Test: F1 Race Stars: Powered Up Edition

Von Andreas Held am 24. Januar 2014

Es war einmal vor langer Zeit ein Spiel, das für Naserümpfen bei einigen Spielern sorgte. Codemasters, die in den letzten Jahren vor allem durch die Arcade-Racer GRiD und DiRT aufgefallen waren, sicherten sich 2010 die Rechte an der aktuellen Formel 1-Saison, um zum ersten Mal seit 2002 wieder ein offizielles Spiel zum Elite-Rennzirkus in die Läden zu stellen. Ein Nebenprodukt dieses Unterfangens war F1 Race Stars, das verhohnepiepelnde Bobblehead-Versionen der realen Fahrer mit lächerlichen Sprachsamples unterlegt in Miniaturversionen der Formel 1-Rennwagen steckte, damit sie sich auf bunten Fantasiekursen mit Power-Ups beschießen und auf diese Weise zur Ziellinie fahren konnten. Eine Wii U-Portierung von F1 Race Stars war ursprünglich für das Launch-Fenster geplant, doch dann verschwand das Spiel von der Bildfläche. Ein Jahr später erhalten Wii U-Besitzer nun F1 Race Stars in der Powered Up Edition, welche den Umfang von elf auf 15 Strecken erweitert und sagenhafte 40 Hupgeräusche für die F1-Karts beinhaltet. Darüber hinaus erscheint das Spiel nur noch als Download-Titel zum mittelgroßen Preis.

Stereotypen und Klischees

Die Auswahl der Spielmodi ist relativ karg: Im Hauptmenü habt ihr die Wahl zwischen Einzelrennen, die mit bis zu vier Spielern gespielt werden können, einem aus 30 Meisterschaften bestehenden Karrieremodus und den Time Trials, in denen ihr vorgegebene Bestzeiten jagen könnt. Einen Online-Modus gibt es nicht und auch der lokale Multiplayer ist nur eingeschränkt nutzbar, da der Pro Controller von F1 Race Stars nicht unterstützt wird. Wer also keine Wii-Eingabegeräte zu Hause hat, wird den Codemasters-Titel nur alleine spielen können.


Bei der Auswahl eures Avatars stehen euch Karikaturen der Fahrer und Teams aus der Saison von 2012 zur Verfügung. Auch Michael Schumacher, der seine Karriere im November 2012 offiziell beendet hat, ist hier also noch anwählbar. Ergänzt wird die Auswahl durch einige fiktive Fahrerinnen, was erst einmal eine nette Geste in Richtung Gleichberechtigung ist. Aber musste Codemasters diese Pilotinnen unbedingt in pinke bzw. violette F1-Karts setzen? Um dem noch eins obendrauf zu setzen, ist einer der Fahrer dieser ungewöhnlich eingefärbten Rennboliden ein Mann, der eine modische Fönfrisur und mit Rouge gefärbte Bäckchen zum Besten gibt. Alle Fahrer wurden entweder in ihrer Landessprache oder mit schlechten Akzenten vertont, die offenbar aus einer Übersetzungsmaschine stammen - Sebastian Vettel bedankt sich schon vor dem Start für ein "Näjtes Wränen" und ruft dem Publikum nach einigen Handküssen "Ich liebe dich!" zu. Auch die Strecken sind nicht viel besser und setzen auf veraltete Klischees, sodass ihr in Deutschland zu Ziehharmonikamusik durch einen Fichtenwald donnert.

Gut geklaut ist halb gewonnen

Sobald ihr auf der Rennstrecke seid, dürfen Mario Kart-Kenner damit beginnen, Parallelen zwischen F1 Race Stars und seinem offensichtlichen Vorbild zu ziehen. Neben den üblichen Verdächtigen in Form von Geschossen mit und ohne Zielsuchfunktion haben es auch Items, die ganz klar den Blooper oder die Kugelwilli-Verwandlung imitieren wollen, ins Spiel geschafft. Bei aller Kopierwut hat Codemasters ein Item jedoch wahrscheinlich bewusst ausgelassen: Der blaue Panzer ist in F1 Race Stars nicht wiederzufinden, und das ist auch gut so. Und ab und zu gibt es auch Ausnahmen in Form von kreativeren Power-Ups, wie zum Beispiel das comichafte Safety Car, das sich vor dem Erstplatzierten festsetzt und - wie im echten Sport - dafür sorgt, dass das Feld wieder dicht zusammenrückt. Ähnlich sieht es beim Streckendesign aus: Die meiste Zeit donnert ihr durch relativ austauschbare Landschaften, aber ab und zu wurden auch einige kreativere Elemente in den Kursen verbaut - z.B. ein Sprung durch ein Walfischmaul mit anschließendem Unterwassertunnel.

