Test: Wii Sports Club: Tennis

Von Tim Herrmann am 18. November 2013

Jetzt muss es wieder Wii Sports richten: Ein Jahr nach dem Wii U-Start bringt Nintendo sein Wii-Phänomen zurück. Wii Sports Club, so heißt der Nachfolger, erscheint allerdings nur im Wii U eShop – und die einzelnen Disziplinen veröffentlicht Nintendo nach und nach. Den Anfang machen Tennis und Bowling. Spieler können sich die Disziplinen entweder einzeln für je 9,99 Euro kaufen oder für 1,99 Euro einen Tag lang alle zusammen spielen. Das Remake lässt sich dabei in vier Begriffen zusammenfassen: Online-Modus, MotionPlus, Miiverse, HD.

Waren sie bei Wii Sports an die lokale Konsole gefesselt, können Spieler jetzt in jedem Spiel auch online gegen völlig fremde Wii-Sportler oder gegen Freunde antreten. Die Verbindung baut sich immer ruckzuck auf, weil das Spiel aufgrund seines Bezahlmodells sowieso permanent mit dem Internet verbunden ist. Allerdings ist der Online-Modus regional begrenzt. Das heißt, Europäer können nur gegen Europäer antreten.

Echte Chat-Funktionen gibt es dabei nicht – doch trotzdem legt Nintendo viel Wert auf soziale Interaktion. Über das Steuerkreuz der Wii-Fernbedienung können Spieler schnippische Kommentare abgeben, jubeln oder ihrem Gegner Mut machen. Dabei wählen sie aus vorgefertigten Statements aus oder zeichnen etwas Eigenes im Miiverse. Doch wie spielen sich die ersten beiden Disziplinen, Bowling und Tennis? Unsere Kurztests geben euch einen Eindruck. Hier: Tennis. Klickt diesen Link für Bowling.

Und plötzlich spielten alle Tennis. Wenn man heute von der Wii-Konsole spricht, werden viele sich noch an einen grünen Court erinnern, an knubbelige Mii-Figuren und an das dumpfe, befriedigende Ploppen des Filzballs auf dem Tennisschläger: Wii Sports Tennis war das Symbol für Wii. Und es kommunizierte schon beim Zugucken innerhalb weniger Sekunden, wie man diese neue Konsole benutzen sollte: stehend, gemeinsam, dynamisch. Was für ein Geniestreich!

Das gilt gewissermaßen auch für das Wii U-Remake. Ihr tretet allein gegen einen weiteren Gegner an oder stellt euch zu zweit vor eine Konsole und spielt ein Doppel mit einem anderen Team aus. Auch allein müsst ihr allerdings stets die Rackets zweier Mii-Charaktere steuern. Der Online-Modus funktioniert astrein – es sei denn, die Verbindung ist nicht ganz optimal. Dann ist er fast unspielbar. Denn schon leichte Verzögerungen und sanftes Stottern sind tödlich für das timingbasierte Gameplay von Wii Sports Tennis. Das liegt auch daran, dass jetzt viel mehr Steuerungsdaten versendet werden müssen. Schließlich funktioniert Wii Sports Club mit den 1:1-Sensoren von Wii MotionPlus.

Schon vor der ersten Angabe merken Spieler den deutlichen Unterschied zu Wii Sports. Denn jetzt können sie den Controller frei im Raum bewegen und sehen ihre Manöver in Echtzeit auf dem Bildschirm reflektiert. Wii Sports reagierte lediglich auf die Beschleunigung des Controllers und lenkte die Bälle fast nach Zufallsprinzip. Die neuen Sensoren zwingen den Spieler dagegen, geschickt mit Vor- und Rückhand zu agieren oder Lobs und Slices sinnvoll einzubinden. Gleichzeitig bleibt Timing ein entscheidender Faktor, damit die Steuerung nicht zu komplex wird und auch für Tennis-Laien überwindbar ist. Die Steuerung funktioniert insgesamt prima – ist aber auch etwas kniffliger als früher. Zu Beginn wird der Ball wegen der feinfühligeren Steuerung öfter mal ins Aus gehen.

Die HD-Grafiken sind dagegen kaum der Rede wert. Es gibt jetzt weniger Kantenflimmern und ein paar kahle Stellen im Gras, ansonsten sind aber keine merklichen Verbesserungen zu erkennen. Das gilt auch für den Umfang des Titels: Entweder spielt ihr allein oder in der Gruppe – on- oder offline – oder ihr trainiert in drei punktebasierten Extra-Modi, die man bereits kennt. Hier trefft ihr entweder Maulwürfe, durchschießt goldene Ringe oder scheucht eine ballspuckende Ente über den Court. Online-Highscores ermöglichen euch dann einen Vergleich zu weltweiten Konkurrenten.

FAZIT:
Tennis ist das Musterbeispiel für ein simplifiziertes Massenphänomen. An Einfachheit immer noch kaum zu überbieten, profitiert Wii Sports Club Tennis massiv von der neuen MotionPlus-Steuerung, die dem dünnen Wii-Konzept merklich mehr Spieltiefe verleiht. Sie macht es allerdings auch etwas anspruchsvoller und weniger einsteigerfreundlich. Der Online-Modus funktioniert gut und schnell, das Gesamtpaket ist allerdings nicht besonders groß. So müssen Käufer sich darüber bewusst sein, dass sie bei einem Preis von zehn Euro mindestens fünf für den Mythos Wii Sports bezahlen. Rechnet man diesen Mythos heraus, bleibt ein Spiel, das irgendwie unverschämt simpel ist, aber deshalb auch unverschämt spaßig sein kann.

Wertung:

8.0

Tim Herrmann meint:

"1:1-Steuerung verleiht dem Musterbeispiel für Simpel-Gameplay endlich mehr Spieltiefe. "
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5 Kommentare:


Tim
vor 8 Jahren | 0
WiiUX-Review zu Wii Sports Club: Tennis

JoWe
vor 8 Jahren | 0
Thx for Review! Alle Punkte einmal unter die Lupe genommen. Da Motion plus jetzt ja unterstützt wird, ist der Titel für mich interessanter als damals das Wii sports Tennis. Hätte ich ohne das Review jetzt nicht gewusst ...

Hettwer
vor 8 Jahren | 0
Es macht sehr viel spaß im inet =)

Chuckbert
vor 7 Jahren | 0
online in der Tat ein Traum das Game

LostScorpion
vor 6 Jahren | 0
Für eine Runde Tennis, Bowling oder Golf bin ich immer zu haben.

Tennis macht einfach Spaß. Die Steuerung funktioniert super und auch die Trainingsspielchen wissen zu gefallen.
Vor allem sehr einsteigerfreundlich.