Test: Uncharted: New Horizons

Von Burkhart von Klitzing am 06. Dezember 2013

„Wo ist Mario? Wo ist Zelda? Wo sind N64-Spiele?!“ Die Klagen einer jeden VC-Woche – sie ähneln sich doch sehr, und so möchten wir dieses Review mit einem kleinen Plädoyer eröffnen. Wir alle nutzen die Virtual Console, um Kindheitserinnerungen neu aufleben zu lassen oder große Klassiker nachzuholen, doch bietet der Service eben auch die große Chance, einige der unbesungenen Perlen aus den Tiefen der Spielegeschichte zu bergen und an ihnen nicht minder Freude zu haben. Der zweite Teil der Uncharted Waters-Reihe (übrigens keine Verwandtschaft mit Nathan Drake) ist genau solch ein Titel, der zudem nun erstmals den Seeweg nach Europa gefunden hat.

Ähnlich Romance of the Three Kingdoms IV aus dem gleichen Hause (Koei) ist auch New Horizons ein nicht nur für SNES-Verhältnisse erstaunlich komplexes Strategie-Schwergewicht. Allerdings gelingt dem Titel das Kunststück, dem Spieler jede Menge Inhalte, Zahlenwerte und Möglichkeiten an die Hand zu geben, ohne ihn damit einzuschüchtern. Grund dafür ist unter anderem eine große Schippe RPG-Elemente und -Ästhetik.



Als einer von sechs Seefahrern, Piraten, Händlern oder Kartographen machen wir die Sieben Meere der frühen Neuzeit unsicher – oder sicher. Denn einmal auf unser Schiff entlassen sind wir ziemlich frei in unseren Entscheidungen. Je nach gewähltem Helden sollten wir zwar früher oder später unserer persönlichen Geschichte folgen, wollen wir aber einmal eben nicht irgendwelche Waren von A nach B transportieren, dann vertreiben wir uns halt die Zeit mit Kapern – also dem Piratenhandwerk, nicht mit den sauer eingelegten Würzkügelchen.

Die weitläufigen Küsten und Meere von New Horizons erweisen sich schnell als abwechslungsreicher Spielplatz, auf dem wir relativ simple Seeschlachten ausfechten, uns als Händler verdingen, unsere aus bis zu zehn Schiffen bestehende Flotte nebst Besatzung pflegen oder neue Ortschaften entdecken. Landen wir in einer solchen Ansiedlung, dann fühlen wir uns wohlig an die Rollenspiele der 90er erinnert. Aus der Draufsicht stapfen wir durch Straßen, erkunden Häuser, decken uns in Läden mit besseren Waffen und Rüstungen ein und nehmen einen der vielen Aufträge an, die uns gleich in das nächste Abenteuer oder zur nächsten Stadt lotsen.

Uncharted Waters: New Horizons macht viele Dinge richtig. Das spannende und unverbrauchte Szenario ist wie geschaffen für die spielerische Freiheit, die den gesamten Titel durchzieht. Das Management der Ressourcen und Ausrüstung motiviert über Tage und Wochen, nicht zuletzt dank der sechs verschiedenen Stories. Doch die See kann auch rau und unbarmherzig sein, so auch hier. Optisch und akustisch etwa schlägt der Titel keine großen Wellen, und gerade im Vergleich zu anderen SNES-Titeln lässt sich der Gedanke nicht ganz abschütteln, dass hier mehr drin gewesen wäre. Schiffbruch erleidet die Technik nicht, doch über nettes Mittelmaß ragt der Bug nie hinaus.

Auch die Kämpfe spalten die Gemüter wie Moses das Rote Meer. Der eine erfreut sich an dem Aufeinandertreffen von bis zu 20 individuell ausgerüsteten Schiffen und begrüßt die einsteigerfreundliche Mechanik dahinter. Nur ein Schiff steuern wir selbst, der Rest wird von der CPU kontrolliert, während wir unsere Flotte außerhalb der Scharmützel auf alle Eventualitäten vorbereiten. Dumm nur, dass die CPU oft eben das ist: Dumm. Zudem nutzen wir im Säbelduell mit dem feindlichen Kapitän ein an Schere-Stein-Papier erinnerndes Kampfsystem, dem etwas mehr Taktik gut zu Gesicht stünde.




Fazit:
Eine Seefahrt, die ist lustig, eine Seefahrt, die ist schön. New Horizons ist für sich genommen ein fantastischer Genremix aus Strategie und Rollenspiel und punktet zudem als idealer Einstieg in Koeis klassische Taktik-Serien, die sonst regelmäßig Einsteiger ein wenig im Regen stehen lassen. Dank großer Welt, mehrerer spielbarer Charaktere und zahlreicher Gameplay-Elemente ist auch nach dem Einstieg Spaß für Tage oder Wochen garantiert. Ein wenig Hang zu 16-Bit-Menüs (und zwar vielen Menüs) sollte man allerdings schon mitbringen.

Wertung:

8.0

Burkhart von Klitzing meint:

"Das auf lange Sicht beste Strategiespiel der VC."
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3 Kommentare:


Nakuri
vor 7 Jahren | 0
Kommentar

JoWe
vor 7 Jahren | 0
hehehe ... interssant mit witzigen "Stilblüten" (kapern=Würzküglechen)! Mit dem "Bug" der, "nicht über das Mittelmaß hinausragt" ist auch der Schiffsteil und nicht der Programmfehler gemeint oder ;-)

KeeperBvK
vor 7 Jahren | 0
Danke. Und ja, gemeint ist der deutsche Bug, nicht der englische Bug. ^^