Test: Brawl Brothers

Von Burkhart von Klitzing am 23. November 2013

Kuchen ist so eine Sache. Die meisten schmecken einfach richtig gut, sie machen ordentlich satt und sie eignen sich perfekt für gesellige Runden. Da liegt allerdings auch das Problem, denn schnell will jeder das sprichwörtliche Stück vom Kuchen für sich, und am Ende sitzen wir mit ein paar mickrigen Krümeln da. Das Genre der Sidescrolling-Prügler war Anfang der 90er auch so ein saftiger Kuchen mit verführerisch glänzender Maraschino-Kirsche auf der Spitze. Double Dragon, Final Fight und Streets of Rage füllten gierige Münder und Bäuche der Spieler und riefen so jede Menge angehende Konkurrenten auf den Plan. Einige davon gut, andere trocken wie ein Sandkuchen. Doch wo ordnet sich Jalecos Brawl Brothers (keine Verwandtschaft zu den Smash Bros.) ein?

Der Beginn macht Appetit auf mehr. Fünf Charaktere stehen zur Wahl, unterscheiden sich allerdings weniger voneinander, als es etwa beim Platzhirsch Streets of Rage 2 der Fall ist. Die einen sind schneller als andere, teilen dafür aber weniger stark aus, und andere fallen in die Kategorie "langsamer Brocken". Die Charakterwerte fallen wenig interessant aus, dafür unterscheiden sich die Kämpfer auch ein wenig in ihren Moves. Sämtliche Charaktere dürfen dashen, springen, werfen und schlagen, doch kleine Besonderheiten wie der Dreifachsprung des Ninjas bringen ein wenig Würze mit. Insgesamt könnte das Kampfsystem vielschichtiger ausfallen, bietet aber mindestens gesunden, gehobenen Genre-Durchschnitt.


Eine interessante Idee begegnet uns derweil bei dem ersten Einsatz eines Continues. Mussten wir zu Anfang nicht nur einen Charakter auswählen, sondern deren gleich zwei, so erfahren wir hier endlich, warum. Sind alle Leben verbraucht, dann dürfen wir alternativ in die Haut des zweiten Recken schlüpfen. Im Laufe des Spiels stellen wir uns zudem den restlichen Protagonisten, die nach unserem Sieg ebenfalls angewählt werden können, sollten wir hernach ein weiteres Continue verbraten. Der Ansatz ist interessant, doch dürfen wir viel zu selten den Kämpfer wechseln, sodass die Idee eher halbherzig umgesetzt wirkt.


Generell wirkt Brawl Brothers häufig eher wie eine ohne große Leidenschaft strikt nach Packungsanweisung gefertigte Backmischung, denn wie das Meisterstück eines Konditors. Hin und wieder klauben wir Steine, Schläger oder Hühnerkeulen vom Boden auf. Am Ende eines Levels wartet ein Boss mit dicker Lebensleiste. Gelegentlich macht uns auch das Level selbst mit Tücken wie einem aus dem Hintergrund feuernden Helikopters das Leben schwer. All das hat man schon zigmal gesehen, und das in besserer Ausführung. Feinde wiederholen sich relativ häufig und gleichen sich optisch ohnehin sehr. Die Bosse bieten nötige Abwechslung, fallen im Genrevergleich aber auch eher leidlich spannend aus. Hinzu kommen Levels, deren Länge von "ist bald mal Schluss?" bis zu "einmal geblinzelt, schon durch" reicht.

Auch technisch gibt Brawl Brothers eine mäßige Figur ab. Der bunte Comic-Look mit seinen Sprechblasen für Sounds ist in sich stimmig, Charaktere und Hintergründe sind gut designt, und die Action bleibt flüssig. Dafür vermissen wir flüssigere Animationen für die Kombattanten, die doch etwas seltsam zu agieren scheinen. Die Musik hingegen taucht aus gutem Grund in keinen "Top x Video Game Tracks"-Listen auf, denn das netteste, was man über sie sagen kann, ist wohl, dass sie erträglich ist. Und auch das nur noch gerade so. Die Soundeffekte fallen ähnlich mau aus. Schlaggeräusche und Rufe (bzw. Grunzen) der Kämpfer gehen schnell auf den Keks – und nicht nur, weil das so gut in das Sprachbild des Kuchens passt.

Fazit:
Brawl Brothers ist so unbekannt, wie ein SNES-Spiel nur unbekannt sein kann. Retro ist überall. Gute Spiele werden diskutiert, schlechte in den Boden geredet. Brawl Brothers dagegen – schlummert völlig zurecht in seinem gläsernen Sarg der Mittelmäßigkeit und Belanglosigkeit. Es hält seine Ambitionen niedrig und macht das, was es machen möchte, im besten Fall routiniert. Unter dem Strich bleibt somit ein Titel, den man sich zumindest im Zweispieler-Modus einmal ansehen kann, da bislang auf der Wii U-VC die Alternativen noch Mangelware sind. Ohne besagten Zweispieler-Modus läge die Wertung von Brawl Brothers unter der von Final Fight (1), aber so ist es letztlich eine Frage der persönlichen Präferenzen.

Wertung:

6.0

Burkhart von Klitzing meint:

"Dieser Kuchen ist keine Lüge, aber müde."
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7 Kommentare:


Nakuri
vor 8 Jahren | 0
Kommentar

Hokuto_no_Ken
vor 8 Jahren | 0
Brawl Brothers (auch bekannt als Rival Turf 2) war ganz witzig.

Vader
vor 8 Jahren | 0
Schöner test^^ Hab ich noch nie von gehört... hmmm. Mein Highlight früher war Double Dragon^^

Der R
vor 8 Jahren | 0
schöner Kuchen :) ....ähm Test. :)

Konoe A. Mercury
vor 8 Jahren | 0
Der Test liest sich wie immer gut aber leider scheint das Spiel nicht so der überflieger zu sein. Finde ich etwas schade das man scheinbar versucht mit sowas Geld zu machen anstatt ein paar Spiele zu bringen die sich mehr lohnen. Wobei mir Jaleco auch garnichts sagt...

KeeperBvK
vor 8 Jahren | 0
Ja, Jaleco ist sicherlich keine der ganz großen Firmen der damaligen Zeit. Ähnlich wie Data East bewegten sich die Spiele meist zwischen ziemlich gut und schlechter Abklatsch eines anderen Spiels. Es gibt aber eben auch von Jaleco die eine oder andere Perle wie Avenging Spirits.
Und Brawl Brotehrs ist sicherlich kein schlechtes Spiel, aber eben nur Durchschnitt. Wer einen Kumpel parat hat, der kann es sich ruhig einmal anschauen, denn solche SPiele sind im Koop ja eigentlich nie verkehrt.

Pogopuschell
vor 8 Jahren | 0
Oh mann!! Von dem Spiel wusste ich auch nichts... Und das, obwohl ich doch früher mal so gern mit meinem Kumpel Rival Turf gespielt hab..
Also wir hatten defintiv Spaß damit, auch wenn es für uns damals insgesamt zu schwer war.
Wir waren fast schon Fans von Jaleco wegen dem Spiel, weil wir es immer lustig fanden, wie beim Einschalten immer diese Männerstimme Jaleco ausgesprochen hat ^^

Ach, ich seh schon... in einer unerer nächsten größeren Zockernächte....... ^^