Test: Double Dragon

Von Burkhart von Klitzing am 20. März 2014

Wir schütteln uns und vergessen die vergangene Woche ganz schnell. Wozu in der (nahen) Vergangenheit leben, wenn der Blick nach vorne so viel verheißungsvoller ist? Denn bei Publisher Arc System Works scheinen die großen Technos-Wochen ausgebrochen zu sein, und so folgen auf das hoffnungslos antiquierte Renegade diese Woche Super Dodge Ball und Double Dragon. Fans des vor Jahren geschlossenen Kultstudios Technos reiben sich jetzt bereits die Hände, denn Street Gangs (auch bekannt als River City Ransom) dürfte nicht mehr weit sein, doch bis dahin nehmen wir eben mit dem ersten NES-Ableger von Double Dragon vorlieb. Ein Highlight seines Genres mag das heute nicht mehr sein, doch gerade im Vergleich zu Renegade macht der doppelte Drache eine ordentliche Figur.

Die Story ist genregemäß dünn: Billy Lee ist ein angesehener Kampfsport-Experte, was auch neidische blicke böser Buben auf sich zieht. Die "Black Warrior" betitelten Spitzbuben entführen schließlich Billys Freundin, um seine Kampfgeheimnisse zu erpressen. In bester „Actionheld der 80er“-Manier geht unser Held weder auf die Forderungen ein, noch wird die Polizei eingeschaltet oder ein subtiler Weg angegangen, sondern schlichtweg der Weg zum Boss der Truppe im Alleingang freigeprügelt. In gerade einmal vier für das NES durchaus optisch ansehnlichen Levels warten nun Punks, Muskelmänner und peitschenschwingende Damen auf die Prügel ihres Lebens. Daneben stehen wie gehabt einige Bosskämpfe an, die sich ähnlich wie normale Kämpfe geben, nur mit mehr Lebensenergie auf feindlicher Seite.

Billy beherrscht zu Beginn praktisch nur Tritte und Schläge, die anders als bei Renegade jederzeit in beide Richtungen genutzt werden können. Sprünge erfüllen anfangs noch keinen Zweck. Doch mit der Zeit erlernt er weitere Moves wie Sprungkicks und Kinnhaken, was spannender klingt, als es letztlich ist. Denn oft verlassen wir uns doch nur auf Tritte mit gelegentlichen Sprungeinlagen. Schläge haben eine zu kurze Reichweite, Kopfnüsse sind zu langsam und zu häufige Sprünge scheitern an den Ausweichmanövern der Kontrahenten. Dass wir unsere Moves erst freischalten suggeriert zudem mehr Komplexität, als tatsächlich gegeben ist. Heimsen wir genug Punkte durch Treffer ein, erreichen wir nach und nach neue Erfahrungsstufen, die unser Repertoire erweitern. Wir haben keine Möglichkeit, zwischen verschiedenen Belohnungen zu wählen, und da der Spielverlauf fest vorgegeben ist, kommen wir auch bei jedem Durchgang ungefähr zur selben Zeit in den Genuss der Verstärkungen.



So mancher niedergeknüppelter Gegner hinterlässt ein kleines Geschenk in Form einer Waffe. Wurfmesser, Tonnen, Peitschen und Bomben helfen, die etwas monotonen Kämpfe aufzulockern. Ein Hauptproblem der NES-Fassung von Double Dragon ist der schwachen Hardware geschuldet. Nintendos 8-Bitter erlaubt maximal zwei Feinde gleichzeitig auf dem Schirm, und diese dürfen sich optisch nicht einmal voneinander unterscheiden. Letzteres ist insofern kein allzu großer Beinbruch, da sich die Gegner ohnehin kaum voneinander unterscheiden. Ob wir nun Damen ihre imposanten Dauerwelle geradeziehen oder einfache Schläger vermöbeln, am Ablauf ändert sich nicht viel. Unser Vorgehen ändert sich einzig mit dem steigenden Schwierigkeitsgrad von Level zu Level.

Anders als die gleichförmigen Gegnerhorden, die eben nie in Horden kommen, glänzt das Leveldesign mit überraschend viel Abwechslung: Laufbänder, Abgründe und strikt zweidimensionale Abschnitte halten das knapp 25 Minuten lange Spiel durchgehend einigermaßen frisch.

Der Name "Double Dragon" ist für den NES-Port indes etwas unglücklich, denn, was Mega Drive und sogar Master System zu leisten vermochten, das blieb dem NES verwehrt: Der Koop-Modus für zu Hause. Stattdessen können ein oder zwei Spieler in einem separaten Modus gegeneinander antreten, der an eher an Prügelspiele à la Street Fighter erinnert. Mit der Spielmechanik eines Sidescrolling-Beat'em Ups, wohlgemerkt. Das gibt ein Fleißsternchen für die Entwickler, doch Spaß macht das aufgrund der arg beschränkten Möglichkeiten keine fünf Minuten.

Double Dragon ist einer dieser Titel, die definitiv von den Save States der Wii U profitieren. Der Tod kommt ab Level 3 schnell, sei es im Kampf gegen Boss Abobo oder beim Sprung über eine zerstörte Brücke genau vor die Füße eines Messer schwingenden Punks. Sind alle Leben futsch, geht es zurück in Level 1 – also nutzen wir ungeniert die Möglichkeit der eigenen Speicherstände. Dann sind wir allerdings auch flott durch.

Fazit:
Kein Koop-Modus, eine selbst im Genre-Vergleich extrem kurze Spielzeit, öde und wenige Feinde – die Liste der Kritikpunkte liest sich wie ein Best Of der schlimmsten Sünden des Genres. Dank des ordentlichen Leveldesigns und des grundsoliden Gameplays rettet sich Double Dragon aber noch in die Weihen des Mittelmaßes. Wer Final Fight 1-3 nebst Brawl Brothers schon ausgereizt hat und sich nach mehr Prügel-Action sehnt, der kann mit dem Download liebäugeln. Oder doch gleich auf Street Gangs warten.

Wertung:

5.0

Burkhart von Klitzing meint:

"Doppelter Drache ganz allein."
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3 Kommentare:


Nakuri
vor 7 Jahren | 0
Kommentar

Der R
vor 7 Jahren | 0
Ich hätte wetten sollen, dass der Test von dir ist :D

KeeperBvK
vor 7 Jahren | 0
Hehe, abwarten, ob das so bleibt. Der gute Andreas hat auch mal wieder ein VC-Review in der Pipeline. ;)