Test: Mega Man X2

Von Andreas Held am 24. November 2013

Mit Mega Man X gelang Capcom auf dem SNES der große Wurf. Kein Wunder also, dass der Publisher das tat, was er am besten kann: Haufenweise Nachfolger produzieren. Bereits ein Jahr nach dem Europa-Debüt der Serie, also 1995, stand Mega Man X2 für das SNES in den Läden. Der Titel gehört heute zu den begehrtesten Spielen überhaupt: Selbst das lose Spielmodul ist kaum für unter 150€ zu bekommen, und gut erhaltene Exemplare mit OVP und Anleitung wechselten schon einmal zum Preis eines kleinen Gebrauchtwagens den Besitzer. Wer den Titel einfach nur spielen will, für den ist die Virtual Console sicherlich die deutlich günstigere Alternative.

One Trick Pony
Wie man anhand der kurzen Entwicklungszeit vermuten könnte, hat sich an der Spiel-Engine von Mega Man X nichts geändert. Wie in der Serie üblich durchstreift man nach einer kurzen Einführungsstage acht Level in einer beliebigen Reihenfolge, um danach ein Schloss in Angriff zu nehmen, das aus mehreren Teilstages besteht. Und wie immer erhält der Protagonist X nach jedem gewonnen Bosskampf eine Spezialwaffe, die einen anderen Bosskampf deutlich einfacher gestaltet. Auch die Upgrades aus dem Vorgänger, die X neue Spezialfertigkeiten verleihen oder seine Lebensenergie erhöhen, sind wieder mit dabei. Einzige Neuerung: Ab einem gewissen Punkt des Spiels beziehen drei optionale Bossgegner zufällig eine Behausung in einer der acht Stages, wobei sie ihre Position auch jederzeit ändern können. Das ist besonders dann ärgerlich, wenn sie sich in einem noch nicht absolvierten Level breit machen, da man in diesem Fall gleich zwei Endgegner besiegen muss, um die Stage erfolgreich abzuschließen.



Während sich am Grundgerüst fast nichts geändert hat, ist im spielerischen Teil leider ein deutlicher Rückschritt im Vergleich zum genialen Erstlingswerk zu verzeichnen. Das Leveldesign hat nicht mehr das Niveau des Vorgängers, und vor allem an den Bosskämpfen merkt man den Entwicklern die mangelnde Inspiration an. Gab es in Mega Man X noch intensive Kämpfe gegen einen Menschenaffen oder ein Chamäleon in Roboterform, kämpft man in Mega Man X2 unter anderem gegen eine Motte, die sich als Kugel an die Decke hängt, hin und her schwingt und dabei ohne jegliches Muster etwas Müll in der Arena verstreut, der X bei Kontakt verwundet. Und während der Soundtrack von Mega Man X gleich mehrere legendäre Stücke enthielt, dudelt die Musik des Nachfolgers eher unspektakulär vor sich hin. Die neuen Musikstücke sind zwar ganz gut, aber nicht wirklich einprägsam.

Fazit:
Dass ein Quantensprung, wie es ihn in der klassischen Serie von Mega Man zu Mega Man 2 gab, nicht zu erwarten war, lag alleine daran, dass Capcom das neue Serienkonzept mit Mega Man X schon beinahe perfektionierte. Mega Man X2 fehlt jedoch in allen Bereichen die Inspiration, die den Vorgänger noch zu einem absoluten Klassiker machte. Somit bleibt unterm Strich ein kompetentes Run'n'Gun, das aufgrund der sehr guten Spielengine und der damit verbundenen perfekten Spielbarkeit handwerklich weiterhin überzeugen kann. Gleichzeitig merkt man dem Spiel jedoch an, dass es Capcom auch darum ging, möglichst schnell ein Sequel zu entwickeln, das auf der Erfolgswelle seines Vorgängers mitschwimmen kann, und daher im Spieldesign die Klasse vermissen lässt, welche Mega Man X auszeichnete.

