere Aufkommen von Waffen. Während wir in Teil 1 noch regelmäßig Stahlrohre und co aufklaubten, so sind sie hier erstaunlich selten.

Fazit:
Final Fight 2 ist – sofern man einen Freund für eine Runde im Multiplayer zur Verfügung hat – zweifelsohne besser als die SNES-Fassung des Vorgängers. Dafür schmerzen hier besonders die schwachen Bosse, die man in dieser Art von dem Capcom der 90er-Jahre kaum erwarten würde. So bleibt letztlich die Empfehlung, direkt zu Teil 3 zu greifen, der sich als beste SNES-Inkarnation der Serie entpuppt, doch auch mit Teil 2 macht man nicht allzu viel falsch. Das gilt umso mehr, als die direkte Konkurrenz auf der WiiU weiterhin dünn gesät ist.

Wertung:

7.0

Burkhart von Klitzing meint:

"Zwei Schritte vor, einer zurück. In der Summe besser als der Vorgänger."
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1 Kommentare:


Nakuri
vor 8 Jahren | 0
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