Test: Knytt Underground

Von Nico Zurheide am 18. Januar 2014

Mit Knytt Underground erschien vor ein paar Wochen ein Spiel, dessen Artstyle am meisten an den bekannten Indie-Titel Limbo erinnert. Das Studio Ripstone setzte das Spiel, das vorher schon auf anderen Plattformen erschienen war, jetzt auch für Wii U um. Das Besondere an Knytt Underground sind die einzigartige Atmosphäre und eine verrückte Story mit ungeahnten Wendungen. Wie sich das Spiel in unserem Test schlägt, erfahrt ihr jetzt:

Wo bin ich? Wer bin ich?

Bevor ihr euch dem eigentlichen Spiel zuwenden könnt, müsst ihr erst einmal eure Spielfigur ins Hauptmenü steuern: Dieses ist exakt so aufgebaut wie das gesamte Spiel und passt somit perfekt ins düstere Setting. Hier könnt ihr zwischen den drei Kapiteln des Spiels oder "noch mehr Zeugs" wählen, wo ihr eine Demo vorfindet oder euch die Mitwirkenden oder eure Abzeichen ansehen könnt. Beginnt ihr mit Kapitel 1, findet ihr euch mitten in einem riesigen Dungeon wieder. Ihr spielt die stumme Wichtelin Mi Sprocket, die einige ihrer Erinnerungen verloren hat, und beginnt, den Dungeon zu erkunden. Mi beschließt, zum Feenbrunnen zu gehen und sich von den Feen zu wünschen, dass sie ihre Stimme wiederbekommt. 

Indem ihr immer neue Räume erkundet und mit anderen Wichteln redet, decken sich Hintergrundgeschichten und auch die eigentliche Story des Spiels nach und nach auf. Ein großer Krieg vor 500 Jahren hat die gesamte Menschheit ausgelöscht und nur ein kleiner Teil ihrer Technologie ist unterirdisch erhalten geblieben. Dort, also unter der Erde, fristen Wichtel und andere mythische Lebewesen ihr unbedeutendes Dasein. Ihr gesamtes Umfeld ist sehr von der Natur geprägt, nur sehr weit unten, wo man schon auf Lava stößt, findet man größere Überbleibsel der alten menschlichen Zivilisation. Ihr erfahrt schließlich, dass Mi Sprocket auserwählt wurde, die sechs Glocken des Schicksals zu läuten, die einmal alle 600 Jahre ertönen müssen, da ansonsten die Welt untergeht.

Ausgedehnte Erkundungstour

In Kapitel 1 geht es jedoch erst einmal darum, zum Feenbrunnen zu gelangen und Mi ihre Stimme wiederzugeben. Ihr hüpft und klettert also durch unzählige Räume, sammelt Gegenstände, die ihr zum Weiterkommen benötigt, und erforscht so viel von der anfangs verdeckten Karte, wie ihr könnt. Am Brunnen angekommen lesen Spieler ein kurzes Gespräch (das Spiel kommt ohne Sprachausgabe aus) und das erste Kapitel des Spiels gilt als beendet. Im zweiten Abschnitt spielt ihr zwar immer noch Mi, allerdings wurde sie mysteriöserweise in einen Ball verwandelt. Ihr findet einen Freund und flieht mit ihm zusammen aus den Tiefen der Höhle, in die ihr vorher gefallen seid. Im Gegensatz zum vorherigen Kapitel besteht das zweite hauptsächlich aus Geschicklichkeitseinlagen, in denen ihr den Ball mit gezielten Sprüngen durch die Räume führen müsst.

Wenn ihr dann das finale Kapitel 3 angeht, bemerkt ihr, dass alles, was ihr bisher gespielt habt, nur ein etwas größeres Tutorial war. Nun könnt ihr euch jederzeit auf Knopfdruck in einen Ball und wieder zurück verwandeln. Mit dieser neuen Fähigkeit kann Mi an bisher unerreichbare Orte gelangen und die gesamte Karte, die aus mehr als 1800 Räumen besteht, erkunden. Die Karte wird übrigens auf dem GamePad angezeigt, wo ihr auch euer Inventar findet. Ansonsten bietet der zweite Bildschirm leider keine weiteren Funktionen. Euer Ziel lautet nun, die sechs Glocken ausfindig zu machen und sie zu läuten.

