Test: Metroid Fusion

Von Lars Peterke am 02. April 2014

Als Super Metroid 1994 für das SNES erschien, waren Gameplay, Setting und besonders die Atmosphäre des Titels für seine Zeit ein echter Meilenstein. Dennoch begrub Nintendo die Serie danach zunächst. Das Nintendo 64 bekam kein neues Abenteuer mit Samus Aran spendiert, sodass Fans der Kopfgeldjägerin ganze acht Jahre warten mussten. Während die Retro Studios dann 2002 mit Metroid Prime Samus‘ erstes 3D-Abenteuer und damit einen der besten Titel der Konsolengeneration ablieferten, kreierten die Super Metroid-Entwickler bei Nintendo Research & Development 1 mit Metroid Fusion einen neuen 2D-Titel für den Game Boy Advance.

Metroid Fusion liegt chronologisch weit ab von den anderen Ablegern der Reihe und erzählt daher Samus‘ aktuellste Mission. Bei einer Erkundungsmission mit Mitgliedern des Biologic Space Laboratories auf dem Planeten SR388 wird die Gruppe vom sogenannten X-Parasiten angegriffen. Er infiziert seine Opfer und ist danach in der Lage ihre Erinnerungen sowie das physikalische Auftreten zu kopieren. Genau dies widerfährt Samus Aran, die zwar dank eines Gegenmittels von dem Forschungsteam gerettet werden kann, nun aber mit den Konsequenzen umgehen muss. Fortan muss sie eine spezielle Suit tragen, ist aber auch gegen den X-Organismus immun und kann ihn absorbieren. Das ist auch bitter nötig, denn wenig später verbreiten sich die X-Parasiten auf der gesamten Raumstation. Zusätzlich entwickelt Samus‘ alte, von den X infizierte Suit ein Eigenleben als SA-X und macht fortan Jagd auf die Weltraum-Amazone.

Die Entwickler haben sich bei Metroid Fusion sichtlich ausgetobt. Das Element eines unbezwingbaren Gegners, der einen in bestimmten Spielsituationen in bester Clock Tower-Manier verfolgt und zur Flucht zwingt ist bis heute einzigartig für ein Metroid-Spiel. Fast wichtiger ist aber die Tatsache, dass Metroid Fusion als erster Metroid-Titel mit einer voll ausgereiften Story daherkommt. An allen markanten Punkten des Spiels gibt es spezielle Kommunikationsterminals, über die ihr mit eurem Kommandanten Adam Malkovich korrespondiert und eure nächsten Missionsziele erhaltet. Dieser Aspekt wird hin und wieder durch zusätzliche Monologe von Samus vertieft. Dabei ist den Entwicklern genau die richtige Mischung gelungen. Das Spiel gewinnt an Tiefe, ohne dabei jedoch den Fokus zu verlieren. Eine Balance, die in Metroid: Other M nicht so gut gelungen ist.

Auch im Spielaufbau gibt es im Vergleich zu anderen Metroid-Titeln klare Unterschiede. So ist der Titel über weite Strecken recht linear gehalten und ihr erkundet nach und nach die einzelnen Sektoren der BSL-Raumstation. Erst später im Spielverlauf wandelt ihr abseits der Wege und müsst Backtracking in Kauf nehmen. Dies tut der Sache aber keinen Abbruch, denn auch in Metroid Fusion gibt es genug clevere Verstecke und ihr müsst eure Augen stets offen halten um genug Missiles und Energy-Tanks für den nächsten schwierigen und inszenatorisch sehr gut umgesetzten Bossgegner zu besitzen. Außerdem werden sich manche Areale mitsamt ihrem Gegneraufkommen im Spielverlauf verändern, sodass ihr fortlaufend überrascht werdet.

Auch spielerisch wurden einige Anpassungen vorgenommen. So kann Samus sich beispielsweise an Vorsprüngen festhalten und hochziehen, was mehr Varianz im Leveldesign möglich macht. Das Handling der Morphball-Bomben fällt ebenfalls etwas anders aus. In Sachen Präsentation gehört Metroid Fusion sicherlich zu den besten Titeln für den Game Boy Advance. Der Soundtrack überzeugt und schreit förmlich nach einem ausgiebigen Konsum via Kopfhörer. Auch die Grafik steht dem in nichts nach und besticht besonders durch die vielfältigen Hintergründe und Animationen.

Fazit:

Metroid Fusion gehört spielerisch wie auch audiovisuell zu den besten Titeln auf dem Game Boy Advance und steht auf Augenhöhe mit Konamis erstklassigen Castlevania-Ablegern. Objektiv gibt es also eigentlich nichts an dem Titel auszusetzen und der persönliche Geschmack entscheidet. Während einige Fans den Titel für seinen linearen Ansatz kritisieren, wird er von anderen Spielern genau hierfür vergöttert, da diese Gameplay-Ausrichtung mit spannenden neuen Spielelementen und einer sehr gut eingeflochtenen Story Hand in Hand geht. Auch der Spielumfang fällt im Vergleich mit anderen Metroid-Titeln leicht ab. Sein Geld ist der Titel aber mindestens zweimal wert.

Zweite Meinung von Burkhart von Klitzing:

Mein jugendliches Ich musste sich 2002 einer Enttäuschung stellen. Satte acht Jahre nach dem brillianten Super Metroid waren die Hoffnungen auf den ersten Nachfolger aber auch in Höhen geschnellt, die selbst Samus mit Screwattack kaum erreichen konnte. So kam es, wie es kommen musste: Metroid Fusion war kaum mehr als ein netter kleiner Trittstein zwischen dem SNES-Meisterwerk und dem nicht minder revolutionären Metroid Prime.