Wertung:

7.0

Andreas Held meint:

"Mega Man X2 ist ein solider Action-Titel, im Gegensatz zu seinem Vorgänger jedoch kein absoluter Klassiker."
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6 Kommentare:


Nakuri
vor 7 Jahren | 0
Kommentar

mega
vor 7 Jahren | 0
So wie ich euren Test zu X etwas zu hoch bewertet finde, finde ich diesen etwas zu niedrig geraten. Klar das Spiel erinnert deutlich an den Erstling und viele Neuerungen sucht man auch vergebens... Ebenso ist die Musik nicht annähernd so genial wie noch im Vorgänger. Dennoch ist es kein schlechtes Spiel was durchaus Spaß macht, auch wenn das Leveldesign nicht an das des Vorgängers herankommt. Daher von mir eine 8/10

Außerdem ist der Test meiner Meinung nach für ein vollwertiges Review etwas arg kurz. Darin steht ja so gut wie kaum etwas über das Spiel selbst.

KeeperBvK
vor 7 Jahren | 0
Ich bin zwar nicht der Autor, aber dennoch kurz ein paar Worte von mir: Du schreibst, dass MMX2 kein schlechtes Spiel sei. Wir tun das auch nicht. Wir bewerten es nicht einmal als Mittelmaß, sondern als gut. ;)
Dann noch zu der Kürze: Unsere VC-Reviews haben nicht den Anspruch, so umfangreich zu sein wie die Tests zu "regulären" WiiU-Spielen. Zu Wii-Zeiten konnten unsere VC-Reviews sogar noch ein gutes Stück kürzer ausfallen als in diesem Fall, und ich denke ehrlich gesagt auch, dass alles wichtige drinsteckt. Das Spielprinzip wird aufgedröselt, ebenso Veränderungen gegenüber dem (spielerisch eben sehr ähnlichen) Vorgänger.

Noch ein persönliches Wort zu der Wertung des Vorgängers: Ich persönlich hätte dem Spiel auch keine 10 gegeben, aber anhand der Leserkommentare lässt sich sehen, dass viele eben doch eine perfekte Wertung für richtig halten. Die Meinungen schwanken bei so etwas eben doch teils sehr, aber zumindest sind wir uns wohl alle einig, dass MMX1 ein fantastisches Spiel ist. :)

mega
vor 7 Jahren | 0
Wie gesagt, Wertungen sind eh Geschmacksache des jeweiligen Testers, von daher kann man das auch nicht so verallgemeinisieren ;)

Am Ende kann ich auch nur zustimmen, dass MMX ein überaus tolles Spiel ist, auch heute noch :)

Vyse
vor 7 Jahren | 0
Zu den Wertungen muss man auch sagen, dass wir bei VC-Reviews keine 0.5er-Schritte verwenden. Normalerweise hätte ich MMX eine 9.5 gegeben und MMX2 eine 7.5, aber da mir halbe Punkte nicht zur Verfügung standen, musste ich mich eben zwischen 9 und 10 Punkten bzw. 7 und 8 Punkten entscheiden.

Dass das Review sehr kurz ist, ist mir auch aufgefallen, aber das liegt nun mal an der großen Ähnlichkeit zum Vorgänger. Gibt es denn konkrete Punkte, die deiner Meinung nach im Review fehlen und angesprochen werden sollten?

mega
vor 7 Jahren | 0
@Vyse: Ok, das erklärt das ganze natürlich etwas, wenn es keine 0.5er Schritte gibt.

Zum Thema länge: Hier wäre es für nichtkenner der Serie sicher interessant, was für Neuerungen es noch gibt (1 Levelabschnitt auf nem Vehikle, X startet mit dem Dash und muss diesen nicht erst finden, Die 8 zerstörten Mavericks gilt es wieder in einem Abschnitt komplett zu zerstören und nicht wie im Vorgänger auf Level-(Abschnitte) verteilt. Auch könnte man schreiben, das es einen neuen Super Schuss gibt, welcher jedoch durch seinen zweiten, etwas verzögerten Schuss das Geschehen etwas verlangsamt. Auch gibt es etwa Zero-Rüstungsteile zu finden die man erwähnen könnte aber nicht zwingend muss. Ebenso könnte man mit schreiben, dass die Waffen in aufgeladenem Zustand keineswegs mehr so genial oder gut sind wie beim Vorgänger).

Auch vermisse ich als negativen Grund (auch schon in X) der Umfang des Spiels. Seinerzeit waren 13 Level neben SMW oder Donkey Kong Country keineswegs mehr berechtigt. Hier sollte man wenigstens ein paar negative Worte dazu sagen. Denn damals 120 bzw. 140 DM für 13 Level im Gegenzug zu anderen Spielen ist schon etwas fett gewesen ;)

Das sind jetzt so Punkte die mir auf Anhieb eingefallen sind...