Leider wirkt das Spielgeschehen trotz der Option der Verwandlung etwas eintönig. Alle Räume haben einen farbigen Hintergrund, während eine schwarze Silhouette den Vordergrund darstellt, in dem ihr euch bewegt. Das sieht zwar erst einmal andersartig und aufregend aus, allerdings bietet das Design der Räume schon nach dem ersten Kapitel keine großartigen Augenöffner mehr. Feinde wie laserschießende Roboter wirken fehl am Platze und sind meist sehr leicht zu umgehen. Falls man doch einmal sterben sollte, gibt es keine negativen Konsequenzen: Es folgt ein "Instant Respawn". Speichern kann man allerdings nur an dafür vorgesehenen Speicherpunkten, die spärlich über den Dungeon verstreut sind.

Zugute halten muss man Knytt Underground, dass die Spielwelt sehr lebendig wirkt. Auch wenn man nicht sehr oft auf Räume mit andere Lebewesen trifft, fühlt man sich zu keiner Zeit allein unter der Erde. Einige Sidequests lockern das Spiel außerdem zusätzlich auf und laden zum Erkunden weiterer Räume ein. Untermalt wird die Entdeckungstour von einer sphärischen Musik, die sich gut in das geheimnisvolle Setting einfügt. Die Versuche des Entwicklers, das Jump'n'Run etwas aufzupeppen, etwa mit der Verwandlung in einen Ball oder kleinen Sphären, die Mi horizontal und vertikal fliegen lassen, sind gerne gesehen  - auch wenn es von diesen Ideen nicht allzu viele gibt.

Fazit:

Dank der aufregenden Optik und dem Drang, jeden Raum einmal gesehen haben zu müssen, bietet Knytt Underground ein durchaus spaßiges Spielerlebnis. Wer sich auf den Titel einlässt, wird einfach ins Spiel geworfen und fängt an, den riesigen Dungeon zu erkunden. Dieser Entdeckertrieb und das liebevoll durchdachte Gesamtpaket lassen über kleinere Schwächen hinwegsehen - auch wenn diese nicht außer Acht gelassen werden sollten. Viele Räume und Arrangements sehen gleich aus und spielen sich auch gleich. Die Unsterblichkeit der Protagonistin nimmt dem Spiel außerdem einen großen Teil der Schwierigkeit, die durchaus manchmal hoch gesetzt ist; dann allerdings eher durch Geschicklichkeitseinlagen. Nichtsdestotrotz ist Knytt Underground ein feines Stück Software.

Wertung:

8.0

Nico Zurheide meint:

"Faszinierende Entdeckungstour mit aufregender Optik"
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4 Kommentare:


Blacksierra
vor 6 Jahren | 0
will ja nicht zu sehr mosern, aber Review (das gut geschrieben ist) und die Wertung passen so meiner Meinung nach zusammen Review klingt mehr nach 6.5-7 ... aber vielleicht beklage ich mich auch nur gern über die x/10 Wertungen :-)

nibez
vor 6 Jahren | 0
Bitte auch auf das "Was bedeutet das?" unter der Wertungsbox achten ;)

Eine 6.5-7.0 würde nach unserem System heißen, dass das Spiel nur für Genrefans interessant sei. Dem ist aber meiner Meinung nach nicht so, der leichte Schwierigkeitsgrad ist eher sogar die Grundlage für einen Einstieg in das Genre, wenn man es noch nicht kennt.
Und die einzige eigentliche Schwäche, nämlich die gelegentliche Monotonie, gehört zum Konzept des Spiels und die Gesamtpräsentation lässt einen darüber hinwegsehen. Demnach trifft es "Wenn man nicht gerade eine Abneigung gegen das Genre oder einen anderen Aspekt dieser Spiele hegt, sollte man sie spielen." am Besten :)

Blacksierra
vor 6 Jahren | 0
Danke!

Snopydoo
vor 6 Jahren | 0
Ich muss sagen durch die Wii U und vorallem durch Super Mario 3D World habe ich wieder zu Jump and Runs gefunden. Was ich lange Zeit verpönnt habe ist heute ein Genre das dutzende Stunden meiner Lebenszeit beansprucht. Daher hab ich zugeschlagen als das Spiel grade reduziert war und bin wirklich baff. Es hat einen guten humor und Optisch ist es wie ein Bilderbuch. Es ist einfach schön :)