Handwerklich ist der Titel überraschend gut umgesetzt - Ruckler oder Bugs bleiben aus, was wohl auch der eher zweckmäßigen Optik des Spiels geschuldet ist. Die Steuerung ist für einen Fun-Racer recht ungewöhnlich, da ihr scharfe Kurven nicht einfach mit einem Drift durchqueren könnt, sondern teilweise wirklich stark abbremsen müsst. Das funktioniert jedoch mit einiger Übung recht gut, und bei korrekter Ausnutzung der Beschleunigungsfelder (die nach einer kurzen Einarbeitungsphase kein Problem darstellt) könnt ihr solche Kurven mit einem ordentlichen Geschwindigkeitsschub wieder verlassen. Das Durchspielen des Karrieremodus, der trotz der eher kleinen Auswahl an Rundkursen durch viele verschiedene Renntypen einiges an Abwechslung bietet, kann daher sogar einige Stunden lang recht gut unterhalten. Ein großes Manko im Spieldesign ist jedoch die zu große Effektivität der Power-Ups und der daraus resultierende Glücksfaktor. Es kann schon mal sein, dass ihr durch einen einzelnen Treffer nicht nur ausgebremst werdet, sondern außerdem den in einer Kurve aufgebauten Boost verliert, danach mit einem kaputten F1-Kart über die Strecke eiert und deshalb noch einen Umweg durch die nächste Boxengasse nehmen müsst, um den Schaden wieder zu reparieren. Eine solche Kette von Ereignissen kann schon mal dazu führen, dass man völlig ohne eigenes Verschulden vom ersten auf den letzten Platz zurückfällt. Einzelne Fahrer, die es schaffen, sich vom Rest des Feldes abzusetzen, fahren hingegen einen gigantischen Vorsprung heraus, während sich die Verfolger mit den übermächtigen Items gegenseitig ausbremsen.



Fazit
Dass Codemasters F1 Race Stars zumindest auf der Wii U als Download-Titel platziert, steht dem Fun-Racer eigentlich recht gut. So muss man nicht allzu streng mit dem Spiel sein, das durch die gut funktionierende Steuerung, einen relativ umfangreichen Karrieremodus mit vielen verschiedenen Renntypen und gelegentliche Highlights im Streckendesign durchaus einige Pluspunkte sammelt. Durch den fehlenden Online-Modus und den ebenfalls fehlenden Pro Controller-Support ist F1 Race Stars auf der Wii U sogar eher auf seinen Einzelspielermodus ausgerichtet. Dem steht jedoch der sehr hohe Glücksfaktor im Wege, sodass Sonic & All-Stars Racing Transformed für Solisten die erste Wahl bleibt, während Spieler auf der Suche nach einer Multiplayer-Erfahrung auf Mario Kart 8 warten sollten. Was bleibt, ist ein unterhaltsamer und vergünstigter eShop-Titel, und so muss jeder für sich selbst entscheiden, ob ihm ein paar Stunden unspektakulärer Spielspaß 24,99€ wert sind.

Wertung:

7.0

Andreas Held meint:

"Kurzweiliger und handwerklich gut umgesetzter Fun-Racer, der für ein paar Stunden unterhalten kann, aufgrund fehlender Features jedoch kein Dauerbrenner sein wird."
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7 Kommentare:


ProG4M3r
vor 7 Jahren | 0
Im anbetracht der Tatsache, das mit Sonic & Sega All Stars Racing Transformed bereits ein guter Fun-Racer auf der Konsole platziert ist (und das nur minimal teurer) sowie dem anstehendem Release von Mario Kart 8, frage ich mich doch, was will Codemaster mit diesem Titel erreichen?

TeeKayDodo
vor 7 Jahren | 0
Codemasters will die Zielgruppe ansprechen und deren Potential auf Nintendo-Systemen sind nicht von der Hand zu weisen. ;)

Für mich ist's nichts. Ich würde lieber mit einem Ferrari oder McLaren cruisen, als mit MatchBox-Autos. :P

pipip
vor 7 Jahren | 0
Das Spiel hätte vor Weihnachten gute Chancen gehabt, zu mindestens bei mir. Jetzt ist das Spiel wahrscheinlich viel zu nahe an Mario Kart 8.

Hettwer
vor 7 Jahren | 0
Die Idee ist net aber das hätte man schon vor ein halbes jahr veeröffentlichen sollen jetzt sind es nur noch ein paar monate bis Mario Kart also is das spiel uninteressant =D

November2019
vor 7 Jahren | 0
ich behaupte mal, dass ihr provision kassiert. anders kann ich mir eure 7 punkte nicht erklären. ich habe eure bewertung schon mal kritisiert, aber wenn dieses spiel, subjektiv schrott, 7 von 10 erhält, wie könnt ihr dann mario-hüpfi aus der alten zeit mit "nur" 10 bewerten. ist doch völlig unglaubwürdig!

KeeperBvK
vor 7 Jahren | 0
@ November: Ist dir diese Wertung zu hoch oder zu niedrig? Was willst du mit "subjektiv Schrott" sagen? Wie würdest du es denn objektiv einordnen? Wieso "nur" 10? Ordne deine Gedanken, dann können wir weiterreden. Aber so weiß man ja nicht einmal, was überhaupt Deine Meinung ist.
PS: Provision. Schön wärs. Aber dass man tatsächlich nach zwei Wertungen, denen man widerspricht, gleich irgendwelche Mauscheleien vermutet, das ist schon einigermaßen traurig. Nächstes Mal schreiben wir dich an, bevor wir eine Wertung vergeben, fragen dich nach deiner Meinung, und posten die dann. Einverstanden? :)

Vyse
vor 7 Jahren | 0
@Keeper: Don't feed the trolls ;)