Test: Renegade

Von Burkhart von Klitzing am 08. März 2014

Einen schlechten Tag hat jeder mal. So auch Technos. Die Pioniere und frühen Meister der Sidescrolling Beat'em Ups lieferten Meilensteine und in Ehren ergraute Klassiker am laufenden Band ab. Renegade führte Genre-Standards ein. Double Dragon erweiterte sie und brachte Koop-Action auf den Tisch. River City Ransom hob leichte RPG-Elemente unter und lehrte uns den legendären Ausruf „Barf!“. Doch 1996 war Schluss. Technos erlebte den denkbar schlechtesten aller Tage und ging pleite. Die Firma trieb mit dem Bauch nach oben im Gewässer der Spieleentwickler, doch ihr Andenken lebt weiter dank einer Firma namens Millios,die seitdem fleißig Sequels zusammenklöppelt und auch die Klassiker selbst zum Download feilbietet. So hat mittlerweile die NES-Fassung von Renegade die europäische Virtual Console erreicht (auf der Wii schaffte es der Titel nur nach Japan und Nordamerika), und wir fragen uns: Ist das nun ein guter Tag für deutsche Zocker?

Da ihr vermutlich eh schon auf die Wertung unten gespinkst haben dürftet, nehmen wir wohl nicht zu viel vorweg, wenn wir sagen: Nein, ist es leider nicht. Dabei klingt die Prämisse gar nicht schlecht und erinnert wohlig an Final Fight, Streets of Rage und co. In der Rolle des herrlich absurd „Mr. K“ getauften Helden, der unseres Wissens keine verwandtschaftliche Beziehung zu „Agent K“ hat, ziehen wir aus, üblen Straßenbanden volles Pfund die Kauleiste gerade zu rücken. Als kaum notwendige Begründung dafür muss die Entführung unserer Freundin herhalten. Wie für das Genre üblich bekommen wir im Spielverlauf kaum mit, dass es überhaupt eine Story gibt, und wir ein Ziel verfolgen, aber das ist in dieser auf griffige und einsteigerfreundliche Action ausgelegten Art von Spiel in der Regel leicht zu verschmerzen, wenn denn das Gameplay mitspielt.

Ja, wenn. Leider merkt man hier gerade dem NES-Port von Renegade doch sehr sein Alter und seinen Status als Pionier an. 1986 bewegten wir uns in Sidescrolling Beat'em Ups noch auf einer einzigen zweidimensionalen Ebene von links nach rechts. Feinde kippten in der Regel mit einem einzigen Treffer aus den Latschen. „Combo“ war höchstens ein anderer Begriff für ein Menü beim Fastfood-Laden um die Ecke. Renegade änderte all das, ließ uns erstmals frei in die Tiefe gehen und erlaubte Schlagkombinationen und sogar Angriffe auf am Boden liegende Feinde, sowie Würfe. Was ehedem ein andächtiges „Holla-die-Waldfee“ entlockte, kennen wir mittlerweile aus hunderten Titeln der 80er und 90er, die die Formel oft sinnvoll weiterentwickelten.

Renegade dagegen ruht sich weitestgehend darauf aus und zeigt sich 2014 erschreckend anachronistisch und wenig ausgefeilt. Die einzelnen Levels bestehen aus einer kleinen Arena, die lediglich ein oder zwei Bildschirme misst. Feinde unterscheiden sich optisch nur zwischen den Levels und spielerisch schonmal überhaupt nicht. Sie laufen auf Mr. K zu, versuchen ihn gemeinsam in die Klemme zu nehmen, und dreschen dann auf ihn ein. Fertig. Manche von ihnen schwingen noch eine Waffe, doch ändert das wenig an ihrem oder unserem Vorgehen. Wir versuchen eigentlich nur, einen Gegner zu isolieren und prügeln ihn dann unsererseits so schnell wie möglich über den Jordan.

Dazu stehen uns kaum Mittel zur Verfügung. Ein Knopf lässt uns nach links angreifen, der andere nach rechts. Je nachdem, in welche Richtung wir dabei schauen, schlagen wir nach vorne oder treten nach hinten. Drücken wir beide Knöpfe gemeinsam, dann führen wir einen Sprungkick aus, der an Nutzlosigkeit seinesgleichen sucht, da er nur gerade nach oben wirkt. Immerhin können wir auch sprinten und im Lauf attackieren, was die Genrekonkurrenz erst viele Jahre später flächendeckend übernahm. Dennoch bleibt unser Arsenal damit nach heutigen Maßstäben erschreckend klein, zumal wir keine Waffen finden können, und auch sonst kaum Abwechslung im Spielverlauf „droht“, da auch Bosskämpfe wenig mehr sind, als Duelle mit größeren, widerstandsfähigeren und frustrierenderen Standardschergen. Generell schlägt das Frust-Barometer bei Renegade regelmäßig an, wenn wir nicht extrem behutsam vorgehen. Die Gegner nehmen uns schnell in die Zange, sodass wir oft von hinten Treffer einstecken, wenn wir gerade einen anderen Punk bearbeiten. Auch hat man oft das Gefühl, selbst mit optimalem Timing eine Combo nicht zu Ende führen zu können, da das malträtierte Gegenüber sich blitzschnell regeneriert und dazwischenfunkt.

Fazit:

Spieler des letzten Jahrtausends haben Renegade viel zu verdanken. Sein Einfluss auf ein ganzes, ehemals pulsierendes Genre ist nicht zu leugnen, und ohne die Straßenkeilerei wären wir womöglich niemals in den Genuss von Final Fight, Streets of Rage, TMNT IV und vielen, vielen anderen Klassikern gekommen. Dafür: Danke, Renegade. Doch schützen Alter und vergangene Sternstunden vor Häme nicht, wenn die Leistung heute nicht mehr stimmt. Thomas Schaaf kann ein trauriges Liedchen davon singen. Und auch Renegade fällt heutzutage in tiefe Ungnade. Angesichts besserer Alternativen springen das extrem simple Gameplay, die fehlende Abwechslung, der Frustfaktor, die wenig berauschende Grafik und ganz besonders der fehlende Zweispielermodus direkt ins Auge und setzen sich dort schmerzhaft fest. Wahrlich, einen schlechten Tag hat jeder mal. So auch die Virtual Console.

Wertung:

2.0

Burkhart von Klitzing meint:

"Rene Gade gar nicht."
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5 Kommentare:


Nakuri
vor 7 Jahren | 0
Kommentar

Der R
vor 7 Jahren | 0
Mein Beileid fürs Testen ;) ...

Wario
vor 7 Jahren | 0
Burki @

Arme Sau.. :p

Nu weißt de wie sich Lars gefühlt haben muss als er "The Walking Dead" testen "durfte".. :D


KeeperBvK
vor 7 Jahren | 0
Danke für das Beileid. ;)

Belphegor
vor 7 Jahren | 0
Ich hätte sooooo gerne den Test zu TWD gemacht! :-(