Test: Ninja Gaiden

Von Burkhart von Klitzing am 28. März 2014

Vor sieben Jahren war die Welt von Ryu Hayabusa noch in Ordnung. Gut, seine Welt war auch damals voller Terroristen, mystischer Monster und anderer wenig kuschelbereiter Gesellen. Doch der Ninja mit dem Namen eines Motorrads wurde dafür damals dementsprechend entlohnt. Seine Heimkonsolen-Abenteuer standen hoch im Kurs, der DS bekam sein eigenes Kleinod der Ninja Gaiden-Serie und selbst seine Prügel-Ausflüge in die Doppel-D-Arenen von Dead or Alive gehörten zu den großen Namen des Spielemarktes. Wii-Fans durften sich damals immerhin über den VC-Release des ersten NES-Teils freuen. Und nun sieben Jahre später? Dead or Alive fristet ein Nischendasein mit Ports auf der Vita, die Hauptserie ist mit Teil 3 für viele gestorben, und selbst Mastermind Inafune setzte den Ableger Yaiba: Ninja Gaiden Z grandios in den Sand. Und Wii U-Fans, die spielen wieder einmal den ersten NES-Teil und vergessen den Rest der Welt.

Ninja Gaiden ist im Herzen ein weitestgehend klassisches Jump’n Run, das uns allerdings nicht auf Feindeshäupter springen, sondern ein Katana schwingen lässt. Stets unter dem Druck eines strengen Zeitlimits und endloser Feinde durchlaufen wir recht ansehnliche, lineare Areale, stets den Tod vor Augen. Frei schwebende Objekte wie Kästen, Fackeln oder übergroße Insekten (!) beherbergen diverse Goodies. Wer da "Hoppla, Castlevania!" ausruft, hat nicht ganz Unrecht, und so sammeln wir auch hier wie schon bei den Kerzen in Draculas Gemäuer Extrawaffen (Shuriken), Punkte oder sogar Magie. Bei den kniffligen Sprungpassagen hilft dies zwar nicht weiter, doch der Held verfügt zum Glück über die Agilität, die seinem Berufsbild entspricht. Wände dienen zum Festhalten und werden in Zick-Zack-Sprüngen erklommen. Wenn sich Ryu derart festklammert, ist das nicht nur ungemein nützlich, sondern versprüht obendrein ordentlich Ninja-Flair und gibt dem Spieler trotz 8-Bit-Beschränkungen tatsächlich das Gefühl, einen japanischen Elitekiller zu verkörpern.

Im Laufe des ordentlich langen Abenteuers fährt Tecmo eine Vielfalt unterschiedlicher Settings auf, präsentiert eine großartige musikalische Untermalung, spannende Bosskämpfe und sogar Zwischensequenzen. In hübsch gezeichneten Standbildern wird die Geschichte vorangetrieben und Stimmung aufgebaut, wie man es sonst kaum vom NES kennt. Zu Stimmung kommt es jedoch auch innerhalb der Levels, wenn wiederholt Frust aufkommt. Zwar hält Ryu einige Treffer aus, bevor er das Zeitliche segnet, aber für die zahllosen Abgründe gilt das freilich nicht. Mal endet ein Sprung ins Unbekannte in einen zuvor nicht sichtbaren Feind. Mal wagen wir eine kurze Rückwärtsbewegung, die urplötzlich einen Hund ins Bild laufen lässt. Und in solchen Fällen kann man sich gerade in den späteren Levels fast sicher sein, dass das nächste tiefe Loch nicht weit sein kann.

So laufen wir auch Gefahr, in ein nicht minder tiefes Loch der Frustration zu fallen (nein, wie poetisch). Nur selten fühlen wir uns den zahlreichen Gefahren wirklich ausreichend gewachsen, etwa wenn ein schützendes Flammenrad das gröbste Unheil für einige Sekunden einfach verpuffen lässt. Meist hingegen eilen wir panisch voran, immer in der Hoffnung, doch bald wieder einen Checkpoint zu erreichen. Als besonders fies erweisen sich dabei die Endgegner. Nehmen wir bei kniffligen Sprungpassagen noch die neue Save State-Funktion dankend mit Kusshand an, so versagt das nette Feature im Duell mit den dicken Brocken weitestgehend. Denn kommen wir etwa nur mit halber Lebensenergie in den Bosskampf, dann helfen nur noch genaue Kenntnisse des Kontrahenten und wieselflinke Reflexe.

Allgemein ist Ninja Gaiden wie auch etwa Castlevania ein Titel, der viel Auswendiglernen voraussetzt. Bei den ersten Versuchen sterben wir ab Welt 2 zunächst einen Tod nach dem anderen, bis wir uns nach und nach in die Gefahren hineinfuchsen, die da vor uns liegen mögen. Im Vergleich zu Castlevania ist dabei zwar die Reichweite unserer Standardwaffe wesentlich geringer, dafür bewegt sich so ein Ninja aber auch um einiges flotter und springt flexibler als es Simon Belmont im Lendenschurz vermag.

Fazit

So ein Ninja-Leben hat es in sich. Wir springen von Wand zu Wand, hetzen durch interessante Settings, lernen nach und nach anspruchsvolle Abschnitte auswendig, perfektionieren sie...und fallen dann doch zum hundertsten Mal in diese eine verfluchte Grube, weil schon wieder so ein #*@!! Ähem *räusper* Entschuldigung. Nun ja, Ninja Gaiden ist schwierig, aber dabei selten unfair – und hinter dem harten, unverzeihlichen Kern steckt ein astrein spielbares Action-Kleinod.

Wertung:

8.0

Burkhart von Klitzing meint:

"Schnelle und harte Action für alle, die Abgründe nicht fürchten."
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3 Kommentare:


Denios
vor 7 Jahren | 0
Bin komplett deiner Meinung ;)
Das beste Ninja Gaiden bisher!

Belphegor
vor 7 Jahren | 0
Da das Game auf dem NES noch Cut war und die erste uncut VÖ auf der Wii VC vollzogen wurde, stellt sich mir nun die Frage ob diese VÖ auch uncut ist? Ansonsten müsste ich mir diesen Klassiker echt mal zulegen.

Belphegor
vor 7 Jahren | 0
Hab's mir grad spontan für meinen zweiten Premium Network Code gekauft. Hammer hart. Das ist noch echte 80er "Coregamer" Action. Die ersten beiden Stages sind schon schwieriger als der gesamte Heromode-Lappenmode von ALBW!