Das liegt nicht nur an den hohen Erwartungen, sondern ist auch ein gutes Stück weit hausgemacht, denn der erste GBA-Ableger schmiss liebgewonnene Tugenden über Bord oder verschlimmbesserte sie zumindest. Wo die Atmosphäre zuvor noch so dicht war wie ein Trupp Australier auf dem Oktoberfest, da lauschen wir nun Monologen und erkunden ungewohnt bunte Areale. Abgesehen von den clever inszenierten Begegnungen mit SA-X flößt uns auch kein Boss solchen Respekt ein, wie es noch ein riesiger Kraid oder ein grausam dahinschmelzender Crocmire vermochten.

Überhaupt ist Samus' viertes Abenteuer arg einfach und zudem ziemlich kurz ausgefallen. Klar, die Metroid-Reihe war noch nie für stundenlange Epen bekannt, doch durch die hilfreichen Richtungsangaben sind wir diesmal noch schneller durch, fühlen uns an die Hand genommen und verlieren noch weiter das Gefühl, eine einsame, durch und durch unfreundliche Welt zu erkunden.

Trotz aller Kritikpunkte ist auch Metroid Fusion ein gutes Spiel. Das verdankt es seiner tadellosen Spielbarkeit, den zahlreichen Items und nicht zuletzt einem teuflisch schwierig versteckten Geheimnis, das man so heutzutage in keinem Nintendo-Titel mehr erwarten kann. Der Vergleich mit dem Rest der Serie fällt da kritischer aus. Other M habe ich persönlich nie gespielt, doch davon abgesehen ist Metroid Fusion der wohl schwächste Serienteil. Lars spricht davon, dass Metroid Fusion nie seinen Fokus verliert. Stimmt, und genau das steht dem Titel nicht gut zu Gesicht.

Wertung:

9.0

Lars Peterke meint:

"Metroid Fusion ist ein hervorragendes 2D-Metroid, bricht aber auch mit Traditionen"
Hinweis: die Kommentarsektion ist aktuell geschlossen.

8 Kommentare:


Konoe A. Mercury
vor 7 Jahren | 0
Einer meiner liebliungs Metroid Teile, werd ich mir auf jeden Fall holen. Und das erste mal bin ich nicht mit Burkhart einer Meinung (Test ist von beiden trotzdem wie immer super geschrieben). Gerade was die Bosse angeht finde ich einen Nightmare aus Metroid Fusion hundert mal furchteinflössender als einen Kraid, der zwar groß ist, aber auch immobil und wenig einsteckt.

Eventuell noch eine kleine Berichtigung:
Samus bekommt keine Aufträge von Adam Malkovich da dieser bereits vor Beginn des Spiels verstorben ist. Die KI mit der sie kommuniziert erinnert sie nur an ihn.

KeeperBvK
vor 7 Jahren | 0
Ich hab meine Meinung teilweise extra etwas bissig formuliert, um einen Gegenpol zu dem Überschwung von Lars zu bilden. Ich kann mir schon gut vorstellen, dass mir nur wenige so zustimmen werden, denn Metroid Fusion ist ja (wie praktisch alle Teile) sehr beliebt. Mit Kritik an meinem Urteil kann ich hier also bestens leben. ^^
Aber mein Urteil steht: Ein gutes Spiel, aber ein schwaches Metroid.

djmikymike
vor 7 Jahren | 0
Es ist mein absolutes Lieblingsmetroid. Wie es auf dem Wii U ist kann ich nicht sagen auf dem GBA damals ging es rauf und runter und ich konnte es nicht weglegen und habe es immer wieder und wieder durchgespielt. Schon der Sound ist genial. Die neuen Teile können da nicht mithalten ist aber meine Meinung!!!

Johnny
vor 7 Jahren | 0
Das war mein erstes Medroid was ich gezockt habe...und ich liebe es und finde bis heute, dass es einer der besten Teile ist:-). Ich hab zu Hause noch das GBA Modul und noch den Player am Cube......aber irgendwie fänd ich es doch genial das aufm PAD zu zocken. Das gleiche gilt für Advance Wars:-).

Blacksierra
vor 7 Jahren | 0
Erstmal vielen Dank für den Test, aber was mir gerade zu kurz kommt (oder ich habs überlesen) wie macht sich das Teil auf dem grossen Screen ??
Ein gutes Spiel auf nem Handheld könnte ja auf nem Fernseher zu Augentripper führen ...

Chris
vor 7 Jahren | 0
"Eventuell noch eine kleine Berichtigung:
Samus bekommt keine Aufträge von Adam Malkovich da dieser bereits vor Beginn des Spiels verstorben ist. Die KI mit der sie kommuniziert erinnert sie nur an ihn."

Ich hab mich auch etwas gewundert, als ich das gelesen habe. Malkovich ist doch in Other M gestorben, oder?

Denios
vor 7 Jahren | 0
Also erstmal: Ich stimme dem Test größtenteils zu, gebe dem Spiel aber "nur" eine 8.5, es ist supergeil, fühlt sich aber halt leider an vielen Stellen wie der kleine Bruder von Super Metroid an. Es kommt mir fast so vor, als hätten es die Entwickler gar nicht erst versucht, ihr SNES-Meisterwerk zu übertreffen.
@Keeper: Also Zero Mission fand ich auch noch richtig geil und bis auf das an-die-Hand-nehmen deutlich besser als die Original-Version auf dem NES^^

*Wer nicht gespoilert werden will, bitte nicht weiterlesen!!!!*

@Konoe: Die KI erinnert Samus nicht nur an Adam ;) Es ist tatsächlich seine "Persönlichkeit", die vor seinem Tod auf einen Computer kopiert wurde.

KeeperBvK
vor 7 Jahren | 0
Das stimmt, Denios, Zero Mission ist noch einmal ein gutes Stück besser. :)